Schuppenflechte (Psoriasis) – Medikamentöse Therapie
Therapieziele
- Krankheitskontrolle: möglichst vollständige Erscheinungsfreiheit, Besserung von Juckreiz, Schmerzen und Funktionsbeeinträchtigungen sowie Wiederherstellung der Lebensqualität.
- Mindestziel: PASI-75-Ansprechen am Ende der Induktionstherapie; bei Nichterreichen Therapie überprüfen und anpassen [LL1].
- Anzustrebendes Therapieziel: PASI-90-Ansprechen bzw. absoluter PASI < 2 oder DLQI ≤ 1. Befall besonderer Lokalisationen zusätzlich mit geeigneten klinischen bzw. patientenberichteten Parametern beurteilen [LL1].
- Zeitpunkt der Beurteilung: bei rasch wirkenden Arzneimitteln nach etwa 10-12 Wochen, bei langsamer wirkenden nach 16-24 Wochen; anschließend regelmäßige Verlaufskontrollen, in der Regel alle 8-12 Wochen. Wirkstoffspezifische Kontroll- und Abbruchvorgaben beachten [LL1].
- Langzeitstrategie: dauerhafte Kontrolle mit akzeptabler Sicherheit und hoher Adhärenz. Eine durch frühe Therapie gesicherte Verhinderung der Chronifizierung ist bislang kein nachgewiesener allgemeiner Behandlungseffekt [LL1].
Schweregraddefinition
- Leichte Psoriasis: BSA ≤ 10 % und PASI ≤ 10 und DLQI ≤ 10 [LL1].
- Mittelschwere bis schwere Psoriasis: (BSA > 10 % oder PASI > 10) und DLQI > 10. Die isolierte Überschreitung eines beliebigen Einzelwertes ersetzt diese kombinierte Definition nicht; die klinische Gesamtbewertung bleibt maßgeblich [LL1].
- Upgrade-Kriterien: ausgeprägter Befall sichtbarer Areale oder der Kopfhaut, Genitalbefall, Befall von Handflächen und Fußsohlen, Onycholyse (Ablösung des Nagels vom Nagelbett) oder Onychodystrophie (Veränderung der Form oder Struktur des Nagels) von mindestens zwei Fingernägeln, Juckreiz mit Kratzen sowie therapieresistente Plaques können eine formal leichte Erkrankung als mittelschwer bis schwer einordnen [LL1].
- Besondere Schwere: unter anderem PASI ≥ 20, DLQI ≥ 15, rasche Befundverschlechterung oder schwere Beteiligung von Händen, Füßen, Kopfhaut, Gesicht, Nägeln bzw. Genitalbereich. Diese Kriterien unterstützen die frühzeitige Auswahl einer wirksamen Systemtherapie [LL1].
Therapieempfehlungen
- Basistherapie bei allen Schweregraden: regelmäßige, an Hautzustand und Lokalisation angepasste Pflege; bei ausgeprägter Schuppung zeitlich begrenzte Keratolyse. Häufige Bäder oder fettarme Grundlagen sind kein allgemeingültiges Pflichtschema. Triggerfaktoren, Übergewicht, Rauchen und schädlichen Alkoholkonsum adressieren [LL1, LL2].
- Leichte Psoriasis: topische Glucocorticoide, Vitamin-D-Analoga bzw. deren Fixkombination nach Lokalisation, Ausprägung und Patientenpräferenz auswählen. Calcipotriol/Betamethasondipropionat ist eine gut belegte Option; eine starre Rangfolge für sämtliche Körperregionen ist nicht sachgerecht [8, LL2].
- Gesicht, Hautfalten und Genitalbereich: bevorzugt kurzzeitig schwache bis mittelstarke Glucocorticoide; keine routinemäßige mehrwöchige Anwendung starker oder sehr starker Präparate. Tacrolimus-Salbe bzw. Pimecrolimus-Creme können als steroidsparende Behandlung im Off-Label-Use erwogen werden [LL2].
- Kopfhaut und hyperkeratotische (mit verdickter äußerster Hautschicht) Plaques: geeignete Galenik, bei Bedarf vorgeschaltete Entschuppung und begrenzte Anwendung stärkerer Topika. Für Erwachsene steht Tacrolimus-Emulsion als zugelassene kurzfristige Behandlung leichter bis mittelschwerer Kopfhautpsoriasis zur Verfügung [5, FI1].
- Erhaltungstherapie: nach erfolgreicher Induktion Bedarfstherapie oder präparatespezifisch belegte proaktive Intervalltherapie. Für Calcipotriol/Betamethason-Sprühschaum ist eine zweimal wöchentliche Anwendung an nicht aufeinanderfolgenden Tagen vorgesehen; dieses Schema ist nicht automatisch auf alle Formulierungen übertragbar [FI2].
- Mittelschwere bis schwere Psoriasis: Eine Systemtherapie wird empfohlen. Phototherapie ist eine weitere geeignete Option, abhängig von Befall, Zugang, Risiken und Präferenz. Ein obligates Durchlaufen von Topika, Phototherapie, Methotrexat und erst anschließend Biologika besteht nicht [LL1].
- Auswahl der Systemtherapie: erwartete Wirksamkeit, notwendige Wirkungsgeschwindigkeit, Komorbiditäten, Infektionsrisiko, Organfunktion, Schwangerschaftsplanung, Applikationswunsch, Adhärenz und Wirtschaftlichkeit gemeinsam berücksichtigen. Bei erstmaliger Systemtherapie kann insbesondere bei besonderer Schwere ein Biologikum mit Erstlinienzulassung oder Deucravacitinib empfohlen werden. Wirkstoffe mit eingeschränkter Zweitlinienzulassung bleiben an die jeweiligen Zulassungsvoraussetzungen gebunden [LL1].
