Ernährungstherapie bei Asthma bronchiale

Asthma bronchiale ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung der Atemwege. Die Bronchien reagieren überempfindlich auf Reize, ihre Schleimhaut schwillt an, die Muskulatur kann sich verkrampfen und es wird vermehrt Schleim gebildet. Dadurch verengen sich die Atemwege zeitweise. Typische Beschwerden sind pfeifende Atmung (Giemen), Husten, Engegefühl in der Brust und Atemnot. Charakteristisch ist das schwankende Auftreten – häufig nachts, frühmorgens, bei Infekten, Allergenkontakt, Kälte oder Belastung.

Die Ernährung ist keine ursächliche Asthmatherapie und ersetzt weder inhalative Medikamente noch Schulung oder Triggerkontrolle. Sie kann jedoch als ergänzende Maßnahme sinnvoll sein, weil sie wichtige Verstärker beeinflusst. Besonders relevant sind Übergewicht bzw. Adipositas, die die Atemarbeit erhöhen und entzündliche Prozesse fördern können. Auch eine stark verarbeitete, insgesamt entzündungsfördernde Ernährungsweise kann ungünstig wirken. Zusätzlich spielen Refluxbeschwerden eine Rolle: Fließt saurer Mageninhalt zurück in die Speiseröhre, kann dies die Atemwege reizen und Asthmasymptome verstärken.

Damit kann die Ernährung beeinflussbare Faktoren, die die Asthmakontrolle mitbestimmen, positiv verändern.

Wissenschaftliche Grundlagen

Die Ernährung wirkt indirekt auf eine Asthma-Erkrankung ein. Sie beeinflusst Körpergewicht, Stoffwechsel, systemische Entzündungsprozesse und oxidativen Stress. Zudem moduliert sie das Darmmikrobiom, das über immunologische Signalwege auch entzündliche Prozesse in der Lunge mitbeeinflussen kann. Entscheidend ist dabei weniger ein einzelner Nährstoff, sondern das langfristige Ernährungsmuster – also, ob überwiegend nährstoffdichte, pflanzenbetonte Lebensmittel verzehrt werden oder stark verarbeitete, energiereiche Produkte dominieren [6].

Ein hoher Konsum ultrahochverarbeiteter Lebensmittel wird mit einem erhöhten Risiko für chronische Atemwegserkrankungen in Verbindung gebracht. Diese Produkte enthalten häufig hohe Mengen an Zucker, ungünstigen Fetten und Zusatzstoffen und weisen eine geringe Nährstoffdichte auf, was systemische Entzündungsprozesse begünstigen kann [6].

Übergewicht und insbesondere Adipositas gelten als eigenständige Risikofaktoren für Asthma bronchiale. Stark übergewichtige Personen zeigen in einzelnen Kohortenstudien ein deutlich erhöhtes Erkrankungsrisiko – teils bis zum Dreifachen im Vergleich zu Normalgewichtigen [8]. Adipöses Fettgewebe ist hormonell und immunologisch aktiv. Es produziert Adipokine (entzündungsfördernde Botenstoffe), die systemische Entzündungsprozesse verstärken und auch pulmonale Entzündungsmechanismen beeinflussen können [8]. Zusätzlich erhöht Adipositas die mechanische Atemarbeit, reduziert funktionelle Lungenvolumina und kann dadurch Atemnot und bronchiale Reagibilität verstärken.

Bereits im Kindesalter zeigt sich dieser Zusammenhang: Kinder mit dauerhaft erhöhtem Body-Mass-Index (BMI) bis ins Schulalter hinein entwickeln signifikant häufiger Asthma als normalgewichtige Kinder [9]. In einzelnen Untersuchungen wurde bei etwa 29 % der adipösen Kinder ein spirometrisch bestätigtes Asthma bronchiale diagnostiziert [10].

Zielsetzung der Ernährungstherapie

Ziel der Ernährungstherapie ist eine verbesserte Asthmakontrolle durch Reduktion beeinflussbarer, ernährungsassoziierter Verstärker der Erkrankung. Das heißt:

  • Die Symptomlast soll sinken.
  • Der Bedarf an Reliever-Medikation (Notfallspray) soll reduziert werden.
  • Exazerbationen sollen seltener auftreten.
  • Zusätzlich sollen körperliche Belastbarkeit, Schlafqualität und allgemeine Lebensqualität verbessert werden.

