Ernährungstherapie bei Akne vulgaris
Akne vulgaris ist eine chronisch-entzündliche Erkrankung des Haarfollikel-Talgdrüsen-Apparats. Klinisch zeigen sich Mitesser (Komedonen), entzündliche Knötchen (Papeln), Eiterbläschen (Pusteln) sowie bei schwereren Verlaufsformen tiefere Knoten und Zysten. Besonders betroffen sind Gesicht, Rücken und der obere Brustbereich.
Pathophysiologisch beruht die Erkrankung auf vier zentralen Faktoren:
- gesteigerte Talgproduktion (Seborrhoe),
- Verhornungsstörung im Follikel (Hyperkeratose),
- mikrobielle Besiedlung mit Cutibacterium acnes und
- eine überschießende Entzündungsreaktion.
Hormonelle Einflüsse – insbesondere Androgene – modulieren diese Prozesse maßgeblich.
Die Ernährung ist keine primäre Ursache der Akne, kann jedoch bei einem Teil der Betroffenen als Verstärker wirken. Sie beeinflusst hormonelle Signalwege (Insulin, Insulin-like Growth Factor 1 (IGF-1)), Entzündungsprozesse sowie metabolische Faktoren und kann dadurch Krankheitsaktivität und Schweregrad modulieren [1, 2].
Eine Ernährungstherapie ist daher als unterstützende Maßnahme zur leitliniengerechten dermatologischen Therapie einzuordnen.
Wissenschaftliche Grundlagen
Lange wurde der Einfluss der Ernährung auf Akne kontrovers diskutiert. Während frühe Konzepte einzelne Lebensmittel pauschal verantwortlich machten, wurde später ein Zusammenhang weitgehend verneint. In den vergangenen Jahren hat sich die Evidenzlage deutlich differenziert.
Systematische Reviews zeigen übereinstimmend, dass eine Ernährung mit vielen schnell verfügbaren Kohlenhydraten – Mono- und Disacchariden (Einfach- und Zweifachzuckern), wie sie in Zucker, Weißmehl, süßen Getränken und stark verarbeiteten Snacks enthalten sind – häufiger mit Akne und stärkeren Verläufen assoziiert ist [2]. Auf eine hohe Zufuhr schnell resorbierbarer Kohlenhydrate reagiert der Körper mit einer vermehrten Ausschüttung von Insulin. Insulin wirkt jedoch nicht nur auf den Kohlenhydratstoffwechsel, sondern aktiviert auch Wachstums- und Aufbauprozesse im Körper. Dabei spielt Insulin-like Growth Factor 1 (IGF-1) eine wichtige Rolle. IGF-1 steigert die Aktivität der Talgdrüsen und fördert die Vermehrung von Keratinozyten (Hautzellen) im Haarfollikel. Zusätzlich wird ein zellulärer Signalweg aktiviert, der als mTORC1 bezeichnet wird. mTORC1 ist als eine Art Wachstumsschalter in den Zellen zu verstehen. Wird dieser stark stimuliert, laufen Aufbau- und Produktionsprozesse auf Hochtouren – auch in den Talgdrüsen. Das Resultat kann eine erhöhte Talgproduktion sowie eine verstärkte Verhornung am Porenausgang sein. Beides begünstigt die Entstehung von Mitessern und entzündlichen Hautveränderungen.
Auch Milchprodukte werden im Zusammenhang mit Akne diskutiert. Die Studienlage ist hier nicht vollständig einheitlich, mehrere Analysen zeigen jedoch eine dosisabhängige Assoziation – insbesondere für fettarme Milch [2, 7]. Interessanterweise scheinen nicht primär das Milchfett relevant zu sein, sondern hormonell aktive Bestandteile der Milch sowie deren Einfluss auf den IGF-1-Signalweg. Milch kann somit ebenfalls wachstumsfördernde Signale im Körper verstärken.
