Nagelschuppenflechte (Nagelpsoriasis) – Medikamentöse Therapie
Therapieziel
Rückbildung der psoriatischen Entzündung von Nagelmatrix (Nagelbildungszone) und Nagelbett (Gewebe unter der Nagelplatte), Verbesserung von Nagelwachstum und Nagelstruktur sowie Verminderung von Schmerzen, Funktionsbeeinträchtigungen und psychosozialer Belastung. Begleitende Hautpsoriasis (Schuppenflechte der Haut) und Psoriasisarthritis (Gelenkentzündung bei Schuppenflechte) werden in die Therapieentscheidung einbezogen. Eine vollständige Normalisierung benötigt wegen des langsamen Nagelwachstums mehrere Monate [1, 2].
Therapieempfehlungen
Die Therapie richtet sich nach dem betroffenen Nagelkompartiment (Teilbereich des Nagelapparats), der Zahl und Schwere der betroffenen Nägel, Schmerzen, Einschränkungen beim Greifen, Gehen oder bei beruflichen Tätigkeiten, Lebensqualität, bisherigen Behandlungen und Begleiterkrankungen. PASI und Ausmaß des Hautbefalls bilden die Nagelerkrankung nicht ausreichend ab. Eine Systemtherapie kann bei schwerer oder funktionell belastender Nagelpsoriasis auch bei niedrigem PASI gerechtfertigt sein; die konkrete arzneimittelrechtliche Zulassung ist gesondert zu prüfen [1, LL1].
| Befund | Therapeutische Konsequenz |
|---|---|
| Nagelmatrixbefall: Tüpfelnägel (kleine grübchenartige Vertiefungen im Nagel), Leukonychie (weiße Verfärbung des Nagels), rote Flecken der Lunula (halbmondförmiger heller Bereich am Nagelansatz), bröckelige Nagelplatte (sichtbarer, harter Teil des Nagels) | Bei wenigen betroffenen Nägeln intraläsionales Triamcinolon als wirksame Option; alternativ topische starke bzw. sehr starke Glukocorticoide am proximalen Nagelfalz (Hautfalte am Nagelansatz). Eine alleinige Behandlung der Nagelplatte erreicht die Matrix nur unzureichend [1]. |
| Nagelbettbefall: Onycholyse (Ablösung der Nagelplatte vom Nagelbett), Ölflecken, subunguale Hyperkeratose (Verdickung der Haut unter dem Nagel), Splitterblutungen | Topische Glukocorticoide, vorzugsweise in Kombination mit einem Vitamin-D-Analogon. Nach schonendem Kürzen der abgelösten Nagelplatte am zugänglichen Nagelbett bzw. Hyponychium (Haut unter dem freien Nagelrand) applizieren; nicht gewaltsam unter den Nagel schieben [1]. |
| Gemischter Matrix- und Nagelbettbefall | Beide Kompartimente gezielt behandeln; bei unzureichendem Erfolg oder hoher Belastung Systemtherapie prüfen [1]. |
| Bis zu drei betroffene Nägel, geringe Belastung | In der Regel lokale bzw. intraläsionale Therapie. Die Grenze von drei Nägeln ist eine Konsensorientierung, keine starre Behandlungsschwelle [1]. |
| Mehr als drei betroffene Nägel, ausgeprägte Dystrophie (krankhafte Veränderung der Nagelstruktur), relevante Schmerzen oder Funktionsverlust, erhebliche Einschränkung der Lebensqualität oder Versagen einer angemessenen Lokaltherapie | Systemtherapie erwägen. Bereits ein oder wenige schwer betroffene Nägel können eine Eskalation rechtfertigen; eine hohe Nagelzahl allein erzwingt sie nicht [1, 2]. |
| Begleitende aktive Psoriasisarthritis | Dermatologische und rheumatologische Therapie abstimmen. Die Gelenkmanifestation und gegebenenfalls Enthesitis (Entzündung am Übergang von Sehnen oder Bändern zum Knochen) oder axiale Beteiligung (Befall der Wirbelsäule oder des Kreuz-Darmbein-Gelenks) bestimmen die Wirkstoffwahl mit; eine alleinige Lokaltherapie der Nägel behandelt die Arthritis (Gelenkentzündung) nicht [LL1, FI1, FI2, FI3, FI4, FI5, FI6, FI7]. |
- Vor Therapiebeginn: Diagnose sichern; bei Verdacht auf begleitende Onychomykose (Nagelpilzinfektion) mykologische Untersuchung durchführen. Antimykotika nur bei nachgewiesener bzw. ausreichend gesicherter Pilzinfektion einsetzen. Gelenkschmerzen, Morgensteifigkeit, Daktylitis (Entzündung eines ganzen Fingers oder Zehs) und Enthesitis gezielt erfragen [1, 2].
