Kehlkopfentzündung (Laryngitis) – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Linderung der laryngealen Symptomatik (Beschwerden am Kehlkopf), insbesondere von Heiserkeit, Halsschmerzen und ggf. Fieber, sowie Wiederherstellung einer belastbaren Stimmfunktion [LL1, LL4]
  • Vermeidung einer zusätzlichen Schädigung der entzündeten Stimmlippen (Stimmbänder) durch Stimmüberlastung [6, LL1]
  • Behandlung einer spezifischen zugrunde liegenden Ursache, sofern nachgewiesen bzw. hinreichend wahrscheinlich, z. B. einer bakteriellen (durch Bakterien verursachten) oder mykotischen (durch Pilze verursachten) Infektion, inhalativer Noxen (eingeatmeter Schadstoffe) oder einer gesicherten bzw. klinisch plausiblen Refluxerkrankung (Rückflusskrankheit) [LL1-LL3]
  • Vermeidung von Komplikationen sowie frühzeitige Erkennung potenziell lebensbedrohlicher Erkrankungen, insbesondere einer Epiglottitis (Kehldeckelentzündung) bzw. akuten Supraglottitis (Entzündung oberhalb der Stimmritze) [5, 7]

Therapieempfehlungen

Nachfolgend Therapieempfehlungen für eine akute Laryngitis (akute Kehlkopfentzündung):

  • Stimmschonung: Vermeidung ausgeprägter Stimmbelastung, insbesondere von lautem Sprechen, Rufen und Singen. Bei ausgeprägter Heiserkeit kann eine kurzfristige Stimmruhe sinnvoll sein. Die optimale Dauer und Intensität der Stimmruhe ist nicht durch hochwertige randomisierte Studien definiert [6, LL1].
  • Schleimhautbefeuchtung: Eine Inhalation mit isotonischer Kochsalzlösung kann als unterstützende Maßnahme zur Schleimhautbefeuchtung eingesetzt werden [6].
  • Analgetika/Antipyretika: bei Schmerzen bzw. Fieber Paracetamol oder, sofern keine Kontraindikationen bestehen, Ibuprofen [FI1, FI2].
  • Antibiotika: bei unkomplizierter akuter Laryngitis nicht routinemäßig indiziert. Die Erkrankung ist überwiegend viral (durch Viren verursacht) und selbstlimitierend. Randomisierte Studien zeigen keinen klinisch relevanten Nutzen einer routinemäßigen Antibiotikatherapie hinsichtlich objektiver Stimmparameter; die Evidenzqualität ist allerdings niedrig bis sehr niedrig [2, LL4].
  • Eine Antibiotikatherapie ist nur bei diagnostisch begründeter spezifischer bakterieller Infektion bzw. bakterieller Komplikation indiziert und richtet sich nach Erreger, Resistenzsituation und dem zugrunde liegenden Krankheitsbild. Ein empirisches Standard-Antibiotikaregime speziell für eine unkomplizierte akute Laryngitis ist nicht angezeigt [2, LL4].
  • Glucocorticosteroide: keine routinemäßige systemische oder inhalative Therapie einer unkomplizierten Dysphonie (Stimmstörung) bzw. akuten Laryngitis ohne vorausgehende Larynxvisualisierung. In ausgewählten klinischen Situationen, insbesondere bei erheblicher beruflicher Stimmbelastung, kann nach laryngologischer Diagnostik im Einzelfall eine zeitlich begrenzte Therapie erwogen werden [6, LL4].
  • Noxenkarenz: Verzicht auf Tabakrauch sowie Vermeidung von Staub, Rauch, überhitzter bzw. reizender Luft und anderen inhalativen Irritantien [LL1].

