Ernährungstherapie bei pulmonaler Hypertonie (Lungenhochdruck)

Die pulmonale Hypertonie (PH; Lungenhochdruck) ist eine chronisch progrediente (fortschreitende) Erkrankung, die durch einen erhöhten Druck im Lungenkreislauf (mittlerer pulmonalarterieller Druck ≥ 20 mmHg) gekennzeichnet ist und zu strukturellen Veränderungen der pulmonalen Gefäße (Blutgefäße des Lungenkreislaufs) sowie zu einer zunehmenden Belastung des rechten Herzens führt. Im Verlauf kann sich eine Rechtsherzinsuffizienz (Funktionsstörung der rechten Herzhälfte) entwickeln, die prognostisch entscheidend ist.

Im Zentrum der Erkrankung stehen Funktionsstörungen des Endothels (Gefäßinnenwand), eine vermehrte Gefäßverengung sowie entzündliche Prozesse. Zusätzlich kommt es zu strukturellen Umbauprozessen der Gefäße. Diese Veränderungen führen dazu, dass der Widerstand in den Lungengefäßen ansteigt. In der Folge wird der Blutfluss durch die Lunge erschwert, was die Leistungsfähigkeit von Herz und Lunge deutlich einschränkt.

Die Ernährungstherapie stellt keine kausale Behandlung dar, ist jedoch ein essentieller Bestandteil des multimodalen Therapiekonzepts. Sie zielt darauf ab, den Flüssigkeitshaushalt zu regulieren, die Belastung des Herzens zu reduzieren, entzündliche Prozesse zu modulieren und den häufig beeinträchtigten Ernährungszustand zu stabilisieren. Insbesondere bei fortgeschrittener Erkrankung treten katabole Stoffwechsellagen (der Körper baut vermehrt eigene Reserven ab), Sarkopenie (fortschreitender Verlust von Muskelmasse, Muskelkraft und körperlicher Leistungsfähigkeit) und kardiopulmonale Kachexie (schwerer krankheitsbedingter Gewichtsverlust bei Herz- und Lungenerkrankungen, der mit einem ausgeprägten Abbau von Muskel- und Fettmasse einhergeht) auf, die prognostisch relevant sind.

Wissenschaftliche Grundlagen

Die Rolle der Ernährung bei pulmonaler Hypertonie wurde lange unterschätzt, da der therapeutische Fokus primär auf medikamentösen vasodilatatorischen (gefäßerweiternden) Strategien lag. Mit zunehmendem Verständnis der systemischen Auswirkungen der Erkrankung – insbesondere der kardialen Belastung, inflammatorischen (entzündlichen) Aktivität und metabolischen Veränderungen – hat sich die Bedeutung der Ernährungstherapie deutlich erhöht.

Zentrale pathophysiologische Mechanismen umfassen eine endotheliale Dysfunktion (Funktionsstörung der Gefäßinnenwand), erhöhte vasokonstriktorische Mediatoren (gefäßverengende Botenstoffe, z. B. Endothelin-1) sowie eine chronische niedriggradige Entzündungsaktivität. Parallel kommt es häufig zu einer neurohormonellen Aktivierung (körpereigene Stress- und Hormonsysteme: RAAS, Sympathikus), die eine Flüssigkeitsretention begünstigt. Diese Mechanismen ähneln in Teilen denen der Herzinsuffizienz (Herzschwäche), weshalb ernährungstherapeutische Prinzipien aus diesem Bereich übertragbar sind. Insbesondere ist bekannt, dass eine erhöhte Natriumzufuhr zu einer verstärkten Flüssigkeitsretention, Volumenbelastung und damit zu einer zusätzlichen Belastung des Herzens führt [1, 3].

Zusätzlich zeigen Studien, dass Patienten mit PH häufig einen gestörten Ernährungsstatus aufweisen – von Adipositas bis hin zur Kachexie. Insbesondere ein kataboler Stoffwechselzustand mit Muskelabbau und verminderter körperlicher Leistungsfähigkeit ist mit einer schlechteren Prognose assoziiert [2, 6].

Zielsetzung der Ernährungstherapie

Ziel der Ernährungstherapie ist es, die hämodynamische Situation (Zustand des Blutflusses und der Druckverhältnisse im Kreislaufsystem) zu stabilisieren, die Belastung des rechten Herzens zu reduzieren und gleichzeitig den Ernährungszustand zu optimieren. Ein zentraler Ansatzpunkt ist die Kontrolle der Flüssigkeitsretention durch eine angepasste Natrium- und Flüssigkeitszufuhr, da Ödeme (Wassereinlagerungen) und Volumenüberlastung direkt zur Verschlechterung der Symptomatik beitragen.

