Myome der Gebärmutter (Uterus myomatosus, Leiomyome) – Medikamentöse Therapie

Therapieziele

  • Reduktion myombedingter Beschwerden, insbesondere starker Menstruationsblutungen, Schmerzen und Drucksymptome.
  • Behandlung beziehungsweise Vermeidung einer Eisenmangelanämie (Blutarmut durch Eisenmangel) infolge chronischer Blutverluste.
  • Bei entsprechender Indikation Reduktion des Uterus- und Myomvolumens, insbesondere zur Vorbereitung eines operativen Eingriffs.
  • Erhalt des Uterus beziehungsweise Überbrückung bis zu einer definitiven interventionellen oder operativen Therapie oder bis zur Menopause.

Therapieempfehlungen

  • Asymptomatische Uterusmyome bedürfen in der Regel keiner medikamentösen Therapie [1, LL1].
  • Die Auswahl der Pharmakotherapie bei symptomatischem Uterus myomatosus richtet sich insbesondere nach Leitsymptomatik, Blutungsstärke, Vorliegen einer Eisenmangelanämie, Myomgröße, Myomzahl und Myomlokalisation, Deformation des Cavum uteri (Gebärmutterhöhle), Kinderwunsch, Kontrazeptionswunsch, gewünschter Volumenreduktion sowie individuellen Kontraindikationen (Gegenanzeigen) [1, LL1, LL2].
  • Bei vorwiegend starker Menstruationsblutung ohne erforderliche Myomverkleinerung kommen insbesondere Tranexamsäure und bei geeigneter Cavitas ein Levonorgestrel-freisetzendes Intrauterinsystem infrage. Nichtsteroidale Antirheumatika können bei begleitender Dysmenorrhoe (schmerzhafter Regelblutung) und zur symptomatischen Reduktion des menstruellen Blutverlustes eingesetzt werden; sie sind hinsichtlich der Blutungsreduktion jedoch weniger wirksam als Tranexamsäure oder ein Levonorgestrel-freisetzendes Intrauterinsystem [6, LL2].
  • Kombinierte hormonale Kontrazeptiva und orale Gestagene können in ausgewählten Fällen zur symptomatischen Blutungskontrolle eingesetzt werden, besitzen jedoch keine klinisch verlässliche myomreduzierende Wirkung [1, LL1, LL2].
  • Bei mittelschweren bis schweren myombedingten Symptomen stehen mit Relugolix/Estradiol/Norethisteronacetat und Linzagolix in der Europäischen Union zugelassene orale GnRH-Rezeptor-Antagonisten zur Verfügung [1-4, LL1, LL2].
  • Linzagolix erlaubt eine individualisierte Dosierung mit oder ohne hormonelle Add-back-Therapie. Die Dosierung von 200 mg täglich ohne Add-back-Therapie ist ausschließlich für eine Kurzzeitbehandlung von weniger als 6 Monaten vorgesehen, wenn eine deutliche Reduktion des Uterus- und Myomvolumens angestrebt wird [1, 3, 4].
  • GnRH-Agonisten sind wegen der ausgeprägten hypoöstrogenen Nebenwirkungen (durch Östrogenmangel bedingte Nebenwirkungen) und des Knochendichteverlustes keine reguläre Langzeittherapie des Uterus myomatosus. In Deutschland sind insbesondere Leuprorelin und Goserelin zur zeitlich begrenzten präoperativen Therapie beziehungsweise Volumenreduktion zugelassen [1, LL1].
  • Eine Eisenmangelanämie ist parallel zur Kontrolle der Blutungsursache mit oralem Eisen oder bei entsprechender Indikation mit intravenösem Eisen zu behandeln [5].
  • Bei akuter hämodynamisch relevanter uteriner Blutung (Gebärmutterblutung mit Auswirkungen auf den Kreislauf) erfolgt die notfallmäßige Stabilisierung. Abhängig von klinischem Zustand, Hämoglobinwert und Blutungsverlauf kann eine Transfusion von Erythrozytenkonzentraten erforderlich sein.
  • Bei einem intrakavitären Myom (in der Gebärmutterhöhle gelegenen Myom) beziehungsweise Myoma in statu nascendi (in Richtung Gebärmutterhals austretenden Myom) oder bei ausgeprägter Deformation des Cavum uteri ist eine operative, in der Regel hysteroskopische Therapie zu prüfen; eine alleinige medikamentöse Blutungskontrolle ist hier häufig nicht ausreichend [LL2].
  • Bei großen Myomen und ausgeprägten Drucksymptomen muss frühzeitig geprüft werden, ob ein interventionelles oder operatives Verfahren gegenüber einer medikamentösen Langzeittherapie vorzuziehen ist [1, LL1, LL2].
  • Bei aktuell bestehendem Kinderwunsch muss die Therapieentscheidung gesondert an der Fertilitätsplanung (Planung der Fruchtbarkeit) ausgerichtet werden. LNG-IUS, kombinierte hormonale Kontrazeptiva sowie GnRH-Agonisten und GnRH-Antagonisten sind während ihrer Anwendung keine fertilitätsfördernden Therapien. Die medikamentöse Behandlung dient in dieser Situation vor allem der Symptomkontrolle oder einer zeitlich begrenzten Überbrückung; die Bedeutung von Lage, Größe und Zahl der Myome für die Fertilität ist gesondert zu beurteilen [1, LL1].