Neuere Forschungsansätze beschäftigen sich zudem mit der sogenannten Darm-Haut-Achse. Der Zustand des Darms – insbesondere die Zusammensetzung der Darmbakterien (Mikrobiom) – kann Einfluss auf Entzündungsprozesse im gesamten Körper nehmen, einschließlich der Haut. Bestimmte Darmbakterien wirken antiinflammatorisch (entzündungshemmend) und unterstützen die Barrierefunktion des Darms. Gerät dieses Gleichgewicht aus dem Lot, können systemische Entzündungsreaktionen begünstigt werden.
Metaanalytische Daten zu Probiotika – lebenden Mikroorganismen mit potentiell gesundheitsfördernder Wirkung – geben Hinweise darauf, dass sie entzündliche Akne-Läsionen reduzieren können [4]. Allerdings war die Anzahl der Studien begrenzt, und die Qualität der Evidenz wird als moderat eingeschätzt.
Auch der Vitamin-D-Status wird als möglicher modulierender Faktor diskutiert. Vitamin D spielt eine wichtige Rolle im Immunsystem und bei der Regulation von Entzündungsprozessen. Personen mit Akne weisen häufiger niedrigere Vitamin-D-Spiegel auf [5].
Zielsetzung der Ernährungstherapie
Die Ernährungstherapie verfolgt primär das Ziel, entzündliche Läsionen zu reduzieren, Schubfrequenzen zu senken und den Gesamtverlauf günstig zu beeinflussen.
Primäre Zielparameter
- Reduktion der Anzahl entzündlicher Läsionen
- Verbesserung standardisierter Schweregrade (z. B. IGA (Investigator’s Global Assessment: standardisierte ärztliche Gesamtbewertung der Akneschwere anhand einer Skala))
- Verminderung seborrhoischer Aktivität (Aktivität der Talgdrüsen)
Sekundäre Ziele
- Verbesserung der Lebensqualität
- Reduktion antibiotischer Langzeittherapie
- Unterstützung metabolischer Parameter (bei entsprechender Ausgangslage)
Leitlinienlogisch erfolgt die Einordnung wie folgt: Indikation → persistierende oder rezidivierende Akne, Intervention → glykämische Last senken, ggf. Milch-/Molketestung, Monitoring → Hautbefund nach 8-12 Wochen, Risiken → Vermeidung restriktiver Mangelernährung.
Kurzfristig (8-12 Wochen) steht die Evaluation der Hautreaktion im Vordergrund. Langfristig geht es um die Integration eines nachhaltigen Ernährungsmusters.
Grundprinzipien
Das zentrale Prinzip lautet: Qualitätsverbesserung statt Verbotskultur. Ziel ist keine radikale Eliminationsdiät, sondern eine gezielte Optimierung der Lebensmittelauswahl mit langfristiger Alltagstauglichkeit.
Ein wesentlicher Ansatzpunkt ist die Reduktion der glykämischen Last. Diese wird gesenkt, indem Zucker, stark raffinierte Kohlenhydrate (z. B. Weißmehlprodukte) und zuckerhaltige Getränke deutlich eingeschränkt werden. Die glykämische Last (GL) beschreibt, wie stark ein Lebensmittel den Blutzuckerspiegel tatsächlich ansteigen lässt – unter Berücksichtigung sowohl der Qualität (wie schnell Kohlenhydrate ins Blut gelangen) als auch der Menge der enthaltenen Kohlenhydrate pro Portion. Lebensmittel mit hoher GL führen zu raschen und ausgeprägten Blutzuckerspitzen mit entsprechend hoher Insulinantwort.
Parallel dazu wird die Zufuhr ballaststoffreicher Lebensmittel gesteigert. Ballaststoffe verlangsamen die Kohlenhydrataufnahme, stabilisieren den Blutzuckerverlauf, verbessern die Sättigung und wirken günstig auf das Darmmikrobiom.
Als praktikable Grundlage eignet sich ein mediterran orientiertes Ernährungsmuster mit einem hohen Anteil an Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkornprodukten, Nüssen, Olivenöl und regelmäßigem Fischverzehr [3]. Dieses Muster kombiniert eine niedrige glykämische Last mit einer hohen Nährstoffdichte und entzündungsmodulierenden Komponenten.