Primäre therapeutische Zielparameter sind das Körpergewicht (unter Berücksichtigung von Ödemen), die Flüssigkeitsbilanz, die Natriumzufuhr sowie funktionelle Parameter wie die körperliche Belastbarkeit. Sekundär stehen die Verbesserung der Lebensqualität, die Reduktion von Dyspnoe (Atemnot) und die Stabilisierung der Muskelmasse im Fokus.

Die Leitlinienlogik folgt dem Prinzip:

  • Indikation: PH mit/ohne Rechtsherzinsuffizienz
  • Intervention: natriumadaptierte, entzündungsarme und bedarfsdeckende Ernährung
  • Monitoring: Gewicht, Elektrolyte, Ödeme
  • Vermeidung von Risiken: z. B. Mangelernährung oder Elektrolytstörungen [1]

Kurzfristig zielt die Therapie auf die Stabilisierung des Flüssigkeitshaushalts ab, langfristig auf die Erhaltung der funktionellen Kapazität und eine mögliche Verlangsamung der Krankheitsprogression.

Grundprinzipien

Die Ernährungstherapie basiert auf mehreren zentralen Prinzipien, die individuell angepasst werden müssen. Ein wesentlicher Baustein ist die Reduktion der Natriumzufuhr auf etwa 2-3 g pro Tag, um die Flüssigkeitsretention zu begrenzen. Diese Empfehlung basiert auf Erkenntnissen aus der Herzinsuffizienztherapie, in der eine reduzierte Natriumzufuhr mit einer Verbesserung der Symptomkontrolle und einer Reduktion von Ödemen assoziiert ist [3, 4]. Parallel erfolgt eine individuell angepasste Flüssigkeitszufuhr, die sich an klinischem Zustand, Diuretikatherapie (Einnahme von entwässernden Medikamenten) und Laborparametern orientiert.

Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Sicherstellung einer ausreichenden Energie- und Proteinzufuhr. Aufgrund der erhöhten Atemarbeit und des katabolen Stoffwechsels kann der Energiebedarf erhöht sein. Gleichzeitig müssen große Mahlzeiten vermieden werden, da sie durch Zwerchfellhochstand die Atemmechanik verschlechtern können. Daher sind mehrere kleine Mahlzeiten pro Tag sinnvoll.

Zusätzlich wird eine entzündungsmodulierende Ernährungsweise empfohlen, die reich an ungesättigten Fettsäuren, Antioxidantien und pflanzlichen Lebensmitteln ist. Diese kann zur Verbesserung der endothelialen Funktion (Gefäßfunktion) beitragen.

Angestrebte Wirkmechanismen

Die Ernährungstherapie wirkt über mehrere pathophysiologisch plausible Mechanismen. Die Reduktion der Natriumzufuhr führt zu einer verminderten Wasserretention und damit zu einer Entlastung des rechten Herzens [3]. Dies ist insbesondere bei bestehender Rechtsherzinsuffizienz klinisch relevant.

Eine ausreichende Energie- und Proteinversorgung wirkt dem katabolen Stoffwechsel entgegen und unterstützt den Erhalt der Muskelmasse. Dies ist entscheidend, da Sarkopenie mit einer reduzierten Belastbarkeit und schlechterer Prognose assoziiert ist.

Omega-3-Fettsäuren (Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA)) sowie antioxidativ wirksame Mikronährstoffe (Vitalstoffe) können entzündliche Prozesse modulieren und die endotheliale Funktion positiv beeinflussen.

Ferner gibt es Hinweise, dass die Darmmikrobiota (Darmflora) über metabolische und immunologische Mechanismen Einfluss auf die Gefäßfunktion nehmen kann, wenngleich dieser Zusammenhang bislang nicht abschließend geklärt ist [2].

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Zielgruppen und Ausschlusskriterien

Die Ernährungstherapie richtet sich an Patienten mit pulmonaler Hypertonie in unterschiedlichen Krankheitsstadien und muss individuell angepasst werden.