Hinweis zur Leitlinienlage: Eine aktuell veröffentlichte deutsche AWMF-/DGGG-Leitlinie speziell zur medikamentösen Therapie des Uterus myomatosus liegt derzeit nicht vor. Die S3-Leitlinie „Diagnostik und Therapie von benignen Erkrankungen der Gebärmutter“ (AWMF-Registernummer 015-093), die unter anderem den Uterus myomatosus einschließen soll, ist als Leitlinienprojekt angemeldet, bislang jedoch nicht als fertige Leitlinie veröffentlicht. Die Therapieempfehlungen orientieren sich deshalb an aktuellen internationalen Leitlinien und Best-Practice-Empfehlungen sowie an den für Deutschland beziehungsweise die Europäische Union gültigen Fachinformationen.

Beachte: Ulipristalacetat 5 mg wird nicht mehr als aktuelle medikamentöse Therapieoption des Uterus myomatosus in der Europäischen Union geführt. Die Zulassung von Esmya wurde am 18.07.2024 auf Antrag des Zulassungsinhabers zurückgenommen. Der Anwendung waren zuvor wegen des Risikos schwerer Leberschäden erhebliche Einschränkungen vorausgegangen. Ulipristalacetat wird deshalb in diesem Artikel nicht als aktuelle Therapieoption empfohlen.

Hauptindikationen

  • Mittelschwere bis schwere Symptome bei Uterusmyomen im reproduktiven Alter [1, LL1].
  • Myombedingte Hypermenorrhoe (zu starke Regelblutung) beziehungsweise starke Menstruationsblutung mit oder ohne Eisenmangelanämie [1, LL1, LL2].

Nebenindikationen

  • Präoperative Reduktion des Uterus- beziehungsweise Myomvolumens [1, LL1].
  • Überbrückung bis zu einer geplanten interventionellen oder operativen Therapie beziehungsweise bei geeigneten Patientinnen bis zur Menopause [1, LL1].
  • Behandlung eines begleitenden Eisenmangels beziehungsweise einer Eisenmangelanämie [5].
  • Symptomatische Blutungskontrolle bei gleichzeitigem Kontrazeptionswunsch [1, LL1, LL2].
  • Symptomatische Behandlung einer begleitenden Dysmenorrhoe [6, LL2].

