Quaddel, Nessel (Urtica) – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – mit Beurteilung des Allgemeinzustandes; bei akut generalisiertem Auftreten von Urticae (Quaddeln) bzw. begleitenden systemischen Beschwerden zusätzlich Blutdruck, Puls, Atemfrequenz und SpO₂ (periphere Sauerstoffsättigung); des Weiteren:
    • Inspektion der gesamten Haut und der sichtbaren Schleimhäute.
    • Beurteilung auf begleitendes Angioödem (tiefe Gewebeschwellung), insbesondere an Lippen, Augenlidern, Zunge und Mund-/Rachenschleimhaut.
  • Dermatologische Untersuchung
    • Inspektion und Palpation der Effloreszenzen (Hautveränderungen) hinsichtlich Morphologie, Farbe, Größe, Form, Begrenzung, Oberflächenbeschaffenheit und Verteilung [Urtica (Quaddel): scharf begrenzte, oberflächliche, ödematöse (durch Flüssigkeitseinlagerung geschwollene) Erhebung der Haut von variabler Größe und Form, häufig mit blassem Zentrum bzw. zentraler Schwellung und umgebendem Reflexerythem (reaktive Hautrötung)]
    • Beurteilung der subjektiven Begleitsymptomatik [typischerweise Juckreiz, gelegentlich Brennen]
    • Beurteilung der zeitlichen Dynamik einzelner Effloreszenzen [flüchtige Läsion (Hautveränderung) mit vollständiger Rückbildung und Wiederherstellung des normalen Hautbildes, üblicherweise innerhalb von 30 Minuten bis spätestens 24 Stunden]
    • Beurteilung auf Residuen (zurückbleibende Veränderungen) nach Abheilung [keine persistierende Purpura (kleinfleckige Hautblutungen), Hyperpigmentierung (verstärkte Hautfärbung) oder Narbenbildung]
    • Beurteilung von Anzahl und Verteilung [solitäre oder multiple, disseminierte (verstreute) bzw. konfluierende (zusammenfließende) Urticae; rundlich, anulär (ringförmig), polyzyklisch (mehrbogig) oder landkartenartig konfiguriert]
    • Bei zum Untersuchungszeitpunkt bereits abgeklungenen Effloreszenzen Einbeziehung vorhandener patienteneigener Fotodokumentationen zur morphologischen Beurteilung.
  • Untersuchung von Mundhöhle und Pharynx (Rachen) – insbesondere bei begleitender Schwellung im Gesichtsbereich
    • Inspektion von Lippen, Zunge, Mundschleimhaut, Uvula (Gaumenzäpfchen) und Pharynx auf ein begleitendes Angioödem.
    • Beurteilung von Stimme, Schluckakt und Speichelkontrolle bei Verdacht auf Beteiligung der oberen Atemwege.
  • Untersuchung der Lunge – bei Dyspnoe (Atemnot), Husten, Stridor (pfeifendes Atemgeräusch) oder anderen Hinweisen auf eine systemische allergische Reaktion
    • Beurteilung der Atemarbeit und Auskultation der Lunge.
  • Kardiovaskuläre Untersuchung – bei Schwindel, Synkope (kurzzeitige Bewusstlosigkeit), Kreislaufbeschwerden oder anderen Hinweisen auf eine systemische allergische Reaktion
    • Beurteilung von Kreislaufperfusion (Durchblutung) und Bewusstseinslage sowie wiederholte Kontrolle der Vitalparameter.

Red Flags (Warnzeichen) bei Urtica

  • Dyspnoe, Stridor, Heiserkeit, Zungen-, Uvula- oder Pharynxschwellung bzw. rasch progredientes (fortschreitendes) Angioödem – Verdacht auf Atemwegsbeteiligung bzw. Anaphylaxie (schwere allergische Sofortreaktion).
  • Hypotonie (niedriger Blutdruck), Synkope, Bewusstseinsstörung oder andere Zeichen einer Kreislaufinsuffizienz (unzureichenden Kreislauffunktion) – Verdacht auf Anaphylaxie.
  • Persistenz derselben urtikariellen (quaddelartigen) Effloreszenz über mehr als 24 Stunden – für eine klassische Urtica atypisch; insbesondere Urtikariavaskulitis (Gefäßentzündung mit quaddelartigen Hautveränderungen) oder andere urtikarielle Dermatosen (Hauterkrankungen) abklären.
  • Ausgeprägter Schmerz oder starkes Brennen anstelle von Juckreiz sowie Purpura, Ekchymosen (größere Hautblutungen) oder persistierende Hyperpigmentierung nach Abheilung – Hinweis auf eine von der klassischen Urtica abweichende Erkrankung, insbesondere Urtikariavaskulitis.
  • Urticae in Verbindung mit Fieber, Arthralgien (Gelenkschmerzen), Arthritis (Gelenkentzündung) oder anderen ausgeprägten systemischen Entzündungszeichen – Abklärung einer systemischen bzw. autoinflammatorischen (durch überschießende angeborene Entzündungsreaktionen bedingten) Erkrankung erforderlich.

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.