Werkzeugstörungen – Körperliche Untersuchung

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – insbesondere Beurteilung von Allgemeinzustand, Bewusstseinslage und Orientierung; bei akut aufgetretener neurologischer (das Nervensystem betreffender) Symptomatik inklusive Blutdruck und Puls
  • Neurologische Untersuchung – mit orientierender Prüfung der Hirnnerven, Motorik (Bewegungsfunktion), Muskeleigenreflexe (Muskelreflexe), Sensibilität (Empfindungsvermögen), Koordination (Bewegungsabstimmung) und des Gangbildes sowie gezielter Untersuchung höherer kortikaler (die Großhirnrinde betreffender) Funktionen
    • Prüfung der Praxie (Fähigkeit zu erlernten zielgerichteten Handlungen) durch Aufforderung zu erlernten zielgerichteten Handlungen, Pantomime des Werkzeuggebrauchs sowie Imitation bedeutungsvoller und bedeutungsloser Gesten [Apraxie (Störung erlernter zielgerichteter Handlungen): fehlerhafte oder nicht mögliche Ausführung erlernter zielgerichteter Handlungen trotz ausreichender Kraft, Koordination und ausreichenden Aufgabenverständnisses]
    • Prüfung des Erkennens und Zuordnens visueller, taktiler und gegebenenfalls akustischer Reize [Agnosie (Störung des Erkennens): beeinträchtigtes Erkennen bzw. Zuordnen vertrauter Objekte oder Reize trotz ausreichender elementarer Sinnesfunktion]
    • Prüfung des Lesens von Wörtern, Sätzen und kurzen Texten sowie des Leseverständnisses [Dyslexie/Alexie (beeinträchtigte bzw. aufgehobene Lesefähigkeit): beeinträchtigte bzw. aufgehobene Fähigkeit zum Lesen]
    • Prüfung des spontanen Schreibens, Schreibens nach Diktat und Abschreibens [Agraphie (Verlust der Schreibfähigkeit): erworbene Beeinträchtigung bzw. Aufhebung der Schreibfähigkeit trotz ausreichender motorischer Funktion]
    • Prüfung elementarer Rechenoperationen sowie des Umgangs mit Zahlen und Zahlenwerten [Akalkulie (Verlust der Rechenfähigkeit): erworbene Beeinträchtigung bzw. Aufhebung zuvor vorhandener Rechenfähigkeiten]
    • Prüfung des Körperschemas (Wahrnehmung des eigenen Körpers) und der Benennung bzw. Lokalisation eigener Körperteile [Autotopagnosie (Störung des Erkennens eigener Körperteile): beeinträchtigte Fähigkeit, eigene Körperteile korrekt zu identifizieren oder zu lokalisieren]
    • Prüfung auf begleitende Störungen von Aufmerksamkeit, Gedächtnis, Sprache, Exekutivfunktionen (Fähigkeiten zur Planung und Steuerung von Handlungen) und räumlicher Orientierung zur klinischen Syndromzuordnung

Red Flags (Warnzeichen) bei Werkzeugstörungen

  • Plötzlicher Beginn einer neu aufgetretenen Apraxie, Agnosie, Alexie, Agraphie oder Akalkulie, insbesondere in Kombination mit weiteren fokal-neurologischen (umschriebenen, das Nervensystem betreffenden) Ausfällen – dringender Verdacht auf eine akute zerebrale (das Gehirn betreffende) Läsion (Schädigung), insbesondere einen Schlaganfall
  • Akute Bewusstseinsstörung, neu aufgetretene Hemiparese (Halbseitenlähmung), Gesichtslähmung, Sprachstörung, Blickdeviation (zwanghafte Blickwendung), ausgeprägte Ataxie (Störung der Bewegungskoordination) oder erstmaliger epileptischer (durch einen Krampfanfall bedingter) Anfall – unverzügliche neurologische Notfalldiagnostik erforderlich
  • Neu aufgetretene Werkzeugstörung nach Schädel-Hirn-Trauma (Verletzung von Schädel und Gehirn) oder zusammen mit starken Kopfschmerzen, Erbrechen oder Vigilanzminderung (verminderter Wachheit) – Verdacht auf eine strukturelle intrakranielle (innerhalb des Schädels gelegene) Schädigung

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.