Eiterbläschen (Pustel) – Medikamentöse Therapie

Therapieziel

Behandlung der zugrunde liegenden Erkrankung, Abheilung der Pusteln und Linderung von Schmerzen, Juckreiz und entzündlichen Hautveränderungen. Bei infektiösen Ursachen sollen außerdem Ausbreitung und Komplikationen verhindert werden. Die medikamentöse Behandlung richtet sich nach der gesicherten oder hinreichend wahrscheinlichen Diagnose.

Therapieempfehlungen

Eine Pustel ist eine umschriebene, mit eitrig erscheinendem Inhalt gefüllte Hautveränderung. Eitriger Inhalt beweist keine bakterielle Infektion: Auch Pilze, Viren und sterile (nicht durch vermehrungsfähige Erreger verursachte) Entzündungen können entsprechende Veränderungen verursachen [2].

Einordnung Beispiele Therapeutische Konsequenz
Bakteriell Staphylococcus-aureus-Follikulitis (durch bestimmte Bakterien verursachte Haarbalgentzündung), Impetigo (ansteckende oberflächliche bakterielle Hautinfektion) Je nach Diagnose und Ausdehnung lokale oder systemische Behandlung.
Durch Hefepilze bedingt Kutane Candidose (Hefepilzinfektion der Haut), Malassezia-Follikulitis (durch bestimmte Hefepilze verursachte Haarbalgentzündung) Erregerspezifische antimykotische Therapie.
Entzündlich Akne Erkrankungsspezifische Kombinationstherapie; keine bloße bakterielle Infektion.
Sterile Pustulose (Pustelbildung ohne vermehrungsfähige Erreger) Generalisierte pustulöse Psoriasis (großflächige Schuppenflechte mit Eiterbläschen), palmoplantare Pustulose (Pustelerkrankung an Handflächen und Fußsohlen) Dermatologische Behandlung.
Arzneimittelreaktion Akute generalisierte exanthematische Pustulose (AGEP) (plötzlich auftretender großflächiger Hautausschlag mit Eiterbläschen) Auslöser absetzen und unverzügliche ärztliche Beurteilung.
Weitere entzündliche Erkrankungen Eosinophile Follikulitis (Haarbalgentzündung unter Beteiligung bestimmter weißer Blutkörperchen), subkorneale Pustulose (Pustelerkrankung unmittelbar unter der Hornschicht der Haut) Diagnosesicherung und fachärztliche Therapie.

Die Pustel ist ein morphologischer Befund und keine eigenständige Diagnose. Ihre Ursache entscheidet über die Therapie; das Erscheinungsbild allein rechtfertigt keine Antibiotikagabe [2].

Gezielte Diagnostik: Lokalisation, Ausbreitung, follikuläre Bindung (Bezug zu den Haarbälgen), Begleitbeschwerden und neue Arzneimittel helfen bei der Einordnung. Bei Rezidiven (Wiederauftreten), Therapieversagen, Ausbreitung oder Immunsuppression (geschwächter Immunabwehr) sollte Material aus einer frischen Pustel für Abstrich und Kultur gewonnen werden. Bei Abszessen (abgekapselten Eiteransammlungen) unterstützt die Kultur des Eiters die gezielte Therapie. Bei unklaren Befunden kommen Mykologie oder Hautbiopsie infrage [LL2, LL4].

Impetigo: Bei lokalisierter nichtbullöser Impetigo (auf einen Bereich begrenzter Hautinfektion ohne Blasenbildung) kommt nach NICE Wasserstoffperoxid-Creme 1 % infrage; bei ungeeigneter oder unwirksamer Behandlung alternativ ein kurz eingesetztes topisches Antibiotikum. Verfügbarkeit und individuelle Eignung sind zu prüfen. Bei ausgedehnter nichtbullöser Impetigo wird zwischen lokaler und oraler Therapie abgewogen. Bullöse Impetigo (Hautinfektion mit Blasenbildung), systemische Beschwerden oder erhöhtes Komplikationsrisiko sprechen für eine orale Antibiotikatherapie. Orale und topische Antibiotika sollen bei Impetigo nicht kombiniert werden [LL1].

Abszesse: Entscheidend sind die fachgerechte Eröffnung und Drainage. Zusätzliche systemische Antibiotika werden anhand von Allgemeinsymptomen, Abwehrlage, Ausdehnung und Verlauf ausgewählt. Sie können auch nach Drainage ausgewählter kleinerer Abszesse Nutzen bringen. Die Entscheidung berücksichtigt den erwarteten zusätzlichen Nutzen, Nebenwirkungen und die lokale Resistenzsituation [1, LL2].