- • Wirksamkeitsdaten: Moderne IL‑17- und IL-23-Inhibitoren erzielen häufig hohe Hautansprechraten. Netzwerkvergleiche und historische Registerdaten begründen keine für jeden Patienten geltende Rangfolge; Langzeitsicherheit und individuelle Eignung müssen gesondert bewertet werden [1, 3, 4, LL1].
- Aktuelle Ergänzungen: Bimekizumab und Deucravacitinib sind in der aktuellen S3-Systemtherapie enthalten. Icotrokinra wurde am 28. September 2026 in der EU zugelassen und ergänzt die oralen Optionen; es besitzt noch keine substanzspezifische Empfehlung in der vorliegenden S3-Fassung. EU-Zulassung und tatsächliche Verfügbarkeit in Deutschland unterscheiden sich [LL1, FI3, FI4, FI5].
- Unzureichendes Ansprechen: Diagnose, Adhärenz, Anwendung und Komorbiditäten prüfen; zugelassene Dosisanpassung, Kombination mit Topika oder Wechsel innerhalb bzw. zwischen Wirkstoffgruppen erwägen. Systemische Glucocorticoide sind keine reguläre Psoriasistherapie [LL1].
Besondere Therapiesituationen
- Psoriasis-Arthritis (Gelenkentzündung im Zusammenhang mit Schuppenflechte): Gelenkschmerzen, Morgensteifigkeit, Daktylitis (Entzündung eines ganzen Fingers oder Zehs) und Enthesitis (Entzündung am Ansatz einer Sehne oder eines Bandes am Knochen) gezielt erfassen; bei Verdacht rheumatologische Abklärung. Die Behandlung muss Haut- und muskuloskelettale Manifestationen abdecken; Fumarate und Acitretin behandeln die Gelenkentzündung nicht ausreichend [LL1].
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: gemeinsam mit der Gastroenterologie einen für beide Erkrankungen geeigneten Wirkstoff wählen, z. B. Adalimumab, Infliximab, Ustekinumab, Guselkumab oder Risankizumab gemäß jeweiliger Indikation. IL-17-Inhibitoren bei bestehender CED vermeiden bzw. entsprechend Fachinformation nicht empfehlen; aktiver Morbus Crohn ist eine Kontraindikation für Brodalumab. Etanercept ist keine CED-Therapie [LL1].
- Herzinsuffizienz (Herzschwäche) bzw. demyelinisierende Erkrankungen (Erkrankungen, bei denen die schützende Hülle von Nerven geschädigt wird): TNF-Inhibitoren kritisch prüfen; mittelgradige bis schwere Herzinsuffizienz ist bei mehreren TNF-Inhibitoren ausdrücklich kontraindiziert. Die Fachinformationen unterscheiden sich [LL1].
- Leber- und Nierenerkrankungen: insbesondere Methotrexat, Ciclosporin und Acitretin nach Organfunktion auswählen; nicht pauschal dieselben Kontraindikationen für sämtliche Systemtherapeutika angeben [LL1].
- Kinder und Jugendliche: pädiatrische Spezialbetreuung, alters- und gewichtsabhängige Dosierung sowie konkrete Präparatezulassung beachten. Adalimumab ist ab 4 Jahren, Etanercept, Ustekinumab, Secukinumab, Ixekizumab, Guselkumab, Risankizumab und Apremilast sind unter ihren jeweiligen Voraussetzungen ab 6 Jahren zugelassen; bei Ixekizumab mindestens 25 kg, bei Apremilast mindestens 20 kg. Icotrokinra ist ab 12 Jahren und mindestens 40 kg zugelassen. Die pädiatrische Zulassung eines IL-23-Inhibitors gilt nicht automatisch für alle Vertreter [LL3, FI5, FI6, FI7, FI8, FI9, FI10, FI11, FI12, FI13].
- Schwangerschaft und Kinderwunsch: vorzugsweise geeignete Topika bzw. Schmalspektrum-UV-B; bei erforderlicher Biologikatherapie insbesondere Certolizumab pegol wegen minimaler Plazentapassage erwägen. Methotrexat und Acitretin sind kontraindiziert; Acitretin erfordert Schwangerschaftsverhütung bis 3 Jahre nach Therapieende. Präparatespezifische Vorgaben für Verhütung, Stillzeit und Impfungen exponierter Säuglinge einhalten [LL1, FI14].
- Generalisierte pustulöse Psoriasis (schwere Schuppenflechte mit großflächigen Eiterbläschen) und Erythrodermie (starke Rötung und Entzündung fast der gesamten Haut): Bei Fieber, ausgeprägtem Allgemeinzustandsverlust oder Kreislaufstörung dringliche stationäre Behandlung. Spesolimab ist für Schubbehandlung und Schubprävention der generalisierten pustulösen Psoriasis zugelassen; es ist keine reguläre Therapie der Plaque-Psoriasis [FI15].
Wirkstoffe (Hauptindikationen): Basistherapie und Keratolytika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Harnstoff | Hydratation und milde Keratolyse; auf entzündeter oder verletzter Haut häufig Brennen. |
| Salicylsäure | Großflächige, langdauernde oder okklusive Anwendung vermeiden; bei Kindern nur alters- und präparategerecht. Nicht gleichzeitig mit Calcipotriol auf derselben Fläche anwenden [LL2]. |
- Wirkweise: Verbesserung der Hydratation bzw. Ablösung von Hornschuppen.
- Indikation: unterstützende Pflege und Entschuppung; keine alleinige antientzündliche Behandlung ausgeprägter Psoriasis.
- Kontraindikationen: Salicylatüberempfindlichkeit; für Salicylsäure zusätzliche Anwendungsbegrenzungen bei Kindern sowie Nierenfunktionsstörung beachten.
- Nebenwirkungen: Brennen, Irritation; bei relevanter systemischer Salicylataufnahme Salicylatintoxikation.
