Neurodermitis (atopisches Ekzem) – Medizingerätediagnostik

Obligate Medizingerätediagnostik

  • Standardisierte digitale Fotodokumentation:
    • Standardisierte fotografische Erfassung von Hautbefunden (Hautveränderungen) mit definierter Lichtquelle, fixer Distanz, einheitlichem Bildausschnitt, Maßstab/Referenz und reproduzierbaren Körperregionen.
    • Dient der objektiven Verlaufsbeurteilung, Therapiekontrolle und Qualitätssicherung.
    • Geeignet zur teledermatologischen Verlaufsbeurteilung nach initial gesicherter Präsenzdiagnostik (Untersuchung vor Ort).
  • Dermatoskopie (Hautlupe):
    • Auflichtmikroskopische Untersuchung der Hautoberfläche zur detaillierten Darstellung von Erythemverteilung (Rötungsverteilung), Schuppung (Hautschuppen), Exkoriationen (Kratzspuren), Krusten (Schorf) und Gefäßmustern (Gefäßzeichnungen).
    • Ergänzend zur klinischen Untersuchung (ärztliche Untersuchung) bei atypischen Befunden (ungewöhnlichen Veränderungen) zur Abgrenzung gegenüber anderen entzündlichen Dermatosen (entzündlichen Hauterkrankungen).
    • Keine eigenständige Diagnosesicherung, klinische Korrelation (Abgleich mit dem klinischen Bild) stets erforderlich.

Fakultative Medizingerätediagnostik – in Abhängigkeit von den Ergebnissen der Anamnese (Krankengeschichte), körperlichen Untersuchung, Labordiagnostik und obligaten Medizingerätediagnostik – zur differentialdiagnostischen Abklärung

  • TEWL-Messung (Messung des transepidermalen Wasserverlustes):
    • Nicht-invasives (nicht eingreifendes) physikalisches Verfahren zur Quantifizierung der Hautbarrierefunktion (Schutzfunktion der Haut).
    • Misst die ungehinderte Wasserverdunstung von der Hautoberfläche in die Umgebungsluft als indirekten Marker (Hinweiswert) der Integrität des Stratum corneum (Hornschicht).
    • Erhöhte Werte sprechen für eine gestörte epidermale Barriere (geschädigte Hautschutzschicht), wie sie bei Neurodermitis (atopisches Ekzem) typisch ist.
    • Einsatz insbesondere zur Objektivierung der Barrierestörung (Störung der Hautschutzfunktion) und zur Verlaufskontrolle unter Basis- und Barriere-reparierender Therapie.
    • Interpretation nur unter standardisierten Umgebungsbedingungen (Raumtemperatur, Luftfeuchte) und unter Berücksichtigung aktueller topischer Therapie (äußerlicher Behandlung) und Hautpflege.
  • Korneometrie (Messung der Hydratation des Stratum corneum):
    • Nicht-invasives kapazitives Messverfahren zur Bestimmung des Wassergehalts der Hornschicht.
    • Ergänzt die klinische Beurteilung der Xerosis cutis (trockene Haut).
    • Eignet sich zur Verlaufskontrolle der Basistherapie, insbesondere bei rückfettenden und feuchtigkeitsspendenden Maßnahmen.
  • Hauttemperatur-Messung (z. B. Infrarot-Thermometrie oder Thermographie):
    • Kontaktlose Messung der Oberflächentemperatur der Haut als indirekter Marker entzündlicher Aktivität (Entzündungsgeschehen).
    • Entzündlich aktive Areale zeigen häufig eine erhöhte lokale Hauttemperatur.
    • Ergänzende Methode, vor allem in spezialisierten dermatologischen Settings (Fachzentren).
  • Hochfrequente Hautsonographie:
    • Ultraschalluntersuchung mit hochfrequenten Schallköpfen zur Darstellung epidermaler (oberer Haut-) und dermaler (tieferer Haut-) Strukturen.
    • Erfassung der Hautdicke sowie entzündungsassoziierter Veränderungen (entzündungsbedingter Veränderungen), z. B. subepidermale echoarme Zonen (signalärmere Bereiche unter der Oberhaut).
    • Einsatz zur objektiven Verlaufsbeurteilung, insbesondere in spezialisierten Zentren.
    • Keine primäre Diagnostik (Erstdiagnose), sondern ergänzende Verlaufs- und Forschungsanwendung.
  • Optische Kohärenztomographie:
    • Nicht-invasives bildgebendes Verfahren mit hochauflösender Darstellung oberflächennaher Hautschichten.
    • Erlaubt die Visualisierung epidermaler Mikrostrukturen (feiner Hautstrukturen) und entzündlicher Veränderungen.
    • Überwiegend Forschungs- und Spezialanwendung, keine Routineuntersuchung.
  • Laser-Doppler-Verfahren (Messung der kutanen Mikrozirkulation):
    • Optisches Verfahren zur Erfassung der Hautdurchblutung.
    • Erhöhte Perfusion (Durchblutung) kann auf entzündliche Aktivität hinweisen.
    • Primär Einsatz in Forschung und spezialisierten Zentren, nicht Bestandteil der Routinediagnostik.

Nach der Untersuchung

  • Dokumentation und Vergleichbarkeit:
    • Strukturierte Speicherung aller Messwerte (z. B. TEWL, Korneometrie, Hauttemperatur) inklusive Messort, Raumparameter und aktueller Therapie.
    • Ermöglicht eine longitudinale Verlaufskontrolle (Beurteilung über die Zeit) und intraindividuelle Vergleichbarkeit (Vergleich beim selben Patienten).
    • Kombination mit klinischen Scores (Bewertungsskalen) zur umfassenden Bewertung des Krankheitsverlaufs empfohlen.

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Atopische Dermatitis (AD) [Neurodermitis; atopisches Ekzem]. (AWMF-Registernummer: 013-027), Juni 2023 Langfassung
  2. Wollenberg A et al.: European Guideline (EuroGuiDerm) on atopic eczema (atopisches Ekzem): Living update. JEADV Mai 2025. doi.org/10.1111/jdv.20639