Gesichtsekzem – Medikamentöse Therapie

Therapieziel

Linderung von Entzündung, Juckreiz und Brennen, Wiederherstellung der Hautbarriere sowie Vermeidung von Rezidiven (Rückfällen) und therapiebedingten Hautschäden. Die Behandlung richtet sich nach Ekzemform (Form der entzündlichen Hauterkrankung), Entzündungsaktivität und betroffener Gesichtsregion.

Therapieempfehlungen

  • Basistherapie: Milde Reinigung und regelmäßige Anwendung einer reizarmen, möglichst duftstofffreien Hautpflege. Grundlage nach Hautzustand wählen: bei trockener Haut stärker rückfettend, bei akut nässenden Befunden weniger okklusiv (abdichtend). Potenzielle Kontaktallergene (Stoffe, die bei Hautkontakt eine Allergie auslösen können) und irritierende Kosmetika meiden [LL1, LL2].
  • Atopisches Gesichtsekzem (Gesichtsekzem bei Neurodermitis): Im akuten Schub kurzzeitig ein schwach wirksames topisches Glukokortikosteroid (örtlich angewendetes Cortisonpräparat) einsetzen. Bei wiederkehrendem Behandlungsbedarf, insbesondere an Augenlidern und anderen empfindlichen Gesichtsarealen, topische Calcineurininhibitoren (örtlich angewendete, cortisonfreie Entzündungshemmer) entsprechend ihrer Zulassung bevorzugt berücksichtigen [LL1, FI1, FI2].
  • Allergisches Kontaktekzem (durch eine Kontaktallergie ausgelöste Hautentzündung): Auslöser identifizieren und konsequent meiden; bei persistierendem (anhaltendem) oder rezidivierendem Verlauf Epikutantestung veranlassen. Zur akuten Entzündungshemmung niedrigpotente (schwach wirksame) topische Glukokortikosteroide. Calcineurininhibitoren kommen bei ausgewählten Verläufen als Off-Label-Use infrage [LL2].
  • Irritatives Kontaktekzem (durch hautreizende Stoffe ausgelöste Hautentzündung): Irritanzien (hautreizende Stoffe) reduzieren und Hautbarriere stabilisieren; bei ausgeprägter Entzündung kurzzeitig niedrigpotente topische Glukokortikosteroide. Eine dauerhafte antientzündliche Behandlung ersetzt die Expositionsvermeidung nicht [LL2].
  • Seborrhoisches Gesichtsekzem (Gesichtsekzem mit häufig fettig wirkender Schuppung): Topische Antimykotika (örtlich angewendete Mittel gegen Pilze), z. B. Ketoconazol, einsetzen. Bei ausgeprägter Entzündung kann vorübergehend ein schwach wirksames Glukokortikosteroid ergänzt werden. Calcineurininhibitoren sind eine steroidfreie Option bei rezidivierenden Verläufen, hierbei jedoch Off-Label-Use [1].
  • Augenlider und periokuläre Haut (Haut um die Augen): Besonders zurückhaltender Steroideinsatz; bei gesichertem atopischem Ekzem frühzeitig Calcineurininhibitoren erwägen. Hautpräparate dürfen nicht in das Auge oder auf die Bindehaut gelangen. Bei Augenschmerzen, Photophobie (Lichtscheu) oder Sehstörungen augenärztliche Abklärung [LL1, FI1–FI3].
  • Behandlungsdauer und Steroidpotenz (Wirkstärke des Cortisonpräparates): Im Gesicht grundsätzlich die niedrigste ausreichend wirksame Potenz und die kürzeste erforderliche Dauer wählen. Als kurze Initialbehandlung sind häufig 3–5 Tage ausreichend; anschließend Befundkontrolle. Die S3-Leitlinie nennt für das atopische Gesichts- und Halsekzem im Kindesalter ausdrücklich 3 bis maximal 5 Tage. Eine höhere Potenz oder längere Anwendung bedarf einer begründeten ärztlichen Entscheidung [LL1].

