Posttraumatische Belastungsstörung – Differentialdiagnosen
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Akute Belastungsreaktion (kurzzeitige seelische Reaktion auf eine außergewöhnliche Belastung) – beginnt typischerweise unmittelbar nach einer außergewöhnlichen psychischen oder physischen Belastung und ist vorübergehend; bei persistierender traumabezogener Symptomatik ist insbesondere eine posttraumatische Belastungsstörung (seelische Folgestörung nach einem traumatischen Erlebnis) (PTBS) abzugrenzen
- Angststörungen (krankhafte Angstzustände) – insbesondere generalisierte Angststörung (anhaltende übermäßige Angst und Sorge) und Panikstörung (Erkrankung mit wiederkehrenden Panikattacken); Sorgen, Angstanfälle und vegetative Übererregung (körperliche Überaktivierung des unwillkürlichen Nervensystems) stehen im Vordergrund, ohne das charakteristische traumabezogene Wiedererleben und Vermeidungsverhalten einer PTBS
- Anhaltende Persönlichkeitsänderung nach Extrembelastung (dauerhafte Persönlichkeitsveränderung nach extremer Belastung) – tiefgreifende und anhaltende Persönlichkeitsveränderung nach extremer Belastung; die Symptomatik besteht mindestens 2 Jahre und ist von einer persistierenden PTBS abzugrenzen
- Anpassungsstörungen (seelische Reaktionen auf belastende Lebensereignisse) – Reaktion auf identifizierbare psychosoziale Belastungen, die das Traumakriterium (Voraussetzung hinsichtlich der Art des traumatischen Ereignisses) einer PTBS nicht erfüllen müssen; das typische PTBS-Symptommuster aus Wiedererleben, Vermeidung und anhaltendem Bedrohungsgefühl fehlt
- Borderline-Persönlichkeitsstörung (Störung mit instabilen Gefühlen, Beziehungen und Selbstbild) (BPS) – situationsübergreifende Instabilität von Affektregulation (Steuerung von Gefühlen), Selbstbild und zwischenmenschlichen Beziehungen sowie Impulsivität (Neigung zu unüberlegtem Handeln) und häufig selbstschädigendem Verhalten; insbesondere von einer komplexen posttraumatischen Belastungsstörung abzugrenzen
- Depressive Störungen (Erkrankungen mit anhaltender Niedergeschlagenheit) – gedrückte Stimmung, Interessen- bzw. Freudverlust und Antriebsminderung (verminderter Antrieb) stehen im Vordergrund; traumabezogenes Wiedererleben und spezifisches Vermeidungsverhalten sind nicht kennzeichnend; eine Komorbidität (gleichzeitiges Bestehen weiterer Erkrankungen) mit PTBS ist häufig
- Dissoziative Störungen (Störungen des Erlebens von Bewusstsein, Erinnerung oder Identität) – insbesondere bei vorherrschender Depersonalisation (Gefühl, sich selbst fremd zu sein), Derealisation (Gefühl, die Umgebung sei unwirklich), dissoziativer Amnesie (Erinnerungslücke ohne organische Ursache) oder anderen dissoziativen Phänomenen (Abspaltungserlebnissen); dissoziative Symptome können allerdings auch Bestandteil einer PTBS sein
- Komplexe posttraumatische Belastungsstörung (KPTBS) (seelische Traumafolgestörung mit zusätzlichen Störungen der Gefühlsregulation, des Selbstbildes und der Beziehungen) – zusätzlich zur PTBS-Kernsymptomatik bestehen anhaltende Störungen der Affektregulation, ein negatives Selbstkonzept und Beziehungsstörungen; besonders nach lang andauernden oder wiederholten Traumatisierungen zu erwägen
- Psychotische Störungen (Erkrankungen mit gestörtem Realitätsbezug) – Halluzinationen (Wahrnehmungen ohne äußeren Reiz), Wahnphänomene (unkorrigierbare falsche Überzeugungen) und formale Denkstörungen (Störungen des Ablaufs und der Struktur des Denkens) sind nicht auf traumabezogene Erinnerungen oder Flashbacks begrenzt; psychotische Symptome können jedoch auch komorbid bei einer PTBS auftreten
- Zwangsstörung (Erkrankung mit Zwangsgedanken und/oder Zwangshandlungen) – intrusive, meist als ichfremd erlebte Zwangsgedanken (sich aufdrängende Gedanken) und gegebenenfalls Neutralisierungs- bzw. Zwangshandlungen (wiederholte Handlungen unter innerem Zwang) sind vom traumabezogenen Wiedererleben einer PTBS abzugrenzen