Nachfolgend Therapieempfehlungen für eine chronische Laryngitis:

  • Die Therapie erfolgt primär ursachenbezogen. Eine persistierende Dysphonie sollte laryngologisch abgeklärt werden; bei fehlender Besserung innerhalb von spätestens vier Wochen ist eine Laryngoskopie bzw. Überweisung zur Laryngoskopie angezeigt. Bei Verdacht auf eine schwerwiegende Ursache soll die Larynxvisualisierung unabhängig von der Symptomdauer erfolgen [LL4].
  • Exogene Noxen: Nikotinkarenz sowie Vermeidung relevanter beruflicher oder privater inhalativer Irritantien [LL1].
  • Stimmhygiene (stimmgesundes Verhalten)/Stimmtherapie: chronische Stimmüberlastung vermeiden; bei funktioneller bzw. hyperfunktioneller Komponente (durch Fehl- bzw. Überfunktion bedingtem Anteil) kann nach vorausgehender Laryngoskopie eine spezifische Stimmtherapie erfolgen [LL1, LL4].
  • Laryngopharyngealer Reflux (Rückfluss von Mageninhalt bis in Rachen und Kehlkopf) (LPR): laryngeale Symptome und laryngoskopische Veränderungen sind nicht spezifisch für einen LPR; eine refluxbedingte Genese (Entstehungsursache) darf daher nicht allein aufgrund unspezifischer Symptome oder laryngoskopischer Befunde angenommen werden [LL1, LL3].
  • Eine isolierte Dysphonie sollte nicht allein aufgrund klinischer Symptome empirisch mit Antirefluxmedikamenten behandelt werden, ohne zuvor den Larynx (Kehlkopf) visualisiert zu haben [LL4].
  • Bei persistierenden Rachensymptomen war Lansoprazol 30 mg zweimal täglich über 16 Wochen in einer großen randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie nicht wirksamer als Placebo [3].
  • Die aktuelle europäische LPR-Leitlinie empfiehlt eine individualisierte Behandlung. Ernährungs- und Lebensstilmaßnahmen bilden eine wesentliche Grundlage; Alginate bzw. Antazida können insbesondere bei nichtsaurem bzw. gemischtem Reflux eingesetzt werden. Protonenpumpenhemmer (PPI) sollen insbesondere bei nachgewiesenem saurem LPR bzw. begleitender gastroösophagealer Refluxkrankheit (Rückflusskrankheit zwischen Magen und Speiseröhre) eingesetzt werden [4, LL3].
  • Die deutsche S2k-Leitlinie zur gastroösophagealen Refluxkrankheit empfiehlt bei Erwachsenen mit Verdacht auf eine extraösophageale Manifestation (außerhalb der Speiseröhre auftretende Krankheitserscheinung) einer gastroösophagealen Refluxkrankheit eine PPI-Therapie in doppelter Standarddosis (1-0-1) für 12 Wochen [LL2]. Damit verfolgt sie bei klinischem Verdacht einen breiteren empirischen Therapieansatz als die neuere europäische LPR-Leitlinie, die stärker auf die objektive Refluxcharakterisierung und den Refluxphänotyp (Form des Rückflusses) abstellt [LL2, LL3].
  • Bei fehlendem therapeutischen Ansprechen sollte eine empirische PPI-Therapie nicht unkritisch dauerhaft fortgeführt, sondern die Diagnose bzw. Indikation überprüft werden [LL2, LL3].

Wirkstoffe (Hauptindikation) der Therapie der Laryngitis acuta

Analgetika/Antipyretika

Wirkstoffe Besonderheiten
Paracetamol Dosierung alters- und gewichtsabhängig. Bei Leber- oder Nierenfunktionsstörungen bzw. weiteren Risikofaktoren Dosisreduktion oder Verlängerung des Dosierungsintervalls erforderlich. Bei Körpergewicht < 50 kg, chronischem Alkoholismus, Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) oder chronischer Mangelernährung ohne ärztliche Anweisung maximal 60 mg/kg KG/d bis höchstens 2 g/d [FI1].
Ibuprofen Niedrigste wirksame Dosis über den kürzest möglichen Zeitraum. Kontraindikationen bzw. besondere Vorsicht insbesondere bei gastrointestinalen Ulzera (Geschwüren im Magen-Darm-Trakt) bzw. Blutungen, schwerer Niereninsuffizienz (Nierenschwäche), ausgeprägter Dehydratation und Überempfindlichkeit gegen nichtsteroidale Antirheumatika; kontraindiziert im dritten Trimenon (Schwangerschaftsdrittel) der Schwangerschaft [FI2].
  • Wirkweise Paracetamol: analgetisch und antipyretisch; der Wirkmechanismus ist nicht vollständig geklärt, eine überwiegend zentrale Wirkung auf die Prostaglandinsynthese (Bildung bestimmter körpereigener Botenstoffe) wird angenommen [FI1].
  • Nebenwirkungen Paracetamol: insbesondere dosisabhängige schwere Hepatotoxizität (Leberschädigung) bei Überdosierung; Überempfindlichkeitsreaktionen und schwere Hautreaktionen sind selten [FI1].
  • Wirkweise Ibuprofen: nichtsteroidales Antiphlogistikum mit analgetischer, antipyretischer und antiphlogistischer Wirkung durch Hemmung der Cyclooxygenasen (Enzyme der Prostaglandinbildung) und damit der Prostaglandinsynthese [FI2].
  • Nebenwirkungen Ibuprofen: insbesondere gastrointestinale Beschwerden, Ulzera bzw. Blutungen, Nierenfunktionsstörungen, Flüssigkeitsretention (Wassereinlagerung) und Überempfindlichkeitsreaktionen; Risiko und Häufigkeit sind dosis- und patientenabhängig [FI2].