- Begleitmaßnahmen: Nägel kurz halten, Nagelfalz und Nagelhäutchen schonen, wiederholte mechanische Traumata vermeiden, bei Feuchtarbeit Schutzhandschuhe verwenden und Druck durch Schuhe vermindern. Harnstoff kann verdickte Hornsubstanz erweichen, behandelt aber die psoriatische Entzündung nicht ausreichend [2].
- Verlaufskontrolle: Nagelbefund fotografisch und gegebenenfalls mit NAPSI dokumentieren; zusätzlich Schmerzen, Funktion und Lebensqualität erfassen. Erste Veränderungen können nach etwa drei Monaten erkennbar sein; eine verlässliche Beurteilung benötigt häufig 3-6 Monate, Zehennägel länger. Bei progredienter Erkrankung, Gelenkbeteiligung oder Unverträglichkeit früher reagieren [1, 2].
- Auswahl einer Systemtherapie: Keine generelle Rangfolge „Methotrexat erste Wahl, Ciclosporin oder Acitretin zweite Wahl“. Biologika und gezielte orale Wirkstoffe werden nach Nagelwirksamkeit, erforderlicher Wirkungsgeschwindigkeit, Haut- und Gelenkbeteiligung, Begleiterkrankungen, Sicherheitsprofil und Zulassung ausgewählt. IL-17-Inhibitoren zeigen häufig ein rasches Nagelansprechen; daraus lässt sich keine universelle Überlegenheit für jeden Patienten ableiten [2, 3, LL1].
- Zulassung: Die nachfolgend genannten Systemtherapeutika sind je nach Präparat für bestimmte Formen bzw. Schweregrade der Psoriasis und teilweise für Psoriasisarthritis zugelassen. Eine eigenständige Zulassung für isolierte Nagelpsoriasis besteht daraus nicht automatisch. Die nagelspezifische Schweregradeinstufung ersetzt nicht die Prüfung des Zulassungstextes; bei Behandlung außerhalb der Zulassung Off-Label-Use aufklären und dokumentieren [FI1, FI2, FI3, FI4, FI5, FI6, FI7].
Wirkstoffe (Hauptindikationen): lokale und intraläsionale Therapie
Topische Glukocorticoide und Vitamin-D-Analoga
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Clobetasolpropionat 0,05 % | Sehr stark wirksam; insbesondere am proximalen Nagelfalz bei Matrixbefall. Keine unkontrollierte Daueranwendung oder eigenständige Okklusion; Anwendung an Nagelstrukturen präparatespezifisch prüfen [1, 2]. |
| Betamethasondipropionat; Calcipotriol/Betamethasondipropionat | Besonders bei Nagelbettbefall; Nagelanwendung und längere Behandlungsdauer können außerhalb der zugelassenen Anwendung liegen. Die Verträglichkeit am Nagelfalz regelmäßig kontrollieren [1, 2]. |
| Calcipotriol 50 µg/g | Insbesondere bei subungualer Hyperkeratose; häufig Kombination bzw. alternierende Anwendung mit einem Glukocorticoid. Nagelspezifische Anwendung als Off-Label-Use prüfen [1, 2]. |
- Wirkweise: Glukocorticoide hemmen die Entzündungsreaktion; Vitamin-D-Analoga beeinflussen die Differenzierung und Proliferation der Keratinozyten (hornbildende Zellen der Haut).