Geeignete Zielgruppen

  • Erwachsene mit PH aller WHO-Gruppen, das bedeutet unabhängig von der Ursache der Erkrankung
  • Patienten mit Rechtsherzinsuffizienz
  • Geriatrische (ältere) Patienten mit erhöhtem Risiko für Mangelernährung

Eingeschränkte Eignung

  • Ausgeprägte Kachexie (intensivierte Ernährungstherapie erforderlich)
  • Fortgeschrittene Organinsuffizienzen

Indikationsbezogene Eignung

  • PH bei Herz- oder Lungenerkrankungen

Komorbiditäten (Begleiterkrankungen)

  • Niereninsuffizienz (Nierenschwäche)
  • Adipositas oder Untergewicht

Die Ernährungstherapie erfordert eine enge Anpassung an Komorbiditäten und Krankheitsverlauf.

Durchführung und Ablauf der Ernährungstherapie

Die Ernährungstherapie sollte strukturiert und schrittweise umgesetzt werden. Entscheidend ist, dass der Patient konkrete Handlungsanweisungen erhält und diese im Alltag umsetzen kann.

1. Ausgangssituation erfassen (Startpunkt)
Zu Beginn sollte der Patient (idealerweise gemeinsam mit Arzt/Ernährungsberatung) folgende Punkte klären:

  • Aktuelles Körpergewicht (inkl. Verlauf der letzten Wochen)
  • Auftreten von Ödemen (z. B. geschwollene Beine)
  • Essverhalten (Appetit, Mahlzeitenfrequenz)
  • Trinkmenge pro Tag

Ziel: Erkennen, ob eher Flüssigkeitsretention oder Mangelernährung im Vordergrund stehen.

2. Natriumzufuhr gezielt reduzieren (zentrale Maßnahme)
Die tägliche Salzaufnahme sollte auf etwa 2-3 g Natrium (≈ 5-6 g Kochsalz) begrenzt werden:

  • Kein Nachsalzen am Tisch
  • Verzicht auf:
    • Fertiggerichte
    • Wurstwaren
    • Käse mit hohem Salzgehalt
  • Stattdessen verwenden:
    • Frische Lebensmittel
    • Kräuter, Gewürze, Zitronensaft

Faustregel: „Alles, was verarbeitet ist, enthält meist zu viel Salz.“

3. Flüssigkeitszufuhr kontrollieren
Die Trinkmenge liegt meist bei ca. 1,5-2 Litern pro Tag (individuell je nach ärztlicher Vorgabe):

  • Tagesmenge morgens festlegen (z. B. 1,5 Liter)
  • Getränke auf mehrere Portionen verteilen
  • Kleine Gläser/Tassen nutzen
  • Flüssigkeit aus Suppen oder Joghurt mit einrechnen

Wichtig: Nicht „nach Gefühl“ trinken, sondern bewusst steuern.

4. Energie- und Proteinzufuhr sichern
Viele Patienten essen zu wenig – das muss aktiv vermieden werden:

  • 4-6 kleine Mahlzeiten pro Tag
  • Jede Mahlzeit sollte eine Proteinquelle enthalten, z. B. Joghurt, Eier, Fisch, Hülsenfrüchte
  • Energiedichte erhöhen bei Appetitmangel: Nüsse, Pflanzenöle, Avocado ergänzen

Ziel: Muskelabbau verhindern (Sarkopenie/Kachexie).

5. Mahlzeitenstruktur anpassen (wichtig bei Atemnot)
Große Mahlzeiten verschlechtern oft die Atmung.

Daher:

  • Kleine Portionen essen
  • Langsam essen
  • Aufrechte Sitzposition einnehmen

6. Tägliche Gewichtskontrolle (zentrales Monitoring)

  • Täglich morgens nach dem Aufstehen wiegen
  • Immer unter gleichen Bedingungen

Warnzeichen (red flags):

  • +1 kg innerhalb von 1-2 Tagen → Hinweis auf Flüssigkeitseinlagerung
  • Ungewollter Gewichtsverlust → Hinweis auf Mangelernährung

In beiden Fällen: ärztliche Rücksprache.

Empfohlene Lebensmittel

Die Lebensmittelauswahl zielt auf eine natriumarme, entzündungsmodulierende und gleichzeitig energie- sowie proteinbedarfsdeckende Ernährung ab. Entscheidend ist eine hohe Nährstoffdichte bei möglichst geringer Salzbelastung.

