Ernährungstherapie bei Psoriasis (Schuppenflechte)

Psoriasis vulgaris, umgangssprachlich Schuppenflechte, ist eine chronisch-entzündliche, immunvermittelte Hauterkrankung mit meist scharf begrenzten, geröteten, infiltrierten und silbrig schuppenden Plaques. Typische Lokalisationen sind Streckseiten von Ellenbogen und Knien, behaarte Kopfhaut, Sakralregion (Kreuzbeinregion), Bauchnabel, Nägel sowie intertriginöse Areale (Körperstellen, an denen Haut auf Haut liegt, z. B. Achselhöhen). Die Erkrankung verläuft häufig schubweise, kann aber auch dauerhaft aktiv sein. Klinisch reicht das Spektrum von wenigen lokalisierten Plaques bis zu schwerer, großflächiger Hautbeteiligung mit erheblicher Einschränkung der Lebensqualität.

Psoriasis wird als systemische Entzündungserkrankung verstanden, die mit metabolischen, kardiovaskulären, rheumatologischen und psychosozialen Begleiterkrankungen assoziiert sein kann [1, 2, 7]. Besonders relevant sind Übergewicht, Adipositas, metabolisches Syndrom (klinische Bezeichnung für die Symptomkombination Adipositas, Hypertonie, erhöhte Nüchternglucose und Nüchterninsulin-Serumspiegels (Insulinresistenz) und Fettstoffwechselstörung), Diabetes mellitus Typ 2, Hypertonie (Bluthochdruck), Dyslipidämie (Fettstoffwechselstörung), nichtalkoholische Fettlebererkrankung, Depression und Psoriasisarthritis. Diese Zusammenhänge sind für die Ernährungstherapie zentral, weil Ernährung nicht nur auf die Haut, sondern vor allem auf Entzündungslast, Körpergewicht, Stoffwechselgesundheit und langfristige Prävention von Komorbiditäten (Begleiterkrankungen) wirkt.

Die Ernährungstherapie ist eine adjuvante, medizinisch-ernährungswissenschaftliche Maßnahme. Sie soll die leitliniengerechte dermatologische Therapie unterstützen. Ernährung kann beeinflussen, wie stark systemische Entzündungen, Gewicht, Blutzucker, Blutfette, Leberstoffwechsel und kardiovaskuläre Risiken ausgeprägt sind. Der größte Nutzen ist folglich bei Patienten mit Übergewicht, Adipositas, ungünstigem Ernährungsmuster, metabolischen Risikofaktoren, Fettleber, erhöhtem Alkoholkonsum oder Psoriasisarthritis zu erwarten [1, 2, 7]. 

Wissenschaftliche Grundlagen

Psoriasis wurde früher vor allem als Erkrankung mit zu schneller Hauterneuerung verstanden. Heute weiß man, dass dahinter eine fehlgesteuerte Immunreaktion steckt. Entzündungszellen und Botenstoffe wie TNF-α (Tumornekrosefaktor-alpha), IL-17 (Interleukin-17) und IL-23 (Interleukin-23) treiben die Entzündung an und führen dazu, dass sich Hautzellen zu schnell vermehren. Dadurch entstehen die typischen geröteten, verdickten und schuppenden Plaques. Ernährung greift nicht so gezielt in diese Entzündungswege ein wie moderne Medikamente oder Biologika, kann aber wichtige Begleitfaktoren beeinflussen [1, 2].

Besonders relevant ist der Zusammenhang zwischen Psoriasis, Übergewicht und metabolischem Syndrom. Bauchfett ist nicht nur ein Energiespeicher, sondern bildet entzündungsfördernde Botenstoffe. Dadurch können Entzündung, Insulinresistenz, Blutfette, Blutdruck und Fettleberrisiko ungünstig beeinflusst werden. Bei übergewichtigen oder adipösen Patienten ist eine moderate, langfristige Gewichtsreduktion deshalb der wichtigste ernährungstherapeutische Ansatz [1, 2].

Neben dem Gewicht spielt die Qualität der Ernährung eine große Rolle. Eine mediterran-pflanzenbetonte Ernährung mit viel Gemüse, Obst, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen, Olivenöl und Fisch liefert Ballaststoffe, ungesättigte Fettsäuren und sekundäre Pflanzenstoffe. Dieses Ernährungsmuster kann Entzündungsprozesse und kardiometabolische Risikofaktoren günstig beeinflussen. Ungünstig wirken Ernährungsmuster mit viel Zucker, Alkohol, hochverarbeiteten Lebensmitteln und einem hohen Anteil an Fleisch- und Wurstwaren. Eine sehr fleisch- und wurstbetonte Ernährung kann zudem die Zufuhr der Omega-6-Fettsäure Arachidonsäure erhöhen, die entzündungsfördernd wirkt. Sie ist reichlich in bestimmten tierischen Lebensmitteln enthalten.

