Austrocknungsekzem (Exsikkationsekzem) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch das Exsikkationsekzem (Austrocknungsekzem) mitbedingt sein können:

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Tiefe bzw. hämorrhagische Fissuren/Rhagaden (tiefe bzw. blutende Hautrisse/Schrunden) – bei schwerem bzw. fortschreitendem Exsikkationsekzem können sich oberflächliche Fissuren vertiefen und verbreitern; Schmerzen und Blutungen sind möglich [3].
  • Nummuläres Ekzem (münzförmiges Ekzem) – bei Progression des asteatotischen Ekzems (Ekzem durch stark ausgetrocknete Haut) können sich nummuläre, plaqueförmige Läsionen entwickeln [LL1].
  • Lichenifikation (Verdickung und Vergröberung der Haut) – persistierende Entzündung und wiederholtes Kratzen können zu einer Verdickung und Vergröberung des Hautreliefs führen; die krankheitsspezifische Leitlinie beschreibt Lichenifikation als mögliche Folge einer Progression [LL1].
  • Postinflammatorische Hyperpigmentierung (Dunkelfärbung der Haut nach einer Entzündung) – kann nach ausgeprägter bzw. länger anhaltender ekzematöser Entzündung zurückbleiben und wird in der krankheitsspezifischen Leitlinie als mögliche Folge einer Progression beschrieben [LL1].
  • Sekundäre bakterielle Hautinfektion (zusätzliche bakterielle Infektion der Haut) – epidermale Barrieredefekte (Schädigungen der Schutzbarriere der obersten Hautschicht), insbesondere tiefe Fissuren und kratzbedingte Hautläsionen (Hautverletzungen), können bakterielle Sekundärinfektionen begünstigen; bei schweren Verläufen ist eine Ausbreitung bis zur Cellulitis/Phlegmone (bakterielle Entzündung des Haut- und Unterhautgewebes) möglich [3].

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Schlafstörungen – ausgeprägter Pruritus (Juckreiz) kann Ein- und Durchschlafstörungen verursachen. In einer großen multizentrischen Untersuchung von 8.758 Patienten mit Ekzemen gehörte das asteatotische Ekzem zu den Ekzemformen mit besonders häufig schwerem Pruritus; 27,9 % der Patienten mit asteatotischem Ekzem wiesen schweren Pruritus auf, der definitionsgemäß sowohl Alltagsaktivitäten als auch Schlaf beeinträchtigte [2]. Die klinische Relevanz von Schlafbeeinträchtigungen bei chronischem Pruritus wird auch in der aktuellen europäischen S2k-Leitlinie hervorgehoben [LL2].

Weiteres

  • Beeinträchtigung der gesundheitsbezogenen Lebensqualität – insbesondere ausgeprägter Pruritus, Schlafbeeinträchtigung, Schmerzen bei tiefen Fissuren sowie chronisch-rezidivierende Verläufe können die Lebensqualität beeinträchtigen [2, 3, LL2].

Prognosefaktoren

  • Ausmaß und Schweregrad der Barrierestörung (Störung der Hautschutzbarriere) – ausgeprägte Xerosis (trockene Haut) mit tiefen Fissuren und starker entzündlicher Aktivität erhöht das Risiko für Schmerzen, Blutungen und bakterielle Sekundärinfektionen [3].
  • Ausgeprägter Pruritus und persistierender Juck-Kratz-Zirkel (sich selbst verstärkender Kreislauf aus Juckreiz und Kratzen) – wiederholtes Kratzen verstärkt die Barriereschädigung und Entzündung und begünstigt die weitere ekzematöse Progression bis hin zu Lichenifikation und postinflammatorischen Hautveränderungen [LL1].
  • Persistierende xerogene Exposition (anhaltende austrocknende Einflüsse) – niedrige Luftfeuchtigkeit, trockene Heizungsluft, häufiges bzw. langes heißes Baden oder Duschen sowie entfettende bzw. alkalische Reinigungsprodukte begünstigen Xerosis und Rezidive (Wiederauftreten) bzw. Exazerbationen (Verschlechterungen) [1, 3].
  • Konsequente Emollienzien- und Barrieretherapie (rückfettende Hautpflege und Stärkung der Hautschutzbarriere) – günstiger Prognosefaktor; regelmäßige Anwendung geeigneter Moisturizer bzw. Emollienzien verbessert die Hydratation und Barrierefunktion der Haut und ist die Basis der Behandlung von Asteatosis (Fettmangel der Haut) bzw. Exsikkationsekzem [1, LL1].
  • Frühzeitige Behandlung bei zunehmender Schuppung und Kratzspuren – günstiger Prognosefaktor; die krankheitsspezifische Leitlinie empfiehlt eine therapeutische Intervention mit medizinischen Moisturizern bereits bei drohender Verschlechterung ausgeprägter Schuppung oder von Kratzspuren, auch wenn noch kein Pruritus besteht [LL1].
  • Saisonaler Verlauf – Rezidive bzw. Exazerbationen treten insbesondere während der kalten, trockenen Wintermonate auf; insgesamt spricht das Exsikkationsekzem in der Regel gut auf eine konsequente Therapie an, kann jedoch chronisch-rezidivierend verlaufen [3].

Literatur

  1. Augustin M, Wilsmann-Theis D, Körber A et al.: Diagnosis and treatment of xerosis cutis – a position paper. J Dtsch Dermatol Ges. 2019;17 Suppl 7:3-33. doi: 10.1111/ddg.13906.
  2. Wang X, Li L, Shi X et al.: Itching and its related factors in subtypes of eczema: a cross-sectional multicenter study in tertiary hospitals of China. Sci Rep. 2018;8:10754. doi: 10.1038/s41598-018-28828-6.
  3. Srivastava D, Sathe NC, Persaud Y: Asteatotic Eczema. In: StatPearls [Internet]. Treasure Island (FL): StatPearls Publishing; aktualisiert 10. Januar 2026. NCBI Bookshelf.

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Saeki H, Tsunemi Y, Arai S et al.: English version of guidelines for the management of asteatosis 2021 in Japan. J Dermatol. 2022;49(3):e77-e90. doi: 10.1111/1346-8138.16293. [LL1]
  2. Weisshaar E, Müller S, Szepietowski JC et al.: European S2k Guideline on Chronic Pruritus: In cooperation with the European Dermatology Forum (EDF). Acta Derm Venereol. 2025;105:adv44220. doi: 10.2340/actadv.v105.44220. Volltext. [LL2]