Quaddel, Nessel (Urtica) – Medikamentöse Therapie

Therapieziel

Linderung von Juckreiz und Quaddelbildung sowie Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung. Eine Urtica bezeichnet die einzelne Quaddel (vorübergehende, erhabene Hautschwellung) als Hautveränderung; die Arzneimittelbehandlung richtet sich nach der diagnostizierten Urtikariaform (Form der Nesselsucht) [LL1].

Therapieempfehlungen

  • Isolierte Quaddeln: Quaddeln ohne zusätzliche systemische Symptome (Beschwerden außerhalb der betroffenen Haut) begründen für sich allein keine Anaphylaxiediagnose (Diagnose einer schweren allergischen Allgemeinreaktion). Bei behandlungsbedürftigen Beschwerden erfolgt die Therapie entsprechend der akuten oder chronischen Urtikaria; siehe Urtikaria – Medikamentöse Therapie. Maßgeblich ist die internationale Urtikaria-Leitlinie von 2026 [LL1, LL2].
  • Abgrenzung zur Anaphylaxie: Bei plötzlich auftretenden Quaddeln mit Atemwegs- oder Kreislaufbeteiligung, z. B. Heiserkeit, Stridor (pfeifendes oder ziehendes Atemgeräusch), Dyspnoe (Atemnot), Bronchospasmus (Verkrampfung der Bronchien), Blutdruckabfall oder Kollaps, besteht Anaphylaxieverdacht. Auch zusätzliche schwere gastrointestinale Symptome (Magen-Darm-Beschwerden), insbesondere starke krampfartige Bauchschmerzen oder wiederholtes Erbrechen nach einem wahrscheinlichen Auslöser, erfordern eine sofortige entsprechende Beurteilung. Eine Anaphylaxie kann auch ohne Quaddeln auftreten [LL2, LL3].
  • Notfallbehandlung: Bei Anaphylaxieverdacht mit Atemwegs-, Atmungs- oder Kreislaufproblemen sofort den Rettungsdienst über 112 alarmieren und unverzüglich Adrenalin intramuskulär in die Außenseite des Oberschenkels verabreichen; einen vorhandenen, verordneten Adrenalin-Autoinjektor entsprechend dem persönlichen Notfallplan anwenden. Die weitere Behandlung erfolgt nach dem Anaphylaxiealgorithmus; siehe Anaphylaxie – Medikamentöse Therapie. Antihistaminika und Glukocorticoide dürfen die Adrenalingabe nicht verzögern [LL2, LL3].

Wirkstoffe (Hauptindikationen)

Die Wirkstoffauswahl, Dosierung und stufenweise Therapie werden unter Urtikaria – Medikamentöse Therapie dargestellt. Für das einzelne morphologische Zeichen Urtica besteht kein eigenständiges Arzneimittelschema [LL1].

Beachte

  • Atypische Hautveränderungen: Bleibt dieselbe Quaddel länger als 24 Stunden bestehen, ist sie überwiegend schmerzhaft oder hinterlässt sie Purpura (Hauteinblutungen) bzw. eine anhaltende Verfärbung, sind Differenzialdiagnosen (andere mögliche Erkrankungen), insbesondere eine urtikarielle Vaskulitis (Entzündung kleiner Hautgefäße mit quaddelähnlichen Veränderungen), abzuklären [LL1].
  • Angioödem (Schwellung tieferer Hautschichten oder der Schleimhäute): Eine Zungen- oder Rachenschwellung ist wegen möglicher Atemwegsverlegung ein Notfall. Angioödeme ohne Quaddeln können bradykininvermittelt sein und benötigen eine andere spezifische Behandlung; siehe Angioödem – Medikamentöse Therapie [LL1, LL2].

Abkürzungen

  • LL: Leitlinie.
  • doi: Digital Object Identifier; dauerhafte Kennung einer wissenschaftlichen Veröffentlichung.
  • et al.: und weitere Autoren.

Leitlinien

  1. Zuberbier T et al.: The International Guideline for the Definition, Classification, Diagnosis and Management of Urticaria. Allergy. 2026. doi:10.1111/all.70210 [LL1]
  2. Resuscitation Council UK: Emergency treatment of anaphylaxis. Guidelines for healthcare providers. Mai 2021. Langfassung [LL2]
  3. Resuscitation Council UK: First Aid Guidelines. Resuscitation Guidelines 2025. Abschnitt Anaphylaxis. Leitlinientext [LL3]