Ein zentraler therapeutischer Ansatz betrifft Übergewicht und Adipositas. Eine Gewichtsreduktion trägt zur Senkung systemischer Entzündungsprozesse bei und reduziert gleichzeitig die mechanische Atembelastung. Ein realistisches Etappenziel ist häufig eine Gewichtsreduktion um etwa 5-10 % innerhalb von 3-6 Monaten. Bereits in diesem Bereich zeigen Studien eine klinisch relevante Verbesserung von Asthmakontrollscores und Lungenfunktionsparametern [2].

Ferner zielt die Ernährungstherapie darauf ab, eine insgesamt entzündungsärmere Stoffwechsellage zu fördern, den Anteil ultrahochverarbeiteter Lebensmittel zu senken und potentielle Refluxverstärker zu reduzieren. Damit wird die individuelle Krankheitsdynamik günstig beeinflusst.

Grundprinzipien

Die Ernährungstherapie orientiert sich an einem mediterran geprägten, pflanzenbetonten Ernährungsmuster mit hoher Nährstoffdichte. Im Vordergrund stehen natürliche, wenig verarbeitete Lebensmittel mit günstiger Fettsäurezusammensetzung, hohem Ballaststoffanteil und einem hohen Gehalt an antioxidativ wirksamen Pflanzenstoffen.

Charakteristisch ist eine überwiegend pflanzliche Basis mit einem hohen Anteil an Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten und Vollkornprodukten. Ergänzt wird dieses Muster durch hochwertige pflanzliche Öle – insbesondere Olivenöl – sowie durch Nüsse und Samen. Fisch, insbesondere fettreicher Seefisch, stellt eine wichtige tierische Komponente dar, während rotes Fleisch und stark verarbeitete Fleischprodukte nur eine untergeordnete Rolle spielen.

Stark verarbeitete Produkte mit hoher Energiedichte, hohem Zuckeranteil, ungünstiger Fettqualität und geringer Mikronährstoffdichte sollen reduziert werden. Zuckerhaltige Getränke gelten dabei als besonders ungünstig.

Angestrebte Wirkmechanismen

Der stärkste, am besten belegte Hebel ist die Gewichtsreduktion bei Übergewicht bzw. Adipositas: Sie kann Asthmakontrolle und Lungenfunktion verbessern, wahrscheinlich durch weniger mechanische Atemarbeit und günstigere metabolisch-entzündliche Signale [3]. Ergänzend werden antiinflammatorische (entzündungshemmende) Ernährungseffekte erwartet: Omega-3-Fettsäuren (Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA)) können Entzündungsmediatoren beeinflussen.

Umgekehrt gilt: Ein hoher Anteil ultrahochverarbeiteter Lebensmittel (UPF) ist in prospektiven Synthesen mit einem höheren Risiko für chronische Atemwegserkrankungen insgesamt verbunden. Das stützt die praktische Empfehlung, UPFs deutlich zu reduzieren [6].

Vitamin D ist häufig Thema. Eine regelmäßige Substitution von Vitamin D (Einnahmedauer mindestens sechs Monate) kann bei Menschen mit milden bis mäßigen Asthmaanfällen sowohl das Risiko einer signifikanten Verschlimmerung der Asthma-Symptomatik als auch die Häufigkeit asthmatischer Anfälle reduzieren [11]. Eine Cochrane-Übersicht findet allerdings keinen verlässlichen Nutzen für Exazerbationen oder Asthmakontrolle in der Breite. Sinnvoll ist daher ein selektiver Einsatz nach Risiko und Labor statt pauschaler Supplementierung [5].

Zielgruppen und Ausschlusskriterien

Die Ernährungstherapie eignet sich besonders als Zusatz bei Asthma mit behandelbaren Verstärkern.

