Dickdarmpolypen (Kolonadenom) – Medikamentöse Therapie
Therapieziel
Verhinderung eines kolorektalen Karzinoms (Dickdarmkrebs) durch vollständige Entfernung relevanter Adenome und risikoadaptierte Nachsorge. Eine medikamentöse Therapie ersetzt weder die Polypektomie noch erforderliche Operationen [LL1, LL2].
Therapieempfehlungen
Sporadische Adenome (nicht erblich bedingte gutartige Drüsenwucherungen): Keine routinemäßige Arzneimitteltherapie. Nach Polypektomie sollte eine medikamentöse Sekundärprävention (Vorbeugung nach einer Behandlung) außerhalb von Studien nicht durchgeführt werden. Acetylsalicylsäure (ASS) und Celecoxib können in einzelnen randomisierten Studien das Auftreten weiterer Adenome verringern; dies begründet angesichts von Blutungsrisiken beziehungsweise kardiovaskulären Risiken (Risiken für Herz und Kreislauf) keine allgemeine Empfehlung [1, 2, LL1]. Eine aus anderer Indikation verordnete ASS-Therapie ist gesondert zu beurteilen.
Hereditäre Polyposis-Syndrome (erblich bedingte Erkrankungen mit zahlreichen Polypen): Bei familiärer adenomatöser Polyposis (FAP) (erbliche Erkrankung mit zahlreichen Adenomen) können Sulindac oder Celecoxib die Polypenlast vorübergehend reduzieren. Eine verlässliche Verhinderung von Darmkrebs oder ein sicherer Aufschub notwendiger Operationen ist nicht belegt. Die europäische Leitlinie empfiehlt eine Chemoprävention (medikamentöse Vorbeugung) zur Reduktion kolorektaler Polypen nur im Rahmen klinischer Studien; die Beurteilung gehört in ein spezialisiertes Zentrum. Ergebnisse bei FAP sind nicht auf andere Polyposis-Syndrome übertragbar [LL2].
Wirkstoffe (Hauptindikationen)
Keine etablierte medikamentöse Hauptindikation zur Behandlung eines Kolonadenoms.
Wirkstoffe (Nebenindikationen)
Die folgenden Wirkstoffe wurden zur Chemoprävention untersucht; sie stellen keine routinemäßigen Therapieempfehlungen dar.
Salicylate
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Acetylsalicylsäure | Keine allgemeine Empfehlung nach Polypektomie; Blutungsrisiko berücksichtigen [1, LL1]. |
Weitere nichtsteroidale Antirheumatika (entzündungshemmende Schmerzmittel)
| Wirkstoff | Besonderheiten |
|---|---|
| Sulindac; Celecoxib (selektiver COX-2-Hemmer) | Keine Standardtherapie bei FAP; Nutzen und Risiken sind im spezialisierten Zentrum zu bewerten [2, LL2]. |
- Wirkweise: Hemmung von Cyclooxygenasen (Enzymen, die an Entzündungsreaktionen beteiligt sind) und der Prostaglandinsynthese (Bildung von Botenstoffen, die unter anderem Entzündungen beeinflussen); ASS hemmt zusätzlich irreversibel die Thrombozytenfunktion (Funktion der Blutplättchen).
- Indikation: Keine routinemäßige Chemoprävention sporadischer Adenome; bei FAP nur studiengebundene Prüfung. Keine Übertragung auf andere hereditäre Syndrome [LL1, LL2].
- Kontraindikationen (Gründe, die gegen eine Anwendung sprechen): Präparatespezifisch zu prüfen; insbesondere aktive gastrointestinale Blutung oder Ulzera (Geschwüre im Magen-Darm-Trakt) sowie schwere Niereninsuffizienz (stark eingeschränkte Nierenfunktion). Bei Celecoxib sind insbesondere bestehende kardiovaskuläre Erkrankungen relevant [FI1].
- Nebenwirkungen: Gastrointestinale Ulzera und Blutungen, Nierenfunktionsverschlechterung; bei nichtsteroidalen Antirheumatika zusätzlich Flüssigkeitsretention (Wassereinlagerung) und Blutdruckanstieg, bei Celecoxib insbesondere erhöhtes Risiko kardiovaskulärer Ereignisse [2, FI1].
Abkürzungsverzeichnis
- ASS: Acetylsalicylsäure
- COX: Cyclooxygenase
- FAP: Familiäre adenomatöse Polyposis
Literatur
- Baron JA, Cole BF, Sandler RS et al.: A randomized trial of aspirin to prevent colorectal adenomas. N Engl J Med. 2003;348:891-899. doi:10.1056/nejmoa021735.
- Bertagnolli MM, Eagle CJ, Zauber AG et al.: Celecoxib for the prevention of sporadic colorectal adenomas. N Engl J Med. 2006;355:873-884. doi:10.1056/nejmoa061355.
Leitlinien
- S3-Leitlinie: Kolorektales Karzinom. AWMF-Registernummer: 021-007OL, März 2026, Version 3.2. Langfassung, insbesondere Empfehlung 6.23 [LL1].
- Zaffaroni G et al.: Updated European guidelines for clinical management of familial adenomatous polyposis (FAP), MUTYH-associated polyposis (MAP), gastric adenocarcinoma, proximal polyposis of the stomach (GAPPS) and other rare adenomatous polyposis syndromes: a joint EHTG-ESCP revision. BJS. 2024;111(5):znae070. doi:10.1093/bjs/znae070, insbesondere CP.1 und CP.4-CP.7 [LL2].
Fachinformationen
- Viatris Healthcare GmbH: CELEBREX 100 mg/200 mg Hartkapseln. Stand: September 2025. Fachinformation [FI1].