Komplementäre Ansätze wie Fasten, Omega-3-Fettsäuren (Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA)), Vitamin D, Curcumin, Probiotika oder glutenfreie Ernährung werden häufig diskutiert. Evidenzbasiert gilt jedoch: Glutenfreie Ernährung ist vor allem bei gesicherter Zöliakie oder begründetem Verdacht sinnvoll, nicht pauschal. Vitamin D sollte bei Mangel ausgeglichen werden. Als gezielte Psoriasistherapie ist eine orale Vitamin-D-Gabe aber nicht überzeugend belegt. Auch andere Supplemente können im Einzelfall ergänzend erwogen werden, sind aber keine Standardtherapie [2, 4-6].

Im Mittelpunkt der Ernährungstherapie stehen schließlich Gewichtsnormalisierung bei Übergewicht, mediterrane Ernährung, Alkoholreduktion, Verzicht auf Rauchen und gezielter Ausgleich nachgewiesener Nährstoffmängel [1-7].

Zielsetzung der Ernährungstherapie

Die Ernährungstherapie bei Psoriasis soll die entzündliche Krankheitslast senken, die Hautbeschwerden lindern und die Lebensqualität verbessern. Der Erfolg sollte nicht nur nach Gefühl beurteilt werden, sondern auch anhand nachvollziehbarer Verlaufsparameter. Dazu gehören Hautbefund, Ausdehnung der Plaques, Schuppung, Rötung, Juckreiz, Körpergewicht, Taillenumfang, Blutdruck, HbA1c (Langzeitblutzuckerwert), Nüchternglucose, LDL-Cholesterin, Triglyceride und Leberwerte [1, 2, 7].

In Studien und Fachleitlinien werden häufig Scores verwendet:

  • PASI: Score zur Einschätzung der Psoriasis-Schwere
  • BSA: beschreibt den Anteil der betroffenen Körperoberfläche
  • PGA: ärztliche Gesamteinschätzung der Hautaktivität
  • DLQI: misst die hautbezogene Lebensqualität

Im Praxisalltag reichen oft auch standardisierte Hautfotos, die Dokumentation von Juckreiz und eine regelmäßige Gewichtskontrolle.

Bei übergewichtigen Patienten ist eine moderate Gewichtsabnahme ein zentrales Ziel. Häufig sind zunächst 5-10 % des Ausgangsgewichts realistisch und medizinisch sinnvoll. Bei normalgewichtigen Patienten steht dagegen nicht Gewichtsverlust im Vordergrund, sondern eine bessere Ernährungsqualität: mehr Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse, Olivenöl und Fisch, dafür weniger Alkohol, Zucker, Wurstwaren, Fast Food und hochverarbeitete Lebensmittel [1-3].

Weitere Ziele sind weniger Juckreiz, besserer Schlaf, mehr Energie, stabilere Blutzucker- und Fettstoffwechselwerte sowie eine geringere Belastung durch Begleiterkrankungen wie Fettleber, Bluthochdruck oder Diabetesrisiko. Bei Psoriasisarthritis kann Ernährung zusätzlich helfen, Gewicht und Gelenkbelastung zu reduzieren. Sie ersetzt aber keine rheumatologische Therapie [7].

Praktisch folgt die Ernährungstherapie einer einfachen Logik: Zuerst wird geprüft, ob Übergewicht, metabolische Risiken, hoher Alkoholkonsum, ungünstiges Essverhalten oder Psoriasisarthritis vorliegen. Danach wird die Ernährung mediterran, ballaststoffreich, energiegerecht und alkoholreduziert umgestellt. Anschließend werden Haut, Gewicht, Blutdruck und Laborwerte kontrolliert. Gleichzeitig müssen Risiken wie Mangelernährung, Essstörungstendenzen, Unterzuckerungen bei Diabetesmedikation, Blutdruckabfall bei Antihypertensiva und Wechselwirkungen durch Supplemente beachtet werden.

Kurzfristig geht es um bessere Struktur, regelmäßige Mahlzeiten, weniger Alkohol und eine günstigere Lebensmittelauswahl. Nach etwa 12-16 Wochen sollte überprüft werden, ob sich Haut, Juckreiz, Gewicht, Lebensqualität oder Stoffwechselwerte verbessert haben. Langfristig ist das Ziel kein Diätprogramm, sondern ein stabiles Ernährungsmuster, das im Alltag dauerhaft umsetzbar bleibt.

Grundprinzipien

Das Grundprinzip der Ernährungstherapie bei Psoriasis ist ein mediterran-pflanzenbetontes, entzündungsmodulierendes und metabolisch günstiges Ernährungsmuster. Es handelt sich nicht um eine kurzfristige Kur, sondern um eine dauerhafte Ernährungsstrategie. Im Mittelpunkt stehen Gemüse, Salat, Hülsenfrüchte, Obst, Vollkornprodukte, Nüsse, Samen, Olivenöl, Fisch und hochwertige Proteinquellen. Reduziert werden Alkohol, zuckerreiche Getränke, Süßwaren, Weißmehlprodukte, Wurstwaren, rotes Fleisch, frittierte Speisen und stark verarbeitete Lebensmittel [1-4].

Die Mahlzeitenstruktur sollte einfach, wiederholbar und alltagstauglich sein. Bei Übergewicht wird nicht das Volumen der Mahlzeit drastisch reduziert, sondern die Energiedichte gesenkt: mehr Gemüse und Hülsenfrüchte, weniger Fett-Zucker-Kombinationen, weniger Snacks und weniger Alkohol.