- Indikation: Begrenzte Nagelpsoriasis, insbesondere Nagelbettbefall; zusätzliche Lokalbehandlung unter Systemtherapie möglich.
- Kontraindikationen: Präparatespezifische Überempfindlichkeit; unbehandelte lokale Infektionen bei Glukocorticoiden. Bei Calcipotriol Störungen des Calciumstoffwechsels beachten. Schwangerschaft und Stillzeit erfordern eine individuelle, präparatespezifische Nutzen-Risiko-Abwägung und sind keine pauschale Kontraindikation aller topischen Präparate.
- Nebenwirkungen: Hautatrophie (Dünnerwerden der Haut), Teleangiektasien (erweiterte kleine Blutgefäße) und Infektionen unter Glukocorticoiden; lokale Reizung unter Vitamin-D-Analoga. Übermäßige Anwendung und Okklusion erhöhen die systemische Aufnahme.
Intraläsionale Glukocorticoide
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Triamcinolonacetonid | Off-Label-Use; durch erfahrene Dermatologen. Bei Matrixbefall bevorzugte lokale Option, gegebenenfalls auch bei Nagelbettbefall. Injektionstechnik und gegebenenfalls Lokalanästhesie entscheidend [1]. |
- Wirkweise: Direkte antientzündliche Wirkung im betroffenen Nagelkompartiment.
- Indikation: Vor allem wenige betroffene Nägel mit Matrixbefall bzw. unzureichendem topischem Ansprechen.
- Kontraindikationen: Lokale Infektion und Überempfindlichkeit; bei relevanter digitaler Durchblutungsstörung besondere Zurückhaltung.
- Nebenwirkungen: Injektionsschmerz, Hämatom (Bluterguss), lokale Atrophie oder Hypopigmentierung (verminderte Hautfärbung); selten Sehnen- bzw. Gewebeschädigung bei fehlerhafter Injektion.
Wirkstoffe (Hauptindikationen): systemische Therapie
Die Dosierungen beziehen sich auf Erwachsene. Die Biologikaregime sind Regime der Plaque-Psoriasis (Schuppenflechte mit erhabenen, scharf begrenzten Hautstellen); bei primär gelenkbezogener Indikation können andere Regime gelten. Kinder und Jugendliche benötigen eine gesonderte Prüfung von Alterszulassung, Körpergewicht und Fachinformation. Systemtherapien erfolgen fachärztlich mit wirkstoffbezogener Überwachung.
Konventionelle Systemtherapeutika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Methotrexat | Strikt einmal wöchentlich, niemals täglich. Option bei Haut- und peripherer Gelenkbeteiligung; kein generell bevorzugtes Mittel bei isolierter Nagelpsoriasis. Blutbild, Leber- und Nierenfunktion überwachen; Interaktionen und Nierenanpassung beachten [LL1]. |
| Ciclosporin | Eher zeitlich begrenzte Behandlung bei erforderlichem raschem Ansprechen. Blutdruck und Nierenfunktion eng überwachen; keine routinemäßige Kombination mit Phototherapie [LL1]. |
| Acitretin | Option insbesondere bei ausgeprägter Hyperkeratose; höhere Dosen können Nagelfragilität (brüchige Nägel) verstärken. Weniger geeignet, wenn eine rasche umfassende Kontrolle oder eine Behandlung aktiver Arthritis erforderlich ist [2]. |
| Dimethylfumarat | Option bei begleitender mittelschwerer bis schwerer Plaque-Psoriasis; geringere nagelspezifische Evidenz als für mehrere Biologika. Blutbild einschließlich Lymphozyten sowie Leber- und Nierenfunktion kontrollieren [FI15]. |
- Wirkweise: Methotrexat wirkt in der niedrig dosierten Entzündungstherapie immunmodulierend, unter anderem über Adenosin; Ciclosporin hemmt Calcineurin und T-Zell-Aktivierung; Acitretin reguliert Verhornung und Differenzierung; Dimethylfumarat wirkt immunmodulierend.