GnRH-Rezeptor-Antagonisten

Wirkstoff Besonderheiten
Relugolix 40 mg + Estradiol 1 mg + Norethisteronacetat 0,5 mg Fixkombination mit integrierter Add-back-Therapie; EU-Zulassung zur Behandlung mittelschwerer bis schwerer Symptome von Uterusmyomen bei erwachsenen Frauen im reproduktiven Alter [2]
Linzagolix EU-Zulassung zur Behandlung mittelschwerer bis schwerer Symptome von Uterusmyomen bei erwachsenen Frauen im reproduktiven Alter; bevorzugter Therapiebeginn in der ersten Woche des Menstruationszyklus gemäß aktueller Fachinformation [3, 4]
  • Wirkweise: Kompetitive Blockade der hypophysären GnRH-Rezeptoren mit rascher Suppression der Gonadotropinsekretion und konsekutiver Senkung der Estradiol- und Progesteronkonzentrationen. Im Gegensatz zu GnRH-Agonisten tritt kein initialer Flare-Effekt auf [1].
    • Die Add-back-Therapie vermindert hypoöstrogene Beschwerden und den therapiebedingten Knochendichteverlust.
  • Indikationen: Mittelschwere bis schwere Symptome von Uterusmyomen bei erwachsenen Frauen im reproduktiven Alter [1-4].
  • Kontraindikationen: Allergie gegen den jeweiligen Wirkstoff.
    • Relugolix/Estradiol/Norethisteronacetat: insbesondere bestehende oder vorausgegangene venöse oder arterielle thromboembolische Erkrankungen (Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel), bekannte thrombophile Erkrankungen (erhöhte Neigung zur Bildung von Blutgerinnseln), Osteoporose (Knochenschwund), Migräne mit Aura beziehungsweise fokalen neurologischen Symptomen, sexualhormonabhängige Malignome (bösartige Tumoren), relevante Lebertumoren beziehungsweise schwere Lebererkrankung, Schwangerschaft, Stillzeit und ungeklärte genitale Blutung gemäß aktueller Fachinformation.
    • Linzagolix: insbesondere Schwangerschaft, Stillzeit, bekannte Osteoporose und genitale Blutungen ungeklärter Ursache. Bei gleichzeitiger Add-back-Therapie sind zusätzlich deren Kontraindikationen gemäß aktueller Fachinformation zu berücksichtigen.
  • Dosierung: Ein vollständiges, leitlinien- beziehungsweise hausstandardkonformes Regime verwenden; unterschiedliche Regime nicht unkritisch kombinieren oder verlängern.
    • Relugolix/Estradiol/Norethisteronacetat: 1 Tablette einmal täglich kontinuierlich.
    • Linzagolix mit Add-back-Therapie: 100 mg einmal täglich oder bei unzureichender Wirkung 200 mg einmal täglich.
    • Linzagolix ohne Add-back-Therapie: 100 mg einmal täglich.
    • Linzagolix 200 mg ohne Add-back-Therapie: ausschließlich zur Kurzzeitbehandlung von weniger als 6 Monaten.
  • Hinweise:
    • Vor Therapiebeginn ist eine Schwangerschaft auszuschließen.
    • Unter Linzagolix ist eine wirksame nichthormonelle Kontrazeption entsprechend der aktuellen Fachinformation erforderlich.
    • Vor Beginn einer Behandlung mit Relugolix/Estradiol/Norethisteronacetat müssen hormonelle Kontrazeptiva abgesetzt werden. Während des ersten Behandlungsmonats ist eine nichthormonelle Kontrazeption anzuwenden.
    • Bei Risikofaktoren für Osteoporose beziehungsweise Knochendichteverlust wird vor Therapiebeginn eine Dual-Röntgen-Absorptiometrie empfohlen. Bei beiden Präparaten wird gemäß aktueller EU-Produktinformation nach einem Behandlungsjahr eine Kontrolle der Knochendichte empfohlen.
    • Nach Beendigung einer GnRH-Suppression können Blutungen und Myombeschwerden erneut auftreten [4].
  • Nebenwirkungen: Insbesondere Hitzewallungen, Kopfschmerzen, Blutungsveränderungen und mögliche Verminderung der Knochendichte. Bei Relugolix/Estradiol/Norethisteronacetat sind zusätzlich die Risiken der enthaltenen Estrogen-Gestagen-Komponente, insbesondere thromboembolische Risiken, zu berücksichtigen.

Antifibrinolytika

Wirkstoff Besonderheiten
Tranexamsäure Symptomatische Blutungstherapie; keine Reduktion des Myomvolumens [1, LL1, LL2]
  • Wirkweise: Antifibrinolytische Wirkung durch Hemmung der Aktivierung von Plasminogen und dadurch Verminderung des Fibrinabbaus.
  • Indikationen: Starke Menstruationsblutung bei Uterus myomatosus, insbesondere wenn eine hormonelle Therapie nicht gewünscht oder kontraindiziert ist oder eine symptomatische Überbrückung erforderlich ist [1, LL1, LL2].
  • Kontraindikationen: Allergie gegen den jeweiligen Wirkstoff. Insbesondere akute thromboembolische Erkrankungen, schwere Niereninsuffizienz (schwere Nierenschwäche) und Krampfanfälle in der Anamnese entsprechend der aktuellen Fachinformation beachten.
  • Dosierung: Ein vollständiges, leitlinien- beziehungsweise hausstandardkonformes Regime verwenden; unterschiedliche Regime nicht unkritisch kombinieren oder verlängern. Behandlung gemäß Fachinformation erst nach Einsetzen der Menstruationsblutung beginnen und bei Hypermenorrhoe höchstens 4 Tage durchführen.
  • Hinweise: Tranexamsäure reduziert den menstruellen Blutverlust, besitzt jedoch keinen relevanten Einfluss auf das Myomvolumen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist gemäß Fachinformation eine Dosisanpassung erforderlich [1].
  • Nebenwirkungen: Insbesondere gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden) wie Übelkeit, Erbrechen und Diarrhoe; selten können thromboembolische Ereignisse und Krampfanfälle auftreten.