Topische Glucocorticoide
Potenzklassen nach der deutschen Vierklassen-Einteilung; Konzentration und Grundlage beeinflussen die Wirkung. Mometasonfuroat gehört zur Klasse III; Methylprednisolonaceponat und Prednicarbat gehören nach Niedner zur Klasse II. Diese klinische Potenzeinteilung ist von der ATC-Gruppenzuordnung zu unterscheiden [LL2, LL7].
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Hydrocortison 0,5-1 % | Klasse I: schwach. |
| Hydrocortisonbutyrat 0,1 % | Klasse II: mittelstark. |
| Prednicarbat 0,25 % | Klasse II: mittelstark. |
| Methylprednisolonaceponat 0,1 % | Klasse II: mittelstark nach Niedner; konkrete Indikation der Formulierung beachten. |
| Mometasonfuroat 0,1 % | Klasse III: stark. |
| Betamethasondipropionat | Klasse III in üblichen dermatologischen Zubereitungen. |
| Clobetasolpropionat 0,05 % | Klasse IV: sehr stark; strenge Flächen- und Mengenbegrenzung. Shampoo besitzt ein eigenes Anwendungsschema. |
- Wirkweise: antiinflammatorisch, immunmodulierend und antiproliferativ.
- Indikation: Induktion lokalisierter Plaque-Psoriasis; Klasse III ist gut etabliert, Klasse IV für ausgewählte dicke Plaques. Gesicht und Falten benötigen niedrigere Potenz und kürzere Anwendung.
- Kontraindikationen: unbehandelte lokale Infektionen sowie Rosazea oder periorale Dermatitis im Behandlungsareal; präparatespezifische Gegenanzeigen beachten.
- Nebenwirkungen: Hautatrophie (dünner und empfindlicher werdende Haut), Striae (Dehnungsstreifen), Teleangiektasien (sichtbar erweiterte kleine Blutgefäße), Sekundärinfektionen; bei hoher Exposition Suppression der Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren-Achse. Okklusion erhöht Resorption und Nebenwirkungsrisiko.
Vitamin-D-Analoga und Fixkombination mit Glucocorticoid
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Calcipotriol 50 µg/g | Gesicht aussparen; Alters- und Mengenbegrenzungen des Präparats beachten. |
| Calcitriol 3 µg/g | Calciumstoffwechsel und lokale Verträglichkeit beachten. |
| Tacalcitol 4 µg/g | Grenzen anderer Konzentrationen und Formulierungen unterscheiden sich. |
| Calcipotriol 50 µg/g + Betamethason 0,5 mg/g als Dipropionat | Bei Erwachsenen höchstens 15 g/Tag und höchstens 30 % der Körperoberfläche; nicht auf Gesicht, Genitalien oder Hautfalten. Nicht sämtliche Darreichungen sind zur proaktiven Erhaltung zugelassen [FI2]. |
- Wirkweise: Hemmung der Keratinozytenproliferation und Förderung der Differenzierung; in der Kombination zusätzliche entzündungshemmende Wirkung.
- Indikation: lokalisierte Plaque-Psoriasis; Fixkombination auch für geeignete Kopfhautmanifestationen.
- Kontraindikationen: Störungen des Calciumstoffwechsels; zusätzliche Gegenanzeigen des Glucocorticoids bei Fixkombinationen. Schwangerschaft und Stillzeit erfordern substanzspezifische Nutzen-Risiko-Abwägung.
- Nebenwirkungen: Irritation, Erythem und Brennen; bei Überdosierung Hypercalcämie (erhöhter Calciumgehalt im Blut) bzw. Hypercalciurie (erhöhte Calciumausscheidung im Urin); steroidtypische Nebenwirkungen bei Fixkombinationen.
Topische Calcineurin-Inhibitoren
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Tacrolimus 1 mg/ml Emulsion | Zugelassen für kurzfristige Behandlung leichter bis mittelschwerer Kopfhautpsoriasis bei Erwachsenen. Nicht unter Okklusion; keine allgemeine Zulassung für Gesicht oder Falten [FI1]. |
| Tacrolimus 0,03 % bzw. 0,1 % Salbe | Psoriasisbehandlung im Off-Label-Use. Bei atopischer Dermatitis 0,03 % ab 2 Jahren, 0,1 % ab 16 Jahren zugelassen; diese Zulassung gilt nicht für Psoriasis [FI16]. |
| Pimecrolimus 1 % Creme | Off-Label-Use bei Psoriasis, insbesondere in empfindlichen Arealen [LL2]. |
- Wirkweise: Hemmung von Calcineurin und T-Zell-Aktivierung; keine steroidtypische Hautatrophie.
- Indikation: Salbe bzw. Creme für Gesicht, intertriginöse (in Hautfalten auftretende) und genitoanale Psoriasis im Off-Label-Use; Emulsion nur entsprechend zugelassener Kopfhautindikation [5, LL2, FI1].
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; aktive Infektionen im Areal zunächst behandeln. Schwangerschaft, Stillzeit, Immunsuppression und Barrierestörungen nach Formulierung individuell bewerten.
- Nebenwirkungen: meist vorübergehendes Brennen und Juckreiz, gelegentlich lokale Infektionen. Intensive UV-Exposition vermeiden; nicht mit Phototherapie kombinieren.
Dithranol und weitere besondere Topika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Dithranol | Für stabile Plaques, besonders in betreuten Behandlungssettings. Keine starre „dritte Wahl“ für alle Patienten; kein Teerderivat. |
| Steinkohlenteer | Historische Ausnahmeoption, ggf. zusammen mit UV-Therapie; Geruch, Verfärbung und toxikologische Bedenken begrenzen den Einsatz [LL2]. |
| Tazaroten | Keine regulär verfügbare Standardoption der aktuellen deutschen Versorgung; keine Gleichstellung mit etablierten Topika. |
- Wirkweise: Dithranol hemmt Zellproliferation über oxidativen Stoffwechsel; Retinoide modulieren Differenzierung; Teer wirkt unter anderem antiproliferativ.