Eine sinnvolle Ernährungstherapie verläuft häufig in Phasen:

  • In der ersten Phase werden Getränke, Frühstück, Snacks und Alkohol überprüft, weil hier oft große Hebel liegen.
  • In der zweiten Phase werden die Gemüsemenge, Hülsenfrüchte, Vollkorn, Proteinqualität und Fettqualität verbessert.
  • In der dritten Phase folgt die Feinanpassung an Gewicht, Laborwerte, Beruf, Familie, Verträglichkeit und Therapieziele.

Bei Patienten mit Diabetes mellitus, Niereninsuffizienz (Nierenschwäche), Steatosis hepatis (Fettleber), Hypertonie oder Psoriasisarthritis werden die Prinzipien entsprechend individualisiert.

Wichtig ist, dass keine unnötigen Verbote aufgebaut werden. Pauschale Gluten-, Milch-, Nachtschattengewächs- oder Histaminverbote sind bei Psoriasis nicht evidenzbasiert. Wenn Patienten individuelle Trigger vermuten, sollten diese strukturiert geprüft werden: Ein Lebensmittel oder eine Lebensmittelgruppe für 4-6 Wochen gezielt verändern, Symptome dokumentieren und anschließend kontrolliert wiedereinführen. Nur wenn sich ein reproduzierbarer Zusammenhang zeigt oder eine medizinische Diagnose besteht, ist eine dauerhafte Einschränkung sinnvoll.

Angestrebte Wirkmechanismen

Die Ernährungstherapie wirkt bei Psoriasis vor allem indirekt und systemisch. Ein zentraler Mechanismus ist die Reduktion viszeraler Adipositas (erhöhtes Körpergewicht durch Bauchfett). Viszerales Fettgewebe fördert über Adipokine, proinflammatorische Zytokine (entzündungsfördernde Botenstoffe), Insulinresistenz und oxidativen Stress eine chronische niedriggradige Entzündung. Eine nachhaltige Gewichtsreduktion kann dieses entzündliche Grundrauschen senken und gleichzeitig Blutdruck, Glucosestoffwechsel, Lipide und Fettleberrisiko verbessern. Für übergewichtige Patienten ist dies der wichtigste pathophysiologisch plausible und klinisch relevante Wirkweg [1, 2].

Ein zweiter Mechanismus betrifft die Fettqualität. Mediterrane Ernährung liefert vor allem einfach ungesättigte Fettsäuren aus Olivenöl und zusätzlich Omega-3-Fettsäuren aus Fisch, Nüssen und Samen. Gleichzeitig werden gesättigte Fette, Transfette und stark verarbeitete Fett-Zucker-Kombinationen reduziert. Dadurch können Lipidstoffwechsel, Endothelfunktion (Gefäßfunktion) und entzündliche Signalwege günstiger beeinflusst werden. Omega-3-Supplemente allein sind allerdings nicht gleichzusetzen mit einem mediterranen Ernährungsmuster [2, 4, 6].

Ein dritter Mechanismus betrifft Ballaststoffe und Darmmikrobiom. Ballaststoffreiche Lebensmittel fördern mikrobielle Fermentationsprodukte wie kurzkettige Fettsäuren, die immunmodulierend wirken können. Praktisch sinnvoll ist eine schrittweise Erhöhung ballaststoffreicher Lebensmittel, weil diese auch Gewicht, Sättigung, Blutzucker und Darmfunktion unterstützt.

Ein vierter Mechanismus betrifft die Reduktion entzündungsfördernder Ernährungsmuster. Eine westlich geprägte Kost mit hoher Energiedichte, viel Zucker, Alkohol, Wurst, rotem Fleisch, Weißmehl, Salz und hochverarbeiteten Produkten kann Adipositas, Insulinresistenz, Fettleber, Dyslipidämie und systemische Entzündung begünstigen. Die Ernährungstherapie zielt auf die Verschiebung des gesamten Ernährungsmusters.

Zielgruppen und Ausschlusskriterien

Geeignete Zielgruppen

  • Erwachsene mit Psoriasis
  • Patienten mit Psoriasisarthritis
  • Kinder und Jugendliche mit Psoriasis – keine restriktiven Diäten ohne pädiatrische Begleitung
  • Schwangere und Stillende mit Psoriasis – keine Gewichtsreduktion oder Supplement-Hochdosis ohne ärztliche Indikation
  • Geriatrische (ältere) Psoriasis-Patienten – besonderer Fokus auf Proteinversorgung, Muskelmasse, Vitamin-D-Status, Kau- und Schluckfähigkeit sowie Vermeidung von Mangelernährung
  • Psoriasis-Patienten mit Zöliakie oder Zöliakieverdacht – keine Glutenkarenz vor Abschluss der Diagnostik