Bei klinischem Verdacht – beispielsweise bei deutlicher zeitlicher Korrelation zwischen Milchkonsum und Akneschüben – kann eine zeitlich begrenzte Reduktion von Milchprodukten oder molkenbasierten Proteinshakes erfolgen. Entscheidend ist eine kontrollierte Wiedereinführung nach 6-8 Wochen, um individuelle Verträglichkeit realistisch beurteilen zu können. Eine dauerhafte, unreflektierte Eliminierung wird nicht empfohlen.
Die Mahlzeitenstruktur sollte stabile Blutzuckerverläufe fördern. Drei ausgewogene Hauptmahlzeiten mit ausreichendem Protein- und Ballaststoffanteil sind sinnvoll. Häufige, stark zuckerhaltige Snacks zwischen den Mahlzeiten sollten vermieden werden, da sie wiederholte Insulinspitzen begünstigen.
Angestrebte Wirkmechanismen
Die erwarteten Effekte der Ernährungstherapie beruhen vor allem auf einer hormonell-metabolischen Modulation sowie auf einer Beeinflussung entzündlicher Prozesse.
Eine niedrig-glykämische Ernährung reduziert wiederholte Insulinspitzen. Dadurch sinken indirekt auch IGF-1-Spiegel. In der Folge wird der mTORC1-Signalweg weniger stark aktiviert. Eine reduzierte mTORC1-Aktivität kann zu einer geringeren Talgproduktion (Sebozytenaktivität) und zu einer verminderten Verhornung im Follikel führen [2]. Beides wirkt der Komedonenbildung entgegen.
Eine mediterrane Ernährung liefert zudem antioxidative und antiinflammatorische (entzündungshemmende) Inhaltsstoffe, darunter Polyphenole aus pflanzlichen Lebensmitteln sowie Omega-3-Fettsäuren (Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA)) aus Fisch und Nüssen. Diese können systemische Entzündungsprozesse modulieren und möglicherweise auch die entzündliche Komponente der Akne positiv beeinflussen [3].
Probiotika könnten über eine Stabilisierung der Darmbarriere, eine Beeinflussung des Mikrobioms und eine Modulation immunologischer Signalwege einen additiven Effekt entfalten. Die bisherige Evidenz ist jedoch moderat, sodass sie als ergänzende, nicht als primäre Maßnahme zu bewerten sind [4].
Vitamin D wirkt immunmodulierend und beeinflusst entzündliche Prozesse. Bei nachgewiesenem Mangel ist eine Substitution medizinisch sinnvoll. Eine routinemäßige Einnahme ohne Mangelzustand stellt jedoch keine eigenständige Aknetherapie dar [5].
Zielgruppen und Ausschlusskriterien
Geeignete Zielgruppen
- Jugendliche und junge Erwachsene mit milder bis moderater Akne
- Erwachsene mit persistierender (andauernder) oder rezidivierender (wiederkehrender) Akne
- Personen mit stark westlich geprägter, hoch glykämischer Ernährung
- Patientinnen mit polyzystischem Ovarialsyndrom (PCO-Syndrom) oder Insulinresistenz
Eingeschränkte Eignung
- Untergewicht
- Hochleistungssport mit hohem Energiebedarf
Nicht geeignet
- Essstörungen, z. B. Bulimia nervosa/Ess-Brech-Sucht
- Schwangerschaft (keine restriktiven Eliminationsdiäten)
Durchführung und Ablauf der Ernährungstherapie
Die Ernährungstherapie beginnt mit einer strukturierten Anamnese. Erfasst werden Essmuster, Getränkekonsum, Milch- und Whey-Protein-Zufuhr, Supplemente, Zyklusabhängigkeit, Stress und Schlaf. Ein 7-14-tägiges Ernährungs- und Hautprotokoll hilft, individuelle Trigger zu identifizieren und den Verlauf objektiver zu beurteilen.
