Gehirnerschütterung (Commotio cerebri) – Differentialdiagnosen

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Hypoglykämie (Unterzuckerung) – kann Bewusstseinsstörung (Störung des Bewusstseins), Verwirrtheit, Amnesie (Gedächtnislücke) oder einen Krampfanfall verursachen und dadurch einen Sturz bzw. ein Kopftrauma auslösen; insbesondere bei unklarem Unfallhergang differentialdiagnostisch relevant

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Akuter ischämischer Schlaganfall (Schlaganfall durch Gefäßverschluss) – kann durch plötzliche Bewusstseins-, Gleichgewichts- oder neurologische Funktionsstörungen einen Sturz verursachen; insbesondere bei fokal-neurologischen Defiziten (umschriebenen Ausfällen des Nervensystems) und unklarer zeitlicher Abfolge von neurologischem Ereignis und Trauma abzugrenzen
  • Spontane intrazerebrale Blutung (spontane Hirnblutung) – kann Bewusstseinsstörung, Kopfschmerzen, Erbrechen und fokal-neurologische Defizite verursachen und sekundär zu einem Sturz mit Kopfverletzung führen

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Epileptischer Anfall (Krampfanfall infolge einer Epilepsie) – kann mit Bewusstseinsverlust, Sturz, retrograder Amnesie und postiktaler Verwirrtheit (Verwirrtheit nach einem Krampfanfall) einhergehen; insbesondere bei nicht beobachtetem Unfallereignis als Ursache des Kopftraumas zu berücksichtigen

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Synkope (kurzzeitige Ohnmacht) – vorübergehender Bewusstseinsverlust mit Tonusverlust (Verlust der Muskelspannung), der einen Sturz und ein sekundäres Kopftrauma verursachen kann; bei unklarem Unfallhergang muss zwischen primärer Synkope und traumatisch bedingter Bewusstseinsstörung unterschieden werden

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Diffuse axonale Verletzung (diffuse Schädigung von Nervenfasern im Gehirn) – strukturelle traumatische Hirnschädigung, insbesondere bei ausgeprägter oder anhaltender Bewusstseinsstörung trotz initial unauffälliger Computertomographie zu erwägen
  • Epiduralhämatom (Bluterguss zwischen Schädelknochen und harter Hirnhaut) – intrakranielle Blutung (Blutung innerhalb des Schädels) mit potenziell symptomarmem Anfangsstadium und nachfolgender neurologischer Verschlechterung; dringlich auszuschließen
  • Gehirnkontusion (Gehirnprellung) – strukturelle traumatische Hirnverletzung mit Kopfschmerzen, Bewusstseinsstörung, Amnesie, Erbrechen oder fokal-neurologischen Defiziten
  • Halswirbelsäulendistorsion (Zerrung der Halswirbelsäule) – kann nach demselben Trauma insbesondere Kopfschmerzen, Schwindel und Konzentrationsbeschwerden verursachen; Bewusstseins- oder Gedächtnisstörungen sprechen gegen eine isolierte Halswirbelsäulendistorsion
  • Schädelfraktur (Schädelbruch) – knöcherne Schädelverletzung, die mit oder ohne intrakranielle Begleitverletzung auftreten kann; insbesondere bei klinischen Frakturzeichen abzugrenzen
  • Schädelprellung – lokale traumatische Weichteilverletzung mit Schmerzen und Schwellung ohne Nachweis einer traumatisch bedingten Hirnfunktionsstörung (Störung der Gehirnfunktion)
  • Subduralhämatom (Bluterguss unter der harten Hirnhaut) – insbesondere bei älteren Patienten, Antikoagulation (medikamentöser Blutverdünnung) oder relevantem Trauma wichtige Ursache einer akuten oder verzögerten neurologischen Symptomatik
  • Traumatische intrazerebrale Blutung (traumatische Hirnblutung) – strukturelle Hirnverletzung mit potenzieller Bewusstseinsstörung, fokal-neurologischen Defiziten oder klinischer Verschlechterung
  • Traumatische Subarachnoidalblutung (Blutung zwischen den Hirnhäuten nach Verletzung) – intrakranielle Blutung nach Trauma mit Kopfschmerzen, Erbrechen, Bewusstseinsstörung oder neurologischen Auffälligkeiten

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Alkoholintoxikation (Alkoholvergiftung) – kann Vigilanzminderung (verminderte Wachheit), Amnesie, Ataxie (Störung der Bewegungskoordination) und Verhaltensauffälligkeiten verursachen und zugleich die klinische Beurteilung einer Commotio cerebri (Gehirnerschütterung) erschweren
  • Intoxikation mit sedierenden oder psychoaktiven Substanzen (Vergiftung mit beruhigenden oder bewusstseinsverändernden Stoffen) – insbesondere Opioide, Benzodiazepine oder andere zentral dämpfende Substanzen können Bewusstseins- und Koordinationsstörungen verursachen und ein Kopftrauma auslösen bzw. dessen Symptomatik imitieren