Stimmritzenkrampf (Laryngospasmus) – Differentialdiagnosen

Atmungssystem (J00-J99)

  • Akute Epiglottitis (Kehlkopfdeckelentzündung) – supraglottische Entzündung (Entzündung oberhalb der Stimmlippen) mit Fieber, Dysphagie (Schluckstörung), Speichelfluss, inspiratorischem Stridor (pfeifendes Atemgeräusch beim Einatmen) und potenziell rascher Atemwegsobstruktion (Verlegung der Atemwege); wichtigste infektiöse Notfalldifferentialdiagnose zum Laryngospasmus
  • Akute Laryngitis (Kehlkopfentzündung) – entzündliche Larynxreizung (Kehlkopfreizung) mit Heiserkeit, Hustenreiz und gegebenenfalls Stridor; kann laryngeale Hyperreagibilität (Überempfindlichkeit des Kehlkopfs) und episodische Glottisverschlüsse (Verschlüsse der Stimmritze) begünstigen
  • Asthma bronchiale (Asthma) – expiratorische Atemnot (Atemnot beim Ausatmen) mit Giemen, verlängerter Exspiration (Ausatmung) und variabler bronchialer Obstruktion (Verengung der Bronchien); Abgrenzung relevant, da Laryngospasmus und induzierbare laryngeale Obstruktion asthmaähnliche Beschwerden imitieren können
  • Bronchospasmus (Bronchienkrampf) – Spasmus (Krampf) der glatten Bronchialmuskulatur (Muskulatur der Bronchien) mit expiratorischem Giemen, erhöhter Atemarbeit und verlängertem Exspirium; wichtigste intrathorakale Differentialdiagnose (im Brustkorb gelegene Abgrenzungsdiagnose) zur glottischen Obstruktion (Verengung im Bereich der Stimmritze)
  • Fremdkörperaspiration (Einatmen eines Fremdkörpers) – plötzlich einsetzender Husten, Stridor, Dyspnoe (Atemnot) oder einseitig abgeschwächtes Atemgeräusch; kann einen reflektorischen Laryngospasmus auslösen oder klinisch imitieren
  • Induzierbare laryngeale Obstruktion/Vocal Cord Dysfunction (Stimmbandfehlfunktion) – transiente, reversible, triggerabhängige laryngeale Einengung (Kehlkopfverengung) mit häufig inspiratorischer Dyspnoe und Stridor; typische Fehldiagnose ist Asthma bronchiale
  • Krupp-Syndrom (Pseudokrupp) – akute subglottische Entzündung (Entzündung unterhalb der Stimmlippen) im Kindesalter mit bellendem Husten, Heiserkeit und inspiratorischem Stridor; wichtige pädiatrische Differentialdiagnose (kinderärztliche Abgrenzungsdiagnose) bei akuter nächtlicher oberer Atemwegsobstruktion
  • Larynxödem (Kehlkopfschwellung) – Schwellung des Larynx, z. B. postintubationsbedingt (nach Beatmungsschlauchlage), allergisch, entzündlich oder traumatisch; klinisch mit Heiserkeit, Stridor und progredienter Atemwegsobstruktion
  • Obstruktive Schlafapnoe (schlafbezogene Atemaussetzer durch Atemwegsverlegung) – rezidivierende schlafbezogene obere Atemwegsobstruktion mit Erstickungsgefühl, Schnarchen und Weckreaktionen; bei nächtlichen Episoden gegenüber refluxgetriggertem Laryngospasmus abzugrenzen
  • Postextubationsstridor (Atemgeräusch nach Entfernen des Beatmungsschlauchs) – Stridor nach Extubation (Entfernung des Beatmungsschlauchs), meist durch postintubationsbedingtes Larynxödem oder Schleimhautverletzung; vom reflektorischen Laryngospasmus abzugrenzen
  • Stimmbandparese beidseits (beidseitige Stimmbandlähmung) – neurogene Einschränkung (nervenbedingte Einschränkung) der Glottisöffnung (Öffnung der Stimmritze) mit inspiratorischem Stridor und Belastungsdyspnoe (Atemnot bei Belastung); strukturell-neurogene Differentialdiagnose zum akuten reflektorischen Glottisverschluss
  • Trachealstenose (Luftröhrenverengung) – fixe zentrale Atemwegsstenose (Verengung der zentralen Atemwege) mit persistierendem oder belastungsabhängigem Stridor; fehlender akuter Reflexcharakter und häufig pathologische Fluss-Volumen-Kurve (Atemfluss-Messkurve)

