Seborrhoisches Ekzem – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch ein seborrhoisches Ekzem (entzündlich-schuppende Hauterkrankung) mitbedingt sein können:

Augen und Augenanhangsgebilde (H00-H59)

  • Seborrhoische Blepharitis (entzündliche Lidrandentzündung bei seborrhoischem Ekzem) bei Beteiligung der Lidkanten mit erythematösen (geröteten), schuppenden Lidrandveränderungen; klinisch relevant insbesondere bei chronisch-rezidivierendem Verlauf (langwierig-wiederkehrendem Verlauf), Fremdkörpergefühl, Brennen, Krustenbildung und begleitender Meibomdrüsendysfunktion (Funktionsstörung der Talgdrüsen am Lidrand) [1, 7, LL1]
  • Blepharokonjunktivitis (Entzündung von Lidrand und Bindehaut) bei entzündlicher Mitbeteiligung der Bindehaut im Rahmen einer ausgeprägten seborrhoischen Lidrandentzündung; die Evidenz beruht überwiegend auf klinischen und ophthalmologisch-dermatologischen (augenheilkundlich-hautärztlichen) Übersichtsarbeiten, nicht auf randomisierten Verlaufsstudien (Studien mit zufälliger Gruppenzuteilung zum Krankheitsverlauf) [7]
  • Keratitis (Hornhautentzündung) bei schwerer, chronischer oder unzureichend behandelter okulärer Beteiligung (Augenbeteiligung); seltene, aber klinisch relevante Komplikation der entzündlichen Augenoberflächenbeteiligung [7]

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Sekundäre bakterielle Superinfektion (zusätzliche bakterielle Infektion) bei ausgeprägt entzündlichen, nässenden, exkoriierten (aufgekratzten) oder verkrusteten Läsionen (Hautveränderungen); insgesamt selten, aber begünstigt durch akute Schübe, Barrierealteration (Störung der Hautschutzbarriere), Kratzen, intertriginöse Lokalisation (Lage in Hautfalten) und Lidbeteiligung [1, 2]
  • Exkoriationen, Erosionen (oberflächliche Hautdefekte) und Krustenbildung durch Pruritus (Juckreiz), mechanische Irritation (Reizung) und Kratzen, insbesondere bei entzündlichen Schüben oder unzureichend kontrollierter Erkrankung [1, 2, LL1]
  • Otitis externa (Entzündung des äußeren Gehörgangs) bei seborrhoischer Beteiligung des äußeren Gehörgangs mit Schuppung, erythematöser Entzündung, Juckreiz und möglicher Obstruktion (Verlegung) durch Schuppenmaterial [1, 2]
  • Chronisch-rezidivierender Verlauf mit wiederholten Exazerbationen (Verschlechterungsschüben), besonders beim adulten (erwachsenen) seborrhoischen Ekzem; eine dauerhafte Heilung ist nicht gesichert, häufig ist eine Erhaltungstherapie (dauerhafte vorbeugende Behandlung) erforderlich [1-4, LL1]
  • Ausgedehntes beziehungsweise schweres seborrhoisches Ekzem mit Beteiligung mehrerer seborrhoischer Areale (talgdrüsenreicher Hautbereiche), insbesondere Kopfhaut, Gesicht, retroaurikuläre Region (Bereich hinter dem Ohr), äußerer Gehörgang, presternale Region (Bereich vor dem Brustbein) und Intertrigines (Hautfalten); klinisch relevant vor allem bei therapieresistentem (behandlungsresistentem) oder immunologisch auffälligem Verlauf [1, 2, LL1]
  • Steroidinduzierte Hautatrophie (Kortison-bedingte Hautverdünnung) und Teleangiektasien (sichtbar erweiterte kleine Hautgefäße) als therapieassoziierte Komplikation (behandlungsbedingte Folge) bei wiederholter, längerfristiger oder unsachgemäßer Anwendung topischer Glucocorticoide (äußerlich angewendeter Kortisonpräparate), insbesondere im Gesicht, periokulär (um das Auge herum) und in intertriginösen Arealen [1, 4, LL1]

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Beeinträchtigung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität durch chronisch-rezidivierende, sichtbare, schuppende und erythematöse Hautveränderungen; die Einschränkung korreliert (steht im Zusammenhang) insbesondere mit Erkrankungsschwere, Pruritus und sichtbarer Lokalisation [5, 6]
  • Psychosoziale Belastung bei sichtbarer Gesichts-, Kopfhaut-, Lid- oder Ohrbeteiligung, insbesondere durch Schuppenbildung, Erythem (Hautrötung), Pruritus, kosmetische Stigmatisierung (sichtbare als belastend empfundene Auffälligkeit) und rezidivierende Schübe [5, 6]
  • Angstsymptome beziehungsweise erhöhte angstbezogene Belastung als patientenberichtete Begleitfolge, insbesondere bei stärkerer subjektiver Krankheitsbelastung und sichtbarer Lokalisation [5, 6]
  • Schlafstörungen bei relevantem Pruritus, Brennen oder entzündlicher Reizung, insbesondere bei akuten Schüben und ausgedehnter Kopfhaut-, Lidrand- oder Intertriginesbeteiligung [1, 5, 6]