Antibiotika

  • Eine routinemäßige Antibiotikatherapie der unkomplizierten akuten Laryngitis ist nicht indiziert [2, LL4].
  • Die früher teilweise eingesetzten empirischen Regime mit Cephalosporinen, Aminopenicillinen oder Makroliden werden daher nicht als Standardtherapie einer akuten Laryngitis aufgeführt. Bei nachgewiesener bzw. hochgradig wahrscheinlicher spezifischer bakterieller Infektion erfolgt eine erregerspezifische Therapie (auf den Krankheitserreger abgestimmte Behandlung) entsprechend dem jeweiligen Krankheitsbild.
  • Fusafungin darf nicht mehr eingesetzt werden: Die Zulassungen fusafunginhaltiger Nasen- und Mundsprays wurden in der Europäischen Union 2016 widerrufen. Ausschlaggebend waren seltene, aber potenziell lebensbedrohliche allergische Reaktionen bei zugleich schwacher Wirksamkeitsevidenz und einem insgesamt ungünstigen Nutzen-Risiko-Verhältnis [R1].

Pharmakotherapie bei refluxassoziierter chronischer Laryngitis

Wirkstoffgruppe Besonderheiten
Alginate/Antazida Nach aktueller europäischer LPR-Leitlinie mögliche pharmakologische Basistherapie in Verbindung mit Ernährungs- und Lebensstilmaßnahmen; insbesondere auch bei nichtsaurem bzw. gemischtem Reflux von Bedeutung [4, LL3].
Protonenpumpenhemmer (PPI) Nicht als unkritische empirische Dauertherapie bei isolierter Dysphonie. Die europäische LPR-Leitlinie empfiehlt PPI insbesondere bei saurem LPR bzw. gleichzeitigem GERD-Nachweis [LL3].

Weitere Hinweise:

  • Epiglottitis bzw. akute Supraglottitis: potenziell lebensbedrohlicher Atemwegsnotfall. Seit Einführung der Impfung gegen Haemophilus influenzae Typ b ist die Erkrankung relativ häufiger bei Erwachsenen und weist ein breiteres Erregerspektrum auf; Streptokokken- und Staphylokokken-Spezies (Bakterienarten) spielen eine relevante Rolle [7]. Typische Symptome sind insbesondere ausgeprägte Dysphagie (Schluckstörung) bzw. Odynophagie (schmerzhaftes Schlucken), Speichelfluss, kloßige Stimme, Dyspnoe (Atemnot) und ggf. inspiratorischer Stridor (pfeifendes Atemgeräusch beim Einatmen) [7]. Ein bellender Husten ist dagegen typisch für eine Laryngitis subglottica (Kehlkopfentzündung unterhalb der Stimmritze) (Pseudokrupp), nicht für eine Epiglottitis. Bei klinischem Verdacht ist eine sofortige stationäre Versorgung erforderlich; das Atemwegsmanagement besitzt höchste Priorität. Eine Atemwegsintervention ist bei Erwachsenen nicht regelhaft erforderlich, muss bei drohender Atemwegsobstruktion (Verengung der Atemwege) jedoch unverzüglich und unter geeigneten Sicherheitsbedingungen erfolgen [5, 7].
  • Eine pflanzenbetonte mediterrane Ernährung, alkalisches Wasser und konsequente Refluxmaßnahmen waren in einer retrospektiven Kohortenstudie bei Patienten mit laryngopharyngealem Reflux hinsichtlich der Verbesserung des Reflux Symptom Index mindestens vergleichbar mit einer PPI-basierten Strategie [1]. Aufgrund des retrospektiven, nicht randomisierten Studiendesigns lässt sich daraus jedoch keine gesicherte therapeutische Gleichwertigkeit oder Nichtunterlegenheit gegenüber einer PPI-Therapie ableiten.
  • Siehe auch unter "Weitere Therapie".

