Quaddel, Nessel (Urtica) – Medizingerätediagnostik

Obligate Medizingerätediagnostik

Bei einer Urtica (Quaddel) bestehen keine obligaten medizingerätediagnostischen Untersuchungen. Die Urtica ist primär ein klinisch-morphologischer Befund (durch das Erscheinungsbild feststellbarer körperlicher Befund). Auch bei akuter spontaner Urtikaria (plötzlich auftretender Nesselsucht ohne äußeren Auslöser) werden ohne anamnestische Hinweise auf eine spezielle Ursache keine routinemäßigen weiterführenden diagnostischen Maßnahmen empfohlen [LL1].

Fakultative Medizingerätediagnostik – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese und der körperlichen Untersuchung – zur differentialdiagnostischen Abklärung

  • Standardisierte Provokations- und Schwellentestung bei Verdacht auf eine chronische induzierbare Urtikaria (lang anhaltende, durch bestimmte Reize auslösbare Nesselsucht) – bei reproduzierbarem Auftreten von Urticae (Quaddeln) nach definierten physikalischen oder anderen Reizen; Provokationstests werden zur Sicherung der jeweiligen Unterform und, soweit möglich, zur Bestimmung der individuellen Reizschwelle empfohlen [LL1]
    • Kälteprovokations- und Schwellentest – bei Verdacht auf Kälteurtikaria (durch Kälte ausgelöste Nesselsucht); standardisierte thermische Provokation, vorzugsweise mit einem Peltier-Element-basierten Provokationsgerät (z. B. TempTest), zur Reproduktion einer Urtica und zur Bestimmung der kritischen Temperaturschwelle [LL1]
    • Wärmeprovokations- und Schwellentest – bei Verdacht auf Wärmeurtikaria (durch Wärme ausgelöste Nesselsucht); standardisierte thermische Provokation, z. B. mit einem Peltier-Element-basierten Provokationsgerät, zur Objektivierung der Reaktion und Bestimmung der Temperaturschwelle [LL1]
    • Dermographometrie – bei Verdacht auf symptomatischen Dermographismus (quaddelförmige Hautreaktion auf mechanisches Streichen oder Reiben); standardisierte mechanische Hautprovokation mit definierten Scherkräften mittels Dermographometer (z. B. FricTest bzw. Dermographic Tester) und Bestimmung der Auslöseschwelle [LL1]
    • Standardisierte Druckprovokation und Schwellentestung – bei Verdacht auf verzögerte Druckurtikaria (verzögert auftretende Nesselsucht nach Druckeinwirkung); definierte Druckbelastung der Haut mit anschließender Beurteilung der verzögerten Urtica- bzw. Schwellungsreaktion und gegebenenfalls Bestimmung der Druckschwelle [LL1]
  • Photoprovokation/Phototestung – bei Verdacht auf solare Urtikaria (durch Licht ausgelöste Nesselsucht); kontrollierte Exposition gegenüber ultraviolettem A-Licht (UVA), ultraviolettem B-Licht (UVB) und sichtbarem Licht unterschiedlicher Wellenlängen zur Reproduktion der Urtica, Ermittlung des auslösenden Wellenlängenbereichs und Bestimmung der Reizschwelle [LL1].
  • Vibrationsprovokation – bei Verdacht auf vibrationsinduziertes Angioödem (durch Vibration ausgelöste tiefer liegende Schwellung) bzw. eine vibrationsabhängige urtikarielle Reaktion (durch Vibration ausgelöste Quaddelreaktion); standardisierte mechanische Vibrationsbelastung, z. B. mittels Vortex-Mixer, zur Reproduktion der Beschwerden [LL1].
  • Pulskontrollierte Ergometrie – bei Verdacht auf cholinerge Urtikaria (durch Erwärmung des Körpers bzw. Schwitzen ausgelöste Nesselsucht) mit belastungs- bzw. erwärmungsinduzierten Urticae; stufenweise körperliche Belastung unter kontrollierter Steigerung der Herzfrequenz zur standardisierten Provokation und gegebenenfalls Bestimmung der Auslöseschwelle [LL1].

Die Provokationsdiagnostik ist nicht bei jeder einzelnen Urtica indiziert, sondern auf Patienten mit anamnestisch reproduzierbaren, reizabhängigen Urticae bzw. dem Verdacht auf eine induzierbare Urtikaria zu beschränken. Bei spontanen Urticae ohne Hinweis auf einen physikalischen oder anderweitig reproduzierbaren Auslöser besteht keine Indikation für eine unspezifische gerätegestützte Provokationsdiagnostik [LL1].

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Zuberbier T et al.: The International Guideline for the Definition, Classification, Diagnosis and Management of Urticaria. Allergy. 2026;81(8):2582-2632. doi: 10.1111/all.70210 [LL1]