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Anaphylaxie (schwere allergische Sofortreaktion) – akute systemische Überempfindlichkeitsreaktion (den ganzen Körper betreffende Überempfindlichkeitsreaktion) mit möglichem Larynxödem, Bronchospasmus, Hypotonie (niedriger Blutdruck), Urtikaria (Nesselsucht), Angioödem (tiefe Gewebeschwellung) oder gastrointestinalen Symptomen (Magen-Darm-Beschwerden); zentrale Differentialdiagnose bei plötzlicher Atemnot mit Stridor oder Halsenge
  • Hereditäres Angioödem (erblich bedingte tiefe Gewebeschwellung) – rezidivierende bradykininvermittelte Schleimhautschwellung (wiederkehrende Schleimhautschwellung durch Bradykinin) ohne Urtikaria; laryngeale Attacken können mit akuter Erstickungsgefahr, Stridor und Halsenge auftreten

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Hypocalcämie (Calciummangel im Blut) – neuromuskuläre Übererregbarkeit (Übererregbarkeit von Nerven und Muskeln) mit Parästhesien (Missempfindungen), Tetanie (Muskelkrampfbereitschaft), Karpopedalspasmen (Hand-Fuß-Krämpfen) und potenziell Laryngospasmus; besonders relevant nach Schilddrüsen-/Nebenschilddrüsenoperationen
  • Postoperative Hypoparathyreoidie (Unterfunktion der Nebenschilddrüsen nach Operation) – Ursache einer Hypocalcämie nach Schilddrüsen- oder Nebenschilddrüsenoperation mit möglicher Tetanie und Laryngospasmus

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Diphtherie (echter Krupp) – seltene, aber relevante Differentialdiagnose mit Pseudomembranen (aufliegenden Schleimhautbelägen), Halsschmerzen, Heiserkeit, Stridor und toxischem Krankheitsbild (schwerem Vergiftungsbild); bei unklarem oberen Atemwegsverschluss und fehlender Immunisierung (Impfung) zu berücksichtigen
  • Pertussis (Keuchhusten) – paroxysmale Hustenanfälle (anfallsartige Hustenanfälle) mit inspiratorischem Ziehen, posttussivem Erbrechen (Erbrechen nach Husten) und Apnoen (Atemaussetzern); kann anfallsartige laryngeale Obstruktion imitieren oder triggern
  • Respiratorische Virusinfektionen (Virusinfektionen der Atemwege) der oberen Atemwege – Schleimhautreizung, Sekret und laryngeale Hyperreagibilität können Laryngospasmus begünstigen, insbesondere bei Kindern und perioperativ (um eine Operation herum)
  • Tetanus (Wundstarrkrampf) – generalisierte Muskelspasmen (den ganzen Körper betreffende Muskelkrämpfe) mit Trismus (Kieferklemme), Dysphagie und potenzieller Larynx-/Atemmuskulaturbeteiligung (Beteiligung von Kehlkopf und Atemmuskulatur); seltene, aber vital bedrohliche Differentialdiagnose krampfartiger Atemwegsobstruktion