- Indikation: Individuell ausgewählte systemisch behandlungsbedürftige Psoriasis mit Nagelbeteiligung; Methotrexat auch bei entsprechender peripherer Psoriasisarthritis. Die Nagelwirksamkeit konventioneller Mittel ist unterschiedlich und rechtfertigt keine starre Erstlinienhierarchie.
- Kontraindikationen: Methotrexat bei Schwangerschaft, Stillzeit, schweren Leber- oder Nierenfunktionsstörungen, ausgeprägten Zytopenien (verminderte Zahl bestimmter Blutzellen) und schweren Infektionen; Ciclosporin bei relevanter Nierenfunktionsstörung oder unkontrollierter Hypertonie (Bluthochdruck). Acitretin bei Schwangerschaft und Stillzeit sowie ohne Einhaltung des Schwangerschaftsverhütungsprogramms; wirksame Kontrazeption bis drei Jahre nach Absetzen; bei gebärfähigen Frauen Alkohol während der Behandlung und bis zwei Monate danach vermeiden. Dimethylfumarat bei schweren gastrointestinalen, Leber- oder Nierenerkrankungen sowie Schwangerschaft und Stillzeit. Weitere Ausschlüsse und Interaktionen präparatespezifisch prüfen.
- Nebenwirkungen: Methotrexat: gastrointestinale Beschwerden (Beschwerden des Magens oder Darms), Zytopenien, Hepatotoxizität (Schädigung der Leber) und selten Pneumonitis (Entzündung des Lungengewebes). Ciclosporin: Nephrotoxizität (Schädigung der Nieren), Hypertonie und Interaktionen. Acitretin: Schleimhaut- und Hauttrockenheit, Nagelfragilität, Hyperlipidämie (erhöhte Blutfettwerte) und Hepatotoxizität. Dimethylfumarat: Flush (anfallsartige Hautrötung und Wärmegefühl), gastrointestinale Beschwerden und Lymphopenie (verminderte Zahl von Lymphozyten im Blut); bei anhaltender ausgeprägter Lymphopenie Risiko opportunistischer Infektionen (Infektionen durch Erreger, die bei geschwächter Abwehr leichter auftreten) einschließlich PML (seltene, schwere Infektion des Gehirns).
Gezielte orale Wirkstoffe
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Apremilast | PDE-4-Inhibitor; moderate Nagelwirksamkeit. Gewicht und psychische Symptome überwachen; starke Enzyminduktoren können die Wirkung vermindern [FI1, B1]. |
| Deucravacitinib | Selektiver allosterischer TYK2-Inhibitor; Option innerhalb der zugelassenen Plaque-Psoriasis- bzw. Psoriasisarthritis-Indikation. Nagelspezifische Evidenz weniger umfangreich als für etablierte Biologika; keine automatische Gleichsetzung mit dem Risikoprofil anderer JAK-Inhibitoren [FI2]. |
- Wirkweise: Apremilast hemmt PDE-4; Deucravacitinib hemmt TYK2 und damit unter anderem IL-12-/IL-23- und Typ-I-Interferon-Signalwege.
- Indikation: Systemisch behandlungsbedürftige Psoriasis im jeweiligen Zulassungsrahmen; Auswahl bei Wunsch nach oraler Therapie und passendem Sicherheitsprofil.