Nichtsteroidale Antirheumatika

Wirkstoff Besonderheiten
Naproxen Symptomatische Therapie bei Dysmenorrhoe; der Einsatz zur Reduktion einer starken myombedingten Menstruationsblutung erfolgt off-label. Keine Reduktion des Myomvolumens [6, LL2]
  • Wirkweise: Hemmung der Cyclooxygenasen und dadurch Verminderung der Prostaglandinsynthese. Dies wirkt analgetisch und kann den menstruellen Blutverlust reduzieren [6].
  • Indikationen: Symptomatische Therapie insbesondere bei gleichzeitig bestehender Dysmenorrhoe; bei starker myombedingter Menstruationsblutung auch als zeitlich begrenzte Überbrückung bis zur definitiven Therapie [6, LL2].
    • NICE empfiehlt nichtsteroidale Antirheumatika bei starker Menstruationsblutung und bei Myomen von mindestens 3 cm auch zur Überbrückung, während weitere Diagnostik beziehungsweise definitive Therapie organisiert wird [LL2].
    • Die Anwendung zur Blutungsreduktion bei myombedingter Hypermenorrhoe erfolgt off-label [LL2].
    • Die Evidenz zur Reduktion des menstruellen Blutverlustes ist schwächer als für Tranexamsäure beziehungsweise LNG-IUS [6].
  • Kontraindikationen: Allergie gegen den jeweiligen Wirkstoff. Insbesondere aktive beziehungsweise rezidivierende gastrointestinale Ulzera (wiederkehrende Magen-Darm-Geschwüre) oder Blutungen, schwere Nieren-, Leber- oder Herzinsuffizienz (Herzschwäche), NSAR-induzierte Überempfindlichkeitsreaktionen beziehungsweise Asthma und Schwangerschaft im dritten Trimenon gemäß Fachinformation beachten.
  • Dosierung: Ein vollständiges, leitlinien- beziehungsweise hausstandardkonformes Regime verwenden; unterschiedliche Regime nicht unkritisch kombinieren oder verlängern. Bei Naproxen-CT 500 mg werden bei menstruationsbedingten Schmerzen initial 500 mg bei Einsetzen der Beschwerden und anschließend je nach Beschwerdestärke 250 mg alle 6-8 Stunden gegeben. Die Behandlung sollte wenige Tage nicht überschreiten.
  • Hinweise: Keine kausale Therapie des Uterus myomatosus und keine Reduktion des Myomvolumens. Bei gastrointestinalen, renalen, kardiovaskulären oder hämostaseologischen Risikofaktoren ist die Indikation besonders kritisch zu stellen. Nichtsteroidale Antirheumatika sind hinsichtlich der Reduktion starker Menstruationsblutungen im Durchschnitt weniger wirksam als Tranexamsäure und LNG-IUS [6].
  • Nebenwirkungen: Insbesondere gastrointestinale Beschwerden, Dyspepsie (Verdauungsbeschwerden), Ulzera und gastrointestinale Blutungen; ferner Nierenfunktionsstörungen, Flüssigkeitsretention, Blutdruckanstieg und kardiovaskuläre Ereignisse sowie Überempfindlichkeitsreaktionen.