Eingeschränkte Eignung

  • Psoriasis-Patienten mit aktiver Essstörung, Untergewicht, Sarkopenie (krankhafter Muskelabbau mit Kraftverlust), Tumorkachexie (tumorbedingter schwerer Gewichts- und Muskelverlust), fortgeschrittener Niereninsuffizienz, schweren gastrointestinalen Erkrankungen (Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts) oder komplexer Polypharmazie (Einnahme vieler verschiedener Medikamente); in diesen Situationen ist eine ärztlich-ernährungstherapeutische Begleitung erforderlich

Durchführung und Ablauf der Ernährungstherapie

Zu Beginn steht eine strukturierte Bestandsaufnahme. Erfasst werden Hautschwere, Juckreiz, Lebensqualität, Gewichtsentwicklung, Taillenumfang, Blutdruck, Alkoholkonsum, Rauchstatus, Bewegung, Schlaf, bisherige Diäten, vermutete Trigger, Supplemente und Komorbiditäten. Laborseitig sind bei entsprechendem Risiko HbA1c oder Nüchternglucose, Lipidprofil, Leberwerte, Nierenfunktion, Harnsäure sowie bei Mangelverdacht Vitamin D, Vitamin B12, Ferritin (Eisenspeicherprotein) oder weitere Parameter sinnvoll. Parallel wird die aktuelle Psoriasistherapie dokumentiert, insbesondere Methotrexat, Ciclosporin, Acitretin, Biologika, topische Steroide, Phototherapie sowie Antidiabetika (blutzuckersenkende Medikamente), Antihypertensiva (blutdrucksenkende Medikamente) und Antikoagulanzien (Therapie mit Blutverdünnern).

Die Vorbereitung sollte sehr praktisch erfolgen. Patienten benötigen eine klare Einkaufs- und Mahlzeitenstruktur. Sinnvoll ist ein Basisvorrat aus Haferflocken, Vollkornbrot, Linsen, Bohnen, Kichererbsen, Naturjoghurt, Tiefkühlgemüse, Olivenöl, Nüssen, Beeren, Eiern, Fisch oder Tofu. Zusätzlich sollte festgelegt werden, welche Mahlzeit zuerst verändert wird. Häufig ist das Frühstück besonders geeignet, weil es wiederholbar ist und den Tag stabilisiert. Ein Beispiel wäre der Wechsel von süßem Gebäck zu Haferflocken mit Naturjoghurt, Beeren, Leinsamen und Nüssen.

Typische Anfangsfehler sind zu ambitionierte Verbote, abrupte glutenfreie Ernährung ohne Diagnostik, zu schnelle Ballaststoffsteigerung, sehr kalorienarme Crash-Diäten, unzureichende Proteinzufuhr, unkritische Supplementkombinationen und die Erwartung, die Haut müsse innerhalb weniger Tage reagieren. Realistischer ist ein Beobachtungszeitraum von 12-16 Wochen. In dieser Zeit können sich Gewicht, Verdauung, Energie, Blutzucker, Blutdruck und möglicherweise auch Hautparameter verändern.

Ein sinnvoller Ablauf beginnt mit einer zwei- bis vierwöchigen Strukturphase. In dieser Phase werden Süßgetränke gestrichen, Alkohol reduziert, ein mediterranes Standardfrühstück eingeführt und täglich mindestens eine gemüsebetonte Mahlzeit umgesetzt. Anschließend folgt eine acht- bis zwölfwöchige Therapiephase mit klarer Mahlzeitenplanung, schrittweiser Ballaststoffsteigerung, proteinadäquater Kost und bei Übergewicht moderatem Energiedefizit. Nach 12-16 Wochen erfolgt die Evaluation: Hautbild, Juckreiz, DLQI, Gewicht, Taillenumfang, Blutdruck und gegebenenfalls Laborwerte werden verglichen. Danach wird entschieden, welche Maßnahmen langfristig beibehalten, vereinfacht oder angepasst werden.

Im ambulanten Setting reicht bei stabiler Psoriasis häufig eine ernährungsmedizinische Beratung oder strukturierte hausärztlich-dermatologische Begleitung. Bei schwerer Psoriasis, Psoriasisarthritis, Adipositas Grad II-III, Diabetes mellitus, fortgeschrittener Niereninsuffizienz, Schwangerschaft, Essstörung, relevanten Laborauffälligkeiten oder komplexer Systemtherapie sollte die Ernährungstherapie ärztlich und ernährungstherapeutisch begleitet werden. Stationäre oder rehabilitative Settings sind sinnvoll, wenn schwere Hauterkrankung, multimorbide Stoffwechsellage, erhebliche psychische Belastung oder ausgeprägte Adipositas zusammentreffen.

Nach der aktiven Therapiephase sollten drei bis fünf Standardmahlzeiten, zwei Notfalloptionen für stressige Tage und eine klare Alkoholstrategie festgelegt sein. Ziel ist nicht maximale Kontrolle, sondern Wiederholbarkeit. Eine Ernährungstherapie, die im Urlaub, bei Familienfeiern oder im Beruf vollständig zusammenbricht, ist langfristig nicht geeignet.

Empfohlene Lebensmittel

Empfohlen werden Lebensmittel, die eine hohe Nährstoffdichte, günstige Fettqualität, gute Sättigung und antientzündlich plausible Begleitstoffe liefern.