- Kontraindikationen: Apremilast bei Schwangerschaft und Überempfindlichkeit. Deucravacitinib bei klinisch bedeutsamen aktiven Infektionen einschließlich aktiver Tuberkulose (bakterielle Infektionskrankheit, meist der Lunge); Anwendung bei schwerer Leberinsuffizienz (eingeschränkte Leberfunktion) nicht empfohlen. Schwangerschaft unter Deucravacitinib vorsorglich vermeiden; Stillentscheidung individuell nach Fachinformation.
- Nebenwirkungen: Apremilast: Diarrhoe (Durchfall), Übelkeit, Kopfschmerzen, Gewichtsverlust und mögliche Depression (anhaltende psychische Erkrankung mit gedrückter Stimmung) bzw. Suizidalität (Gedanken oder Absichten, sich das Leben zu nehmen). Deucravacitinib: Atemwegsinfektionen, Herpes-simplex-Infektionen (Infektionen durch Herpes-simplex-Viren), orale Ulzerationen (Geschwüre in Mund oder Mundschleimhaut), akneiforme Veränderungen (akneähnliche Hautveränderungen) und mögliche Creatinkinase-Erhöhung [FI1, FI2, B1].
TNF-Inhibitoren
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Adalimumab | Nagelwirksamkeit in einer nagelspezifischen randomisierten Studie belegt; bei zusätzlicher Arthritis oder geeigneter chronisch-entzündlicher Darmerkrankung (lang anhaltende Entzündung des Darms) relevant [3, FI3]. |
| Etanercept | Option bei passender Haut- und Gelenkindikation; behandelt eine chronisch-entzündliche Darmerkrankung nicht [FI10]. |
| Infliximab | Infusion unter geeigneter Überwachung; bei passenden zusätzlichen Gelenk- oder Darmindikationen berücksichtigen [FI11]. |
| Certolizumab pegol | Bei erforderlicher Biologikatherapie im Zusammenhang mit Schwangerschaft besonders berücksichtigen; geringe plazentare Übertragung [FI12]. |
- Wirkweise: Hemmung von TNF und dadurch Verminderung der psoriatischen Entzündungsaktivität.
- Indikation: Psoriasis mit relevanter Nagelbeteiligung innerhalb der jeweiligen Zulassung; begleitende Arthritis und weitere entzündliche Erkrankungen berücksichtigen.
- Kontraindikationen: Aktive Tuberkulose und schwere aktive Infektionen; Herzinsuffizienz (Herzschwäche) und demyelinisierende Erkrankungen (Erkrankungen mit Schädigung der schützenden Nervenhülle) wirkstoffbezogen beachten. Keine pauschale Kontraindikation aller TNF-Inhibitoren in Schwangerschaft und Stillzeit.
- Nebenwirkungen: Infektionen, Reaktionen an der Injektionsstelle bzw. Infusionsreaktionen; selten demyelinisierende Ereignisse, Lupus-ähnliche Reaktionen oder Verschlechterung einer Herzinsuffizienz [FI3].
IL-17-Inhibitoren
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Secukinumab | Haut-, Nagel- und Gelenkwirksamkeit; die Induktion umfasst ausdrücklich auch Woche 4 [FI4]. |
| Ixekizumab | Gut belegte Nagelwirksamkeit; bei Gelenkmanifestation Indikationsregime beachten [FI5]. |
| Bimekizumab | Hemmung von IL-17A und IL-17F; hohe Haut- und Nagelwirksamkeit, erhöhte Häufigkeit mukokutaner Candidosen (Pilzinfektionen von Haut und Schleimhäuten) [FI6]. |
| Brodalumab | Blockade des IL-17-Rezeptors; keine Psoriasisarthritis-Zulassung. Aktiver Morbus Crohn (chronisch-entzündliche Darmerkrankung) ist kontraindiziert; Suizidalität und psychiatrische Vorgeschichte besonders berücksichtigen [FI13]. |
- Wirkweise: Hemmung der IL-17-Signalachse; bei Brodalumab Rezeptorblockade, bei Bimekizumab kombinierte IL-17A-/IL-17F-Hemmung.