- Indikation: ausgewählte stabile, lokalisierte Plaques; alternative Topika nur bei begründeter individueller Indikation.
- Kontraindikationen: Dithranol bei akut instabiler, erythrodermischer oder pustulöser Psoriasis und an empfindlichen Arealen vermeiden; Tazaroten ist in der Schwangerschaft kontraindiziert. Teer bei Schwangerschaft bzw. Stillzeit und relevanten Hautkrebsrisiken nicht einsetzen.
- Nebenwirkungen: Irritation und Erythem; Dithranol bzw. Teer verfärben Haut und Textilien; Teer kann phototoxisch wirken.
Konventionelle Systemtherapie
Methotrexat
Die folgenden systemischen Dosierungen beziehen sich auf Erwachsene mit Plaque-Psoriasis. Kinder benötigen eigene alters- und gewichtsbezogene Schemata.
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Methotrexat | Ausschließlich wöchentliche Gabe. Subkutane Anwendung insbesondere bei > 15 mg, gastrointestinaler Unverträglichkeit oder Sicherheitsbedenken bevorzugen. Keine pauschale erste Wahl für jede Systemtherapie [LL1]. |
- Wirkweise: Folsäureantagonismus und antiinflammatorische Effekte unter anderem über Adenosin-Signalwege.
- Indikation: systemtherapiebedürftige Psoriasis; kann bei peripherer Psoriasis-Arthritis geeignet sein.
- Kontraindikationen: Schwangerschaft, Stillzeit, schwere Leber- bzw. Nierenfunktionsstörung, relevante Zytopenien (verminderte Anzahl bestimmter Blutzellen), schwere aktive Infektionen. Kontrazeptionsfristen und Interaktionen, insbesondere mit Trimethoprim/Cotrimoxazol, beachten.
- Nebenwirkungen: Übelkeit, Mukositis (Entzündung der Schleimhäute), Hepatotoxizität, Myelosuppression (verminderte Bildung von Blutzellen im Knochenmark) und selten Pneumonitis (Entzündung des Lungengewebes); neue Dyspnoe (Atemnot) oder trockener Husten erfordern Abklärung.
Ciclosporin
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Ciclosporin | Rasch wirksame, vorzugsweise zeitlich begrenzte Behandlung. Blutdruck und Nierenfunktion engmaschig kontrollieren; zahlreiche Interaktionen. Keine Kombination mit UV-Therapie [LL1, LL2]. |
- Wirkweise: Calcineurinhemmung mit Verminderung der T-Zell-Aktivierung.
- Indikation: schwere bzw. rasch kontrollbedürftige Psoriasis.
- Kontraindikationen: relevante Nierenfunktionsstörung, unkontrollierte Hypertonie (Bluthochdruck), unkontrollierte Infektionen und relevante Malignome gemäß Fachinformation.
- Nebenwirkungen: Nephrotoxizität (schädigende Wirkung auf die Nieren), Hypertonie, Hyperkaliämie (erhöhter Kaliumgehalt im Blut), Tremor, Hypertrichose (verstärkter Haarwuchs), Gingivahyperplasie (Wucherung des Zahnfleischs), Infektionen und erhöhtes Hauttumorrisiko bei entsprechenden Vorbelastungen.
Fumarate
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Dimethylfumarat | Einnahme zu Mahlzeiten, Aufdosierung nach Verträglichkeit. Blutbild einschließlich Lymphozyten vor Beginn und mindestens alle 3 Monate; bei Auffälligkeiten häufiger und Abbruchregeln beachten [FI17]. |
| Dimethylfumarat/Ethylhydrogenfumarat-Salze | Eigenständiges zugelassenes Präparat; nicht ohne Weiteres mit reinem Dimethylfumarat austauschbar. |
- Wirkweise: immunmodulierend und antiinflammatorisch, unter anderem über antioxidative Signalwege.
- Indikation: mittelschwere bis schwere Psoriasis bei Erwachsenen; Wirkungseintritt häufig langsamer als bei Biologika.
- Kontraindikationen: schwere gastrointestinale Erkrankungen, schwere Leber- bzw. Nierenfunktionsstörung, Schwangerschaft und Stillzeit sowie relevante hämatologische Ausgangsbefunde nach Fachinformation.
- Nebenwirkungen: Flush, Diarrhoe, Bauchschmerzen, Lymphopenie (verminderte Anzahl von Lymphozyten, einer Art weißer Blutkörperchen) bzw. Leukopenie (verminderte Anzahl weißer Blutkörperchen); selten opportunistische Infektionen einschließlich progressiver multifokaler Leukenzephalopathie bei entsprechender Immunsuppression. Proteinurie bzw. Fanconi-Syndrom (Störung der Nierenkanälchen, bei der wichtige Stoffe vermehrt über den Urin verloren gehen) beachten.
Retinoide
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Acitretin | Weniger zuverlässig wirksame Plaque-Monotherapie; bevorzugt ausgewählte hyperkeratotische bzw. pustulöse Formen. Kombination mit UV-Therapie kann fachärztlich sinnvoll sein; kein pauschales Verbot von Retinoid/PUVA [LL1, LL2]. |
- Wirkweise: Modulation der epidermalen Differenzierung und Verhornung; keine klassische Immunsuppression.
- Indikation: ausgewählte schwere Psoriasisformen; keine obligate Vorstufe vor Biologika.
- Kontraindikationen: Schwangerschaft und Stillzeit, unzureichender Konzeptionsschutz bei gebärfähigen Frauen, schwere Leber- bzw. Nierenfunktionsstörung und chronisch stark erhöhte Lipidwerte; Kombination mit Methotrexat oder Tetracyclinen kontraindiziert.
- Nebenwirkungen: Cheilitis (Entzündung der Lippen), Xerosis (trockene Haut), Haarausfall, Hypertriglyceridämie (erhöhter Triglyceridwert im Blut), erhöhte Transaminasen, muskuloskelettale Beschwerden. Striktes Schwangerschaftsverhütungsprogramm; kein Alkohol bei gebärfähigen Frauen während und für 2 Monate nach Behandlung; keine Blutspende bis 3 Jahre nach Therapieende.
