Ernährungstherapie bei Tendinopathien (Sehnenerkrankungen)

Die Ernährungstherapie bei Tendinopathien (Sehnenerkrankungen) umfasst evidenzbasierte ernährungsmedizinische Maßnahmen zur gezielten Unterstützung der Sehnenheilung, Schmerzreduktion und funktionellen Wiederherstellung. Tendinopathien sind durch degenerative Veränderungen der Sehnenstruktur, gestörte Kollagenorganisation und häufig durch eine chronische, niedriggradige Entzündungsreaktion gekennzeichnet.

Im Zentrum der Ernährungstherapie stehen folglich die Optimierung des Kollagenstoffwechsels, die Reduktion systemischer Entzündungsprozesse sowie die Verbesserung der metabolischen Rahmenbedingungen, die für Regeneration und Adaptation von Sehnengewebe essentiell sind.

Ferner berücksichtigt die Ernährungstherapie auch modifizierbare Risikofaktoren wie Übergewicht, Insulinresistenz (Körperzellen reagieren schlechter auf Insulin → Zucker bleibt im Blut und der Körper produziert mehr Insulin) und Mikronährstoffdefizite (Vitalstoffmängel, -mehrbedarf), die nachweislich mit einer schlechteren Sehnenheilung und erhöhten Rezidivraten assoziiert sind [2, 3]. Sie stellt damit einen integralen Bestandteil eines multimodalen Therapiekonzepts dar, das Bewegungstherapie, Belastungssteuerung und ggf. physikalische oder interventionelle Maßnahmen einschließt.

Wissenschaftliche Grundlagen

Tendinopathien werden zunehmend als ein multifaktorielles Geschehen verstanden, bei dem metabolische, entzündliche und ernährungsabhängige Faktoren eine zentrale Rolle spielen.

Sehnen bestehen überwiegend aus Kollagen Typ I (ca. 85-95 %), ergänzt durch kleinere Anteile an Kollagen Typ III:

  • Kollagen Typ I stellt die strukturelle Hauptkomponente der Sehne dar und ist maßgeblich für ihre hohe Zugfestigkeit verantwortlich.
  • Kollagen Typ III weist eine feinere, weniger belastbare Struktur auf und tritt insbesondere vermehrt im Rahmen von Heilungsprozessen, Narbenbildung sowie bei degenerativen Veränderungen auf.
  • Bei Tendinopathien zeigt sich häufig ein verändertes Verhältnis von Kollagen Typ III zu Typ I, wobei ein relativer Anstieg von Typ III mit einer verminderten mechanischen Belastbarkeit und einer reduzierten strukturellen Qualität der Sehne einhergeht.

Für diesen Prozess sind spezifische Aminosäuren (insbesondere Glycin, Prolin) sowie Cofaktoren wie Vitamin C essentiell. Vitamin C ist notwendig für die Hydroxylierung von Prolin und Lysin und damit für die Stabilität der Kollagenstruktur [1, 2].

Zusätzlich zeigen aktuelle Daten, dass systemische Entzündungsprozesse – etwa im Rahmen von Adipositas oder metabolischem Syndrom – die Sehnenstruktur negativ beeinflussen können. Proinflammatorische Zytokine (entzündungsfördernde Botenstoffe des Immunsystems) fördern degenerative Umbauprozesse und beeinträchtigen die mechanische Belastbarkeit [3].

Ernährung kann somit direkt und indirekt auf die Sehnenbiologie einwirken: einerseits durch Bereitstellung struktureller Bausteine, andererseits durch Modulation von Entzündung und oxidativem Stress.

Zielsetzung der Ernährungstherapie

Die Ernährungstherapie verfolgt das Ziel, die biologischen Voraussetzungen für eine optimale Sehnenheilung zu schaffen und gleichzeitig pathologische Prozesse wie chronische Entzündung oder gestörten Kollagenstoffwechsel zu reduzieren.