Geeignete Zielgruppen

  • Erwachsene mit Asthma und Übergewicht/Adipositas (höchster Nutzen) [2]
  • Erwachsene mit hoher UPF-Last, zuckerreichen Getränken oder sehr ballaststoffarmer Kost [6]
  • Kinder/Jugendliche: Fokus auf Lebensmittelqualität, Getränke, Struktur [4]
  • Schwangerschaft und Geriatrie: grundsätzlich geeignet als ausgewogenes Muster, mit individueller Anpassung

Eingeschränkte Eignung

  • Untergewicht
  • Sarkopenie-Risiko (Gefahr eines Muskelabbaus bzw. eines Verlustes an Muskelmasse und Muskelkraft)
  • Ausgeprägte Mangelernährung
  • Essstörung/hohes Restriktionsrisiko
  • Komplexe Mehrfachallergien: fachkundige Planung erforderlich

Durchführung und Ablauf der Ernährungstherapie

Start mit kurzer Bestandsaufnahme (10-15 Minuten) [1]:

  • Asthmakontrolle (ACT (Asthma Control Test), ACQ (Asthma Control Questionnaire) – Fragebögen als Messinstrumente für die Asthmakontrolle)
  • Exazerbationen
  • Reliever-Bedarf (schnell wirksame Medikamente, die die Bronchien rasch erweitern und akute Atemnot lindern)
  • Gewicht, Taillenumfang (Bauchfett)
  • Refluxbeschwerden
  • Schlaf
  • Rauchstatus
  • 7-Tage-Ernährungsüberblick (Getränke, UPF-Anteil, Gemüse/Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchte, Fettquellen)

Danach werden 2-3 Kernziele gewählt (statt „alles auf einmal“).

Ein praxistauglicher 8-Wochen-Plan:

  1. Zuckergetränke reduzieren bzw. ausschließen
  2. UPF deutlich reduzieren
  3. Pro Tag mindestens 2 große Gemüseportionen plus 1-2 Portionen Obst
  4. 3-5x/Woche Hülsenfrüchte oder Vollkorn als Basis
  5. Bei Übergewicht ein moderates Kaloriendefizit über Portionssteuerung

Die Kontrolle erfolgt nach 4-8 Wochen. Was wirkt, wird vereinfacht und verstetigt.

Empfohlene Lebensmittel

  • Gemüse (täglich reichlich):
    → liefert Ballaststoffe, Antioxidantien und sekundäre Pflanzenstoffe, die entzündungsmodulierend wirken können
    → ballaststoffreiche Kost kann zudem das Körpergewicht stabilisieren und refluxverstärkenden Bauchdruck reduzieren
  • Obst (täglich, bevorzugt als ganze Frucht):
    → enthält Vitamine, Polyphenole und Ballaststoffe; ganze Früchte wirken günstiger als Fruchtsäfte, die durch hohe Zuckerkonzentration Reflux begünstigen können
  • Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen, Kichererbsen, 3-5x/Woche):
    → hochwertige pflanzliche Proteinquelle, ballaststoffreich, fördert Sättigung und Gewichtsstabilität
  • Vollkornprodukte (Hafer, Vollkornbrot, Naturreis):
    → stabilisieren den Blutzucker, erhöhen die Ballaststoffzufuhr und unterstützen eine moderate Energiedichte der Gesamternährung
  • Hochwertige Fette (Olivenöl, Rapsöl, Nüsse, Samen):
    → liefern einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren mit potentiell günstigen Effekten auf Entzündungsprozesse
    → moderate Fettmengen sind refluxverträglicher als sehr fettreiche Mahlzeiten
  • Proteinreiche Lebensmittel (Joghurt/Skyr/Quark, Eier, Tofu/Tempeh, Fisch, mageres Geflügel):
    → sichern die Eiweißversorgung, besonders wichtig bei Gewichtsreduktion zur Muskelstabilität
  • Fettreicher Fisch (1-2x/Woche):
    → liefert Omega-3-Fettsäuren mit entzündungsmodulierendem Potential [3]

Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel

Stark zu reduzieren

  • Zuckergetränke, süße Säfte, Energy-Drinks:
    → hohe Kaloriendichte, fördern Gewichtszunahme
    → große Zuckermengen können Reflux verstärken
  • Süßwaren und stark verarbeitete Snacks:
    → hohe Zucker- und Fettgehalte bei geringer Nährstoffdichte
    →  sehr fettreiche Mahlzeiten können den unteren Speiseröhrenschließmuskel entspannen und Reflux begünstigen
  • Fertiggerichte/Instantprodukte als Hauptbasis:
    → häufig ultrahochverarbeitet, energiedicht, salzreich und mit ungünstiger Fettqualität
  • Stark verarbeitete Fleischwaren (z. B. Wurst, Nuggets):
    → hohe Energiedichte, ungünstige Fettsäuren, teils entzündungsfördernd

Eingeschränkt

  • Weißmehlprodukte und stark frittierte Speisen:
    → geringe Ballaststoffdichte, hohe Energiedichte
    → große, sehr fettreiche Mahlzeiten können Refluxsymptome verstärken

Individuell zu beachten

  • Stark gewürzte, sehr saure oder alkoholhaltige Speisen/Getränke, sofern sie Refluxsymptome auslösen

Genussmittelkonsum

Tabak (Rauchen)

  • Bei mehr als 70 % der Asthmapatienten ist ein Zusammenhang zwischen Rauchen und Asthma bronchiale nachweisbar!
  • Auch Kinder von rauchenden Eltern haben ein stark erhöhtes Asthmarisiko. Rauchen der Mutter (mindestens 5 Zigaretten pro Tag) während der gesamten Schwangerschaft geht für das Kind mit einem erhöhten Risiko für frühes und anhaltendes Giemen und Asthma bronchiale einher [7].
  • Klare Empfehlung: vollständige Abstinenz. Rauchstopp bringt häufig spürbare Besserung der Belastbarkeit. Auch Passivrauch vermeiden [1].

Alkohol

  • Evidenz uneinheitlich; kann bei einzelnen Personen (z. B. Sulfitempfindlichkeit) Beschwerden triggern
  • Sonst: moderat, keine Hochdosisaufnahme
  • Niedrigrisikokonsum (Erwachsene, ohne relevante Vorerkrankungen/Interaktionen):
    • Frauen: maximal 10-12 g reiner Alkohol/Tag, zusätzlich mindestens 2 alkoholfreie Tage/Woche
    • Männer: maximal 20-24 g reiner Alkohol/Tag, zusätzlich mindestens 2 alkoholfreie Tage/Woche

Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag

  • „Tellerregel“ als Portionssystem (ohne Kalorienzählen): ½ Teller Gemüse, ¼ Protein, ¼ Vollkorn/Stärke; dazu 1 EL Öl als Maß (bei Abnehmziel strikt, bei Gewichtserhalt flexibler)
  • Getränke zuerst ändern (höchster Nutzen, niedrigste Hürde): Wasser/ungesüßter Tee als Standard; Saft nur gelegentlich und klein
  • Wochenbasis einkaufen: 2-3 Gemüsesorten, TK-Gemüse, 1-2 Obstsorten, Hülsenfrüchte (Dose oder trocken), Vollkornbasis, Proteinbasis (Joghurt/Skyr/Eier/Tofu), Olivenöl/Rapsöl, Nüsse/Samen
  • 2 schnelle Standardmahlzeiten festlegen (Rettung an stressigen Tagen): z. B. „Hafer + Skyr + Beeren + Leinsamen“ und „Linsensalat/Chili mit Bohnen + Gemüse“
  • Ballaststoffe langsam steigern (2-3 Wochen), sonst Blähungen; parallel ausreichend trinken
  • Snackstrategie (wichtig bei Abnehmziel): protein-/ballaststoffbetont (Skyr, Obst + kleine Nussportion, Gemüsesticks + Hummus) statt Süßes/Weißmehl
  • Reflux/nächtliche Beschwerden: Abendessen früher und kleiner, weniger fettig; Alkohol am Abend reduzieren (häufiger Verstärker)
  • „UPF-Ampel“ im Kopf: je länger die Zutatenliste und je mehr Zusatzstoffe/Aromen, desto seltener; Ziel: UPF nicht zur Standardbasis machen [6]
  • Erfolg sichtbar machen: 1x/Monat ACT/ACQ, zusätzlich Notiz zur Reliever-Häufigkeit; bei Abnehmziel 1x/Woche Gewicht.
  • Kinder/Jugendliche: Fokus auf Struktur (regelmäßige Mahlzeiten), Wasser als Standard, weniger Süßgetränke und mehr „echte“ Lebensmittel – ohne Druck und ohne Verbote als Dauerzustand [4]

Ernährungsphysiologische Bewertung

Die mediterran-pflanzenbetonte Ernährung gilt ernährungsphysiologisch als ausgewogen und langfristig gut praktikabel. Sie kombiniert eine hohe Nährstoffdichte mit moderater Energiedichte und unterstützt sowohl Gewichtsstabilisierung als auch Gewichtsreduktion.

