Halluzinationen – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Halluzinationen mitbedingt sein können:
Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)
- Affektive Instabilität (starke Stimmungsschwankungen) – rasche Wechsel zwischen Angst, Dysphorie (gedrückte, gereizte Stimmung), Gereiztheit und depressiver Stimmung
- Aggressivität – insbesondere bei imperativen (befehlsartigen), bedrohlichen oder paranoiden (verfolgungsbezogenen) Halluzinationen
- Angststörung (krankhafte Angst) bzw. ausgeprägte Angst – häufige Begleiterscheinung akustischer (gehörter) oder optischer (gesehener) Halluzinationen
- Delir (akuter Verwirrtheitszustand) – Halluzinationen können Bestandteil eines Delirs sein und zu schwerer psychomotorischer Unruhe (starker innerer und körperlicher Unruhe) führen
- Depressive Episode (depressive Phase) – Halluzinationen können depressive Symptome verstärken oder auslösen
- Fremdgefährdung (Gefährdung anderer Personen) – selten bei imperativen Halluzinationen mit Aufforderungscharakter
- Psychomotorische Unruhe (innere und körperliche Unruhe) – häufig mit Agitiertheit (starker Unruhe), Schlaflosigkeit und vegetativer Aktivierung (körperlicher Stressreaktion)
- Schlafstörungen – insbesondere Ein- und Durchschlafstörungen infolge nächtlicher Halluzinationen
- Selbstverletzendes Verhalten – insbesondere bei imperativen oder stark belastenden Halluzinationen
- Sozialer Rückzug – Vermeidung sozialer Kontakte aufgrund der Halluzinationen oder der Angst vor Stigmatisierung (gesellschaftlicher Ausgrenzung)
- Substanzmissbrauch – sekundär zur Selbstmedikation (eigenständigen Behandlung) belastender Halluzinationen
- Suizidalität (Selbsttötungsgefährdung) – erhöhtes Risiko insbesondere bei imperativen, entwertenden oder bedrohlichen Halluzinationen
- Wahnentwicklung (Entwicklung fester Fehlüberzeugungen) – Halluzinationen können die Ausbildung sekundärer Wahnsysteme begünstigen
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Desorientierung (Orientierungslosigkeit) – insbesondere bei organischen Ursachen oder Delir
- Fremd- und Eigengefährdung (Gefährdung anderer und der eigenen Person) – durch Fehlinterpretation der Halluzinationen
- Schwere psychosoziale Beeinträchtigung (starke Einschränkung im sozialen und beruflichen Leben) – Verlust von Alltagskompetenz, Arbeitsfähigkeit und Beziehungsfähigkeit
- Vermeidungsverhalten – Rückzug aus bestimmten Situationen oder Orten, die mit Halluzinationen assoziiert werden
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Selbstverletzungen – infolge imperativer Halluzinationen oder Suizidversuchs (Versuchs, sich das Leben zu nehmen)
- Unfallverletzungen – z. B. durch Fluchtreaktionen, Verkehrsunfälle oder Stürze während optischer Halluzinationen
- Vergiftungen/Intoxikationen (Vergiftungen) – durch missbräuchliche Einnahme von Alkohol, Medikamenten oder Drogen zur Symptomkontrolle
Ursachen (äußere) von Morbidität (Krankheitshäufigkeit) und Mortalität (Sterblichkeit) (V01-Y84)
- Suizidversuch (Versuch, sich das Leben zu nehmen) – erhöhtes Risiko bei anhaltenden imperativen oder bedrohlichen Halluzinationen
- Vollendeter Suizid (Selbsttötung) – seltene, aber klinisch besonders relevante Komplikation
Weiteres
- Verlust der Adhärenz (fehlende Bereitschaft zur Mitarbeit an der Behandlung) – Halluzinationen können die Bereitschaft zur Diagnostik und Therapie deutlich vermindern
- Zwangseinweisung bzw. stationäre Unterbringung – bei akuter Eigen- oder Fremdgefährdung
Prognosefaktoren
- Günstige Prognose:
- Kurze Dauer der Halluzinationen
- Erhaltene Krankheitseinsicht (Erkennen, krank zu sein)
- Fehlen imperativer, bedrohlicher oder suizidbezogener Inhalte
- Rasche Behandlung der zugrunde liegenden Ursache
- Gute soziale Unterstützung
- Ungünstige Prognose:
- Imperative Halluzinationen mit Aufforderung zu Selbst- oder Fremdschädigung
- Kombination mit Wahn (fester Fehlüberzeugung), schwerer Depression oder Substanzmissbrauch
- Fehlende Krankheitseinsicht
- Chronischer Verlauf
- Vorangegangene Suizidversuche oder aggressives Verhalten