- Indikation: Systemisch behandlungsbedürftige Plaque-Psoriasis mit belastender Nagelbeteiligung; für Secukinumab, Ixekizumab und Bimekizumab zusätzlich geeignete Gelenkindikationen.
- Kontraindikationen: Klinisch bedeutsame aktive Infektionen. Bei chronisch-entzündlicher Darmerkrankung im Allgemeinen andere Wirkstoffklassen bevorzugen; die formale Kontraindikation bei Brodalumab und die Warnhinweise der übrigen Präparate unterscheiden.
- Nebenwirkungen: Atemwegsinfektionen, mukokutane Candidosen, Injektionsreaktionen und mögliche Erstmanifestation bzw. Verschlechterung einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung [FI4, FI5, FI6].
IL-23- und IL-12/23-Inhibitoren
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Risankizumab | IL-23p19-Inhibitor; wirksam bei Haut- und Nagelbeteiligung, auch Psoriasisarthritis-Zulassung [FI7]. |
| Guselkumab | IL-23p19-Inhibitor; bei entsprechender Zulassung auch Gelenk- und Darmmanifestationen berücksichtigen [FI8]. |
| Tildrakizumab | IL-23p19-Inhibitor; keine Psoriasisarthritis-Zulassung; nagelspezifische Daten weniger umfangreich [FI14]. |
| Ustekinumab | IL-12/23p40-Inhibitor; etablierte Option bei passenden Haut-, Gelenk- und Darmindikationen. Historische PASI-Vergleiche belegen keine aktuelle Überlegenheit bei Nagelpsoriasis [4, FI9]. |
- Wirkweise: Selektive IL-23p19-Hemmung bzw. Hemmung der gemeinsamen p40-Untereinheit von IL-12 und IL-23 durch Ustekinumab.
- Indikation: Systemisch behandlungsbedürftige Plaque-Psoriasis mit Nagelbeteiligung; Begleiterkrankungen und unterschiedliche Zusatzindikationen berücksichtigen.
- Kontraindikationen: Klinisch bedeutsame aktive Infektionen und Überempfindlichkeit. Schwangerschaftsplanung, Stillzeit und Impfungen präparatespezifisch beurteilen.
- Nebenwirkungen: Vor allem Atemwegsinfektionen, Injektionsreaktionen und mögliche Überempfindlichkeitsreaktionen (übermäßige Reaktionen des Immunsystems) [FI7, FI8, FI9].
Wirkstoffe (Nebenindikationen): ergänzende lokale Optionen
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Harnstoff | Adjuvante Keratolyse; keine antipsoriatische Monotherapie und keine routinemäßige chemische Nagelentfernung [2]. |
| Tacrolimus 0,1 % | Off-Label-Use; begrenzte Evidenz. Alternative bei ausgewähltem periungualem Befall (Befall der Haut rund um den Nagel); nicht gleichwertig mit etablierten Erstoptionen [2]. |
| Tazaroten 0,05-0,1 % | Off-Label-Use an Nägeln; begrenzte Evidenz und lokale Reizung. Verfügbarkeit prüfen; keine Anwendung bei Schwangerschaft oder geplanter Schwangerschaft [2]. |
- Wirkweise: Harnstoff erweicht Hornsubstanz; Tacrolimus hemmt Calcineurin; Tazaroten beeinflusst retinoidabhängig Differenzierung und Proliferation.
- Indikation: Ergänzende bzw. ausgewählte lokale Behandlung bei unzureichendem Ansprechen oder Unverträglichkeit der bevorzugten Optionen.
- Kontraindikationen: Überempfindlichkeit; Tacrolimus nicht auf unbehandelte infizierte Areale auftragen. Tazaroten ist bei Schwangerschaft und geplanter Schwangerschaft kontraindiziert.