Phase 1: Stoffwechselstabilisierung (ca. 4 Wochen)
Zunächst wird die glykämische Last reduziert. Zuckerhaltige Getränke, Süßwaren und stark raffinierte Kohlenhydrate werden deutlich eingeschränkt und durch ballaststoffreiche Alternativen ersetzt. Gleichzeitig wird auf eine ausreichende Proteinversorgung geachtet.
Ziel ist eine Stabilisierung des Blutzuckerspiegels und eine Reduktion wiederholter Insulinspitzen.
Phase 2: Gezielte Testreduktion (6-8 Wochen, bei Indikation)
Besteht der Verdacht auf eine Milch- oder Molkeassoziation, kann eine zeitlich begrenzte Reduktion erfolgen. Entscheidend ist eine anschließende kontrollierte Wiedereinführung, um die individuelle Verträglichkeit zu prüfen.
Dauer und Monitoring
Die Gesamtdauer sollte mindestens 8-12 Wochen betragen, da Hauterneuerungszyklen mehrere Wochen benötigen.
Die Verlaufsbeurteilung erfolgt anhand der Läsionsanzahl, subjektiver Schubintensität und ggf. fotografischer Dokumentation oder standardisierter Schweregrade.
Bei schwerer Akne oder systemischer Therapie ist eine ärztliche Begleitung empfohlen [1].
Langfristiges Ziel ist kein restriktiver Diätplan, sondern ein stabiles, ausgewogenes Ernährungsmuster mit niedriger glykämischer Last.
Empfohlene Lebensmittel
- Gemüse, insbesondere grünes Blattgemüse (z. B. Spinat, Mangold, Rucola), Brokkoli, Zucchini, Paprika und Karotten. Gemüse liefert Ballaststoffe, sekundäre Pflanzenstoffe und Antioxidantien, die entzündungshemmend wirken können.
- Hülsenfrüchte wie Linsen, Kichererbsen und Bohnen. Sie sind reich an Ballaststoffen und pflanzlichem Protein und führen zu einem langsameren Blutzuckeranstieg.
- Vollkornprodukte (z. B. Hafer, Vollkornreis, Vollkornbrot). Sie enthalten komplexe Kohlenhydrate, die den Blutzuckerverlauf stabilisieren und Insulinspitzen reduzieren.
- Beeren und andere zuckerarme Obstsorten. Sie liefern Polyphenole mit antioxidativer Wirkung, ohne eine hohe glykämische Last zu verursachen.
- Nüsse und Samen (z. B. Walnüsse, Mandeln, Leinsamen, Chiasamen). Sie enthalten ungesättigte Fettsäuren und tragen zur Verbesserung des Fettsäuremusters bei.
- Olivenöl als Hauptfettquelle. Es ist reich an einfach ungesättigten Fettsäuren und Polyphenolen.
- Fettreicher Seefisch (z. B. Lachs, Makrele, Hering). Diese liefern Omega-3-Fettsäuren, die entzündungsmodulierende Effekte besitzen.
- Tee (grüner und schwarzer) ohne Milch und Zucker wirkte sich in einer Studie mildernd auf den Akneverlauf aus: ≥ 3 Gläser pro Woche senkten das Risiko für schwerere Akne um 39 % [6]
Nicht empfohlene bzw. einzuschränkende Lebensmittel
- Zuckerhaltige Getränke (Softdrinks, gesüßte Tees, Energydrinks, Fruchtsäfte in größeren Mengen). Flüssiger Zucker führt zu raschen und hohen Insulinreaktionen.
- Süßwaren und stark zuckerreiche Produkte (z. B. Süßigkeiten, Schokolade [8], Gebäck, Dessertprodukte)
- Weißmehlprodukte wie helle Brötchen, Croissants, Weißbrot oder stark raffinierte Pasta. Sie weisen meist eine hohe glykämische Last auf.
- Stark verarbeitete Snacks mit hoher Energiedichte und geringer Nährstoffdichte.
- Molkenprotein-Shakes (Whey-Protein), sofern eine individuelle Korrelation mit Akneschüben besteht. Sie können insulinotrope Effekte haben und IGF-1-Signalwege stimulieren.