Primäre therapeutische Zielparameter sind die Reduktion von Schmerzen, die Verbesserung der funktionellen Belastbarkeit sowie – indirekt – die Normalisierung entzündlicher Marker.
Bei übergewichtigen Patienten spielt zusätzlich die Gewichtsreduktion eine zentrale Rolle, da mechanische Überlastung und systemische Entzündung eng miteinander verknüpft sind.

Sekundäre Ziele umfassen die Verbesserung der Lebensqualität, eine schnellere Rehabilitation sowie die Reduktion von Rezidiven.

Im Sinne einer leitlinienorientierten Logik ergibt sich folgendes Schema:

  • Indikation → Tendinopathie
  • Intervention → entzündungsmodulierende und kollagenfördernde Ernährung
  • Monitoring → klinische Symptomatik (Schmerz, Funktion), ggf. Gewicht und metabolische Parameter
  • Risiken → Nährstoffimbalancen oder inadäquate Supplementierung

Kurzfristig steht die Schmerzreduktion im Vordergrund, langfristig die strukturelle Stabilisierung der Sehne.

Grundprinzipien

Die Ernährungstherapie bei Tendinopathien basiert auf wenigen, aber zentralen Prinzipien:

  • Eine ausreichende Proteinzufuhr ist essentiell, um die Bereitstellung von Aminosäuren für die Kollagensynthese sicherzustellen. Besonders relevant sind dabei glycin- und prolinreiche Proteinquellen.
  • Parallel dazu ist die Versorgung mit kollagenrelevanten Mikronährstoffen entscheidend. Vitamin C spielt eine Schlüsselrolle in der Kollagenbildung, während Spurenelemente wie Zink und Kupfer enzymatische Prozesse unterstützen.
  • Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Reduktion entzündungsfördernder Einflüsse. Eine Ernährung mit hohem Anteil an Omega-3-Fettsäuren (Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA)), Antioxidantien und sekundären Pflanzenstoffen kann entzündliche Prozesse modulieren und die Heilung fördern.

Angestrebte Wirkmechanismen

Die zentralen Wirkmechanismen der Ernährungstherapie bei Tendinopathien lassen sich auf drei Ebenen zusammenfassen:

  1. Förderung der Kollagensynthese:
    • Studien zeigen, dass die Kombination aus Gelatine oder Kollagenhydrolysat mit Vitamin C vor mechanischer Belastung die Kollagenbildung signifikant steigern kann [1]. Vitamin C ist dabei essentiell für die Hydroxylierung von Prolin und Lysin und damit für die Stabilität der Kollagenstruktur.
    • Zusätzlich sind Spurenelemente wie Kupfer, Zink und Mangan als Cofaktoren an der Kollagenbildung beteiligt. Eine ausreichende Proteinzufuhr liefert die notwendigen Aminosäuren (insbesondere Glycin und Prolin) als strukturelle Bausteine der Sehne [2, 3].
  2. Modulation entzündlicher Prozesse:
    • Omega-3-Fettsäuren beeinflussen die Eicosanoid-Synthese und können proinflammatorische (entzündungsfördernde) Signalwege abschwächen.
    • Gleichzeitig wirken antioxidative Mikronährstoffe (Vitalstoffe) wie Vitamin C, Vitamin E, Selen und Zink oxidativem Stress entgegen, der bei degenerativen Sehnenveränderungen eine Rolle spielt [2, 3].
    • Sekundäre Pflanzenstoffe wie Curcumin [4] oder Bromelain [3] werden aufgrund ihrer entzündungsmodulierenden Eigenschaften diskutiert, ihre spezifische Wirksamkeit bei Tendinopathien ist jedoch bislang nur begrenzt durch klinische Studien belegt.
  3. Verbesserung der extrazellulären Matrix und der mechanischen Adaptation:
    • Durch eine optimierte Nährstoffversorgung kann die strukturelle Qualität des Sehnengewebes verbessert und die Anpassung an Trainingsreize unterstützt werden. Neben der Proteinzufuhr spielen hierbei auch Mikronährstoffe wie Magnesium (für die Proteinsynthese) sowie Vitamin D (für muskuläre Funktion und möglicherweise Sehnenstoffwechsel) eine unterstützende Rolle. Vitamin A ist an der Zellwachstums- und Differenzierungsregulation beteiligt, seine Bedeutung für die Sehnenheilung ist jedoch von untergeordneter klinischer Relevanz.
    • Glucosamin-Sulfat und Chondroitinsulfat sind Bestandteile der extrazellulären Matrix und werden vor allem im Kontext degenerativer Gelenkerkrankungen eingesetzt. Für Tendinopathien ist die Evidenzlage allerdings begrenzt.

