Myome der Gebärmutter (Uterus myomatosus, Leiomyome) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Leiomyome (gutartige Muskelknoten der Gebärmutter)/Uterus myomatosus (Gebärmutter mit mehreren Myomen) mitbedingt sein können:

Die klinische Relevanz von Uterusmyomen wird wesentlich durch Lage, Größe, Anzahl und Beziehung zum Endometrium (Gebärmutterschleimhaut) bzw. zum Cavum uteri (Gebärmutterhöhle) bestimmt. Die belastbarste Evidenz besteht für myombedingte abnorme uterine Blutungen (ungewöhnliche Blutungen aus der Gebärmutter) mit konsekutivem Eisenmangel bzw. Eisenmangelanämie (Blutarmut durch Eisenmangel), Beeinträchtigungen der Fertilität (Fruchtbarkeit) sowie bestimmte Schwangerschafts- und Geburtskomplikationen. Akute mechanische, ischämische (durch Minderdurchblutung bedingte), infektiöse (durch Infektionen bedingte) und thromboembolische (durch Blutgerinnsel mit Gefäßverschluss bedingte) Komplikationen sind demgegenüber selten und überwiegend durch Beobachtungsstudien, Fallserien oder systematische Auswertungen von Fallberichten belegt [1-12, LL1-LL4].

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Eisenmangel und Eisenmangelanämie insbesondere Leiomyome mit abnormer uteriner Blutung bzw. starker Menstruationsblutung (starker Regelblutung) können durch chronischen Blutverlust zu Eisenmangel und bei fortbestehendem Blutverlust zur Eisenmangelanämie führen; bei ausgeprägter Blutung sind schwere, transfusionspflichtige Anämien (Blutarmut) möglich [1, 2, LL1, LL2].

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Venöse Thromboembolie (Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel in einer Vene) sehr große bzw. raumfordernde Leiomyome können in seltenen Fällen durch Kompression (Druckeinwirkung) der Beckenvenen oder der Vena cava inferior (unteren Hohlvene) eine venöse Stase (Blutstau in den Venen) mit tiefer Venenthrombose (Blutgerinnsel in einer tiefen Vene) und konsekutiver Lungenembolie (Verschluss einer Lungenarterie durch ein Blutgerinnsel) begünstigen. Die Evidenz beruht überwiegend auf Fallberichten und Fallserien; ein populationsbezogen quantifizierter unabhängiger Risikoeffekt ist bislang nicht gesichert [7].

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Ischämische bzw. hämorrhagische Degeneration (Gewebeveränderung durch Minderdurchblutung bzw. Einblutung) des Leiomyoms bei unzureichender Perfusion (Durchblutung) können degenerative Veränderungen bis zur Nekrose (Absterben von Gewebe) auftreten. Klinisch besonders relevant ist die hämorrhagische bzw. sogenannte rote Degeneration, die insbesondere während einer Schwangerschaft mit plötzlich einsetzenden, teils ausgeprägten lokalen Schmerzen einhergehen kann [9, 12].
  • Torsion (Stieldrehung) eines gestielten subserösen Leiomyoms (an der Außenseite der Gebärmutter gelegenen gestielten Myoms) die Stieldrehung eines subserösen Myoms ist eine seltene Akutkomplikation und kann durch venöse Abflussbehinderung zu Ischämie (Minderdurchblutung), hämorrhagischer Degeneration und Nekrose führen; klinisch ist ein akutes Abdomen (plötzlich auftretender schwerer Bauchzustand) möglich [9].

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Frühgeburt (Geburt vor Vollendung der 37. Schwangerschaftswoche) Uterusmyome sind in Metaanalysen mit einem erhöhten Frühgeburtsrisiko assoziiert; die Assoziation bleibt auch nach Berücksichtigung wesentlicher Confounder bestehen [4, 12].
  • Spontanabort (Fehlgeburt)/Frühschwangerschaftsverlust die Evidenz ist heterogen. In gepoolten unadjustierten Analysen wurde eine erhöhte Abortrate beobachtet, nach Adjustierung für potenzielle Confounder war jedoch keine konsistente unabhängige Risikoerhöhung mehr nachweisbar. Ein generell erhöhtes kausales Abortrisiko durch Uterusmyome ist deshalb nicht gesichert. Eine höhere reproduktive Relevanz besteht insbesondere bei submukösen Leiomyomen (unter der Gebärmutterschleimhaut gelegenen Myomen) bzw. das Cavum uteri beeinflussenden Myomen; für eine Senkung der Frühaborte durch Myomektomie (operative Entfernung von Myomen) ist die Evidenz weiterhin unzureichend [4, 10-12, LL4].
  • Fehllage des Fetus (ungewöhnliche Lage des ungeborenen Kindes), insbesondere Beckenendlage (Lage mit Becken bzw. Gesäß nach unten) Uterusmyome sind mit einem erhöhten Risiko fetaler Lageanomalien bzw. einer Beckenendlage assoziiert. Größere Myome von mindestens 5 cm sind gegenüber kleineren Myomen mit einem zusätzlichen Risikoanstieg verbunden [4, 12].
  • Placenta praevia (Mutterkuchen vor dem inneren Muttermund) das Risiko einer Placenta praevia ist bei Schwangeren mit Uterusmyomen erhöht. In Subgruppenanalysen waren größere Myome von mindestens 5 cm gegenüber kleineren Myomen mit einer zusätzlichen Risikoerhöhung assoziiert [4, 12].
  • Vorzeitige Plazentalösung (vorzeitige Ablösung des Mutterkuchens) Uterusmyome sind mit einem erhöhten Risiko einer vorzeitigen Plazentalösung assoziiert; die Assoziation blieb in der Metaanalyse auch nach Adjustierung für potenzielle Confounder bestehen [4, 12].
  • Präeklampsie (schwangerschaftsbedingte Erkrankung mit Bluthochdruck) in der aktuellen Metaanalyse war das Vorliegen von Uterusmyomen auch nach Adjustierung für potenzielle Confounder mit einem erhöhten Präeklampsierisiko assoziiert [4].
  • Postpartale Hämorrhagie (starke Blutung nach der Geburt) Uterusmyome sind mit einem erhöhten Risiko einer postpartalen Blutung assoziiert. Das Risiko ist insbesondere bei größeren Myomen erhöht; eine Uterusatonie (unzureichende Zusammenziehung der Gebärmutter) kann dabei pathogenetisch beteiligt sein [4, 12].