Mund, Ösophagus, Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Achalasie (Speiseröhrenentleerungsstörung) mit Regurgitation (Zurücklaufen von Nahrung oder Flüssigkeit) – nächtliche Regurgitation, Husten und Aspirationsereignisse (Eindringen in die Atemwege) können reflektorischen Laryngospasmus auslösen oder imitieren
  • Dysphagie mit Aspiration (Verschlucken in die Atemwege) – Schluckstörung mit Eindringen von Speichel, Nahrung oder Flüssigkeit in den Larynxbereich (Kehlkopfbereich); häufiger Trigger eines reflektorischen Glottisschlusses
  • Gastroösophageale Refluxkrankheit (Rückflusskrankheit) – saurer Reflux (Rückfluss von Magensäure) kann laryngeale Schleimhautreizung, Husten, Räusperzwang und paroxysmale nächtliche Laryngospasmen (anfallsartige nächtliche Kehlkopfkrämpfe) begünstigen
  • Laryngopharyngealer Reflux (Rückfluss bis in Rachen und Kehlkopf) – extraösophagealer Reflux (Rückfluss außerhalb der Speiseröhre) mit laryngealer Reizung, Globusgefühl (Kloßgefühl), Dysphonie (Stimmstörung), Husten und episodischer laryngealer Hyperreagibilität
  • Regurgitation/Erbrechen mit Mikroaspiration (kleinstem Eindringen in die Atemwege) – direkter laryngealer Reiz durch Mageninhalt; im perioperativen Kontext ein klassischer Auslöser eines Laryngospasmus

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Larynxkarzinom (Kehlkopfkrebs) – progrediente Heiserkeit, Dysphagie, Stridor oder Dyspnoe; keine typische akute Reflexobstruktion (reflektorische Verlegung), aber wichtige strukturelle Differentialdiagnose bei rezidivierendem Stridor
  • Subglottische oder tracheale Tumoren (Tumoren unterhalb der Stimmlippen oder der Luftröhre) – fixe obere Atemwegsobstruktion mit Stridor und Belastungsdyspnoe; Abgrenzung durch Endoskopie (Spiegelung) und Bildgebung

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Epileptischer Laryngospasmus/Ictus laryngis (epilepsia laryngealis) (epileptischer Kehlkopfkrampf) – seltene iktale Manifestation (anfallsbedingte Erscheinung) mit paroxysmalem Laryngospasmus, Erstickungsgefühl, Husten, Dysphonie oder Apnoe; zu berücksichtigen bei stereotypen rezidivierenden Anfällen (gleichförmig wiederkehrenden Anfällen), Bewusstseinsveränderung oder fehlender peripherer Atemwegsursache (Ursache außerhalb des Gehirns)
  • Funktionelle Atemstörung (Atemstörung ohne strukturelle Ursache) – episodische Dyspnoe, Engegefühl und Hyperventilation (Überatmung) ohne objektivierbare organische Obstruktion; kann mit induzierbarer laryngealer Obstruktion überlappen
  • Hyperventilationssyndrom (Überatmungssyndrom) – anfallsartige Dyspnoe mit Parästhesien, Schwindel, thorakalem Engegefühl (Engegefühl im Brustkorb) und respiratorischer Alkalose (atmungsbedingter Blut-pH-Anstieg); keine primäre glottische Obstruktion
  • Kehlkopfdystonie/spasmodische Dysphonie (krampfartige Stimmstörung) – fokale Dystonie (umschriebene Bewegungsstörung) der laryngealen Muskulatur mit Stimmstörung; selten als episodische Atemwegsbeeinträchtigung fehlinterpretiert
  • Panikattacke (Angstanfall) – plötzliches Erstickungsgefühl, Luftnot, Tachykardie (Herzrasen) und Angst; objektive Zeichen einer oberen Atemwegsobstruktion fehlen meist
  • Stimmbandparese beidseits – neurogene beidseitige Einschränkung der Glottisöffnung mit inspiratorischem Stridor; strukturell-neurogene Differentialdiagnose zum akuten reflektorischen Laryngospasmus

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Schwangerschaftsassoziierte Refluxkrankheit (Rückflusskrankheit in der Schwangerschaft) – erhöhter intraabdomineller Druck (Druck im Bauchraum) und hormonell reduzierte Sphinkterspannung (verminderte Schließmuskelspannung) können Reflux und regurgitationsgetriggerte laryngeale Spasmen begünstigen