  • Gemüse: Täglich mehrere Portionen, z. B. Blattgemüse, Brokkoli, Paprika, Tomaten, Karotten, Zucchini, Kohl, Pilze und Salate
  • Obst: Beeren, Äpfel, Birnen, Zitrusfrüchte, Kiwi und Steinobst; bei Diabetes mellitus portionsbewusst
  • Hülsenfrüchte: Linsen, Bohnen, Kichererbsen, Erbsen, Sojabohnen, Tofu und Tempeh
  • Vollkornprodukte: Haferflocken, Roggenvollkornbrot, Vollkornreis, Quinoa, Buchweizen, Hirse und Vollkornnudeln
  • Nüsse und Samen: Walnüsse, Mandeln, Haselnüsse, Leinsamen, Chiasamen, Sesam und Kürbiskerne
  • Pflanzliche Öle: Natives Olivenöl als Hauptöl, Rapsöl als gute Ergänzung
  • Fisch: Fettreicher Seefisch wie Lachs, Hering, Makrele oder Sardinen 1-2-mal pro Woche, sofern verträglich und nicht kontraindiziert
  • Proteinquellen: Fisch, Hülsenfrüchte, Eier, Naturjoghurt, Kefir, Quark, Geflügel, Tofu, Tempeh und bei Bedarf proteinangereicherte Optionen
  • Fermentierte Lebensmittel: Naturjoghurt, Kefir, Sauerkraut oder fermentiertes Gemüse bei guter Verträglichkeit
  • Getränke: Wasser, Mineralwasser, ungesüßter Tee und Kaffee in moderater Menge

Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel

Eingeschränkt werden vor allem Lebensmittel, die hohe Energiedichte, ungünstige Fettqualität, starke Verarbeitung, geringe Mikronährstoffdichte oder metabolische Belastung begünstigen.

  • Hochverarbeitete Produkte: Fertiggerichte, Fast Food, Chips, Süßwaren, süßes Gebäck und Snackprodukte
  • Zuckerreiche Getränke: Softdrinks, Energydrinks, gesüßte Eistees, Fruchtsaftgetränke und große Saftmengen
  • Raffinierte Kohlenhydrate: Weißbrot, helle Brötchen, helle Nudeln, süße Frühstückscerealien und Kuchen
  • Wurstwaren: Salami, Speck, Bratwurst, Leberwurst, Fleischkäse und stark verarbeitetes Fleisch
  • Rotes Fleisch: Nicht zwingend verboten, aber deutlich reduziert und nicht als tägliche Proteinquelle
  • Frittierte Speisen: Pommes, frittierte Snacks, Backfisch und stark fettreiche Imbissgerichte

Genussmittelkonsum

Tabak (Rauchen)

  • Rauchen kann systemische Entzündung, Gefäßrisiko und Komorbiditätslast ungünstig beeinflussen.
  • Rauchstopp ist besonders wichtig, weil Gelenk-, Gefäß- und Stoffwechselrisiken zusammenkommen können.
  • Kinder können vom Passivrauchen Schaden nehmen → erhöht die Entzündungsneigung und das Risiko für Psoriasis [8].
  • Klare Empfehlung: vollständige Abstinenz.

Alkohol

  • Alkoholkonsum sollte bei Psoriasis deutlich begrenzt werden. Er erhöht die Krankheitsaktivität und vermindert die Wirksamkeit systemischer Therapien.
  • Bei schwerer Psoriasis, Fettleber, Hypertriglyceridämie, Alkoholabhängigkeit, Methotrexat oder Acitretin ist möglichst Abstinenz anzustreben.
  • Schubrisiko: Viele Patienten berichten eine Verschlechterung nach Alkohol; individuelle Schwelle ist unterschiedlich

Koffein

  • Bei Schlafstörungen, Stress, Juckreiz oder Unruhe sollte Koffein ab Mittag reduziert werden.
  • Gesüßte Kaffeegetränke, Sirupgetränke und Energydrinks sind ungünstig.

Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag

Einkauf und Vorratshaltung

  • Basisvorrat anlegen: Haferflocken, Vollkornbrot, Vollkornnudeln, Naturreis, Linsen, Bohnen, Kichererbsen, Tomaten aus der Dose, Tiefkühlgemüse, Olivenöl, Nüsse, Leinsamen und Gewürze sollten dauerhaft verfügbar sein.
  • Kühlschrank strukturieren: Naturjoghurt, Quark, Eier, Hummus, vorbereiteter Salat, Rohkost, Beeren, Tofu oder Fisch erleichtern schnelle Mahlzeiten.
  • Notfallmahlzeiten planen: Linsensuppe aus Vorräten, Vollkornbrot mit Hummus und Rohkost, Omelett mit Gemüse oder Naturjoghurt mit Haferflocken und Beeren verhindern Fast-Food-Entscheidungen.
  • Snackumgebung verändern: Süßigkeiten, Chips und Gebäck nicht als Standardvorrat lagern; stattdessen Nüsse, Obst, Gemüsesticks, Naturjoghurt oder Vollkornknäckebrot bereithalten.