Levonorgestrel-freisetzendes Intrauterinsystem

Wirkstoff Besonderheiten
Levonorgestrel 52 mg, intrauterines Wirkstofffreisetzungssystem Zugelassen für Hypermenorrhoe, nicht spezifisch zur kausalen Behandlung von Uterusmyomen; besonders geeignet bei starker Menstruationsblutung und zusätzlichem Kontrazeptionswunsch, sofern das Cavum uteri nicht relevant durch Myome deformiert ist [1, LL1, LL2]
  • Wirkweise: Hohe lokale Gestagenwirkung am Endometrium (Gebärmutterschleimhaut) mit Suppression der Endometriumproliferation und deutlicher Verminderung des menstruellen Blutverlustes.
  • Indikationen: Symptomatische Behandlung der Hypermenorrhoe insbesondere bei kleineren Myomen ohne relevante Deformation des Cavum uteri. NICE empfiehlt ein LNG-IUS bei Myomen unter 3 cm ohne Deformation des Cavum uteri als bevorzugte initiale Behandlung der starken Menstruationsblutung [LL2].
  • Kontraindikationen: Allergie gegen den jeweiligen Wirkstoff. Insbesondere Schwangerschaft, entzündliche Erkrankungen des kleinen Beckens, relevante Genitalinfektionen, ungeklärte uterine Blutungen, gestagensensitive Tumoren, maligne Erkrankungen von Corpus oder Zervix uteri (Gebärmutterkörper beziehungsweise Gebärmutterhals) sowie Uterusfehlbildungen oder Myome mit Deformation des Cavum uteri gemäß aktueller Fachinformation.
  • Dosierung: Ein vollständiges, leitlinien- beziehungsweise hausstandardkonformes Regime verwenden; unterschiedliche Regime nicht unkritisch kombinieren oder verlängern.
    • Die reguläre Wirksamkeitsdauer in der Indikation Hypermenorrhoe beträgt 5 Jahre.
    • Sind die Symptome nach 5 Jahren nicht wieder aufgetreten, kann gemäß aktueller Fachinformation eine längere Anwendung in Betracht gezogen werden.
    • Nach spätestens 8 Jahren muss das System entfernt oder ausgetauscht werden.
  • Hinweise:
    • Die Zulassung besteht für Hypermenorrhoe, nicht spezifisch für die kausale Therapie des Uterus myomatosus.
    • Keine klinisch verlässliche Reduktion des Myomvolumens.
    • Eine durch submuköse Myome (unter der Gebärmutterschleimhaut gelegene Myome) verursachte Hypermenorrhoe spricht gemäß aktueller Fachinformation weniger gut auf die Behandlung an.
    • Bei größeren Myomen kann das Expulsionsrisiko (Risiko des Ausstoßens) erhöht sein; bei relevanter Cavumdeformation ist das LNG-IUS nicht geeignet [1, LL2].
  • Nebenwirkungen: Insbesondere Blutungsunregelmäßigkeiten und Schmierblutungen in den ersten Monaten, Amenorrhoe (Ausbleiben der Regelblutung), Kopfschmerzen, Unterbauchbeschwerden und funktionelle Ovarialzysten (Eierstockzysten); selten Expulsion, Infektion oder Uterusperforation (Durchstoßung der Gebärmutterwand).

Kombinierte hormonale Kontrazeptiva

Wirkstoff Besonderheiten
Beispiel: Ethinylestradiol 30 µg + Levonorgestrel 150 µg Symptomatische Blutungsregulation bei gleichzeitigem Kontrazeptionswunsch; keine klinisch relevante Myomvolumenreduktion; nicht spezifisch zur Behandlung des Uterus myomatosus zugelassen [1, LL1, LL2]
  • Wirkweise: Ovulationshemmung (Unterdrückung des Eisprungs) und Stabilisierung des Endometriums mit Verminderung und besserer Steuerbarkeit der Menstruationsblutung.
  • Indikationen: Symptomatische Blutungsregulation bei Uterus myomatosus, insbesondere bei gleichzeitigem Kontrazeptionswunsch und fehlenden estrogenbezogenen Kontraindikationen [1, LL1, LL2].
  • Kontraindikationen: Allergie gegen den jeweiligen Wirkstoff. Insbesondere bestehende oder vorausgegangene venöse beziehungsweise arterielle thromboembolische Erkrankungen, relevante Thrombophilien, Migräne mit Aura, bestimmte schwere Lebererkrankungen und sexualhormonabhängige Malignome gemäß der jeweiligen aktuellen Fachinformation.
  • Dosierung: Ein vollständiges, leitlinien- beziehungsweise hausstandardkonformes Regime verwenden; unterschiedliche Regime nicht unkritisch kombinieren oder verlängern. Die konkrete Dosierung richtet sich nach dem gewählten Präparat und dessen aktueller Fachinformation.
  • Hinweise: Die Anwendung dient der Blutungs- und Symptomkontrolle und nicht der Myomverkleinerung. Vor Verordnung sind insbesondere Alter, Raucherstatus und individuelles thromboembolisches beziehungsweise kardiovaskuläres Risiko zu berücksichtigen.
  • Nebenwirkungen: Unter anderem Übelkeit, Kopfschmerzen, Brustspannen und Blutungsunregelmäßigkeiten; selten, aber klinisch bedeutsam sind venöse und arterielle thromboembolische Ereignisse.