- Nebenwirkungen: Brennen, Irritation und Kontaktdermatitis (Hautentzündung durch direkten Kontakt mit einem Auslöser); unter Tacrolimus lokale Infektionen möglich. Hoch konzentrierter Harnstoff kann die umgebende Haut schädigen.
Beachte
- Sicherheit der Systemtherapie: Vor Biologika bzw. gezielten immunmodulierenden Therapien Infektionsrisiken, Tuberkulose nach Fachinformation, Hepatitisrisiken, Impfstatus und Begleiterkrankungen prüfen. Kontrollen und Therapiepausen richten sich nach Wirkstoff und klinischem Risiko; nicht alle Präparate benötigen identische Laborintervalle.
- Schwangerschaft und Kinderwunsch: Methotrexat und Acitretin sind besonders problematisch; Verhütungsfristen und Schwangerschaftsverhütungsprogramme verbindlich beachten. Für Biologika keine pauschale Klassenkontraindikation formulieren; Auswahl individuell, gegebenenfalls mit besonderer Berücksichtigung von Certolizumab pegol.
- Keine Routineempfehlung: Systemische Glukocorticoide, Steinkohleteer, Dithranol und konventionelle UV-B-Phototherapie sind keine bevorzugten Behandlungen einer isolierten Nagelpsoriasis. Eine Wirksamkeit gegen Hautplaques darf nicht automatisch auf die Nägel übertragen werden [1, 2].
- Einordnung älterer Quellen: Das BioCAPTURE-Register beschreibt die Hautwirksamkeit älterer Biologika; die IQWiG-Mitteilung von 2017 betrifft ausgewählte Plaque-Psoriasis-Populationen. Beide begründen keine heutige nagelspezifische Rangfolge. Der Review zu pflanzlichen Externa rechtfertigt keine pauschale Empfehlung der dort diskutierten Präparate für Nagelpsoriasis [4, 5, B2].
Abkürzungen
- PASI: Psoriasis Area and Severity Index
- NAPSI: Nail Psoriasis Severity Index
- PDE-4: Phosphodiesterase-4
- TYK2: Tyrosinekinase 2
- TNF: Tumornekrosefaktor
- IL: Interleukin
- JAK: Januskinase
- PML: Progressive multifokale Leukenzephalopathie
- UV-B: Ultraviolett-B-Strahlung
Literatur
- Rigopoulos D, Baran R, Chiheb S et al.: Recommendations for the definition, evaluation, and treatment of nail psoriasis in adult patients with no or mild skin psoriasis: A dermatologist and nail expert group consensus. J Am Acad Dermatol. 2019;81:228-240. doi: 10.1016/j.jaad.2019.01.072.
- Hadeler E, Mosca M, Hong J et al.: Nail Psoriasis: A Review of Effective Therapies and Recommendations for Management. Dermatol Ther (Heidelb). 2021;11:799-831. doi: 10.1007/s13555-021-00523-x.
- Elewski BE et al.: Adalimumab for nail psoriasis: efficacy and safety over 52 weeks from a phase-3, randomized, placebo-controlled trial. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2019. PubMed.
- Zweegers J et al.: Comparison of the 1- and 5-year effectiveness of adalimumab, etanercept and ustekinumab in patients with psoriasis in daily clinical practice: results from the prospective BioCAPTURE registry. Br J Dermatol. 2017. doi: 10.1111/bjd.15023.
- Farahnik B, Sharma D, Alban J et al.: Topical Botanical Agents for the Treatment of Psoriasis: A Systematic Review. Am J Clin Dermatol. 2017;18:451-468. doi: 10.1007/s40257-017-0266-0.