  • Gemüse (täglich, Basis der Ernährung)
    • Z. B. Brokkoli, Spinat, Zucchini, Karotten, Paprika
    • Reich an Kalium, Antioxidantien und Ballaststoffen
    • Unterstützen Gefäßfunktion und entzündungshemmende Prozesse
  • Obst
    • Z. B. Beeren, Äpfel, Birnen
    • Liefern sekundäre Pflanzenstoffe und Vitamine
    • Besonders Beeren wirken antioxidativ
  • Vollkornprodukte
    • Z. B. Haferflocken, Vollkornbrot, Naturreis
    • Sorgen für stabile Energieversorgung
    • Fördern Darmgesundheit und metabolische Stabilität
  • Hochwertige Proteinquellen
    • Tierisch: Fisch, Eier, mageres Fleisch, Joghurt, Quark
    • Pflanzlich: Hülsenfrüchte (Linsen, Kichererbsen), Tofu
    • Wichtig zur Vermeidung von Muskelabbau (Sarkopenie/Kachexie)
  • Fettreiche, aber gesunde Lebensmittel
    • Olivenöl, Rapsöl, Nüsse, Samen, Avocado
    • Liefern Energie bei geringer Essmenge (wichtig bei Appetitmangel)
    • Enthalten entzündungshemmende ungesättigte Fettsäuren
  • Omega-3-fettsäurereiche Lebensmittel
    • Fetter Fisch (Lachs, Makrele, Hering) 1-2x/Woche
    • Alternativ: Leinsamen/-öl, Walnüsse
    • Unterstützen entzündungsmodulierende Prozesse

Besondere praktische Vorgaben

  • Frisch kochen statt Fertigprodukte verwenden
  • Salz konsequent reduzieren
    • Stattdessen: Kräuter, Gewürze, Knoblauch, Zitrone
  • Etiketten lesen
    • Ziel: < 0,3 g Natrium pro 100 g (≈ < 0,75 g Salz)
  • Energie anreichern bei Bedarf
    • Z. B. Öl in Gemüse, Nüsse in Joghurt

Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel

Zur Vermeidung von Flüssigkeitsretention, Gefäßbelastung und entzündlichen Prozessen sollten bestimmte Lebensmittel konsequent reduziert oder gemieden werden. Besonders problematisch ist ein hoher Salzgehalt, da dieser direkt zur Wasserbindung im Körper beiträgt.

Ausgeschlossen bzw. möglichst vermeiden

  • Stark salzhaltige Lebensmittel
    • Fertiggerichte, Tiefkühlpizza, Instantprodukte
    • Wurstwaren, gepökeltes Fleisch
    • Salzige Snacks (Chips, Salzstangen)
  • Hochverarbeitete Lebensmittel
    • Enthalten häufig verstecktes Salz, Zucker und ungünstige Fette
    • Z. B. Fast Food, Fertigsoßen, Konserven mit Salz

Eingeschränkt (gelegentlich, in kleinen Mengen)

  • Zuckerreiche Lebensmittel
    • Süßigkeiten, Softdrinks, stark gesüßte Produkte
    • Fördern Entzündung und metabolische Belastung
  • Gesättigte Fettsäuren
    • Z. B. fettreiches Fleisch, Butter in großen Mengen
    • Können entzündliche Prozesse begünstigen
  • Salzreiche versteckte Quellen
    • Brot, Käse, Frühstücksprodukte

Genussmittelkonsum

Tabak (Rauchen)

  • Verschlechtert pulmonale Gefäßfunktion
  • Erhöht Krankheitsprogression
  • Klare Empfehlung: vollständige Abstinenz.

Alkohol

  • Eher ungünstig bei kardialer Belastung
  • Empfehlung: Reduktion

Koffein

  • Individuell verträglich
  • Bei Tachykardie (erhöhte Herzfrequenz: > 100 Schläge pro Minute in Ruhe) ggf. einschränken

Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag

Eine erfolgreiche Umsetzung der Ernährungstherapie im Alltag erfordert konkrete, alltagstaugliche Strategien. Besonders wichtig ist das Verständnis versteckter Salzquellen: Viele verarbeitete Lebensmittel enthalten große Mengen Natrium, ohne dass dies unmittelbar erkennbar ist. Daher sollte beim Einkauf gezielt auf die Nährwertangaben geachtet werden – ein Natriumgehalt von > 0,5 g pro 100 g gilt bereits als hoch.

Ein sehr praxisnaher Ansatz ist das konsequente Kochen mit frischen Zutaten. Anstelle von Salz sollten Kräuter, Gewürze, Zitronensaft oder Essig verwendet werden, um den Geschmack zu verbessern. Fertigprodukte, Instantgerichte und stark verarbeitete Lebensmittel sollten möglichst vermieden werden.