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Zielgruppen und Ausschlusskriterien

Geeignete Zielgruppen

  • Sportler mit Überlastungssyndromen
  • Patienten mit degenerativen Sehnenveränderungen
  • Ältere Menschen mit eingeschränkter Gewebeheilung
  • Übergewichtige Patienten mit mechanischer und metabolischer Belastung

Eingeschränkte Eignung

  • Patienten mit fortgeschrittener Niereninsuffizienz (Nierenschwäche)
  • Schwere systemische Erkrankungen (z. B. Herzinsuffizienz (Herzschwäche), Lupus erythematodes)

Indikationsbezogene Eignung

  • Achillessehnen-, Patellarsehnen- oder Rotatorenmanschettentendinopathien
  • Metabolisches Syndrom (klinische Bezeichnung für die Symptomkombination Adipositas (Übergewicht), Hypertonie (Bluthochdruck), erhöhte Nüchternglucose (Nüchternblutzucker) und Nüchterninsulin-Serumspiegel (Insulinresistenz) und Fettstoffwechselstörung) als Risikofaktor für Tendinopathien

Komorbiditäten (Begleiterkrankungen)

  • Diabetes mellitus
  • Adipositas

Durchführung und Ablauf der Ernährungstherapie

Die Durchführung der Ernährungstherapie beginnt idealerweise mit einer strukturierten Analyse der bisherigen Ernährungsgewohnheiten sowie möglichen Risikofaktoren wie hohem Zuckerkonsum, unzureichender Proteinzufuhr oder Mikronährstoffdefizite. Darauf aufbauend erfolgt eine schrittweise Umstellung hin zu einer entzündungsarmen, proteinreichen und mikronährstoffoptimierten Ernährung.

In der Anfangsphase treten häufig typische Fehler auf, wie eine zu geringe Eiweißzufuhr, die Vernachlässigung von Vitamin-C-reichen Lebensmitteln oder der fortgesetzte Konsum stark verarbeiteter Produkte. Eine schrittweise Anpassung ist daher sinnvoll, um die langfristige Umsetzung zu sichern.

Besondere Bedeutung kommt dem Zusammenspiel von Ernährung und mechanischer Belastung zu: Die gezielte Aufnahme von Kollagen oder Gelatine in Kombination mit Vitamin C etwa 30-60 Minuten vor rehabilitativen Belastungen kann die Kollagensynthese fördern [1].

Die Therapie sollte über mindestens 8-12 Wochen durchgeführt werden, da strukturelle Anpassungen im Sehnengewebe Zeit benötigen. Ziel ist langfristig die Integration der Ernährungsprinzipien in den Alltag.

Empfohlene Lebensmittel

Proteinreiche Lebensmittel → liefern essentielle Aminosäuren (v. a. Glycin, Prolin, Lysin) als Grundlage für die Gewebereparatur

  • Fisch, Eier, mageres Fleisch
  • Milchprodukte (z. B. Joghurt, Quark, Käse)
  • Hülsenfrüchte
  • LM mit pflanzlichen Quellen kombinieren, um die biologische Wertigkeit zu erhöhen: Linsen + Reis, Bohnen + Brot, Hummus + Fladenbrot, Kartoffeln + Quark, Kartoffeln + Ei

Kollagenfördernde Lebensmittel → enthalten vermehrt Glycin und Prolin als strukturelle Bausteine der Sehne

  • Knochenbrühe
  • Gelatine
  • Kollagenreiche Fleischstücke (z. B. aus Bindegewebe)

Vitamin-C-reiche Lebensmittel → notwendig für die Stabilisierung der Kollagenstruktur (Hydroxylierung von Prolin und Lysin)