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Apnoe – Atemstillstand unterschiedlicher Genese (Ursache); bei kompletter glottischer Obstruktion möglich, aber auch zentral, obstruktiv-schlafbezogen oder epileptisch bedingt
  • Dyspnoe – unspezifisches Leitsymptom; erfordert Unterscheidung zwischen oberer Atemwegsobstruktion, Bronchialobstruktion (Verengung der Bronchien), kardialer (herzbedingter), pulmonaler (lungenbedingter), metabolischer (stoffwechselbedingter) und funktioneller Ursache
  • Globusgefühl – subjektives Enge- oder Fremdkörpergefühl im Hals ohne akute Obstruktion; häufig bei Reflux, funktionellen Störungen oder psychovegetativer Anspannung (seelisch-körperlicher Anspannung)
  • Stridor – Leitsymptom einer extrathorakalen (außerhalb des Brustkorbs gelegenen) oder zentralen Atemwegsobstruktion; kann durch Laryngospasmus, Larynxödem, Epiglottitis, Krupp, Tumor, Fremdkörper oder Stimmbandparese entstehen

Ursachen (äußere) von Morbidität und Mortalität (V01-Y84)

  • Atemwegsmanipulation bei Narkose (Beeinflussung der Atemwege während einer Betäubung) – Laryngoskopie (Kehlkopfspiegelung), Intubation (Einführen eines Beatmungsschlauchs), Extubation, Absaugen und supraglottische Atemwegshilfen (Atemwegshilfen oberhalb der Stimmlippen) sind klassische perioperative Auslöser eines Laryngospasmus
  • Postoperative obere Atemwegsobstruktion (obere Atemwegsverlegung nach Operation) – nach Extubation durch Larynxödem, Weichteilkollaps (Zusammenfallen von Weichteilen), Sekret, Blut, Hämatom (Bluterguss) oder Laryngospasmus
  • Versehentliche Aspiration von Fremdmaterial – direkte Reizung der laryngealen Schutzreflexe (Schutzreflexe des Kehlkopfs) mit reflektorischem Stimmlippenschluss (Verschluss der Stimmlippen)

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Inhalationstrauma (Einatmungsverletzung) – thermische oder chemische Schleimhautschädigung mit Larynxödem, Stridor und reflektorischer laryngealer Reaktivität
  • Larynxtrauma (Kehlkopfverletzung) – stumpfe oder penetrierende Verletzung (durchdringende Verletzung) mit Hämatom, Ödem (Schwellung), Knorpelschaden oder Stimmbandbewegungsstörung (Bewegungsstörung der Stimmbänder); wichtige strukturelle Differentialdiagnose bei akuter Atemwegsobstruktion
  • Thermische oder chemische Reizung des Larynx – Rauch, Dämpfe, Reizgase oder Aerosole (feine Schwebeteilchen) können Husten, Larynxödem und reflektorische Glottisspasmen auslösen

Medikamente

  • ACE-Hemmer (Blutdruckmedikamente) – können bradykininvermitteltes Angioödem mit potenzieller laryngealer Beteiligung verursachen; klinisch relevant als Differentialdiagnose bei akuter Halsenge, Stridor oder Schwellung
  • Opioide und Sedativa (starke Schmerzmittel und Beruhigungsmittel) – können Atemdepression (verminderte Atmung), Aspiration, pharyngealen Tonusverlust (Spannungsverlust im Rachen) oder obstruktive Atemereignisse begünstigen; Differentialdiagnose zum echten Laryngospasmus bei perioperativen Ereignissen
  • Reizende Inhalativa oder inhalative Medikamente (eingeatmete Arzneimittel) – können Husten, Bronchospasmus oder laryngeale Reizung triggern; klinische Abgrenzung nach Auskultation (Abhören), Stridortyp und Verlauf

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Rauchgasexposition (Rauchgasbelastung) – laryngeale Schleimhautreizung, Inhalationstrauma, Ödem und reflektorische Atemwegsreaktion möglich
  • Reizgasexposition (Reizgasbelastung) – Chlor, Ammoniak, Ozon oder andere irritative Gase können Husten, Larynxreizung, Bronchospasmus und obere Atemwegsobstruktion auslösen
  • Nikotinkonsum (Rauchen) – chronische Atemwegsreizung und Risikofaktor für Reflux, Husten und perioperative Atemwegskomplikationen; kein eigenständiges Differentialdiagnosebild