Frühstück als therapeutischer Anker

  • Haferfrühstück nutzen: Haferflocken mit Naturjoghurt oder Kefir, Beeren, Leinsamen und Walnüssen liefern Ballaststoffe, Protein und günstige Fettsäuren.
  • Herzhaft frühstücken: Vollkornbrot mit Hummus, Ei, Avocado, Tomate oder körnigem Frischkäse ist oft stabiler als süßes Gebäck.
  • Zucker reduzieren: Marmelade, Nuss-Nougat-Creme, gesüßte Müslis und süße Teilchen sollten nicht das Standardfrühstück sein.
  • Protein einbauen: Protein beim Frühstück verbessert Sättigung und hilft bei Gewichtsreduktion.

Mittagessen im Beruf

  • Tellerprinzip verwenden: Die Hälfte Gemüse oder Salat, ein Viertel Protein, ein Viertel Vollkorn, Kartoffeln oder Hülsenfrüchte.
  • Kantine steuern: Gemüsebeilage verdoppeln, frittierte Komponenten meiden, Soße separat nehmen, Wasser statt Softdrink wählen.
  • Meal Prep vereinfachen: Eine große Portion Linsensalat, Ofengemüse oder Chili sin Carne kann 2-3 Mahlzeiten abdecken.
  • Unterwegs klug wählen: Besser Bowl mit Hülsenfrüchten, Falafel nicht frittiert, Sushi mit Edamame, Salat mit Ei/Fisch/Hähnchen oder Vollkorn-Sandwich statt Croissant und Süßgetränk.

Abendessen und Familie

  • Familiengerichte anpassen: Pasta mit Gemüse-Linsen-Bolognese, Ofengemüse mit Fisch, Vollkornwraps, Kartoffeln mit Quark und Salat oder Chili mit Bohnen sind familientauglich.
  • Nicht doppelt kochen: Die Basis bleibt gleich; individuelle Ergänzungen sind möglich.
  • Späte Kalorien reduzieren: Große, fett- und zuckerreiche Abendmahlzeiten sowie Alkohol verschlechtern häufig Gewicht, Schlaf und Reflux.
  • Gemüse sichtbar machen: Geschnittene Rohkost, Salat oder Ofengemüse sollten zuerst auf den Tisch kommen.

Umgang mit Schüben und Triggern

  • Symptomtagebuch begrenzen: 4-6 Wochen reichen meist; dokumentiert werden Haut, Juckreiz, Alkohol, Stress, Schlaf, Infekte und auffällige Lebensmittel.
  • Nicht alles gleichzeitig streichen: Sonst lässt sich kein Auslöser erkennen.
  • Wiedereinführung einplanen: Ein vermuteter Trigger sollte nach Karenz kontrolliert wieder getestet werden, sofern medizinisch vertretbar.
  • Stress nicht übersehen: Viele vermeintliche Lebensmitteltrigger fallen mit Stress, Schlafmangel, Infekten oder Alkohol zusammen.

Ernährungsphysiologische Bewertung

Eine mediterran-pflanzenbetonte Ernährung ist bei Psoriasis ernährungsphysiologisch günstig, weil sie nährstoffreich, ballaststoffreich und langfristig gut umsetzbar ist. Sie liefert Gemüse, Obst, Hülsenfrüchte, Vollkornprodukte, Nüsse, Olivenöl und Fisch und reduziert gleichzeitig Zucker, hochverarbeitete Lebensmittel, ungünstige Fette und Alkohol. Das passt besonders gut, weil Psoriasis häufig mit Übergewicht, metabolischem Syndrom und erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko verbunden ist [1, 2, 4].

Die Energiezufuhr sollte individuell angepasst werden. Bei Normalgewicht steht Gewichtsstabilität im Vordergrund, bei Übergewicht eine moderate Gewichtsabnahme. Sinnvoll ist meist ein alltagstaugliches Energiedefizit statt einer Crash-Diät. Eine Gewichtsreduktion von etwa 5-10 % des Ausgangsgewichts kann bereits metabolisch relevant sein und bei Psoriasisarthritis zusätzlich die Gelenke entlasten [7].

Makronährstoffe (Hauptnährstoffe: Kohlenhydrate, Fette, Proteine (Eiweiß)) sollten ausgewogen geplant werden. Proteine sind wichtig, um bei Gewichtsreduktion Muskelmasse zu erhalten. Häufig sind etwa 1,0-1,2 g/kg Körpergewicht pro Tag sinnvoll, bei älteren Patienten ggf. mehr und bei fortgeschrittener Nierenerkrankung angepasst. Kohlenhydrate sollten bevorzugt aus Vollkornprodukten, Hafer, Hülsenfrüchten, Gemüse, Obst und Kartoffeln stammen. Ballaststoffe sollten langsam auf etwa 25-30 g/Tag gesteigert werden, sofern sie vertragen werden. Bei der Fettqualität sind Olivenöl, Rapsöl, Nüsse, Samen und Fisch zu bevorzugen; Wurst, fettes Fleisch, Fast Food und frittierte Speisen sollten reduziert werden.