  • Zitrusfrüchte (Orangen, Zitronen, Grapefruit), Beeren (z. B. Erdbeeren, Johannisbeeren, Heidelbeeren)
  • Brokkoli, Paprika, Rosenkohl, Spinat, Tomaten

Kombination entscheidend → kann die Kollagensynthese gezielt unterstützen

  • Kollagenreiche Lebensmittel + Vitamin-C-Quelle (z. B. Gelatine mit Orangensaft)

Spurenelementreiche Lebensmittel (Cofaktoren der Kollagenbildung) → liefern Zink, Kupfer und Mangan

  • Nüsse (z. B. Cashewkerne, Walnüsse)
  • Samen (Kürbiskerne, Sonnenblumenkerne)
  • Vollkornprodukte
  • Hülsenfrüchte

Omega-3-reiche Lebensmittel → wirken entzündungsmodulierend

  • Fettreiche Kaltwasserfische wie Hering, Lachs, Makrele
  • Leinsamen, Walnüsse

Antioxidantienreiche Lebensmittel → reduzieren oxidativen Stress im Sehnengewebe

  • Beeren (z. B. Heidelbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren)
  • Grünes Blattgemüse (z. B. Spinat, Grünkohl, Rucola)
  • Farbiges Gemüse (z. B. Karotten, Paprika, Tomaten)
  • Nüsse und Samen
  • Grüner Tee
  • Dunkle Schokolade (mit hohem Kakaoanteil)

Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel

Ausgeschlossene Lebensmittel → fördern entzündliche Prozesse und beeinträchtigen die Gewebequalität

  • Stark verarbeitete Lebensmittel (z. B. Fertiggerichte, Tiefkühlpizza, Instantprodukte)
  • Trans-Fettsäuren (z. B. Fast Food, frittierte Speisen, industrielle Backwaren wie Croissants, Donuts, Blätterteigprodukte)

Eingeschränkt zu konsumieren → führen zu Blutzuckerschwankungen, fördern Insulinresistenz und können entzündliche Prozesse verstärken

  • Zuckerreiche Lebensmittel (z. B. Süßigkeiten, Softdrinks, Fruchtsäfte mit hohem Zuckeranteil, gesüßte Frühstücksflocken)
  • Weißmehlprodukte (hoher glykämischer Index (Lebensmittel, die den Blutzucker schnell und stark ansteigen lassen), z. B. Weißbrot, helle Pasta, Gebäck)

Genussmittelkonsum

Tabak (Rauchen) [5]

  • Verschlechtert Sehnenheilung
  • Rauchen ist assoziiert mit erhöhter Rupturrate (Sehnenrisse)
  • Postoperative Ergebnisse fallen bei Rauchern schlechter aus.
  • Erhöht das Risiko chronischer Verläufe
  • Klare Empfehlung: vollständige Abstinenz.

Alkohol

  • Beeinträchtigung der Kollagensynthese
  • Störung des Proteinmetabolismus
  • Erhöhter oxidativer Stress
  • Verzögerte Gewebeheilung
  • Empfehlung: Reduktion oder moderater Konsum
    • Niedrigrisikokonsum (Erwachsene, ohne relevante Vorerkrankungen/Interaktionen):
      • Frauen: maximal 10-12 g reiner Alkohol/Tag, zusätzlich mindestens 2 alkoholfreie Tage/Woche
      • Männer: maximal 20-24 g reiner Alkohol/Tag, zusätzlich mindestens 2 alkoholfreie Tage/Woche

Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag

Die praktische Umsetzung entscheidet maßgeblich über den Erfolg der Ernährungstherapie. Entscheidend ist, dass die Empfehlungen alltagstauglich, einfach umsetzbar und nachhaltig sind.

Ein zentraler Ansatz ist die gezielte Planung der Mahlzeiten. Wer seine Woche grob vorstrukturiert, reduziert das Risiko spontaner, ungünstiger Entscheidungen. Es empfiehlt sich, proteinreiche Lebensmittel (z. B. Eier, Joghurt, Hülsenfrüchte, Fisch) fest in jede Mahlzeit zu integrieren.