Zielgerichtete orale Therapie
PDE-4-Hemmer
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Apremilast | Bei Erwachsenen Plaque-Psoriasis nach Versagen, Unverträglichkeit oder Kontraindikation anderer Systemtherapien einschließlich Ciclosporin, Methotrexat oder PUVA. Pädiatrische Zulassung ab 6 Jahren und mindestens 20 kg mit eigenem Dosierungsschema [FI6]. |
- Wirkweise: PDE-4-Hemmung mit Modulation entzündlicher Signalwege.
- Indikation: Plaque-Psoriasis entsprechend Zulassung; auch Psoriasis-Arthritis.
- Kontraindikationen: Schwangerschaft und Überempfindlichkeit; während Stillzeit nicht anwenden. Starke Enzyminduktoren können die Wirksamkeit vermindern.
- Nebenwirkungen: Diarrhoe, Übelkeit, Kopfschmerzen und Gewichtsabnahme; Depression und Suizidgedanken bzw. suizidales Verhalten beachten. Gewicht und psychische Symptome kontrollieren [B1, FI6].
TYK2-Hemmer
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Deucravacitinib | Für Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis, die für Systemtherapie infrage kommen; keine obligate konventionelle Vortherapie. Selektive allosterische TYK2-Hemmung; Sicherheitsinformationen anderer JAK-Hemmer nicht undifferenziert übertragen [2, LL1, FI4]. |
- Wirkweise: Hemmung TYK2-vermittelter Signalwege, insbesondere IL-12, IL-23 und Typ-I-Interferone.
- Indikation: systemtherapiebedürftige Plaque-Psoriasis bei Erwachsenen; inzwischen auch entsprechende Zulassung bei aktiver Psoriasis-Arthritis [FI4].
- Kontraindikationen: klinisch bedeutsame aktive Infektionen einschließlich aktiver Tuberkulose; Überempfindlichkeit. Bei schwerer Leberfunktionsstörung nicht empfohlen; Schwangerschaft vermeiden.
- Nebenwirkungen: Infektionen der oberen Atemwege, Herpes-simplex-Infektionen, orale Ulzerationen, Akne bzw. Follikulitis und erhöhte Creatinkinase (CK). Bei Myalgien oder Muskelschwäche CK und klinische Situation prüfen.
IL-23-Rezeptorantagonist
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Icotrokinra | EU-Zulassung seit 28. September 2026: Erwachsene sowie Jugendliche ab 12 Jahren und mindestens 40 kg mit mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis und Eignung für Systemtherapie. Bei fehlendem Nutzen nach 24 Wochen Absetzen erwägen [FI5]. |
- Wirkweise: oral verfügbarer Peptidantagonist des IL-23-Rezeptors.
- Indikation: Plaque-Psoriasis entsprechend Zulassung; keine aus der Hautzulassung ableitbare Behandlung der Psoriasis-Arthritis.
- Kontraindikationen: klinisch bedeutsame aktive Infektionen einschließlich aktiver Tuberkulose sowie Überempfindlichkeit; Schwangerschaft vorsorglich vermeiden.
- Nebenwirkungen: häufig Pilzinfektionen, gelegentlich Divertikulitis (Entzündung kleiner Ausstülpungen der Darmwand). Klinisch relevante Infektionen überwachen. Impfstatus und Tuberkuloserisiko vor Beginn prüfen; während Therapie und bis 3 Tage nach Absetzen keine Lebendimpfstoffe [FI5].
Biologika
TNF-α-Inhibitoren
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Adalimumab | Haut und Gelenke; geeignete Option bei bestimmten CED. Pädiatrische Plaque-Psoriasis ab 4 Jahren mit zusätzlichen Zulassungsvoraussetzungen [FI7]. |
| Certolizumab pegol | Erwachsene; bei Schwangerschaftsplanung besonders relevant. Ein beliebiges Intervall von 2-4 Wochen ist kein korrektes allgemeines Psoriasisschema [FI14]. |
| Etanercept | Haut und Gelenke; pädiatrische Plaque-Psoriasis ab 6 Jahren nach Zulassung. Bei Erwachsenen Zweitlinienvoraussetzungen beachten [FI8]. |
| Infliximab | Erwachsene nach Versagen, Unverträglichkeit oder Kontraindikation anderer Systemtherapien. Infusionsüberwachung erforderlich [LL1]. |
- Wirkweise: Neutralisation von TNF-α; Etanercept als löslicher Rezeptor, übrige Vertreter als Antikörper bzw. Antikörperfragment.
- Indikation: mittelschwere bis schwere Plaque-Psoriasis entsprechend substanzspezifischer Zulassung; zusätzlich Psoriasis-Arthritis.
- Kontraindikationen: schwere aktive Infektionen und aktive Tuberkulose; bei Adalimumab, Infliximab und Certolizumab mittelgradige bis schwere Herzinsuffizienz. Bei Etanercept Sepsis bzw. Sepsisrisiko kontraindiziert und Herzinsuffizienz als Warnhinweis beachten.
- Nebenwirkungen: Infektionen einschließlich Tuberkulosereaktivierung, Injektions- bzw. Infusionsreaktionen; selten demyelinisierende Erkrankungen, lupusartige Reaktionen und paradoxe Psoriasis.
IL-12/23-p40-Inhibitor
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Ustekinumab | Die Gewichtsgrenze lautet > 100 kg. Langzeiterfahrung und Biosimilars verfügbar; pädiatrische Zulassung ab 6 Jahren mit gewichtsbezogener Dosierung und zusätzlichen Voraussetzungen [4, FI9]. |
- Wirkweise: Bindung der gemeinsamen p40-Untereinheit von IL-12 und IL-23.