Akne: Adapalen/Benzoylperoxid ist eine mögliche Kombinationstherapie. Topische oder orale Antibiotika sollen nicht als Monotherapie eingesetzt werden; s. Akne/Pharmakotherapie [LL3].

Hefepilzerkrankungen: Miconazol eignet sich bei gesicherter kutaner Candidose. Eine Malassezia-Follikulitis erfordert ein eigenes Behandlungskonzept; s. Malassezia-Follikulitis/Pharmakotherapie [FI3].

Sterile Pustulosen: Bei AGEP sind das auslösende Arzneimittel abzusetzen und eine rasche dermatologische Beurteilung sowie in der Regel eine stationäre Aufnahme zu veranlassen. Topische Glukokortikoide kommen nach Ausschluss einer relevanten Infektion infrage; die Auswahl richtet sich nach der gesicherten Diagnose und dem Schweregrad. Spesolimab ist bei generalisierter pustulöser Psoriasis ab zwölf Jahren zur Schubbehandlung und Schubprävention zugelassen. Eine Indikation zur Behandlung anderer pustulöser Hauterkrankungen ergibt sich daraus nicht; s. Psoriasis pustulosa/Pharmakotherapie [LL4, FI4].

Wirkstoffe (Hauptindikationen)

Die Auswahl gilt für bestimmte Diagnosen und begründet keine universelle Arzneimittelindikation für „Eiterbläschen“. Alter, Schwangerschaft, Begleiterkrankungen und Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die angegebene orale Antibiotikadosierung bezieht sich auf Erwachsene.

Topische Antibiotika

Wirkstoff Besonderheiten
Fusidinsäure 2 % Gezielter, zeitlich begrenzter Einsatz bei geeigneter oberflächlicher bakterieller Hautinfektion. Nicht in Augennähe anwenden; unter zwei Jahren keine klinische Erfahrung. Wiederholte oder länger dauernde Anwendung begünstigt Resistenzen (Unempfindlichkeit von Erregern gegenüber Arzneimitteln) [FI1].
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Proteinsynthese.
  • Indikation: Oberflächliche Hautinfektionen durch Fusidinsäure-empfindliche Bakterien; keine Behandlung steriler Pustulosen.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Wirkstoff oder Bestandteile.
  • Nebenwirkungen: Lokale Reizung, Kontaktdermatitis (durch Hautkontakt ausgelöste Hautentzündung) und andere Überempfindlichkeitsreaktionen.

Systemische Betalaktam-Antibiotika

Wirkstoff Besonderheiten
Flucloxacillin Wirksam bei empfindlichen MSSA, nicht bei MRSA. Kapseln nüchtern mindestens eine Stunde vor oder zwei Stunden nach einer Mahlzeit einnehmen. Bei schwerer Niereninsuffizienz (stark eingeschränkter Nierenfunktion) Dosisanpassung nach Fachinformation. Lebensbedrohliche Infektionen erfordern eine stationäre Behandlung und eine geeignete intravenöse Therapie [LL1, FI5].
  • Wirkweise: Hemmung der bakteriellen Zellwandsynthese.
  • Indikation: Geeignete bakterielle Infektionen durch empfindliche Erreger, insbesondere entsprechend behandlungsbedürftige Impetigo. Auswahl bei anderen Hautinfektionen nach Diagnose, Erregerspektrum und Resistenzbefund.
  • Kontraindikationen: Relevante Betalaktam-Allergie sowie frühere flucloxacillinassoziierte Leberfunktionsstörung oder Gelbsucht.
  • Nebenwirkungen: Gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden), allergische Reaktionen bis zur Anaphylaxie (schweren allergischen Allgemeinreaktion) und selten cholestatische Hepatitis (Leberentzündung mit gestörtem Galleabfluss); weitere Nebenwirkungen gemäß Fachinformation.

Topische Antimykotika

Wirkstoff Besonderheiten
Miconazol 2 % Hier auf kutane Candidose bezogen. Augenkontakt vermeiden. Bei gleichzeitiger Anwendung von Vitamin-K-Antagonisten Gerinnung sorgfältig überwachen. Die Fettgrundlage kann die Sicherheit von Latexkondomen beeinträchtigen [FI3].
  • Wirkweise: Hemmung der Ergosterinsynthese und dadurch Beeinträchtigung der Pilzmembran.
  • Indikation: Kutane Candidose; keine pauschale Behandlung unklarer Pusteln.
  • Kontraindikationen: Überempfindlichkeit gegen Miconazol, andere Imidazol-Derivate oder sonstige Bestandteile.
  • Nebenwirkungen: Kontaktdermatitis, Brennen und weitere lokale Hautreaktionen; sehr selten schwere allergische Reaktionen.