Für die Sehnenheilung besonders relevant ist die Kombination aus Kollagen und Vitamin C. Praktisch bedeutet das: Ein Glas frisch gepresster Orangensaft oder eine Portion Beeren zusammen mit Gelatine oder Kollagen (z. B. als Getränk oder in Joghurt eingerührt) etwa 30-60 Minuten vor Training oder Physiotherapie.

Im Alltag hilfreich sind einfache Strategien:

  • Vorbereitung von Snacks (z. B. Nüsse, gekochte Eier)
  • Tiefkühlgemüse als schnelle Vitaminquelle
  • Austausch von Weißmehlprodukten durch Vollkornvarianten
  • Nutzung von Omega-3-Quellen wie Leinöl im Salat

Auch die Reduktion entzündungsfördernder Lebensmittel gelingt am besten schrittweise. Statt kompletter Verbote ist der Austausch sinnvoll: z. B. Wasser statt Softdrinks, dunkle Schokolade statt zuckerreicher Snacks.

Für Berufstätige ist Meal-Prep besonders effektiv: Vorgekochte Mahlzeiten verhindern spontane ungesunde Entscheidungen und sichern eine konstante Nährstoffzufuhr.

Ernährungsphysiologische Bewertung

Die Ernährungstherapie bei Tendinopathien ist aus ernährungsphysiologischer Sicht grundsätzlich ausgewogen und sinnvoll, sofern sie korrekt umgesetzt wird.

Bei erhöhter Belastung und Reperaturprozessen (z. B. bei Sportlern, Verletzungen, in der Rehabilitation) sollte die Proteinzufuhr etwa 1,2-1,6 g/kg Körpergewicht betragen, um die Kollagensynthese und Gewebereparatur zu unterstützen. Dabei sollte auf eine hochwertige Proteinqualität mit ausreichendem Anteil an essentiellen Aminosäuren geachtet werden.

Die Fettzufuhr wird zugunsten von Omega-3-Fettsäuren optimiert, während entzündungsfördernde Fette reduziert werden.

Kohlenhydrate sollten überwiegend aus komplexen Quellen mit niedrigem glykämischen Index stammen, um metabolische Stabilität zu gewährleisten.

Mikronährstoffseitig sind insbesondere Vitamin C, Zink und Kupfer relevant, da sie direkt am Kollagenstoffwechsel beteiligt sind. Ein Mangel kann die Heilung erheblich verzögern.

Ballaststoffe tragen zusätzlich zur metabolischen Gesundheit bei, insbesondere im Kontext von Adipositas oder Insulinresistenz.

Langfristig ist die Ernährung gut umsetzbar und entspricht weitgehend einer entzündungsarmen, mediterran orientierten Ernährungsweise.

Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen

Die Ernährungstherapie gilt grundsätzlich als sicher, dennoch sind potentielle Risiken zu berücksichtigen.

Eine einseitige, stark proteinbetonte Ernährung kann insbesondere bei vorbestehender Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) problematisch sein. Daher ist eine individuelle Anpassung notwendig.

Zudem müssen Wechselwirkungen mit Medikamenten berücksichtigt werden, beispielsweise bei Antikoagulantien (Blutverdünner). Dies gilt insbesondere für Omega-3-Fettsäuren (EPA/DHA), die in höheren Dosierungen eine leichte Hemmung der Thrombozytenaggregation bewirken können. Im üblichen Dosierungsbereich (< 1 g EPA/DHA pro Tag) ist dieses Risiko sehr gering. Eine erhöhte Vorsicht ist vor allem bei gleichzeitiger Einnahme starker Antikoagulantien (z. B. Vitamin-K-Antagonisten wie Marcumar/Warfarin, direkte orale Antikoagulanzien (DOAKs) oder hoch dosierte Acetylsalicylsäure) sowie bei höheren Supplementmengen (> 2 g EPA/DHA pro Tag) erforderlich [6].