- Indikation: Plaque-Psoriasis gemäß Zulassung; auch Psoriasis-Arthritis sowie bestimmte CED. Bei Erwachsenen Zweitlinienvoraussetzungen beachten.
- Kontraindikationen: klinisch bedeutsame aktive Infektionen, insbesondere aktive Tuberkulose, sowie Überempfindlichkeit.
- Nebenwirkungen: Infektionen, Kopfschmerzen, Injektionsreaktionen; selten schwere Überempfindlichkeit und exfoliative Dermatitis (schwere Hautentzündung mit großflächiger Abschuppung).
IL-17-Achse
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Secukinumab | IL-17A-Hemmung; pädiatrische Plaque-Psoriasis ab 6 Jahren, gewichtsbezogen [FI10]. |
| Ixekizumab | IL-17A-Hemmung; Kinder ab 6 Jahren und mindestens 25 kg mit eigenem Schema [FI11]. |
| Brodalumab | IL-17-Rezeptor-A-Hemmung; Erwachsene. Aktiver Morbus Crohn kontraindiziert; psychische Anamnese und Suizidalität beachten [LL1]. |
| Bimekizumab | Duale IL-17A-/IL-17F-Hemmung; Erwachsene. Die vollständige Induktionsphase ist erforderlich; erhöhtes Risiko insbesondere oraler Candidose (Pilzinfektion durch Candida-Hefepilze) [3, FI3]. |
- Wirkweise: Hemmung von IL-17A, IL-17A/F bzw. des IL-17-Rezeptors.
- Indikation: systemtherapiebedürftige Plaque-Psoriasis; Secukinumab, Ixekizumab und Bimekizumab besitzen zusätzliche Gelenkindikationen.
- Kontraindikationen: klinisch bedeutsame aktive Infektionen; für Brodalumab aktiver Morbus Crohn. Bestehende CED spricht gegen die Auswahl dieser Klasse. Bei neuen anhaltenden gastrointestinalen Beschwerden CED abklären.
- Nebenwirkungen: Atemwegsinfektionen, Candidosen, Injektionsreaktionen und mögliche CED-Neumanifestation bzw. Exazerbation. Unter Brodalumab wurden Suizidgedanken bzw. suizidales Verhalten berichtet; ein kausaler Zusammenhang ist nicht gesichert.
IL-23-p19-Inhibitoren
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Guselkumab | Auch Psoriasis-Arthritis und bestimmte CED; das 4-wöchentliche Gelenkschema nicht pauschal auf Hautpsoriasis übertragen. Pädiatrische Plaque-Psoriasis ab 6 Jahren mit gewichtsspezifischer Dosierung [FI12]. |
| Risankizumab | Aktuelle 150-mg-Darreichungen verfügbar; keine Verpflichtung zu 2 Injektionen à 75 mg. Pädiatrische Plaque-Psoriasis ab 6 Jahren mit eigenem gewichtsbezogenen Schema [FI13]. |
| Tildrakizumab | Erwachsene; keine aus der Klassenzugehörigkeit ableitbare pädiatrische oder Gelenkzulassung [LL1]. |
- Wirkweise: selektive Neutralisation der p19-Untereinheit von IL-23.
- Indikation: mittelschwere bis schwere Plaque-Psoriasis mit Eignung für Systemtherapie; zusätzliche Indikationen und Altersgrenzen unterscheiden sich.
- Kontraindikationen: klinisch bedeutsame aktive Infektionen einschließlich aktiver Tuberkulose und Überempfindlichkeit.
- Nebenwirkungen: insbesondere Atemwegsinfektionen, Injektionsreaktionen, Kopfschmerzen bzw. andere substanzspezifische Beschwerden. Keine pauschale Abbruchfrist für alle Vertreter; Ansprechen nach dem jeweiligen Präparat beurteilen.
Wirkstoffe (Nebenindikationen): Generalisierte pustulöse Psoriasis
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Spesolimab | Schubbehandlung und Schubprävention der generalisierten pustulösen Psoriasis bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren mit mindestens 40 kg. Spezialisierte Behandlung [FI15]. |
- Wirkweise: Antagonismus des IL-36-Rezeptors.
- Indikation: generalisierte pustulöse Psoriasis; keine Plaque-Psoriasis-Indikation.
- Kontraindikationen: klinisch bedeutsame aktive Infektionen und schwere Überempfindlichkeit gemäß Fachinformation.
- Nebenwirkungen: Infektionen, Injektions- bzw. Infusionsreaktionen und potenziell schwere Überempfindlichkeitsreaktionen.
Phototherapie und Photochemotherapie
| Verfahren bzw. Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Schmalspektrum-UV-B, 311 nm | Bevorzugtes UV-Verfahren; auch in Schwangerschaft grundsätzlich möglich. Keine pauschale Schwangerschaftskontraindikation [LL2, LL4]. |
| Balneophototherapie | Ausgewählte Patienten; Exposition und Verträglichkeit dokumentieren. |
| Methoxsalen + UV-A, PUVA | Photosensibilisierende Arzneimittelbehandlung; Augenschutz und Schutz vor zusätzlicher UV-Exposition. In der Schwangerschaft vermeiden [LL4]. |
- Wirkweise: antientzündliche und antiproliferative Effekte; Psoralene verstärken die UVA-Wirkung.
- Indikation: ausgedehnte bzw. topisch unzureichend kontrollierte Psoriasis, sofern geeignet.
- Kontraindikationen: relevante Photosensitivität und bestimmte Hauttumorrisiken; keine Kombination mit Ciclosporin. UV-B und PUVA besitzen unterschiedliche Gegenanzeigen; Retinoid/UV-Kombination ist kein generelles Verbot.
- Nebenwirkungen: Erythem, Verbrennung, Pruritus, Hautalterung; insbesondere bei hoher kumulativer PUVA-Exposition erhöhtes Hautkrebsrisiko. Keine unbegrenzte Erhaltungstherapie.