Prognosefaktoren

  • Ausdehnung und Lokalisation; Gesicht, Kopfhaut, Lidkanten, äußerer Gehörgang und Intertrigines erhöhen funktionelle, kosmetische und psychosoziale Belastung [1, 5-7, LL1]
  • Schweregrad von Erythem, Schuppung, Infiltration (Gewebeverdichtung) und Pruritus; höhere klinische beziehungsweise subjektive Schwere ist mit stärkerer Einschränkung der Lebensqualität assoziiert (verbunden) [5, 6]
  • Chronisch-rezidivierender Verlauf; adultes seborrhoisches Ekzem neigt häufig zu Schüben und erfordert nicht selten eine langfristige Erhaltungstherapie [1-4, LL1]
  • Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems), insbesondere HIV-Infektion (Infektion mit dem humanen Immundefizienzvirus), Organtransplantation oder hämatologische Grunderkrankung (Erkrankung des Blutes oder blutbildenden Systems); schwere, ausgedehnte, therapieresistente oder atypische Verläufe sollen differentialdiagnostisch (zur Abgrenzung anderer Ursachen) an eine zugrunde liegende Immunsuppression denken lassen [1, 2, LL1]
  • Neurologische Erkrankungen (Erkrankungen des Nervensystems), insbesondere Parkinson-Krankheit (Schüttellähmung), sowie weitere neurologische oder psychiatrische Komorbiditäten (Begleiterkrankungen); diese sind als assoziierte Prädispositions- beziehungsweise Schweregradfaktoren (begünstigende beziehungsweise die Schwere beeinflussende Faktoren) zu werten, nicht als Folgeerkrankungen des seborrhoischen Ekzems [1, 2]
  • Barrierealteration, Pruritus und Kratzen; diese Faktoren begünstigen Exkoriationen, Krustenbildung, sekundäre bakterielle Superinfektion und Schlafstörungen [1, 2, 5, 6]
  • Unsachgemäße oder zu lange Anwendung topischer Glucocorticoide, insbesondere im Gesicht, periokulär und in Hautfalten; erhöhtes Risiko für Hautatrophie und Teleangiektasien [1, 4, LL1]

Literatur

  1. Dall’Oglio F, Nasca MR, Gerbino C, Micali G: An Overview of the Diagnosis and Management of Seborrheic Dermatitis. Clinical, Cosmetic and Investigational Dermatology. 2022;15:1537-1548. https://doi.org/10.2147/CCID.S284671
  2. Borda LJ, Wikramanayake TC: Seborrheic Dermatitis and Dandruff: A Comprehensive Review. Journal of Clinical and Investigative Dermatology. 2015;3(2):10.13188/2373-1044.1000019. https://doi.org/10.13188/2373-1044.1000019
  3. Okokon EO, Verbeek JH, Ruotsalainen JH et al.: Topical antifungals for seborrhoeic dermatitis. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2015;2015(5):CD008138. https://doi.org/10.1002/14651858.CD008138.pub3
  4. Kastarinen H, Oksanen T, Okokon EO et al.: Topical anti-inflammatory agents for seborrhoeic dermatitis of the face or scalp. Cochrane Database of Systematic Reviews. 2014;2014(5):CD009446. https://doi.org/10.1002/14651858.CD009446.pub2
  5. Chen J, Li C, Polaskey M, Chang C, Chovatiya R: Impact of Seborrheic Dermatitis on Quality of Life: A Systematic Review and Meta Analysis. Dermatology Practical & Conceptual. 2026;16(2):6224. https://doi.org/10.5826/dpc.1602a6224
  6. Taş Aygar G, Karataş H, Kaya E, Borazan NŞ, Kartal SP: The psychosocial dimensions of seborrheic dermatitis: A cross-sectional study on anxiety, personality, and quality of life. PLOS One. 2025;20(8):e0331030. https://doi.org/10.1371/journal.pone.0331030
  7. Alofi RM, Alrohaily LS, Alharthi NN, Almouteri MM: Ocular Manifestations in Seborrheic Dermatitis Epidemiology, Clinical Features, and Management: A Comprehensive Review. Cureus. 2024;16(9):e70335. https://doi.org/10.7759/cureus.70335

Leitlinien

  1. Naldi L, Kyrgidis A, Tiplica GS et al.: Practical recommendations for seborrheic dermatitis management: An expert consensus. Journal of the European Academy of Dermatology and Venereology. 2026. https://doi.org/10.1111/jdv.70444