Renale Anämie – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine renale Anämie (Blutarmut bei Nierenerkrankung) mitbedingt sein können:

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Angina pectoris (Brustenge) – insbesondere bei vorbestehender koronarer Herzkrankheit (Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße) und ausgeprägter Anämie [1, 2]
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche) bzw. kardiale Dekompensation (Entgleisung der Herzfunktion) – insbesondere bei schwerer oder unbehandelter renaler Anämie und vorbestehender kardialer Erkrankung (Herzerkrankung) [1, 2]
  • Linksventrikuläre Hypertrophie (Verdickung der linken Herzkammer) – durch chronisch verminderten Sauerstofftransport, erhöhtes Herzzeitvolumen (Blutmenge, die das Herz pro Minute pumpt) und kardiale Remodeling-Prozesse (Umbauprozesse des Herzens) mitbedingt [1, 2]
  • Linksventrikuläre Dysfunktion (Funktionsstörung der linken Herzkammer) – insbesondere bei fortgeschrittener chronischer Nierenkrankheit (dauerhafter Nierenerkrankung) und zusätzlicher kardiovaskulärer Komorbidität (Herz-Kreislauf-Begleiterkrankung) [1, 2]
  • Tachykardie (Herzrasen) und Belastungsintoleranz (verminderte Belastbarkeit) – als hämodynamische Kompensationsreaktion (Ausgleichsreaktion des Blutkreislaufs) bei vermindertem Sauerstofftransport [3, 4]

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Konzentrationsstörungen – im Kontext von Fatigue (Erschöpfung), reduzierter körperlicher Leistungsfähigkeit und reduzierter gesundheitsbezogener Lebensqualität bei chronischer Nierenkrankheit mit Anämie [3, 4]
  • Kognitive Leistungsminderung (Minderung der geistigen Leistungsfähigkeit) – insbesondere bei ausgeprägter Anämie, fortgeschrittener chronischer Nierenkrankheit und hoher Symptomlast [3, 4]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Belastungsdyspnoe (Atemnot bei Belastung) – durch verminderten Sauerstofftransport bei klinisch relevanter Anämie [3, 4]
  • Blasse Haut/Schleimhäute – als klinisches Zeichen einer relevanten Anämie [3, 4]
  • Fatigue/Müdigkeit – häufiges und klinisch relevantes Symptom bei chronischer Nierenkrankheit mit Anämie [3, 4]
  • Leistungsminderung – insbesondere körperliche Belastungsintoleranz und reduzierte Alltagsaktivität [3, 4]
  • Schwächegefühl – anämieassoziiert durch verminderten Sauerstofftransport [3, 4]

Weiteres

  • Reduzierte gesundheitsbezogene Lebensqualität – insbesondere durch Fatigue, reduzierte körperliche Funktion und eingeschränkte Alltagsaktivität [3, 4]
  • Reduzierte Arbeitsproduktivität – bei chronischer Nierenkrankheit mit Anämie in multinationalen Real-World-Daten beschrieben [4]
  • Erhöhte Transfusionswahrscheinlichkeit (Wahrscheinlichkeit für Blutübertragungen) bei schwerer, symptomatischer oder therapieresistenter Anämie – klinisch relevant wegen Alloimmunisierung (Bildung von Abwehrstoffen gegen fremde Gewebemerkmale), Eisenüberladung und besonderer Bedeutung bei potentieller Nierentransplantation (Nierenverpflanzung)

Prognosefaktoren

  • Schweregrad der Anämie – niedrigere Hämoglobinwerte sind mit stärkerer Symptomlast, geringerer Belastbarkeit, reduzierter Lebensqualität und geringerer Arbeitsproduktivität assoziiert [3, 4]
  • Stadium der chronischen Nierenkrankheit – mit abnehmender Nierenfunktion nehmen Prävalenz (Häufigkeit) und Schwere der renalen Anämie zu
  • Eisenstatus – absoluter oder funktioneller Eisenmangel verschlechtert die Erythropoese (Bildung roter Blutkörperchen) und beeinflusst das therapeutische Ansprechen
  • Inflammation (Entzündung) – chronische Entzündung erhöht Hepcidin, fördert funktionellen Eisenmangel und kann eine Therapieresistenz (Nichtansprechen auf eine Behandlung) gegenüber erythropoesestimulierenden Agenzien (Wirkstoffen zur Anregung der Blutbildung) mitbedingen
  • Dialysepflicht (Notwendigkeit einer Blutwäsche) – Patienten unter Dialyse (Blutwäsche) weisen häufig eine höhere Anämielast und Symptomlast auf als Patienten mit früheren Stadien der chronischen Nierenkrankheit
  • Kardiovaskuläre Komorbidität – koronare Herzkrankheit, Herzinsuffizienz und linksventrikuläre Hypertrophie erhöhen die klinische Relevanz einer renalen Anämie [1, 2]
  • Therapieansprechen – Hyporesponsivität (vermindertes Ansprechen) gegenüber erythropoesestimulierenden Agenzien ist prognostisch ungünstig und erfordert die Suche nach korrigierbaren Ursachen wie Eisenmangel, Blutverlust, Entzündung, Infektion oder Hyperparathyreoidismus (Überfunktion der Nebenschilddrüsen)

Literatur

  1. Io H, Hamada C, Hirahara I, Tomino Y. Impact of anemia treatment for left ventricular hypertrophy in patients with chronic kidney disease and the association with hyporesponsiveness to erythropoiesis-stimulating agents. BMC Nephrol. 2023;24:117. https://doi.org/10.1186/s12882-023-03133-1
  2. Law JP, Pickup L, Pavlovic D, Townend JN, Ferro CJ. Hypertension and cardiomyopathy associated with chronic kidney disease: epidemiology, pathogenesis and treatment considerations. J Hum Hypertens. 2023;37:1-19. https://doi.org/10.1038/s41371-022-00751-4
  3. Mathias SD, Blum SI, Sikirica V, Johansen KL, Colwell HH, Okoro T. Symptoms and impacts in anemia of chronic kidney disease. J Patient Rep Outcomes. 2020;4:64. https://doi.org/10.1186/s41687-020-00215-8
  4. van Haalen H, Jackson J, Spinowitz B, Milligan G, Moon R. Impact of chronic kidney disease and anemia on health-related quality of life and work productivity: analysis of multinational real-world data. BMC Nephrol. 2020;21:88. https://doi.org/10.1186/s12882-020-01746-4

Leitlinien

  1. Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) Anemia Work Group. KDIGO 2026 Clinical Practice Guideline for the Management of Anemia in Chronic Kidney Disease (CKD). Kidney Int. 2026;109(1S):S1-S99. https://doi.org/10.1016/j.kint.2025.06.006
  2. UK Kidney Association. Clinical Practice Guidelines for Anaemia of Chronic Kidney Disease. Final version February 2025. https://www.ukkidney.org/sites/default/files/documents/FINAL%20VERSION%20-%20%20UKKA%20ANAEMIA%20OF%20CKD%20GUIDELINE%20-%20Feb2025_1.pdf