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Subfertilität (eingeschränkte Fruchtbarkeit)/Infertilität der Frau (Unfruchtbarkeit der Frau) die reproduktive Bedeutung ist stark von der Myomlokalisation und der Beziehung zum Endometrium abhängig. Submuköse Myome weisen die klarste negative Assoziation mit Implantation (Einnistung) und Schwangerschaft auf. Auch intramurale (in der Gebärmutterwand gelegene), nicht cavumdeformierende Myome sind in aktuellen Metaanalysen mit niedrigeren klinischen Schwangerschafts- und Lebendgeburtenraten assoziiert; ein genereller fertilitätssteigernder Nutzen ihrer operativen Entfernung ist jedoch nicht gesichert. Subseröse Myome (an der Außenseite der Gebärmutter gelegene Myome) besitzen insbesondere bei geringer Größe nur einen geringen bzw. keinen nachgewiesenen negativen Einfluss auf die Fertilität [3, 5, 10, 11, LL4].
  • Obstruktive Uropathie (Harnabflussstörung) mit Hydroureter (Erweiterung des Harnleiters)/Hydronephrose (Erweiterung des Nierenhohlsystems durch Harnstau) große, insbesondere tief im kleinen Becken gelegene Leiomyome können einen oder beide Ureteren (Harnleiter) komprimieren. Mögliche Folgen sind Hydroureter, Hydronephrose und bei ausgeprägter oder bilateraler Obstruktion eine postrenale Nierenfunktionsstörung (Nierenfunktionsstörung durch Harnabflussbehinderung) [6].
  • Pyomyom (eitrig infiziertes Myom) die sekundäre bakterielle Infektion eines infarzierten (durch unterbrochene Blutversorgung geschädigten) bzw. nekrotischen Leiomyoms ist eine seltene, potenziell lebensbedrohliche Komplikation. Sie kann spontan, im Zusammenhang mit Schwangerschaft oder Wochenbett sowie nach uterinen Eingriffen auftreten und bis zu Bakteriämie (Bakterien im Blut), Sepsis (lebensbedrohliche Reaktion auf eine Infektion), Abszessbildung (Bildung einer abgekapselten Eiteransammlung) oder Peritonitis (Bauchfellentzündung) fortschreiten [8, 9].

Prognosefaktoren

  • Lage und Beziehung zum Endometrium bzw. Cavum uteri sie gehören zu den wichtigsten prognostischen Faktoren für reproduktive Auswirkungen. Submuköse und andere endometriumnahe bzw. cavumdeformierende Myome besitzen die größte klinische Relevanz für Implantation und Schwangerschaft; bei subserösen Myomen ist eine relevante Beeinträchtigung der Fertilität insbesondere bei geringer Größe nicht belegt [10, 11, LL4].
  • Intramurale Lage auch nicht cavumdeformierende intramurale Leiomyome sind in Metaanalysen mit reduzierten klinischen Schwangerschafts- und fortbestehenden Schwangerschafts-/Lebendgeburtenraten assoziiert. Ein genereller Nutzen der Myomektomie bei ausschließlich intramuralen, nicht cavumdeformierenden Myomen ist dagegen nicht nachgewiesen [3, 5, 10, 11, LL4].
  • Myomgröße während der Schwangerschaft sind größere Myome, insbesondere ab etwa 5 cm, gegenüber kleineren Myomen mit einem höheren Risiko vor allem für Beckenendlage, Placenta praevia und postpartale Hämorrhagie assoziiert. Sehr große Myome erhöhen darüber hinaus das Risiko mechanischer Kompression benachbarter Harnwege oder Beckenvenen [4, 6, 7, 12].
  • Anzahl der Myome mehrere Leiomyome waren in einer Metaanalyse zur Fertilität mit niedrigeren klinischen Schwangerschafts- und fortbestehenden Schwangerschafts-/Lebendgeburtenraten assoziiert. Für die untersuchten geburtshilflichen Komplikationen zeigte sich dagegen kein konsistenter zusätzlicher Risikoeffekt allein durch eine höhere Myomzahl; hier scheint die Myomgröße für einzelne Outcomes prognostisch bedeutsamer zu sein [3, 4].
  • Ausmaß der uterinen Blutung persistierende starke Menstruationsblutungen erhöhen kumulativ das Risiko für Eisenmangel und Eisenmangelanämie; Blutungsdauer und Blutungsstärke bestimmen wesentlich das Ausmaß des hämatologischen Defizits [1, 2].
  • Schwangerschaft während einer Schwangerschaft können Myome durch Veränderungen von Uterusgröße, Perfusion und Myomvolumen klinisch relevanter werden; insbesondere schmerzhafte Degenerationen sowie bestimmte geburtshilfliche Komplikationen treten in diesem Kontext auf [12].