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für das Immunsystem sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (A, C, E, D3, B1, B2, Niacin (Vitamin B3), Pantothensäure (Vitamin B5), B6, B12, Folsäure, Biotin)
  • Spurenelemente (Chrom, Eisen, Kupfer, Mangan, Molybdän, Selen, Zink)
  • Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin, Flavonoide (Citrusfrüchte), Lycopin (Tomaten), Proanthocyanidine (Cranberrys), Polyphenole)
  • Weitere Vitalstoffe (probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)

Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Literatur

  1. Zalvan CH, Hu S, Greenberg B, Geliebter J: A Comparison of Alkaline Water and Mediterranean Diet vs Proton Pump Inhibition for Treatment of Laryngopharyngeal Reflux. JAMA Otolaryngol Head Neck Surg. 2017;143(10):1023-1029. doi:10.1001/jamaoto.2017.1454
  2. Reveiz L, Cardona AF: Antibiotics for acute laryngitis in adults. Cochrane Database Syst Rev. 2015;(5):CD004783. doi:10.1002/14651858.CD004783.pub5
  3. O'Hara J et al.: Use of proton pump inhibitors to treat persistent throat symptoms: multicentre, double blind, randomised, placebo controlled trial. BMJ. 2021;372:m4903. doi:10.1136/bmj.m4903
  4. Pizzorni N et al.: Magnesium alginate versus proton pump inhibitors for the treatment of laryngopharyngeal reflux: a non-inferiority randomized controlled trial. Eur Arch Otorhinolaryngol. 2022;279(5):2533-2542. doi:10.1007/s00405-021-07219-0
  5. Booth AWG, Pungsornruk K, Llewellyn S, Sturgess D, Vidhani K: Airway management of adult epiglottitis: a systematic review and meta-analysis. BJA Open. 2024;9:100250. doi:10.1016/j.bjao.2023.100250
  6. Mürbe D, Richter B: Phoniatrische Behandlungskonzepte bei Erkrankungen der professionellen Singstimme. HNO. 2026. doi:10.1007/s00106-026-01774-w
  7. Bridwell RE, Koyfman A, Long B: High risk and low prevalence diseases: Adult epiglottitis. Am J Emerg Med. 2022;57:14-20. doi:10.1016/j.ajem.2022.04.018

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. S2k-Leitlinie: Diagnostik und Therapie von Störungen der Stimmfunktion (Dysphonien). (AWMF-Registernummer 049-008) Dezember 2022. Langfassung [LL1]
  2. S2k-Leitlinie: Gastroösophageale Refluxkrankheit und eosinophile Ösophagitis. (AWMF-Registernummer 021-013) März 2023. Langfassung [LL2]
  3. Lechien JR et al.: European clinical practice guideline: managing and treating laryngopharyngeal reflux disease. Eur Arch Otorhinolaryngol. 2026;283(1):629-641. doi:10.1007/s00405-024-09181-z [LL3]
  4. Stachler RJ et al.: Clinical Practice Guideline: Hoarseness (Dysphonia) (Update). Otolaryngol Head Neck Surg. 2018;158(1 Suppl):S1-S42. doi:10.1177/0194599817751030 [LL4]
  5. European Medicines Agency (EMA): Fusafungine-containing medicinal products for oromucosal and nasal use – EU marketing authorisations revoked because of serious allergic reactions and insufficient benefit. 2016. EMA-Referral [R1]
  6. Fachinformation: ben-u-ron 500 mg Tabletten (Paracetamol), bene-Arzneimittel GmbH; aktuelle Fachinformation. [FI1]
  7. Fachinformation: Nurofen 400 mg Weichkapseln (Ibuprofen), Reckitt Benckiser Deutschland GmbH; aktuelle Fachinformation. [FI2]