Insgesamt ist die Ernährungstherapie jedoch bei sachgerechter Anwendung risikoarm und gut verträglich.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Absolute Kontraindikationen

  • Keine

Relative Kontraindikationen

  • Niereninsuffizienz (Nierenschwäche)
  • Schwere Lebererkrankungen

Vorteile

  • Förderung der Kollagensynthese
  • Reduktion von Entzündung
  • Unterstützung der Rehabilitation
  • Verbesserung metabolischer Faktoren

Grenzen

  • Nicht als alleinige Therapie ausreichend
  • Individuelle Unterschiede in der Wirkung

Wissenschaftliche Einordnung

Die aktuelle Studienlage zeigt eine zunehmende Evidenz für den Einfluss der Ernährung auf die Sehnengesundheit. Die gezielte Kombination aus Gelatine, Kollagen und Vitamin C kann die Kollagensynthese signifikant steigern [1].

Systematische Reviews und Übersichtsarbeiten bestätigen zudem die Bedeutung von Mikronährstoffen, entzündungshemmender Ernährung und metabolischer Kontrolle für die Sehnenheilung [2, 3].

Leitlinien spezifisch zur Ernährung bei Tendinopathien sind bislang begrenzt, jedoch wird die Ernährung zunehmend als wichtiger Bestandteil multimodaler Therapiekonzepte anerkannt.

Die biologische Plausibilität ist hoch, da die zugrunde liegenden Mechanismen – insbesondere Kollagenstoffwechsel und Entzündungsmodulation – gut verstanden sind. Dennoch besteht Bedarf an großen randomisierten Studien, um spezifische Empfehlungen weiter zu präzisieren.

Fazit

Die Ernährungstherapie bei Tendinopathien ist ein wissenschaftlich plausibler und zunehmend evidenzbasierter Ansatz zur Unterstützung der Sehnenheilung.

Kurzfristig kann sie entzündliche Prozesse reduzieren und die Regeneration verbessern, langfristig trägt sie zur strukturellen Stabilität der Sehnen und zur Rezidivprophylaxe bei.

Medizinisch ist sie klar als integrativer Bestandteil eines multimodalen Therapiekonzepts einzuordnen. Die Ernährung bleibt ein unterstützender Therapiebaustein. Sie ersetzt keine Bewegungstherapie, kann deren Effekt jedoch gezielt verstärken.

Insgesamt ist die Ernährungstherapie bei Tendinopathien sinnvoll, sicher und besonders dann effektiv, wenn sie individuell angepasst und konsequent umgesetzt wird.

Literatur

  1. Shaw G, Lee-Barthel A, Ross ML, Wang B, Baar K: Vitamin C-enriched gelatin supplementation before intermittent activity augments collagen synthesis. Am J Clin Nutr. 2017 Jan;105(1):136-143. doi: 10.3945/ajcn.116.138594
  2. Close GL, Sale C, Baar K, Bermon S: Nutrition for the prevention and treatment of injuries in track and field athletes. Int J Sport Nutr Exerc Metab. 2019 Mar 1;29(2):189-197. doi: 10.1123/ijsnem.2018-0290.
  3. Hijlkema A, Roozenboom C, Mensink M, Zwerver J: The impact of nutrition on tendon health and tendinopathy: a systematic review. J Int Soc Sports Nutr. 2022 Aug 3;19(1):474-504. doi: 10.1080/15502783.2022.2104130.
  4. Sohn S-I, Priya A, Balasubramaniam B, Muthuramalingam P, Sivasankar C, Selvaraj A et al.: Biomedical Applications and Bioavailability of Curcumin-An Updated Overview. Pharmaceutics. 2021 Dec 7;13(12):2102. doi: 10.3390/pharmaceutics13122102.
  5. Abate M, Schiavone C, Salini V, Andia I: Occurrence of tendon pathologies in metabolic disorders. Rheumatology (Oxford). 2013;52(4):599-608. doi: 10.1093/rheumatology/kes395.
  6. Abdelhamid AS, Brown TJ, Brainard JS et al.: Omega-3 fatty acids for the primary and secondary prevention of cardiovascular disease. Cochrane Database Syst Rev. 2020;3(3):CD003177. doi: 10.1002/14651858.CD003177.pub5.