Orale Gestagene

Wirkstoff Besonderheiten
Chlormadinonacetat Symptomatische Behandlung von Menstruationsstörungen; keine myomspezifische Zulassung und keine klinisch relevante Myomvolumenreduktion [1]
  • Wirkweise: Gestagene Transformation beziehungsweise Suppression des Endometriums mit Verminderung der Blutungsstärke.
  • Indikationen: Zyklische Blutungsregulation in ausgewählten Fällen. Die Evidenz speziell für myombedingte Blutungsstörungen ist begrenzt; orale Gestagene sollten deshalb selektiv eingesetzt werden [1].
  • Kontraindikationen: Allergie gegen den jeweiligen Wirkstoff. Bei Chlormadinonacetat sind gemäß aktueller Fachinformation insbesondere bestehender oder früherer Brustkrebs beziehungsweise entsprechender Verdacht, nicht abgeklärte genitale Blutung, venöse oder arterielle thromboembolische Erkrankungen beziehungsweise relevante Thrombophilien, relevante Lebererkrankungen oder Lebertumoren sowie bestehendes oder vorausgegangenes Meningeom (Tumor der Hirnhäute) zu beachten.
  • Dosierung: Ein vollständiges, leitlinien- beziehungsweise hausstandardkonformes Regime verwenden; unterschiedliche Regime nicht unkritisch kombinieren oder verlängern. Bei Chlormadinonacetat werden gemäß aktueller Fachinformation bei unregelmäßigen Zyklen und Menstruationsbeschwerden 2-4 mg täglich vom 16.-25. Zyklustag eingesetzt.
  • Hinweise:
    • Keine kausale Behandlung der Myome und keine relevante Myomverkleinerung.
    • Chlormadinonacetat in dieser Monotherapie ist nicht als Kontrazeptivum einzusetzen.
    • In Verbindung mit Chlormadinonacetat wurde insbesondere bei hohen Dosen und langfristiger Anwendung über Meningeome berichtet. Bei bekanntem oder vorausgegangenem Meningeom ist Chlormadinonacetat gemäß aktueller Fachinformation kontraindiziert.
  • Nebenwirkungen: Blutungsunregelmäßigkeiten, Kopfschmerzen, Brustbeschwerden, Stimmungsschwankungen und weitere gestagentypische Nebenwirkungen; das präparatespezifische Meningeomrisiko ist zu berücksichtigen.

GnRH-Agonisten

Wirkstoff Besonderheiten
Leuprorelinacetat In Deutschland zugelassen beim symptomatischen Uterus myomatosus als präoperative Maßnahme zur Volumenreduktion einzelner Myome bei vorgesehener Myomenukleation oder Hysterektomie
Goserelin Präoperative Volumenreduktion; bei myombedingter Anämie kann Goserelin bis zu 3 Monate vor der Operation mit Eisen kombiniert werden
  • Wirkweise: Nach initialer Stimulation mit vorübergehendem Flare führt die kontinuierliche GnRH-Rezeptor-Stimulation zur Desensibilisierung und Downregulation der Hypophyse (Hirnanhangsdrüse) mit ausgeprägter Suppression der ovariellen Estradiolproduktion. Uterus- und Myomvolumen können dadurch deutlich reduziert werden [1, LL1].
  • Indikationen: Zeitlich begrenzte präoperative Therapie zur Reduktion des Myom- beziehungsweise Uterusvolumens und gegebenenfalls zur Verbesserung einer myombedingten Anämie vor Myomenukleation (operative Entfernung eines Myoms) oder Hysterektomie (operative Entfernung der Gebärmutter) [1, LL1].
  • Kontraindikationen: Allergie gegen den jeweiligen Wirkstoff. Schwangerschaft und Stillzeit sowie weitere präparatespezifische Kontraindikationen gemäß aktueller Fachinformation beachten.
  • Dosierung: Ein vollständiges, leitlinien- beziehungsweise hausstandardkonformes Regime verwenden; unterschiedliche Regime nicht unkritisch kombinieren oder verlängern.
    • Leuprorelinacetat: 3,75 mg als Depot einmal monatlich; beim Uterus myomatosus höchstens 6 Monate.
    • Goserelin: 3,6 mg als subkutanes Implantat alle 28 Tage; beim Uterus myomatosus höchstens 6 Monate.
    • Bei Frauen mit myombedingter Anämie kann Goserelin 3,6 mg bis zu 3 Monate vor der Operation mit Eisen kombiniert werden.
  • Hinweise: Aufgrund von Hypoöstrogenismus (Östrogenmangelzustand) und Knochendichteverlust keine reguläre Langzeittherapie des Uterus myomatosus. Nach Therapieende ist ein erneutes Wachstum der Myome beziehungsweise eine Wiederkehr der Beschwerden möglich [1].
  • Nebenwirkungen: Insbesondere Hitzewallungen, Schwitzen, Schlafstörungen, vaginale Trockenheit, Kopfschmerzen, Stimmungssymptome, verminderte Libido und Knochendichteverlust; zu Beginn können vorübergehende Flare-bedingte Beschwerden auftreten.