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- S3-Leitlinie: Therapie der Psoriasis vulgaris. (AWMF-Registernummer: 013-001), Januar 2026, Version 8.1. Langfassung [LL1]
- EuroGuiDerm Guideline for the systemic treatment of psoriasis vulgaris. September 2023, partielle Aktualisierung Februar 2025. Leitlinie und aktuelle Dokumente [LL2]
- Nast A, Gisondi P, Ormerod AD et al.: European S3-Guidelines on the systemic treatment of psoriasis vulgaris - Update 2015 - Short version - EDF in cooperation with EADV and IPC. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2015;29:2277-2294. Historische, durch aktuelle Leitlinien ersetzte Fassung. PubMed [LL3]
- Nast A, Jacobs A, Rosumeck S et al.: Methods Report: European S3-Guidelines on the systemic treatment of psoriasis vulgaris - update 2015 - EDF in cooperation with EADV and IPC. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2015;29:e1-e22. Historischer Methodenbericht. doi: 10.1111/jdv.13353 [LL4]
Behörden und Arzneimittelsicherheit
- Rote-Hand-Brief: Otezla (Apremilast) - Neue wichtige Hinweise zu Suizidgedanken und suizidalem Verhalten. November 2016. Rote-Hand-Brief [B1]
- IQWiG: Secukinumab und Ixekizumab bei Psoriasis: Beträchtlicher Zusatznutzen für bestimmte Patienten. 1. Juni 2017; historische Nutzenbewertung zur Plaque-Psoriasis. Mitteilung [B2]
Produktinformationen
- Amgen: Otezla, Filmtabletten; aktuelle EMA-Produktinformation, Abruf 14. Oktober 2026. Fachinformation [FI1]
- Bristol-Myers Squibb: Sotyktu, 6 mg Filmtabletten; EMA-Aktualisierung 3. Juni 2026. Fachinformation [FI2]
- AbbVie: Humira, Injektionslösung; aktuelle EMA-Produktinformation, Abruf 14. Oktober 2026. Produktinformation [FI3]
- Novartis: Cosentyx, Injektionslösung; EMA-Aktualisierung 16. Oktober 2025. Fachinformation [FI4]
- Eli Lilly: Taltz, Injektionslösung; aktuelle EMA-Produktinformation, Abruf 14. Oktober 2026. Produktinformation [FI5]
- UCB: Bimzelx, Injektionslösung; EMA-Aktualisierung 8. Mai 2026. Produktinformation [FI6]
- AbbVie: Skyrizi, Injektionslösung; aktuelle EMA-Produktinformation, Abruf 14. Oktober 2026. Fachinformation [FI7]
- Janssen-Cilag: Tremfya, Injektionslösung; aktuelle EMA-Produktinformation, Abruf 14. Oktober 2026. Produktinformation [FI8]
- Janssen-Cilag: Stelara, Injektionslösung; aktuelle EMA-Produktinformation, Abruf 14. Oktober 2026. Produktinformation [FI9]
- Pfizer: Enbrel, Injektionslösung; aktuelle EMA-Produktinformation, Abruf 14. Oktober 2026. Produktinformation [FI10]
- Janssen-Cilag: Remicade, Pulver zur Herstellung eines Infusionslösungskonzentrats; aktuelle EMA-Produktinformation, Abruf 14. Oktober 2026. Produktinformation [FI11]
- UCB: Cimzia, Injektionslösung; aktuelle EMA-Produktinformation, Abruf 14. Oktober 2026. Produktinformation [FI12]
- LEO Pharma: Kyntheum, Injektionslösung; aktuelle EMA-Produktinformation, Abruf 14. Oktober 2026. Produktinformation [FI13]
- Almirall: Ilumetri, Injektionslösung; aktuelle EMA-Produktinformation, Abruf 14. Oktober 2026. Produktinformation [FI14]
- Almirall: Skilarence, magensaftresistente Tabletten; aktuelle EMA-Produktinformation, Abruf 14. Oktober 2026. Produktinformation [FI15]