Topisches Retinoid mit Benzoylperoxid

Wirkstoff Besonderheiten
Adapalen 0,1 %/Benzoylperoxid 2,5 % Bei Akne ab neun Jahren. Nicht auf geschädigte oder ekzematöse Haut (Haut mit entzündlichem Ausschlag) auftragen; Augen- und Schleimhautkontakt sowie übermäßige UV-Exposition vermeiden. Kann Haare und Textilien bleichen [FI2].
  • Wirkweise: Adapalen normalisiert die follikuläre Verhornung (Verhornung im Bereich der Haarbälge) und wirkt antiinflammatorisch; Benzoylperoxid (BPO) wirkt oxidativ antimikrobiell und ist kein Antibiotikum.
  • Indikation: Acne vulgaris mit Komedonen (Mitessern), Papeln (Knötchen) und Pusteln; keine allgemeine Therapie pustulöser Hauterkrankungen.
  • Kontraindikationen: Schwangerschaft, geplante Schwangerschaft und Überempfindlichkeit gegen Wirkstoffe oder sonstige Bestandteile.
  • Nebenwirkungen: Trockenheit, Rötung, Brennen, Schuppung und Kontaktdermatitis.

Beachte

  • Fieber, rascher generalisierter pustulöser Ausbruch (großflächiges Auftreten von Eiterbläschen), Kreislaufbeschwerden oder deutliche Verschlechterung erfordern eine dringliche ärztliche Beurteilung. Bei Immunsuppression und Neugeborenen ist die Schwelle zur unverzüglichen Abklärung besonders niedrig [LL2, LL4].
  • Sterile Pusteln benötigen ohne sekundäre bakterielle Infektion (zusätzlich entstandene bakterielle Infektion) keine Antibiotika. Auch eine Besiedlung der Haut begründet für sich allein keine systemische Antibiotikatherapie [2, LL2].
  • Fehlendes Ansprechen erfordert eine erneute Prüfung der Diagnose und gegebenenfalls eine gezielte Erregerdiagnostik, bevor die Behandlung ausgeweitet wird [LL1, LL2].
  • Antiinflammatorische und immunmodulierende Therapien steriler Pustulosen sind erkrankungsspezifisch auszuwählen. Eine empirische Glukokortikoidbehandlung ungeklärter Pusteln kann eine infektiöse Ursache verschleiern oder verschlechtern [LL4].

Abkürzungen

  • AGEP: Akute generalisierte exanthematische Pustulose.
  • BPO: Benzoylperoxid.
  • IDSA: Infectious Diseases Society of America.
  • MRSA: Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus.
  • MSSA: Methicillin-empfindlicher Staphylococcus aureus.
  • NICE: National Institute for Health and Care Excellence.
  • UV: Ultraviolett.

Literatur

  1. Daum RS et al.: A Placebo-Controlled Trial of Antibiotics for Smaller Skin Abscesses. N Engl J Med 2017;376:2545–2555. doi:10.1056/NEJMoa1607033
  2. Oakley A.: Pustular skin conditions. DermNet.

Leitlinien

  1. National Institute for Health and Care Excellence: Impetigo: antimicrobial prescribing. NICE guideline NG153, Februar 2020. [LL1]
  2. Stevens DL et al.: Practice Guidelines for the Diagnosis and Management of Skin and Soft Tissue Infections: 2014 Update by the Infectious Diseases Society of America. Clin Infect Dis 2014;59:e10–e52. doi:10.1093/cid/ciu296. Leitlinie auf der Website der IDSA [LL2]
  3. National Institute for Health and Care Excellence: Acne vulgaris: management. NICE guideline NG198, Juni 2021, aktualisiert am 30. April 2026. [LL3]
  4. Tetart F et al.: Acute generalized exanthematous pustulosis: European expert consensus for diagnosis and management. J Eur Acad Dermatol Venereol 2024;38:2073–2081. doi:10.1111/jdv.20232 [LL4]

Fachinformationen

  1. Fusicutan Salbe 20 mg/g: Fachinformation, Stand August 2026. [FI1]
  2. Epiduo 0,1 %/2,5 % Gel: Fachinformation, Stand August 2024. [FI2]
  3. Micotar Creme 20 mg/g: Fachinformation, Stand Juni 2026. [FI3]
  4. Europäische Arzneimittel-Agentur: Spevigo: Produktinformation und Zulassungsübersicht. [FI4]
  5. Staphylex 250 mg/500 mg Kapseln: Fachinformation. [FI5]