Eisensubstitution bei Eisenmangel und Eisenmangelanämie

Wirkstoff Besonderheiten
Orale Eisenpräparate, insbesondere Eisen(II)-Salze Bevorzugte Erstlinientherapie bei klinisch stabilen Patientinnen sowie ausreichender Verträglichkeit und Resorption [5]
Intravenöse Eisenpräparate Bei Unverträglichkeit oder unzureichendem Ansprechen auf orales Eisen, Resorptionsstörung, moderater bis schwerer Anämie oder erforderlicher rascher Eisenrepletion [5]
  • Wirkweise: Substitution des für Hämoglobinsynthese und Auffüllung der Eisenspeicher erforderlichen Eisens.
  • Indikationen: Nachgewiesener Eisenmangel beziehungsweise Eisenmangelanämie infolge chronischer myombedingter Blutverluste [5].
  • Kontraindikationen: Allergie gegen den jeweiligen Wirkstoff. Bei intravenösen Eisenpräparaten sind zusätzlich die präparatespezifischen Gegenanzeigen, insbesondere Eisenüberladung beziehungsweise Eisenverwertungsstörungen, gemäß Fachinformation zu beachten.
  • Dosierung: Ein vollständiges, fachinformationskonformes Regime verwenden; unterschiedliche Regime nicht unkritisch kombinieren oder verlängern.
    • Orales Eisen: Dosierung entsprechend dem Gehalt an elementarem Eisen und der Fachinformation des gewählten Präparates; initial in der Regel einmal täglich [5].
    • Bei gastrointestinaler Unverträglichkeit kann eine Einnahme jeden zweiten Tag erwogen werden [5].
    • Intravenöses Eisen: Dosierung entsprechend dem individuellen Gesamteisenbedarf und der jeweiligen Fachinformation.
  • Hinweise:
    • Orale Eisenpräparate stellen bei klinisch stabilen Patientinnen die bevorzugte Erstlinientherapie dar [5].
    • Intravenöses Eisen ist insbesondere bei unzureichendem Ansprechen beziehungsweise Unverträglichkeit oraler Präparate, relevanter Resorptionsstörung, notwendiger rascher Repletion oder moderater bis schwerer Anämie zu erwägen [5].
    • Die Eisensubstitution ersetzt nicht die Behandlung der zugrunde liegenden myombedingten Blutungsstörung.
  • Nebenwirkungen:
    • Orales Eisen: insbesondere Übelkeit, Oberbauchbeschwerden, Obstipation (Verstopfung), Diarrhoe (Durchfall) und dunkle Stuhlfärbung.
    • Intravenöses Eisen: insbesondere Infusionsreaktionen; selten schwere Überempfindlichkeitsreaktionen. Präparatespezifische Risiken sind entsprechend der jeweiligen Fachinformation zu beachten.

Zusammenfassende Hinweise

  • Die meisten medikamentösen Therapieoptionen kontrollieren primär Symptome und beseitigen die Myome nicht dauerhaft [1, LL1].
  • Tranexamsäure, LNG-IUS, kombinierte hormonale Kontrazeptiva und orale Gestagene reduzieren vor allem die Blutungssymptomatik, bewirken jedoch keine klinisch verlässliche Myomvolumenreduktion [1, LL1, LL2].
  • Nichtsteroidale Antirheumatika sind eine symptomatische Option insbesondere bei begleitender Dysmenorrhoe und können den menstruellen Blutverlust reduzieren; hinsichtlich der Blutungsreduktion sind sie weniger wirksam als Tranexamsäure beziehungsweise LNG-IUS [6, LL2].
  • GnRH-Agonisten können das Myom- und Uterusvolumen deutlich reduzieren, sind wegen ihrer hypoöstrogenen Auswirkungen jedoch primär zeitlich begrenzte präoperative Therapien [1, LL1].
  • Orale GnRH-Antagonisten erweitern die medikamentösen Therapieoptionen bei mittelschweren bis schweren Symptomen erheblich. Regime mit Add-back-Therapie ermöglichen eine längerfristige Symptomkontrolle bei Verminderung hypoöstrogener Auswirkungen [1-4].
  • Die Auswahl der Pharmakotherapie muss stets in ein Gesamtkonzept aus Kinderwunsch, Uteruserhalt, Myommorphologie, Blutungssituation sowie interventionellen beziehungsweise operativen Alternativen eingebettet werden [1, LL1, LL2].

