Dickdarmpolypen (Kolonadenom) – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Kolonadenome (Kolonpolypen/Dickdarmpolypen) mitbedingt sein können:
Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)
- Eisenmangelanämie (Blutarmut durch Eisenmangel) – mögliche Folge chronischer okkulter (nicht sichtbarer) oder manifester (sichtbarer) Blutung aus größeren, villösen (zottigen) oder oberflächlich erodierten (oberflächlich geschädigten) Adenomen; bei kleinen asymptomatischen (beschwerdefreien) Adenomen nicht typisch und differentialdiagnostisch (zur Abgrenzung gegenüber anderen Erkrankungen) immer auch auf andere gastrointestinale (Magen-Darm-betreffende) Blutungsquellen sowie ein kolorektales Karzinom (Dickdarm- oder Mastdarmkrebs) abzuklären [LL1, LL4]
Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)
- Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlustsyndrom (Salz- und Flüssigkeitsverlustsyndrom) – sehr selten bei großen distalen (weiter unten gelegenen) villösen oder tubulovillösen (röhrenförmig-zottigen) Adenomen im Sinne eines McKittrick-Wheelock-Syndroms (seltenes Krankheitsbild mit wässrigem Durchfall und Salzverlust durch große Darmadenome); charakteristisch sind sekretorische Diarrhoe (durch vermehrte Flüssigkeitsabgabe verursachter Durchfall), Hypokaliämie (Kaliummangel), Hyponatriämie (Natriummangel), Volumenmangel (Flüssigkeitsmangel) und Exsikkose (Austrocknung) [4]
Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)
- Chronische sekretorische Diarrhoe (anhaltender durch vermehrte Flüssigkeitsabgabe verursachter Durchfall) – seltene Komplikation großer distaler villöser Adenome; klinisch relevant vor allem bei persistierendem (anhaltendem) wässrigem Stuhl, Volumenmangel und Elektrolytstörungen (Störungen der Blutsalze) [4]
- Intestinale Invagination (Darmeinstülpung) bzw. relevante Passagestörung (Störung der Darmpassage) – sehr seltene Komplikation; bei Erwachsenen grundsätzlich Warnbefund für eine strukturelle Läsion (Gewebeveränderung), wobei benigne (gutartige) Adenome als mögliche, aber deutlich seltenere Lead-Point-Läsion (auslösende Gewebeveränderung) gegenüber malignen (bösartigen) Ursachen zu bewerten sind [5]
- Peranale Blutung (Blutung aus dem Afterbereich) bzw. okkulte gastrointestinale Blutung – mögliche Manifestation (Krankheitszeichen) größerer oder oberflächlich erodierter Adenome; bei sichtbarer Blutung ist differentialdiagnostisch insbesondere ein kolorektales Karzinom auszuschließen [LL1, LL4]
Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)
- Fortgeschrittene kolorektale Neoplasie (fortgeschrittene Neubildung im Dickdarm oder Mastdarm) – insbesondere bei Adenomen ≥ 10 mm, villöser/tubulovillöser Histologie (Gewebefeinstruktur), hochgradiger intraepithelialer Neoplasie (hochgradige Zellveränderung der Schleimhautoberfläche) oder multiplen (mehreren) Adenomen; diese Merkmale definieren ein erhöhtes Risiko für metachrone (zeitlich später auftretende) fortgeschrittene Neoplasien und begründen engere endoskopische (spiegelungsbasierte) Überwachungsintervalle [1-3, LL1-3]
- Kolorektales Karzinom – zentrale klinisch relevante Folgeerkrankung im Rahmen der Adenom-Karzinom-Sequenz (Entwicklung vom gutartigen Adenom zum Krebs); das Risiko ist vor allem bei fortgeschrittenen Adenomen erhöht, während nach vollständiger Abtragung niedrig-riskanter (risikoarmer) Adenome das Langzeitrisiko deutlich niedriger und in mehreren Analysen dem Risiko nach unauffälliger Koloskopie (Darmspiegelung) angenähert ist [1-3, LL1-3]
Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)
- Akutes prärenales Nierenversagen (plötzliches Nierenversagen durch verminderten Blutfluss zur Niere) – sehr seltene Folge schwerer Dehydratation (Flüssigkeitsmangel) bei McKittrick-Wheelock-Syndrom durch große distale villöse Adenome; nicht typisch für gewöhnliche kleine Kolonadenome [4]