Mikronährstoffe (Vitalstoffe) sollten nicht pauschal, sondern gezielt eingesetzt werden. Ein niedriger Vitamin-D-Spiegel wird bei Psoriasis häufiger beobachtet und kann mit ungünstigerer Krankheitsaktivität assoziiert sein. Deshalb sollte Vitamin D bei Risikopatienten kontrolliert und bei nachgewiesenem Mangel substituiert werden [5]. Folsäure ist vor allem bei Methotrexattherapie relevant und sollte nach ärztlichem Schema eingesetzt werden. Vitamin B12 ist wichtig bei veganer Ernährung, Metformintherapie, höherem Alter oder Malabsorption. Eisen, Zink, Selen und Calcium sollten nur bei nachgewiesenem Mangel, unzureichender Zufuhr oder klarer medizinischer Indikation ergänzt werden.

Omega-3-Fettsäuren aus Fisch sind als Bestandteil der Ernährung sinnvoll. Hochdosierte Omega-3-Präparate, Curcumin, Probiotika oder andere Supplemente sind dagegen keine Standardtherapie der Psoriasis. Sie können im Einzelfall erwogen werden, sollten aber wegen begrenzter Evidenz und möglicher Wechselwirkungen mit Medikamenten kritisch geprüft werden [4, 6].

Langfristig ist eine mediterrane Ernährung ausgewogen und sicher, wenn Protein, Vitamin D, Vitamin B12, Calcium, Eisen, Jod und Omega-3-Fettsäuren ausreichend berücksichtigt werden.

Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen

Die größten Risiken entstehen nicht durch eine sachgerecht umgesetzte mediterrane Ernährung, sondern durch zu strenge Diäten, unkontrollierte Supplemente, fehlendes Monitoring oder unrealistische Erwartungen. Besonders problematisch ist es, wenn wirksame dermatologische oder rheumatologische Therapien zugunsten einer Diät verzögert oder abgesetzt werden. Bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis und bei Psoriasisarthritis kann dies zu anhaltender Entzündung, schlechterer Lebensqualität und bei Gelenkbeteiligung zu bleibenden Schäden führen [7].

Ein wichtiges Risiko sind Nährstoffmängel. Glutenfreie Ernährung ohne Indikation, vegane Ernährung ohne Supplementkonzept oder sehr kalorienarme Diäten können zu Defiziten bei Proteinen, Vitamin B12, Eisen, Jod, Calcium, Zink, Selen, Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren führen. Bei einer Gewichtsreduktion muss besonders auf ausreichendes Protein und Bewegung geachtet werden, um Muskelverlust und Sarkopenie zu vermeiden.

Bei Diabetes mellitus, Hypertonie, Adipositas, Fettleber, Hyperurikämie oder Gicht ist ärztliches Monitoring wichtig. Gewichtsverlust kann Blutzucker und Blutdruck verbessern, sodass Antidiabetika oder Antihypertensiva angepasst werden müssen. Crash-Diäten, Fasten und sehr schnelle Gewichtsverluste können Gichtanfälle begünstigen.

Auch Verdauungsbeschwerden sind möglich, vor allem wenn Ballaststoffe zu schnell gesteigert werden. Hülsenfrüchte, Vollkorn, Gemüse, Samen, fermentierte Lebensmittel und Probiotika sollten deshalb schrittweise eingeführt werden. Bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, Reizdarmsyndrom, Divertikelproblemen oder Darmverengungen muss die Ballaststoffzufuhr individuell angepasst werden.

Relevante Wechselwirkungen betreffen vor allem Medikamente und Supplemente. Bei Methotrexat und Acitretin ist Alkohol besonders kritisch. Folsäure sollte bei Methotrexat nur nach ärztlichem Schema ergänzt werden. Bei Acitretin sind zusätzliche Vitamin-A-Präparate zu vermeiden. Ciclosporin kann mit Grapefruit interagieren. Bei Antikoagulanzien sollten hochdosierte Omega-3-Präparate, Curcumin und starke Schwankungen der Vitamin-K-Zufuhr ärztlich geprüft werden.

Kontraindikationen (Gegenanzeigen)

Absolute Kontraindikationen

  • Akute Essstörung (z. B. Anorexia nervosa/Magersucht)
  • Schwere Mangelernährung
  • Dekompensierte Organinsuffizienz: Schwere Leber-, Nieren- oder Herzinsuffizienz ohne fachärztliches Ernährungskonzept

Relative Kontraindikationen bzw. Monitoringbedarf

  • Diabetes mellitus – besonders unter Insulin, Sulfonylharnstoffen oder komplexer antidiabetischer Therapie
  • Chronische Nierenerkrankung – Anpassung von Protein, Kalium, Phosphat, Natrium und Flüssigkeit erforderlich
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankung (z. B. Morbus Crohn) oder Reizdarmsyndrom – Ballaststoffe, fermentierte Lebensmittel und Probiotika individuell anpassen
  • Zöliakieverdacht
  • Antikoagulation – Vorsicht bei hochdosierten Omega-3-Präparaten, Curcumin und starken Vitamin-K-Schwankungen
  • Systemtherapie – Methotrexat, Ciclosporin, Acitretin und Biologika erfordern komedikationsbewusste Beratung
  • Kinder und Jugendliche – keine Gewichts- oder Eliminationsdiät ohne altersgerechtes Konzept
  • Geriatrische Patienten –  Risiko für Proteinmangel, Muskelverlust und Unterversorgung beachten