Die Flüssigkeitszufuhr sollte nicht „nebenbei“ erfolgen, sondern bewusst über den Tag verteilt werden. Hilfreich ist es, die Tagesmenge (z. B. 1,5 Liter) morgens festzulegen und in Portionen aufzuteilen. Kleine Trinkgefäße können helfen, die Menge besser zu kontrollieren.

Bei Appetitlosigkeit oder schneller Sättigung – häufig bei PH – sind kleine, energiereiche Mahlzeiten sinnvoll. Beispiele sind Joghurt mit Nüssen, Smoothies oder kleine proteinreiche Snacks. Auch das Essen in aufrechter Position und mit ausreichend Zeit kann die Verträglichkeit verbessern.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die regelmäßige Gewichtskontrolle. Eine tägliche Gewichtszunahme von > 1 kg innerhalb von 1-2 Tagen kann ein Hinweis auf Flüssigkeitsretention sein und sollte ärztlich abgeklärt werden.

Ernährungsphysiologische Bewertung

Die Ernährung bei pulmonaler Hypertonie stellt besondere Anforderungen an die Balance zwischen ausreichender Nährstoffzufuhr und kontrollierter Flüssigkeits- sowie Natriumaufnahme.

Der Energiebedarf ist häufig erhöht, insbesondere bei fortgeschrittener Erkrankung, da die Atemarbeit gesteigert ist und ein kataboler Stoffwechsel vorliegt. Gleichzeitig kann die Energieaufnahme durch Dyspnoe (Atemnot), frühe Sättigung oder Appetitlosigkeit reduziert sein, was das Risiko für Mangelernährung erhöht.

Die Proteinzufuhr sollte im Bereich von etwa 1,0-1,2 g/kg Körpergewicht liegen, um den Erhalt der Muskelmasse zu unterstützen. Eine unzureichende Proteinzufuhr begünstigt die Entwicklung einer Sarkopenie, die wiederum mit einer reduzierten körperlichen Leistungsfähigkeit und schlechteren Prognose assoziiert ist.

Eine unzureichende Energie- und insbesondere Proteinaufnahme stellt einen wesentlichen Risikofaktor für die Entwicklung von Sarkopenie und kardiopulmonaler Kachexie dar, die beide mit einer erhöhten Mortalität und einer reduzierten funktionellen Kapazität assoziiert sind [6].

Fettsäuren sollten bevorzugt aus ungesättigten Quellen stammen, insbesondere Omega-3-Fettsäuren, die entzündungsmodulierende Eigenschaften besitzen. Kohlenhydrate sollten überwiegend komplex und ballaststoffreich sein, um metabolische Stabilität zu fördern.

Auf mikronährstofflicher Ebene können Defizite auftreten, insbesondere bei Eisen, Vitamin D und ggf. Magnesium. Diese spielen eine wichtige Rolle für die Muskel- und Gefäßfunktion und sollten bei Bedarf gezielt überprüft und substituiert werden.

Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen

Die Ernährungstherapie bei pulmonaler Hypertonie ist grundsätzlich sicher, birgt jedoch bei unsachgemäßer Umsetzung relevante Risiken. Eine zu strikte Natrium- oder Flüssigkeitsrestriktion kann zu Dehydratation (Mangel an Körperflüssigkeit), Hypotonie (zu niedriger Blutdruck) und Elektrolytstörungen führen. Insbesondere bei gleichzeitiger Diuretikatherapie besteht ein erhöhtes Risiko für Hyponatriämie oder -kaliämie (zu niedriger Natrium- oder Kaliumspiegel im Blut).

Ein weiteres wesentliches Risiko ist die Entwicklung einer Mangelernährung. Durch Appetitlosigkeit, Dyspnoe oder gastrointestinale Beschwerden (Magen-Darm-Beschwerden) kann die Energieaufnahme unzureichend sein. Dies kann zu Gewichtsverlust, Muskelabbau und einer Verschlechterung der körperlichen Leistungsfähigkeit führen.

Gastrointestinale Beschwerden wie frühe Sättigung, Völlegefühl oder Übelkeit sind häufig und können die Nahrungsaufnahme zusätzlich erschweren. Diese sollten aktiv adressiert werden, z. B. durch kleinere Mahlzeiten und leicht verdauliche Lebensmittel.

Wechselwirkungen mit Medikamenten sind ebenfalls relevant. Diuretika beeinflussen den Elektrolythaushalt, während Antikoagulantien (Blutverdünner) eine konstante Vitamin-K-Zufuhr erfordern. Eine enge Abstimmung zwischen Ernährung und medikamentöser Therapie ist daher essentiell.