Prognosefaktoren
- Adenomgröße ≥ 10 mm
- Gilt leitlinienübergreifend als Hochrisikomerkmal (Merkmal für erhöhtes Risiko) für metachrone fortgeschrittene Neoplasien und ist ein wesentlicher Faktor für verkürzte Nachsorgeintervalle [1-3, LL1-3]
- Histologie
- Villöse oder tubulovillöse Architektur (Gewebestruktur) ist mit höherem Progressionsrisiko (Risiko des Fortschreitens) verbunden als rein tubuläre (röhrenförmige) Histologie [1-3, LL1-3]
- Dysplasiegrad
- Hochgradige intraepitheliale Neoplasie ist ein Hochrisikomerkmal und begründet eine engere endoskopische Überwachung [1-3, LL1-3]
- Anzahl der Adenome
- Multiple Adenome erhöhen das Risiko für metachrone fortgeschrittene Neoplasien; bei sehr hoher Adenomzahl ist zusätzlich an ein hereditäres Polyposis-Syndrom (erbliches Polypen-Syndrom) zu denken [LL1-3]
- Vollständigkeit der Abtragung
- Inkomplette Resektion (unvollständige Entfernung), Piecemeal-Resektion (stückweise Entfernung) großer Läsionen oder unklare Resektionsränder (Entfernungsränder) erhöhen das Risiko lokaler Residuen (verbliebener Gewebereste) bzw. früher Rezidivläsionen (wiederauftretender Gewebeveränderungen) und erfordern eine frühere endoskopische Kontrolle [LL1-3]
- Qualität der Indexkoloskopie
- Unvollständige Koloskopie, unzureichende Darmvorbereitung, niedrige Detektionsqualität (Erkennungsqualität) und fehlende vollständige Polypenentfernung erhöhen das Risiko übersehener oder persistierender (fortbestehender) Läsionen [LL1-3]
- Patientenbezogene Risikofaktoren
- Höheres Alter, positive Familienanamnese (familiäre Vorbelastung) für kolorektales Karzinom, hereditäre Tumorsyndrome (erbliche Tumorsyndrome), chronisch-entzündliche Darmerkrankung und kumulative Lebensstilrisiken (sich summierende Lebensstilrisiken) beeinflussen das Gesamtrisiko und die Nachsorgestrategie [LL1]
Literatur
- Lee JK, Jensen CD, Levin TR et al.: Long-term Risk of Colorectal Cancer and Related Death After Adenoma Removal in a Large, Community-based Population. Gastroenterology. 2020;158(4):884-894.e5. https://doi.org/10.1053/j.gastro.2019.09.039
- Shaukat A, Goffredo P, Wolf JM et al.: Advanced Adenoma and Long-Term Risk of Colorectal Cancer, Cancer-Related Mortality, and Mortality. JAMA Network Open. 2025;8(2):e2459703. https://doi.org/10.1001/jamanetworkopen.2024.59703
- Duvvuri A, Chandrasekar VT, Srinivasan S et al.: Risk of Colorectal Cancer and Cancer Related Mortality After Detection of Low-risk or High-risk Adenomas, Compared With No Adenoma, at Index Colonoscopy: A Systematic Review and Meta-Analysis. Gastroenterology. 2021;160(6):1986-1996.e3. https://doi.org/10.1053/j.gastro.2021.01.214
- Orchard MR, Hooper J, Wright JA et al.: A systematic review of McKittrick-Wheelock syndrome. Annals of the Royal College of Surgeons of England. 2018;100(8):591-597. https://doi.org/10.1308/rcsann.2018.0184
- Hong KD, Kim J, Ji W et al.: Adult intussusception: a systematic review and meta-analysis. Techniques in Coloproctology. 2019;23(4):315-324. https://doi.org/10.1007/s10151-019-01980-5
Leitlinien
- LS3-Leitlinie Kolorektales Karzinom (AWMF-Registernummer 021/007OL) September 2025 Langfassung
- Hassan C, Antonelli G, Dumonceau JM et al.: Post-polypectomy colonoscopy surveillance: European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) Guideline – Update 2020. Endoscopy. 2020;52(8):687-700. https://doi.org/10.1055/a-1185-3109
- Gupta S, Lieberman D, Anderson JC et al.: Recommendations for Follow-Up After Colonoscopy and Polypectomy: A Consensus Update by the US Multi-Society Task Force on Colorectal Cancer. Gastrointestinal Endoscopy. 2020;91(3):463-485.e5. https://doi.org/10.1016/j.gie.2020.01.014
- Snook J, Bhala N, Beales ILP et al.: British Society of Gastroenterology guidelines for the management of iron deficiency anaemia in adults. Gut. 2021;70(11):2030-2051. https://doi.org/10.1136/gutjnl-2021-325210