Subclavian-Steal-Syndrom – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch das Subclavian-Steal-Syndrom (Blutflussumkehrsyndrom der Schlüsselbeinarterie) mitbedingt sein können:

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Akutes Koronarsyndrom (akute Durchblutungsstörung des Herzens)/Myokardinfarkt (Herzinfarkt) – bei Patienten mit ipsilateralem A.-thoracica-interna-Koronararterienbypass (Herzbypass mit Brustwandarterie) kann eine hochgradige proximale Subclavia-Stenose (Verengung der Schlüsselbeinarterie) bzw. -Okklusion (Verschluss) zu einer Flussumkehr im Bypass und damit zu einem koronar-subklavialen Steal (Blutflussumkehr vom Herzbypass in die Schlüsselbeinarterie) mit relevanter Myokardischämie (Minderdurchblutung des Herzmuskels) führen; das klinische Spektrum reicht von belastungsabhängiger Angina pectoris (Brustenge) bis zum akuten Koronarsyndrom bzw. Myokardinfarkt [3, LL1]

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Ischämischer Schlaganfall der posterioren Zirkulation (Schlaganfall im hinteren Hirnkreislauf) – seltene Komplikation einer hämodynamisch relevanten vertebrobasilären Minderperfusion (Minderdurchblutung des hinteren Hirnkreislaufs); ein Zusammenhang wurde insbesondere bei Subclavia-Okklusion und ausgeprägtem bzw. Grad-III-Steal beschrieben. Die kausale Zuordnung zum Subclavian-Steal-Syndrom erfordert den Ausschluss konkurrierender embolischer bzw. atherosklerotischer Ursachen [4, LL1]
  • Transitorische ischämische Attacke (TIA) (vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns) im vertebrobasilären Stromgebiet – durch vorübergehende hämodynamische Minderperfusion der posterioren Zirkulation, insbesondere bei zusätzlichem Perfusionsbedarf der betroffenen oberen Extremität; bei symptomatischer Subclavia-Stenose eine anerkannte neurologische Komplikation und leitliniengerechte Indikation zur Revaskularisation (Wiederherstellung der Blutversorgung) [2, LL1]

Prognosefaktoren

  • Begleitende Karotisstenose (Verengung der Halsschlagader) bzw. polyvaskuläre Atherosklerose (Gefäßverkalkung in mehreren Gefäßgebieten) – verschlechtert die vaskuläre Gesamtprognose und erschwert die kausale Zuordnung neurologischer Ereignisse zum Steal-Mechanismus; bei Patienten mit Subclavian-Steal bestehen häufig zusätzliche atherosklerotische Gefäßläsionen [2, LL1]
  • Isoliertes Subclavian-Steal-Syndrom ohne relevante begleitende Karotiserkrankung – insgesamt günstige zerebrovaskuläre Prognose. In einer aktuellen Langzeitkohorte traten bei 115 Patienten mit isoliertem Subclavian-Steal bis zu fünf Jahre keine Schlaganfälle der posterioren Zirkulation auf; die Freiheit von jeglichem Schlaganfall betrug nach fünf Jahren 97 % [1]
  • Subclavia-Okklusion bzw. ausgeprägter Grad-III-Steal – in einer Beobachtungsstudie mit einem erhöhten Auftreten posteriorer Zirkulationsinfarkte (Hirninfarkte im hinteren Hirnkreislauf) assoziiert; aufgrund des Studiendesigns ist dies als Risikomarker und nicht als gesicherter unabhängiger kausaler Prognosefaktor zu bewerten [4]
  • A.-thoracica-interna-Koronararterienbypass bei ipsilateraler proximaler Subclavia-Stenose bzw. -Okklusion – besondere prognostisch relevante Konstellation, da ein koronar-subklavialer Steal eine Myokardischämie bis hin zum akuten Koronarsyndrom auslösen kann [3, LL1]
  • Persistierende bzw. rezidivierende ischämische Symptome – transitorische ischämische Attacke, Schlaganfall, relevante Armischämie (Minderdurchblutung des Arms) oder koronar-subklavialer Steal kennzeichnen eine symptomatische hämodynamisch relevante Erkrankung und stellen nach aktueller ESC-Leitlinie eine Indikation zur Revaskularisation dar [LL1]

Literatur

  1. AbuRahma AF, Veith C, Dargy N et al.: Late neuro events in asymptomatic vs symptomatic isolated subclavian steal. J Vasc Surg. 2025;82(3):915-921. doi: 10.1016/j.jvs.2025.05.005
  2. AbuRahma AF, Santini A, Beasley M et al.: Critical analysis of vertebral artery flow patterns/subclavian steal detected by cerebrovascular duplex ultrasound examinations and its clinical implications. J Vasc Surg. 2022;76(6):1634-1641. doi: 10.1016/j.jvs.2022.05.029
  3. Gonzalez-Urquijo M, Valdes F, Bulnes JF et al.: Coronary-subclavian steal syndrome: A case series and review of the literature. Vascular. 2026;34(1):146-154. doi: 10.1177/17085381241307751
  4. Zhang L, Wang L, Yan Y et al.: Relationship Between Subclavian Artery Stenosis Lesions and Posterior Circulation Infarction: A Preliminary Study. Ann Vasc Surg. 2024;108:195-205. doi: 10.1016/j.avsg.2024.03.019

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. Mazzolai L, Teixido-Tura G, Lanzi S et al.: 2024 ESC Guidelines for the management of peripheral arterial and aortic diseases. Eur Heart J. 2024;45(36):3538-3700. ESC-Leitlinie. doi: 10.1093/eurheartj/ehae179. [LL1]