Es handelt sich nicht um ein absolutes Verbot einzelner Lebensmittel. Entscheidend ist die Gesamternährung und die individuelle Reaktion.
Genussmittelkonsum
Tabak (Rauchen)
- Erhöht oxidativen Stress
- Kann entzündliche Hautprozesse verstärken
Praktische Tipps zur Umsetzung im Alltag
Eine erfolgreiche Ernährungstherapie steht und fällt mit der Umsetzbarkeit im Alltag. Kleine, konsequente Veränderungen sind meist wirksamer als radikale Diätversuche.
- Getränke als ersten Hebel nutzen
Zuckerhaltige Getränke sind häufig die größte „versteckte“ Zuckerquelle. Eine konsequente Umstellung auf Wasser, Mineralwasser oder ungesüßten Tee kann die glykämische Last deutlich senken – oft ohne dass das Sättigungsgefühl leidet. - Frühstück stabilisierend gestalten
Ein protein- und ballaststoffreiches Frühstück (z. B. Haferflocken mit Nüssen und Beeren oder Vollkornbrot mit Ei und Gemüse) sorgt für einen stabileren Blutzuckerverlauf und reduziert Heißhunger am Vormittag. - Süßigkeiten bewusst statt reflexhaft konsumieren
Komplettes Verbot führt häufig zur Gegenregulation. Sinnvoller ist eine geplante, kleine Portion zu definierten Zeitpunkten – nicht nebenbei oder als Stressreaktion. - Mahlzeiten vorbereiten (Meal-Planning)
Geplante Mahlzeiten reduzieren spontane, hochglykämische Snackentscheidungen. Ein einfacher Wochenplan mit 3-4 Standardgerichten erleichtert die Umsetzung erheblich. - Proteinshakes und Sporternährung prüfen
Molkenbasierte (Whey-)Shakes können bei empfindlichen Personen Akneschübe verstärken. Bei Verdacht testweise pausieren oder auf alternative Proteinquellen umstellen. - Gemüseanteil schrittweise erhöhen
Ziel ist etwa die Hälfte des Tellers als Gemüsekomponente. Eine langsame Steigerung verbessert die Verträglichkeit und fördert die langfristige Adhärenz. - Regelmäßige Essstruktur etablieren
Drei ausgewogene Hauptmahlzeiten mit ausreichend Protein und Ballaststoffen helfen, wiederholte Insulinspitzen durch häufiges Snacking zu vermeiden. - Hautverlauf systematisch dokumentieren
Wöchentliche kurze Notizen oder Fotos helfen, reale Veränderungen zu erkennen und subjektive Fehleinschätzungen zu vermeiden.
Ernährungsphysiologische Bewertung
Die empfohlene Ernährungsform entspricht weitgehend einer mediterranen, pflanzenbetonten Mischkost mit hoher Nährstoffdichte. Sie ist bei sachgerechter Umsetzung langfristig bedarfsdeckend und entspricht allgemeinen präventivmedizinischen Empfehlungen [3].
Es erfolgt keine drastische Kohlenhydratreduktion, sondern eine qualitative Verbesserung. Der Schwerpunkt liegt auf komplexen, ballaststoffreichen Kohlenhydratquellen wie Vollkornprodukten, Hülsenfrüchten und Gemüse. Durch diese Umstellung wird die glykämische Last gesenkt, ohne die Energiezufuhr unangemessen zu reduzieren. Eine moderate Kohlenhydratzufuhr unterstützt stabile Blutzuckerverläufe und vermeidet ausgeprägte Insulinspitzen, ohne in eine unnötig restriktive Diätform (z. B. Low-Carb-Extremformen) zu münden.
Eine ausreichende Proteinzufuhr ist insbesondere bei Jugendlichen im Wachstum relevant. Empfohlen werden etwa 1,0-1,2 g Protein pro kg Körpergewicht pro Tag. Die Proteinzufuhr sollte möglichst gleichmäßig über den Tag verteilt erfolgen. Bevorzugt werden unverarbeitete Proteinquellen wie Hülsenfrüchte, Fisch, Eier, mageres Fleisch oder – bei Verträglichkeit – fermentierte Milchprodukte.