Monitoring und Arzneimittelsicherheit
- Vor Systemtherapie: Begleiterkrankungen, aktuelle Medikamente, Infektions- und Tumoranamnese, psychische Belastung, Schwangerschaftsplanung und Impfstatus erfassen. Ausgangslabor nach Wirkstoff festlegen [LL1].
- Infektionsscreening: Tuberkulose vor Biologika, Deucravacitinib und Icotrokinra entsprechend Leitlinie bzw. Fachinformation prüfen; Hepatitis-B-Screening insbesondere vor Methotrexat, Ciclosporin, Deucravacitinib und Biologika. Positive Befunde erfordern ein abgestimmtes Vorgehen, keine automatische Gleichsetzung latenter Infektion mit einer absoluten Kontraindikation [LL1, FI5].
- Verlaufslabor: Methotrexat mit Blutbild, Leber- und Nierenparametern; Ciclosporin mit Blutdruck, Nierenfunktion und Elektrolyten; Fumarate mit Blutbild einschließlich Lymphozyten sowie Organparametern; Acitretin mit Lipiden und Leberparametern. Kontrollen für Biologika und orale zielgerichtete Therapien individuell und präparatespezifisch planen [LL1].
- Impfungen: möglichst vor Beginn vervollständigen. Lebendimpfstoffe unter relevanter Immunsuppression bzw. entsprechend Fachinformation vermeiden; Totimpfstoffe sind grundsätzlich möglich. Abstände nach Therapieende und Regeln für exponierte Säuglinge sind substanzspezifisch [LL1].
- Kombinationen: Topika können Systemtherapie ergänzen. Zwei Biologika oder Biologikum plus weitere zielgerichtete Systemtherapie sind kein Routinevorgehen; Nutzen, Risiken und Off-Label-Use gesondert bewerten.
- Weitere Arzneimittel: Antibiotika nur bei entsprechender bakterieller Infektion, nicht routinemäßig zur Psoriasisbehandlung. JAK-Inhibitoren mit Gelenkzulassung besitzen dadurch keine automatische Plaque-Psoriasis-Zulassung.
Phytotherapeutika
Für verschiedene pflanzliche Topika liegen kleine, heterogene Studien vor. Mahonia aquifolium oder Capsaicin ersetzen keine leitliniengerechte entzündungshemmende Behandlung. Chrysarobin, Neem und nicht standardisierte Pflanzenzubereitungen sind keine regulären Psoriasistherapeutika. Psoralene gehören bei medizinischer Anwendung zur kontrollierten Photochemotherapie, nicht zur unkontrollierten Selbstbehandlung mit Pflanzenextrakten [6].
Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)
Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für die Hautgesundheit sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:
- Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
- Mineralstoffe (Magnesium)
- Spurenelemente (Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
- Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA); Omega-6-Fettsäure: Gamma-Linolensäure (GLA))
- Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Lycopin, Grüntee-Polyphenole, Traubenkern- und Oliven-Polyphenole)
- Weitere Vitalstoffe (Coenzym Q10 (CoQ10), Hirse-Extrakt und Kieselerde)
Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.
Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.
Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.
Abkürzungen
- BSA: Body Surface Area, Anteil der betroffenen Körperoberfläche.
- CAM: komplementär- und alternativmedizinische Therapien.
- CED: chronisch-entzündliche Darmerkrankungen.
- CK: Creatinkinase.
- CoQ10: Coenzym Q10.
- DHA: Docosahexaensäure.
- DLQI: Dermatology Life Quality Index, Fragebogen zur hautbezogenen Lebensqualität.
- EGFR: epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor.
- EPA: Eicosapentaensäure.
- GLA: Gamma-Linolensäure.
- IL: Interleukin.
- i.v.: intravenös, in eine Vene.
- MTX: Methotrexat.
- PASI: Psoriasis Area and Severity Index, Maß für Ausdehnung und Schwere der Psoriasis.
- PASI-75 bzw. PASI-90: Verbesserung des PASI um mindestens 75 % bzw. 90 % gegenüber dem Ausgangsbefund.
- PDE-4: Phosphodiesterase 4.
- p.o.: per os, Einnahme über den Mund.
- PUVA: Psoralen plus Ultraviolett-A.
- RCT: randomisierte kontrollierte Studie.
- s.c.: subkutan, unter die Haut.
- TNF-α: Tumornekrosefaktor alpha.
- TYK2: Tyrosinkinase 2.
- UV-A bzw. UV-B: Ultraviolettstrahlung A bzw. B.
Literatur
- Sbidian E et al.: Systemic pharmacological treatments for chronic plaque psoriasis: a network meta-analysis. Cochrane Database Syst Rev. 2025;8:CD011535. PubMed.
- Armstrong AW et al.: Deucravacitinib versus placebo and apremilast in moderate to severe plaque psoriasis: Efficacy and safety results from the 52-week, randomized, double-blinded, placebo-controlled phase 3 POETYK PSO-1 trial. J Am Acad Dermatol. 2023;88:29-39. doi: 10.1016/j.jaad.2022.07.002.
- Reich K et al.: Bimekizumab versus Secukinumab in Plaque Psoriasis. N Engl J Med. 2021;385:142-152. doi: 10.1056/NEJMoa2102383.
- Zweegers J et al.: Comparison of the 1- and 5-year effectiveness of adalimumab, etanercept and ustekinumab in patients with psoriasis in daily clinical practice: results from the prospective BioCAPTURE registry. Br J Dermatol. 2017;176:1001-1009. doi: 10.1111/bjd.15023.
- Pinter A et al.: Efficacy and Safety of Topical Tacrolimus Microemulsion Applied Twice Daily in Patients with Mild to Moderate Scalp Psoriasis. Dermatol Ther (Heidelb). 2024;14:521-532. doi: 10.1007/s13555-024-01102-6.
- Farahnik B et al.: Topical Botanical Agents for the Treatment of Psoriasis: A Systematic Review. Am J Clin Dermatol. 2017. doi: 10.1007/s40257-017-0266-0.