Abkürzungen

  • ABT – Add-back-Therapie
  • AWMF – Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften
  • DGGG – Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe
  • DXA – Dual-Röntgen-Absorptiometrie
  • EMA – European Medicines Agency
  • GnRH – Gonadotropin-Releasing-Hormon
  • IUS – Intrauterinsystem
  • LNG-IUS – Levonorgestrel-freisetzendes Intrauterinsystem
  • NICE – National Institute for Health and Care Excellence
  • NSAR – Nichtsteroidale Antirheumatika

Literatur

  1. Diaz I, Lumsden MA, Zeppernick M: Medical treatment of fibroids: FIGO best practice guidance. Int J Gynaecol Obstet 2025;171(2):507-512. doi: 10.1002/ijgo.70497
  2. Al-Hendy A, Lukes AS, Poindexter AN et al.: Treatment of Uterine Fibroid Symptoms with Relugolix Combination Therapy. N Engl J Med 2021;384(7):630-642. doi: 10.1056/NEJMoa2008283
  3. Donnez J, Taylor HS, Stewart EA et al.: Linzagolix with and without hormonal add-back therapy for the treatment of symptomatic uterine fibroids: two randomised, placebo-controlled, phase 3 trials. Lancet 2022;400(10356):896-907. doi: 10.1016/S0140-6736(22)01475-1
  4. Donnez J, Petraglia F, Taylor H et al.: Linzagolix with and without hormonal add-back therapy for symptomatic uterine fibroids: PRIMROSE 1 & 2 long-term extension and withdrawal study. Fertil Steril 2025;124(4):737-748. doi: 10.1016/j.fertnstert.2025.06.016
  5. Iolascon A, Andolfo I, Russo R et al.: Recommendations for diagnosis, treatment, and prevention of iron deficiency and iron deficiency anemia. HemaSphere 2024;8(7):e108. doi: 10.1002/hem3.108
  6. Bofill Rodriguez M, Lethaby A, Farquhar C: Non-steroidal anti-inflammatory drugs for heavy menstrual bleeding. Cochrane Database Syst Rev 2019;9:CD000400. doi: 10.1002/14651858.CD000400.pub4

Leitlinien

  1. Chen I, Kives S, Randle E et al.: Guideline No. 461: The Management of Uterine Fibroids. J Obstet Gynaecol Can 2025;47(8):102970. doi: 10.1016/j.jogc.2025.102970 [LL1]
  2. National Institute for Health and Care Excellence (NICE): Heavy menstrual bleeding: assessment and management. NICE Guideline NG88. Veröffentlicht am 14.03.2018, zuletzt aktualisiert am 07.07.2026. Leitlinie [LL2]

Produktinformationen

  • Ryeqo 40 mg/1 mg/0,5 mg Filmtabletten – Relugolix/Estradiol/Norethisteronacetat. European Medicines Agency, aktuelle EU-Produktinformation, zuletzt aktualisiert am 20.08.2026. Produktinformation
  • Yselty 100 mg und 200 mg Filmtabletten – Linzagolix. European Medicines Agency, aktuelle EU-Produktinformation, zuletzt aktualisiert am 12.03.2025. Produktinformation
  • Cyklokapron 500 mg Filmtabletten – Tranexamsäure. Aktuelle Fachinformation. Fachinformation
  • Naproxen-CT 500 mg Filmtabletten – Naproxen. Aktuelle Fachinformation. Fachinformation
  • Mirena 52 mg Intrauterinpessar mit Hormonabgabe – Levonorgestrel. Aktuelle Fachinformation. Fachinformation
  • Microgynon 150 Mikrogramm/30 Mikrogramm – Levonorgestrel/Ethinylestradiol. Aktuelle Fachinformation. Fachinformation
  • Chlormadinon 2 mg fem JENAPHARM – Chlormadinonacetat. Aktuelle Fachinformation. Fachinformation
  • Enantone-Gyn Monats-Depot 3,75 mg – Leuprorelinacetat. Aktuelle Fachinformation. Fachinformation
  • Zoladex-GYN 3,6 mg Implantat – Goserelin. Aktuelle Fachinformation. Fachinformation
  • ferro sanol duodenal 100 mg Hartkapseln – Eisen(II)-glycin-sulfat-Komplex. Aktuelle Fachinformation. Fachinformation
  • Esmya – Ulipristalacetat. Die Genehmigung für das Inverkehrbringen in der Europäischen Union wurde am 18.07.2024 auf Antrag des Zulassungsinhabers zurückgenommen. EMA-Information