Langfristig kann eine unzureichend angepasste Ernährung zu einer Verschlechterung der Prognose beitragen, insbesondere durch Sarkopenie und reduzierte funktionelle Kapazität.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Absolute Kontraindikationen

  • Keine

Relative Kontraindikationen

  • Schwere Niereninsuffizienz (Nierenschwäche)
  • Fortgeschrittene Lebererkrankung

Vorteile

  • Reduktion der Volumenbelastung
  • Verbesserung der Symptomkontrolle
  • Stabilisierung des Ernährungszustands
  • Unterstützung der medikamentösen Therapie

Grenzen

  • Keine kausale Therapie
  • Begrenzte Evidenzlage
  • Individuelle Variabilität

Wissenschaftliche Einordnung

Die wissenschaftliche Evidenz zur Ernährungstherapie bei pulmonaler Hypertonie ist im Vergleich zu anderen kardiovaskulären Erkrankungen begrenzt. Randomisierte kontrollierte Studien fehlen weitgehend, sodass sich viele Empfehlungen aus pathophysiologischen Überlegungen und aus der Herzinsuffizienzforschung ableiten. Die aktuellen ESC/ERS-Leitlinien zur pulmonalen Hypertonie betonen insbesondere das Management von Flüssigkeitshaushalt und Komorbiditäten (Begleiterkrankungen), ohne spezifische Ernährungskonzepte im Detail zu definieren [1].

Beobachtungsstudien und Reviews zeigen jedoch konsistent, dass der Ernährungszustand einen wesentlichen Einfluss auf Prognose und Lebensqualität hat. Insbesondere Mangelernährung und Sarkopenie sind mit einer erhöhten Mortalität (Sterblichkeit) assoziiert [2]. Die Empfehlungen zur natriumreduzierten und entzündungsarmen Ernährung sind daher als plausibel und klinisch sinnvoll einzustufen, auch wenn die direkte Evidenz begrenzt ist.

Zusätzlich existiert eine robuste Evidenz aus der Herzinsuffizienzforschung, die zeigt, dass eine reduzierte Natriumzufuhr zur Verbesserung der Symptomatik und zur Reduktion von Flüssigkeitsretention beiträgt. Diese Erkenntnisse werden aufgrund vergleichbarer pathophysiologischer Mechanismen (insbesondere neurohormoneller Aktivierung und Volumenbelastung) auf die pulmonale Hypertonie übertragen [3, 4].

Fazit

Die Ernährungstherapie bei pulmonaler Hypertonie ist ein zentraler unterstützender Baustein der Gesamttherapie.

Kurzfristig stehen die Kontrolle des Flüssigkeitshaushalts und die Reduktion der kardialen Belastung im Vordergrund. Langfristig sind der Erhalt der Muskelmasse und der funktionellen Kapazität entscheidend für die Prognose.

Auch wenn die Evidenzlage begrenzt ist, ist die ernährungstherapeutische Intervention aufgrund ihrer pathophysiologischen Plausibilität und klinischen Relevanz klar zu empfehlen. Im Vergleich zu anderen Ernährungstherapien ist sie weniger spezifisch, jedoch hoch praxisrelevant und essentiell für den Krankheitsverlauf.

Literatur

  1. Humbert M, Kovacs G, Hoeper MM et al.: 2022 ESC/ERS Guidelines for the diagnosis and treatment of pulmonary hypertension. Eur Heart J. 2022 Oct 11;43(38):3618-3731. doi: 10.1093/eurheartj/ehac237.
  2. Callejo M, Barberá JA, Duarte J, Perez-Vizcaino F: Impact of Nutrition on Pulmonary Arterial Hypertension. Nutrients. 2020 Jan 7;12(1):169. doi: 10.3390/nu12010169.
  3. McDonagh TA, Metra M, Adamo M et al.: 2021 ESC Guidelines for the diagnosis and treatment of acute and chronic heart failure. Eur Heart J. 2021 Sep 21;42(36):3599-3726. doi: 10.1093/eurheartj/ehab368.
  4. Burgermaster M, Rudel R, Seres D et al.: Dietary sodium restriction in heart failure: a systematic review and meta-analysis. Am J Med. 2020 Jul17;133(12):1391-1402. doi: 10.1016/j.amjmed.2020.06.018.
  5. von Haehling S, Ebner N, Dos Santos MR, Springer J, Anker SD: Muscle wasting and cachexia in heart failure: mechanisms and therapies. Nat Rev Cardiol. 2017 Jun;14(6):323-341. doi: 10.1038/nrcardio.2017.51.