Gesichtsekzem – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – inklusive Blutdruck, Puls, Körpergewicht, Körpergröße; des Weiteren:
    • Inspektion (Betrachtung) und Palpation (Abtasten) der Haut, insbesondere der Gesichtshaut sowie der angrenzenden Kopfhaut, Augenlider, Ohren, Retroaurikularregion (Bereich hinter den Ohren), Lippen, Perioralregion (Bereich um den Mund) und des Halses; Beurteilung von Lokalisation, Ausdehnung, Symmetrie, Begrenzung und Morphologie (Erscheinungsform) der Effloreszenzen (sichtbare Hautveränderungen)
      [Akutes Ekzem:
      • Erythem (Hautrötung) und Ödem (Schwellung)
      • Papeln (Knötchen) und Vesikel (Bläschen); bei ausgeprägter Entzündungsreaktion ggf. konfluierende (zusammenfließende) Bläschen
      • Exsudation (Austritt von Flüssigkeit) bzw. nässende Erosionen (oberflächliche Hautdefekte) nach Eröffnung der Vesikel
      • Krustenbildung
      • beginnende Schuppung im weiteren Verlauf
      • häufig Exkoriationen (Kratzspuren) als Folge des Pruritus (Juckreizes)
      Subakutes Ekzem:
      • Erythem mit Papeln und zunehmender Schuppung
      • geringere Exsudation
      • ggf. Krusten und Exkoriationen
      Chronisches Ekzem:
      • Erythem und Schuppung unterschiedlicher Ausprägung
      • Lichenifikation (lederartige Hautverdickung)
      • Hyperkeratose (verstärkte Verhornung)
      • Rhagaden (Einrisse) bzw. Fissuren (Spalten)
      • Exkoriationen
      • ggf. postinflammatorische Hyper- bzw. Hypopigmentierung (verstärkte bzw. verminderte Hautfärbung nach Entzündung)]
    • Beurteilung des Verteilungsmusters und möglicher morphologischer Hinweise auf die Genese (Entstehungsursache):
      • allergisches bzw. irritatives Kontaktekzem häufig lokalisierte, teils scharf oder irregulär begrenzte erythematöse (gerötete), ödematöse (geschwollene) und papulovesikulöse (mit Knötchen und Bläschen einhergehende) Veränderungen; bei Gesichtsekzemen insbesondere auch periokuläre (um das Auge gelegene) bzw. Augenlidbeteiligung; asymmetrische oder streng kontaktbezogene Verteilung möglich
      • atopisches Ekzem eher unscharf begrenzte erythematös-squamöse (gerötete und schuppende) Läsionen (Hautveränderungen), Xerosis cutis (trockene Haut) und häufig Augenlidbeteiligung; Suche nach weiteren atopietypischen Ekzemlokalisationen, insbesondere Beugenekzemen
      • seborrhoisches Ekzem unscharf begrenzte erythematöse Areale mit feiner bis gelblich-fettiger Schuppung, bevorzugt an behaarter Kopfhaut, Haaransatz, Augenbrauen, Glabella (Bereich zwischen den Augenbrauen), Nasolabialfalten (Falten zwischen Nase und Mundwinkeln) und retroaurikulär (hinter den Ohren)
      • periorifizielle Dermatitis (entzündliche Hauterkrankung um Körperöffnungen) monomorphe (gleichförmige) kleine erythematöse Papeln bzw. Papulopusteln (Knötchen mit kleinen Eiterbläschen) perioral (um den Mund), perinasal (um die Nase) und/oder periokulär (um die Augen); typischerweise Aussparung eines schmalen Saums unmittelbar am Lippenrot
      • Rosazea persistierendes (anhaltendes) centrofaziales (im mittleren Gesichtsbereich gelegenes) Erythem, Teleangiektasien (sichtbar erweiterte kleine Blutgefäße) sowie ggf. Papeln und Pusteln (Eiterbläschen) ohne Komedonen (Mitesser)
      • Psoriasis (Schuppenflechte) bzw. Sebopsoriasis stärker begrenzte erythematös-squamöse Plaques (gerötete, schuppende Hautflächen), insbesondere am Haaransatz, an der Kopfhaut und retroaurikulär
    • Inspektion auf Zeichen einer sekundären Infektion
      [verstärkte Rötung und Schwellung, Pusteln, eitrige Exsudation, gelbliche bzw. honiggelbe Krusten, schmerzhafte Erosionen; bei Eczema herpeticatum (großflächiger Herpesinfektion auf vorgeschädigter Haut) disseminierte (weit verstreute), monomorphe Vesikel bzw. rundliche, ausgestanzte Erosionen]
    • Inspektion der Augenlider und periokulären Region
      [Liderythem (Rötung des Augenlids), Lidödem (Schwellung des Augenlids), Schuppung, Rhagaden, Exkoriationen; bei ausgeprägtem schmerzhaften periokulären Ödem, okulären (das Auge betreffenden) Beschwerden oder Visusbeeinträchtigung (Sehverschlechterung) Hinweis auf eine über ein isoliertes Gesichtsekzem hinausgehende Erkrankung]
    • Inspektion der Lippen und Mundwinkel
      [Cheilitis (Lippenentzündung), Rhagaden, Perlèche (entzündliche Einrisse der Mundwinkel)]
    • Inspektion der übrigen Haut, insbesondere bei Verdacht auf atopische Dermatitis (Neurodermitis), Psoriasis oder generalisierte Kontaktdermatitis (großflächige kontaktbedingte Hautentzündung)
      [Xerosis cutis, Beugenekzeme, weitere ekzematöse Herde, psoriatische Plaques]
    • Palpation der regionären Lymphknoten (örtlich zugehörige Lymphknoten) bei klinischem Verdacht auf bakterielle bzw. virale Superinfektion (zusätzliche Infektion einer bereits erkrankten Haut)
      [druckschmerzhafte bzw. vergrößerte Lymphknoten]
  • ggf. dermatologische Untersuchung (fachärztliche Hautuntersuchung)
  • ggf. ophthalmologische Untersuchung (augenärztliche Untersuchung) bei ausgeprägter Augenlid- bzw. periokulärer Beteiligung oder okulärer Symptomatik (Augenbeschwerden)

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.