Eine ausreichende Eiweißzufuhr ist besonders bei Gewichtsreduktion entscheidend, um Muskelmasse und Leistungsfähigkeit zu erhalten. Bei Erwachsenen sind in der Regel etwa 0,8-1,0 g/kg Körpergewicht sinnvoll, bei älteren Menschen oder während einer Gewichtsreduktion eher im oberen Bereich.

Die Qualität der Fette ist wichtiger als die absolute Fettmenge. Einfach und mehrfach ungesättigte Fettsäuren (z. B. aus Olivenöl, Rapsöl, Nüssen, Samen und Fisch) wirken metabolisch günstiger als stark gesättigte oder industriell veränderte Fette. Omega-3-Fettsäuren können entzündungsmodulierende Effekte besitzen [3].

Ein zentrales Ziel sind 25-30 g Ballaststoffe pro Tag. Sie fördern Sättigung, Darmgesundheit, Blutzuckerregulation und können indirekt systemische Entzündungsprozesse günstig beeinflussen.

Die Versorgung mit Mikronährstoffen (Vitalstoffen) ist bei abwechslungsreicher Kost meist gut. Kritische Nährstoffe hängen von individuellen Essgewohnheiten ab.

Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen

Kurzfristig kann eine rasche Erhöhung der Ballaststoffzufuhr zu Blähungen oder Druckgefühl im Bauch führen. Eine schrittweise Anpassung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr reduzieren dieses Risiko deutlich.

Klinisch relevanter sind Risiken durch unnötige oder unsachgemäße Restriktionen. Eliminationsdiäten ohne gesicherte Nahrungsmittelallergie erhöhen das Risiko für Nährstoffmängel, soziale Einschränkungen und reduzierte Lebensqualität, ohne dass ein gesicherter Nutzen besteht.

Bei Gewichtsreduktion ist ein zu starkes Kaloriendefizit problematisch. Es kann zu Heißhunger, Müdigkeit, Konzentrationsabfall und – insbesondere bei älteren Menschen – zu Muskelabbau führen. Daher wird ein moderates Defizit mit ausreichender Proteinzufuhr empfohlen.

Vitamin-D- oder Omega-3-Supplemente sollten nur gezielt eingesetzt werden [3, 5].

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Ärztliche Rücksprache empfohlen bei Essstörungen, Untergewicht/Sarkopenie und komplexen Allergien.

Absolute Kontraindikationen

  • Keine

Relative Kontraindikationen (ggf. mit Monitoringbedarf)

  • Essstörung (z. B. Anorexia nervosa/Magersucht)/Restriktionsrisiko
  • Untergewicht, Mangelernährung
  • Mehrfachallergien/Anaphylaxie (fachkundige Planung)

Vorteile

  • Besonders bei Adipositas: bessere Asthmakontrolle und Lungenfunktion möglich [2]
  • Metabolisch günstig und alltagstauglich

Grenzen

  • Kein Ersatz für leitliniengerechte Pharmakotherapie [1]
  • Ernährungseffekte außerhalb von Gewichtsreduktion oft moderat/heterogen

Wissenschaftliche Einordnung

Die derzeit robusteste Evidenz für einen ernährungsbezogenen Nutzen beim Asthma betrifft die Gewichtsreduktion bei übergewichtigen bzw. adipösen Patienten. Eine moderate Gewichtsabnahme geht mit einer Verbesserung der Asthmakontrolle, einer Reduktion der Symptomlast sowie teilweise mit verbesserten Lungenfunktionsparametern einher [2]. Dieser Effekt ist sowohl mechanisch (Reduktion der Atemarbeit) als auch entzündungsbiologisch plausibel.