Wirkstoffe (Hauptindikationen)

Topische Glukokortikosteroide – schwach wirksam, Klasse I nach Niedner

Wirkstoff Besonderheiten
Hydrocortison, z. B. 0,5 % Zur akuten Entzündungshemmung bei atopischem oder Kontaktgesichtsekzem; beim seborrhoischen Ekzem gegebenenfalls kurzzeitig zusätzlich zum Antimykotikum. Altersgrenzen und Einschränkungen des konkreten Präparates beachten [LL1, LL2, FI3].
  • Wirkweise: Antientzündlich, immunsuppressiv (die Immunabwehr unterdrückend) und antiproliferativ (die Zellvermehrung hemmend).
  • Indikation: Akuter entzündlicher Ekzemschub; Auswahl nach Ekzemform und Lokalisation.
  • Kontraindikationen: Insbesondere Rosazea (chronisch entzündliche Gesichtshauterkrankung), periorale Dermatitis (entzündlicher Hautausschlag um den Mund) und unbehandelte Infektionen im Anwendungsgebiet; präparatespezifische Vorgaben beachten.
  • Nebenwirkungen: Bei längerer oder unangemessen potenter Anwendung Hautatrophie (Hautverdünnung), Teleangiektasien (sichtbar erweiterte kleine Hautgefäße), steroidinduzierte Rosazea bzw. periorale Dermatitis; bei periokulärer Anwendung Risiko okulärer Komplikationen (Komplikationen am Auge). Keine unkontrollierte Daueranwendung [LL1, FI3].

Topische Calcineurininhibitoren – zugelassen beim atopischen Ekzem

Wirkstoff Besonderheiten
Pimecrolimus 1 % Creme Ab 3 Monaten bei leichtem bis mittelschwerem atopischem Ekzem, wenn topische Glukokortikosteroide nicht angebracht oder nicht möglich sind; besonders für Gesicht und Hals relevant. Intermittierende Anwendung [FI1].
Tacrolimus 0,03 % bzw. 0,1 % Salbe Bei mittelschwerem bis schwerem atopischem Ekzem entsprechend den Zulassungsvoraussetzungen. Bei fehlender Besserung nach 2 Wochen Therapie überprüfen. Bei geeigneten Patienten nach erfolgreicher Initialtherapie Erhaltungstherapie 1-mal täglich an 2 Tagen pro Woche; nach 12 Monaten ärztliche Neubewertung [FI2].
  • Wirkweise: Hemmung der Calcineurin-abhängigen Aktivierung von T-Lymphozyten (bestimmten Abwehrzellen) und der Freisetzung entzündungsfördernder Zytokine (Botenstoffe des Immunsystems).
  • Indikation: Atopisches Ekzem gemäß Fachinformation; besonders geeignet für empfindliche Lokalisationen und wiederkehrenden antientzündlichen Behandlungsbedarf.
  • Kontraindikationen und Anwendungseinschränkungen: Überempfindlichkeit; nicht auf malignitätsverdächtigen Hautveränderungen (Hautveränderungen mit Verdacht auf Bösartigkeit) anwenden. Klinische Infektionen im Behandlungsgebiet vor Anwendung behandeln. Keine Anwendung auf Schleimhäuten oder unter Okklusion; UV-Exposition minimieren und geeigneten Lichtschutz beachten.
  • Nebenwirkungen: Vorübergehendes Brennen, Wärmegefühl, Rötung oder Juckreiz; lokale Infektionen möglich. Keine steroidbedingte Hautatrophie [FI1, FI2].

Topische Antimykotika – seborrhoisches Gesichtsekzem

Wirkstoff Besonderheiten
Ketoconazol 2 % Creme Wirksam beim seborrhoischen Ekzem. Die Zulassung ist präparatespezifisch: Die deutsche Fachinformation von Nizoral 2 % Creme nennt Dermatomykosen (Pilzerkrankungen der Haut), jedoch kein seborrhoisches Ekzem ausdrücklich; Anwendung hierfür gegebenenfalls Off-Label-Use. Zulassung nicht vom Shampoo auf die Creme übertragen [1, FI4].
  • Wirkweise: Hemmung der Ergosterolsynthese; antimykotische Wirkung gegen Malassezia-Hefen.
  • Indikation: Seborrhoisches Gesichtsekzem; keine routinemäßige Anwendung bei atopischem oder Kontaktgesichtsekzem ohne entsprechende Zusatzindikation.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Wirkstoff oder Bestandteile; Augenkontakt vermeiden.
  • Nebenwirkungen: Lokales Brennen, Rötung, Juckreiz und Kontaktdermatitis (durch Hautkontakt ausgelöste Hautentzündung) [FI4].