- Gamret AC et al.: Complementary and Alternative Medicine Therapies for Psoriasis: A Systematic Review. JAMA Dermatol. 2018;154:1330-1337. doi: 10.1001/jamadermatol.2018.2972.
- Körber A et al.: Topische Therapie bei Psoriasis – ein Behandlungspfad. J Dtsch Dermatol Ges. 2019. doi: 10.1111/ddg.13810.
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- S3-Leitlinie: Therapie der Psoriasis vulgaris. (AWMF-Registernummer: 013-001), Juli 2025, Version 8.2; aktuelle Langfassung bereitgestellt im Juli 2026. Langfassung. Publizierte Kurzfassung Teil 1, 2026: doi: 10.1111/ddg.16002_g [LL1]
- S3-Leitlinie: Therapie der Psoriasis vulgaris. Appendix A: Topische Therapie, Phototherapie, Sonstige Therapien, Schnittstellendefinition; Fortbestand der Empfehlungen vom Update 2015, ergänzt um Zulassungshinweise. August 2025. Appendix A [LL2]
- S2k-Leitlinie: Therapie der Psoriasis bei Kindern und Jugendlichen. (AWMF-Registernummer: 013-094), Januar 2022, verlängerte Fassung. Langfassung. Spätere Zulassungserweiterungen zusätzlich anhand aktueller Produktinformationen berücksichtigen [LL3]
- S1-Leitlinie: Empfehlungen zur UV-Therapie und Photochemotherapie. (AWMF-Registernummer: 013-029), April 2026. Langfassung [LL4]
- Nast A, Gisondi P, Ormerod AD et al.: European S3-Guidelines on the systemic treatment of psoriasis vulgaris – Update 2015 – Short version – EDF in cooperation with EADV and IPC. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2015;29:2277-2294. Historische Leitlinie; durch aktuelle Empfehlungen abgelöst. PubMed [LL5]
- Nast A, Jacobs A, Rosumeck S et al.: Methods Report: European S3-Guidelines on the systemic treatment of psoriasis vulgaris – update 2015 – EDF in cooperation with EADV and IPC. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2015;29:e1-e22. Historischer Methodenbericht. PubMed [LL6]
- S3-Leitlinie: Atopische Dermatitis. (AWMF-Registernummer: 013-027), 2023, aktualisierte Langfassung Januar 2024. Herangezogen ausschließlich zur klinischen Potenzeinteilung topischer Glucocorticoide. Langfassung [LL7]
Behörden und Arzneimittelsicherheit
- Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft: Rote-Hand-Brief Otezla (Apremilast), neue wichtige Hinweise zu Suizidgedanken und suizidalem Verhalten. November 2016. Rote-Hand-Brief [B1]
- Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen: Secukinumab und Ixekizumab bei Psoriasis: Beträchtlicher Zusatznutzen für bestimmte Patienten. Pressemitteilung vom 1. Juni 2017; historische Bewertung bestimmter Vergleichssituationen. IQWiG [B2]
- Europäische Kommission: Icotrokinra, EU-Zulassungsentscheidung vom 28. September 2026. Union Register [B3]
Produktinformationen
- Klinge Pharma: Sumilor, Tacrolimus 1 mg/ml Emulsion zur Anwendung auf der Haut. Stand April 2025. Fachinformation [FI1]
- LEO Pharma: Enstilar, Calcipotriol/Betamethason, Sprühschaum. Fachinformation, Stand September 2025 [FI2]
- UCB Pharma: Bimzelx, Bimekizumab, Injektionslösung. EMA-Produktinformation, Abrufstand Oktober 2026 [FI3]
- Bristol-Myers Squibb: Sotyktu, Deucravacitinib, 6-mg-Filmtabletten. EMA-Produktinformation, aktualisiert Juni 2026 [FI4]
- Janssen-Cilag International: Icotyde, Icotrokinra, 200-mg-Filmtabletten. EU-Zulassung September 2026. Produktinformation [FI5]
- Amgen: Otezla, Apremilast, Filmtabletten. EMA-Produktinformation, Abrufstand Oktober 2026 [FI6]
- AbbVie: Humira, Adalimumab, Injektionslösung. EMA-Produktinformation, Abrufstand Oktober 2026 [FI7]
- Pfizer: Enbrel, Etanercept, Injektionspräparate. EMA-Produktinformation, Abrufstand Oktober 2026 [FI8]
- Janssen-Cilag International: Stelara, Ustekinumab, Injektionslösung. EMA-Produktinformation, Abrufstand Oktober 2026 [FI9]
- Novartis: Cosentyx, Secukinumab, Injektionspräparate. EMA-Produktinformation, Abrufstand Oktober 2026 [FI10]
- Eli Lilly: Taltz, Ixekizumab, Injektionslösung. EMA-Produktinformation, Abrufstand Oktober 2026 [FI11]
- Janssen-Cilag International: Tremfya, Guselkumab, Injektionspräparate. EMA-Produktinformation, Abrufstand Oktober 2026 [FI12]
- AbbVie: Skyrizi, Risankizumab, Injektionspräparate. EMA-Produktinformation, aktualisiert September 2026 [FI13]
- UCB Pharma: Cimzia, Certolizumab pegol, Injektionslösung. EMA-Produktinformation, Abrufstand Oktober 2026 [FI14]
- Boehringer Ingelheim: Spevigo, Spesolimab, Infusions- und Injektionspräparate. EMA-Produktinformation, Abrufstand Oktober 2026 [FI15]
- LEO Pharma: Protopic, Tacrolimus, 0,03-%- und 0,1-%-Salbe. EMA-Produktinformation, Abrufstand Oktober 2026 [FI16]
- Almirall: Skilarence, Dimethylfumarat, 30-mg- und 120-mg-Tabletten. EMA-Produktinformation, Abrufstand Oktober 2026 [FI17]