Für einzelne Nährstoffe oder Supplemente ist die Evidenz deutlich heterogener. Omega-3-Fettsäuren zeigen in Metaanalysen tendentiell kleine bis moderate Effekte auf bestimmte Entzündungsparameter oder klinische Endpunkte [3]. Für Vitamin-D-Supplemente besteht keine ausreichende Evidenz für eine generelle Verbesserung der Asthmakontrolle in der Gesamtpopulation – ein selektiver Einsatz bei nachgewiesenem Mangel ist jedoch sinnvoll [5].

Fazit

Ernährungstherapie bei Asthma bronchiale ist eine sinnvolle Zusatzmaßnahme, wenn sie auf die größten Hebel zielt: Gewichtsmanagement bei Übergewicht/Adipositas und deutliche Reduktion ultrahochverarbeiteter Lebensmittel, ergänzt durch eine mediterran-pflanzenbetonte, nährstoffdichte Alltagskost [1, 2, 6].

Literatur

  1. Global Initiative for Asthma: Global Strategy for Asthma Management and Prevention. Updated 2024. Verfügbar unter: https://ginasthma.org/wp-content/uploads/2024/05/GINA-2024-Strategy-Report-24_05_22_WMS.pdf
  2. Farhangi MA, Doumat G, Baroni IF, Camargo CA Jr: Weight loss and asthma control: a systematic review of randomized controlled trials. Obes Rev. 2025 Jul;26(7):e13907. doi: 10.1111/obr.13907.
  3. Wang YH, Huang SY, Kuo HP et al.: N-3 fatty acid supplementation in asthma management: A systematic review and meta-analysis. Allergy. 2021 Nov;76(11):3042-3046. doi: 10.1111/all.15043
  4. Koumpagioti D, Boutopoulou B, Moriki D, Priftis KN, Douros K: Does Adherence to the Mediterranean Diet Have a Protective Effect against Asthma and Allergies in Children? A Systematic Review. Nutrients. 2022 Apr 13;14(8):1618. doi: 10.3390/nu14081618.
  5. Williamson A, Martineau AR, Sheikh A, Jolliffe D, Griffiths CJ: Vitamin D for the management of asthma. Cochrane Database Syst Rev. 2023 Feb 6;2(2):CD011511. doi: 10.1002/14651858.CD011511.pub3.
  6. Mekonnen TC, Shi Z, Gebremichael B, Melaku YA, Gill TK: Ultra-processed food consumption is linked to an increased risk of chronic respiratory diseases: A systematic review and meta-analysis of prospective cohort studies. Clin Nutr ESPEN. 2025 Aug:68:647-659. doi: 10.1016/j.clnesp.2025.06.011.
  7. den Dekker HT, Sonnenschein-van der Voort AM, de Jongste JC et al.: Tobacco Smoke Exposure, Airway Resistance, and Asthma in School-age Children: The Generation R Study. Chest. 2015 Sep;148(3):607-617. doi: 10.1378/chest.14-1520.
  8. Granell R et al.: Effects of BMI, Fat Mass, and Lean Mass on Asthma in Childhood: A Mendelian Randomization Study. PLoS Med. 2014 Jul 1;11(7):e1001669. doi: 10.1371/journal.pmed.1001669.
  9. Loid P et al.: A persistently high body mass index increases the risk of atopic asthma at school age. Acta Paediatr. 2015 Jul;104(7):707-12. doi: 10.1111/apa.13015.
  10. Lang JE et al.: Being Overweight or Obese and the Development of Asthma. Pediatrics. 2018 Dec;142(6):e20182119. doi: 10.1542/peds.2018-2119.
  11. Martineau AR, Cates CJ, Urashima M, Jensen M, Griffiths AP, Nurmatov U, Sheikh A, Griffiths CJ: Vitamin D for the management of asthma. Cochrane Database Syst Rev. 2016 Sep 5;9(9):CD011511. doi: 10.1002/14651858.CD011511.pub2.

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Nationale VersorgungsLeitlinie Asthma. (AWMF-Registernummer: nvl-002), August 2024 Langfassung