Vorteile

  • Patienten können selbst etwas zur Krankheitskontrolle beitragen.
  • Besonders wirksam bei Übergewicht und Adipositas als entzündungs- und stoffwechselrelevanter Hebel
  • Blutdruck, HbA1c, Lipide, Fettleberrisiko und Taillenumfang können sich verbessern.
  • Mediterrane Ernährung unterstützt ein günstigeres systemisches Entzündungsmilieu.
  • Bessere Mahlzeitenstruktur, weniger Alkohol, stabilerer Schlaf und mehr Energie können den Alltag verbessern.
  • Ein besseres metabolisches Profil kann das Gesamtmanagement der Psoriasis erleichtern.
  • Bei Psoriasisarthritis kann Gewichtsmanagement mechanische Belastung reduzieren.
  • Ernährung adressiert Begleiterkrankungen, die für Morbidität (Krankheitslast) und Mortalität (Sterblichkeit) bedeutsam sind.

Grenzen

  • Psoriasis lässt sich durch Ernährung allein nicht zuverlässig heilen.
  • Bei mittelschwerer bis schwerer Psoriasis ersetzt Ernährung keine Systemtherapie.
  • Individuelle Verschlechterungen nach Lebensmitteln sind möglich, aber nicht immer kausal.
  • Zu strenge Diäten sind langfristig häufig nicht durchhaltbar.
  • Familie, Beruf, Einkommen, Zeit und psychische Belastung beeinflussen die Umsetzung stark.

Wissenschaftliche Einordnung

Die wissenschaftliche Einordnung der Ernährungstherapie bei Psoriasis fällt differenziert aus. Am besten begründet ist die Empfehlung zur Gewichtsreduktion bei übergewichtigen und adipösen Patienten. Diese Empfehlung passt pathophysiologisch zur Rolle des viszeralen Fettgewebes und klinisch zur engen Verbindung zwischen Psoriasis, Adipositas, metabolischem Syndrom und kardiovaskulären Risiken [1, 2, 4].

Die mediterrane Ernährung ist derzeit das überzeugendste Ernährungsmuster für die Praxis. Sie ist sinnvoll, weil sie mehrere krankheitsrelevante Achsen gleichzeitig adressiert: Entzündung, Gewicht, Blutzucker, Lipide, Blutdruck, Fettleberrisiko und Gefäßgesundheit. Die MEDIPSO-Studie unterstützt diese Strategie erstmals randomisiert bei milder bis moderater Psoriasis, auch wenn größere und längere Studien notwendig sind [3]. Damit ist die mediterrane Ernährung richtungsweisend, aber nicht als alleinige Therapie zu verstehen.

Fachgesellschaftlich fügt sich Ernährung in ein multimodales Psoriasismanagement ein. Dermatologische Schwere, Gelenkbeteiligung, Komorbiditäten, Lebensqualität, Gewicht, Alkohol, Rauchen, psychische Belastung und Therapieadhärenz müssen gemeinsam betrachtet werden. Bei Psoriasisarthritis ist die EULAR-Empfehlung klar pharmakologisch ausgerichtet; Ernährung bleibt hier unterstützend, insbesondere für Gewicht, kardiometabolisches Risiko und allgemeine Entzündungsbelastung [7].

Fazit

Die Ernährungstherapie bei Psoriasis ist ein wichtiger Bestandteil des modernen, ganzheitlichen Krankheitsmanagements. Sie ist jedoch keine Ersatztherapie.

Kurzfristig hilft die Ernährungstherapie vor allem dabei, Struktur in den Alltag zu bringen, Alkohol und hochverarbeitete Lebensmittel zu reduzieren, erste Gewichtsziele zu erreichen und die Selbstwirksamkeit zu stärken. Mittelfristig können sich Hautbild, Juckreiz, Lebensqualität, Gewicht, Blutdruck und Stoffwechselparameter verbessern. Langfristig liegt der größte Nutzen in der Reduktion kardiometabolischer Risiken und in der Stabilisierung eines gesünderen, entzündungsärmeren Lebensstils.

Deutlich ist: Eine gute Ernährung kann Psoriasis nicht zuverlässig heilen, aber sie kann die Krankheits- und Risikolast spürbar senken. Für Ärzte und Patienten ist sie deshalb keine Nebensache, sondern ein sinnvoller, messbarer und langfristig relevanter Baustein der Therapie.

Literatur

  1. Hawkins P, Earl K, Tektonidis TG, Fallaize R: The role of diet in the management of psoriasis: a scoping review. Nutr Res Rev. 2024 Dec;37(2):296-330. doi: 10.1017/S0954422423000185.
  2. Leung A, Kranyak A, Marquez-Grap G, Bhutani T: Nutrition and Psoriasis: The Latest Evidence and How to Approach Nutrition in Clinical Practice. Am J Clin Dermatol. 2026 Jan;27(1):9-16. doi: 10.1007/s40257-025-00992-2.
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