Wirkstoffe (Nebenindikationen)

Calcineurininhibitoren bei nicht atopischen Gesichtsekzemen

Pimecrolimus oder Tacrolimus können bei ausgewählten rezidivierenden Kontakt- oder seborrhoischen Gesichtsekzemen dermatologisch erwogen werden. Dies ist Off-Label-Use; Anwendungsschema, Nutzen und Risiken individuell festlegen. Die zugelassenen Dosierungen des atopischen Ekzems begründen keine Zulassung für andere Ekzemformen [1, LL2].

Beachte

  • Eiterbläschen – Pustel: Pusteln sind eine Effloreszenz (sichtbare Hautveränderung) und keine eigenständige Ekzemdiagnose. Bei pustulösen Gesichtsbefunden unter anderem Rosazea, periorifizielle Dermatitis (entzündlicher Hautausschlag um Mund, Nase oder Augen), Akne und Follikulitis (Haarbalgentzündung) abgrenzen. Keine pauschale Steroid- oder Antibiotikatherapie allein aufgrund der Morphologie [LL3].
  • Infektionsbehandlung: Antibiotika nur bei klinisch relevanter bakterieller Infektion; keine routinemäßige antibiotische Behandlung eines nicht infizierten Ekzems [LL1].
  • Therapieversagen: Diagnose, Kontaktallergie auf Arzneimittel oder Hilfsstoffe und fortbestehende Exposition überprüfen, bevor Potenz oder Behandlungsdauer erhöht werden [LL2].
  • Systemtherapie (Behandlung mit im ganzen Körper wirkenden Arzneimitteln): Keine pauschale Indikation aufgrund der Gesichtslokalisation. Bei schwerem oder therapieresistentem Verlauf ursachenbezogene dermatologische Behandlung, bei atopischem Ekzem entsprechend dem zugehörigen Therapiealgorithmus.

Abkürzungen

  • AWMF: Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften.
  • bzw.: beziehungsweise.
  • doi: Digital Object Identifier; dauerhafte Kennung einer wissenschaftlichen Veröffentlichung.
  • EMA: Europäische Arzneimittel-Agentur.
  • et al.: und weitere Autoren.
  • FI: Fachinformation.
  • LL: Leitlinie.
  • UV: ultraviolett.
  • z. B.: zum Beispiel.

Literatur

  1. Stratigos JD et al.: A double-blind trial of treatment of seborrhoeic dermatitis with 2% ketoconazole cream compared with 1% hydrocortisone cream. Br J Dermatol. 1989;121(3):353–357. PubMed.

Leitlinien

  1. Deutsche Dermatologische Gesellschaft: S3-Leitlinie Atopische Dermatitis. AWMF-Registernummer 013-027. Für die Lokaltherapie: Werfel T et al.: S3-Leitlinie Atopische Dermatitis: Teil 1 – Allgemeine Aspekte, topische und nichtmedikamentöse Therapien, besondere Patientengruppen. J Dtsch Dermatol Ges. 2024;22:137–155. doi:10.1111/ddg.15230_g. AWMF. Langfassung [LL1]
  2. Dickel H et al.: S1-Leitlinie Kontaktekzem. 2021, publiziert 2022. AWMF-Registernummer 013-055. doi:10.1111/ddg.14734_g. Hinweis: Frühere Fassung inzwischen abgelaufen; die 2026 angemeldete Aktualisierung ist keine veröffentlichte neue Therapieempfehlung. [LL2]
  3. Deutsche Dermatologische Gesellschaft: S2k-Leitlinie Rosazea. 2022. AWMF-Registernummer 013-065. AWMF. [LL3]

Fachinformationen

  1. Elidel 10 mg/g Creme. Fachinformation. [FI1]
  2. Protopic 0,03 % und 0,1 % Salbe. EMA-Produktinformation. [FI2]
  3. Hydrocortison-ratiopharm 0,5 % Creme. Fachinformation. [FI3]
  4. Nizoral 2 % Creme. Fachinformation. [FI4]