Bei der Reduktion molkenbasierter Proteinshakes ist darauf zu achten, dass die Gesamtproteinversorgung gesichert bleibt.
Die Fettmenge ist weniger entscheidend als die Fettqualität. Ein höherer Anteil einfach ungesättigter Fettsäuren (z. B. aus Olivenöl) sowie Omega-3-Fettsäuren (z. B. aus fettreichem Seefisch, Walnüssen oder Leinsamen) wirkt metabolisch günstig und kann entzündungsmodulierende Effekte entfalten [3].
Extrem fettarme Diäten sind nicht erforderlich und können sogar ungünstig sein, da fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) eine gewisse Fettzufuhr zur Resorption benötigen.
Die Ballaststoffzufuhr sollte idealerweise ≥ 30 g/Tag betragen. Ballaststoffe stabilisieren den Blutzuckerverlauf, fördern die Darmgesundheit und unterstützen das Mikrobiom. Eine schrittweise Steigerung ist sinnvoll, um gastrointestinale Beschwerden zu vermeiden.
Bei einer deutlichen Reduktion oder Eliminierung von Milchprodukten muss auf eine ausreichende Calciumzufuhr geachtet werden. Alternativen sind calciumreiche Mineralwässer, angereicherte pflanzliche Produkte oder bestimmte Gemüsesorten. Auch Vitamin D sollte im Blick behalten werden, insbesondere in Regionen mit geringer Sonnenexposition.
Insgesamt ist das Konzept langfristig ausgewogen und mit allgemeinen Empfehlungen zur Prävention metabolischer Erkrankungen vereinbar. Entscheidend ist, dass keine übermäßigen Restriktionen erfolgen und die Ernährung individuell angepasst wird.
Medizinische Risiken und mögliche Komplikationen
Mögliche Risiken
- Calciumunterversorgung bei kompletter und nicht kompensierter Milch-Elimination
- Energieunterversorgung, insbesondere bei Jugendlichen im Wachstum
- Unausgewogene Makronährstoffverteilung bei extremen Diätformen
- Psychische Belastung durch starre Diätregeln oder Schwarz-Weiß-Denken
Gerade bei jungen Betroffenen sollte auf Anzeichen eines restriktiven Essverhaltens geachtet werden.
Interaktionen (Wechselwirkungen) mit medikamentöser Therapie
Bei einer Therapie mit Isotretinoin sind Leberwerte und Lipidprofile regelmäßig zu kontrollieren. Eine hohe Alkoholzufuhr oder stark fettreiche Ernährung können hier ungünstig wirken [1].
Kontraindikationen (Gegenanzeigen)
Absolute Kontraindikationen
- Aktive Essstörung
Relative Kontraindikationen
- Untergewicht
- Schwangerschaft
- Komplexe Komorbiditäten
Vorteile
- Geringes Nebenwirkungsrisiko
- Positive metabolische Nebeneffekte
- Unterstützt dermatologische Therapie
- Nachhaltig umsetzbar
Grenzen/Nachteile
- Meist moderater Effekt
- Nicht jede Person reagiert
- Kein Ersatz für leitliniengerechte Therapie
Wissenschaftliche Einordnung
Die Evidenz zum Einfluss der Ernährung auf Akne ist heute deutlich konsistenter als noch vor 15 Jahren. Am besten belegt ist die Assoziation zwischen hoher glykämischer Last und erhöhter Akneschwere [2]. Die zugrunde liegenden Mechanismen – Insulin-, IGF-1- und mTORC1-Aktivierung – sind biologisch plausibel.
Für Milchprodukte zeigen mehrere Analysen eine mögliche dosisabhängige Assoziation, insbesondere für fettarme Milch, allerdings mit heterogener Studienlage [2]. Eine generelle Eliminationsstrategie lässt sich daraus nicht ableiten, wohl aber eine individuelle Testung.
Eine mediterrane Ernährung ist in Metaanalysen mit geringerer Akneschwere assoziiert, wobei die Evidenz moderat ist und überwiegend auf Beobachtungsdaten basiert [3].