Literatur

  1. Donnez J, Carmona F, Maitrot-Mantelet L et al.: Uterine disorders and iron deficiency anemia. Fertil Steril. 2022;118(4):615-624. doi: 10.1016/j.fertnstert.2022.08.011.
  2. Munro MG, Mast AE, Powers JM et al.: The relationship between heavy menstrual bleeding, iron deficiency, and iron deficiency anemia. Am J Obstet Gynecol. 2023;229(1):1-9. doi: 10.1016/j.ajog.2023.01.017.
  3. Pritts TL, Ogden M, Parker W et al.: Intramural Leiomyomas and Fertility: A Systematic Review and Meta-Analysis. Obstet Gynecol. 2024;144(2):171-179. doi: 10.1097/AOG.0000000000005661.
  4. Li H, Hu Z, Fan Y et al.: The influence of uterine fibroids on adverse outcomes in pregnant women: a meta-analysis. BMC Pregnancy Childbirth. 2024;24(1):345. doi: 10.1186/s12884-024-06545-5.
  5. Erden M, Uyanik E, Polat M et al.: The effect of ≤6 cm sized noncavity-distorting intramural fibroids on in vitro fertilization outcomes: a systematic review and meta-analysis. Fertil Steril. 2023;119(6):996-1007. doi: 10.1016/j.fertnstert.2023.02.018.
  6. Dagur G, Suh Y, Warren K et al.: Urological complications of uterine leiomyoma: a review of literature. Int Urol Nephrol. 2016;48(6):941-948. doi: 10.1007/s11255-016-1248-5.
  7. Sparić R, Stojković M, Šarac M et al.: Venous Thromboembolism Associated with Uterine Fibroids: A Review of Reported Cases. J Clin Med. 2026;15(2):444. doi: 10.3390/jcm15020444.
  8. Tariq S, Kumar P, Keenan O et al.: Pyomyoma outside of pregnancy—Case report and systematic review of the literature. Int J Gynaecol Obstet. 2026;173(1):49-62. doi: 10.1002/ijgo.70616.
  9. Gupta S, Manyonda IT: Acute complications of fibroids. Best Pract Res Clin Obstet Gynaecol. 2009;23(5):609-617. doi: 10.1016/j.bpobgyn.2009.01.012.
  10. Donnez J, Taylor HS, Marcellin L et al.: Uterine fibroid-related infertility: mechanisms and management. Fertil Steril. 2024;122(1):31-39. doi: 10.1016/j.fertnstert.2024.02.049.
  11. Mocanu E, Tarlatzis B, Feldberg D et al.: Fibroids and infertility. Int J Gynaecol Obstet. 2026;174(1):11-16. doi: 10.1002/ijgo.71062.
  12. Ramasauskaite D, Purandare N, Diaz I et al.: Fibroids and pregnancy. Int J Gynaecol Obstet. 2026;172(1):51-58. doi: 10.1002/ijgo.70612.

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. American College of Obstetricians and Gynecologists: Management of Symptomatic Uterine Leiomyomas. ACOG Practice Bulletin No. 228. Obstet Gynecol. 2021;137(6):e100-e115. doi: 10.1097/AOG.0000000000004401. [LL1]
  2. Chen I, Kives S, Randle E et al.: Guideline No. 461: The Management of Uterine Fibroids. J Obstet Gynaecol Can. 2025;47(8):102970. doi: 10.1016/j.jogc.2025.102970. [LL2]
  3. Meinhold-Heerlein I, Purandare N, Murji A et al.: FIGO best practice guidance for diagnosis and treatment of fibroids. Int J Gynaecol Obstet. 2025;171(2):611-612. doi: 10.1002/ijgo.70496. [LL3]
  4. Practice Committee of the American Society for Reproductive Medicine: Removal of myomas in asymptomatic patients to improve fertility and/or reduce miscarriage rate: a guideline. Fertil Steril. 2017;108(3):416-425. doi: 10.1016/j.fertnstert.2017.06.034. [LL4]