Probiotika zeigen in Metaanalysen potentiellen Nutzen bei entzündlichen Läsionen, jedoch bei begrenzter Studienqualität [4].
Zusammenfassend ist die Datenlage heute konsistent für einen modulierenden Effekt – am besten belegt für die glykämische Last, plausibel für Milch/Molke in Subgruppen, unterstützend für mediterrane Muster und explorativ für Probiotika und Vitamin D. Der Effekt ist typischerweise moderat, aber klinisch relevant, weil er langfristig und nebenwirkungsarm in den Alltag integrierbar ist [1-4].
Fazit
Ernährung kann eine Akne bei einem Teil der Betroffenen messbar beeinflussen. Entscheidend ist dabei die realistische Erwartung: Ernährung ist häufig ein sinnvoller Baustein, der den Verlauf stabilisieren kann.
Die stärksten und am besten begründeten Hebel sind die Reduktion hoch glykämischer Lebensmittel und zuckerhaltiger Getränke, der Aufbau eines mediterran orientierten, nährstoffdichten Ernährungsmusters und – bei Verdacht – eine individuelle, zeitlich begrenzte Prüfung von Milch- bzw. Molkeprodukten [2, 3].
Die Effekte sind in der Regel moderat, aber klinisch relevant als Ergänzung zur Standardtherapie. Medizinisch sinnvoll ist ein strukturierter Interventionsversuch über mindestens 8-12 Wochen, mit Monitoring anhand von Läsionsanzahl, Schubintensität und ggf. Fotodokumentation [1].
Ernährung ersetzt keine dermatologische Therapie – sie kann deren Wirkung jedoch unterstützen, Trigger reduzieren und die langfristige Hautgesundheit fördern. Besonders wertvoll ist sie, weil sie neben potentiellen Hautvorteilen meist auch metabolische und allgemein präventive Vorteile mit sich bringt, ohne hohe Risiken zu erzeugen, sofern keine übermäßigen Restriktionen erfolgen [1-3].
Literatur
- Reynolds RV, Yeung H, Cheng CE et al.: Guidelines of care for the management of acne vulgaris. J Am Acad Dermatol. 2024 May;90(5):1006.e1-1006.e30. doi: 10.1016/j.jaad.2023.12.017.
- Meixiong J, Ricco C, Vasavda C, Ho BK: Diet and acne: A systematic review. JAAD Int. 2022 Mar 29:7:95-112. doi: 10.1016/j.jdin.2022.02.012.
- Taha S, Shakhshir M, Zyoud SH: The Mediterranean diet and acne vulgaris: A systematic review and meta-analysis. Nutr Metab (Lond). 2025 Nov 5;22(1):132. doi: 10.1186/s12986-025-01033-9.
- Tjiu JW, Lu CF Oral Probiotics in Acne vulgaris: A Systematic Review and Meta-Analysis of Double-Blind Randomized Clinical Trials. Medicina (Kaunas). 2025 Dec 3;61(12):2152. doi: 10.3390/medicina61122152.
- Acharya P, Mathur M: Vitamin D deficiency in patients with acne vulgaris: A systematic review and meta-analysis. Australas J Dermatol. 2020 Feb;61(1):e146-e149. doi: 10.1111/ajd.13165.
- Roengritthidet K et al.: Association Between Diet and Acne Severity: A Cross-sectional Study in Thai Adolescents and Adults. Acta Derma Venereal 2021;101:adv00611; https://doi.org/10.2340/actadv.v101.569.
- Ru Dai et al.: The effect of milk consumption on acne: a meta‐analysis of observational studies. J Eur Acad Dermatol Venereol 2018 Aug 6. doi: 10.1111/jdv.15204.
- Wolkenstein P et al.: Acne prevalence and associations with lifestyle: a cross-sectional online survey of adolescents/young adults in 7 European countries. J Eur Acad Dermatol Venereol. 2018 Feb;32(2):298-306. doi: 10.1111/jdv.14475.