Wechseljahre des Mannes (Andropause) – Medizingerätediagnostik

Obligate Medizingerätediagnostik

Es gibt keine obligaten medizingerätediagnostischen Untersuchungen bei der sogenannten Andropause bzw. bei Verdacht auf einen Late-onset-Hypogonadismus (LOH). Die Diagnose des LOH beruht auf dem gemeinsamen Vorliegen spezifischer klinischer Symptome bzw. Zeichen eines Androgenmangels (Mangel an männlichen Geschlechtshormonen) und reproduzierbar erniedrigter morgendlicher Testosteronkonzentrationen. Eine Bildgebung ist nicht Bestandteil der Diagnosesicherung, sondern dient bei entsprechender klinischer Konstellation insbesondere dem Ausschluss einer organischen Ursache eines sekundären Hypogonadismus (Unterfunktion der Keimdrüsen infolge einer übergeordneten hormonellen Störung) bzw. der Erfassung relevanter Folgeerscheinungen [LL1, LL2].

Fakultative Medizingerätediagnostik – in Abhängigkeit von Anamnese, körperlicher Untersuchung und klinischer Verdachtsdiagnose – zur differentialdiagnostischen Abklärung

  • Magnetresonanztomographie (MRT) der Hypophysen-/Hypothalamusregion (Region von Hirnanhangsdrüse und übergeordneter Steuerungsregion im Gehirn) bei sekundärem Hypogonadismus und
    • erhöhter Prolaktinkonzentration,
    • klinischen Hinweisen auf eine hypophysäre Raumforderung (Gewebeneubildung im Bereich der Hirnanhangsdrüse), insbesondere Kopfschmerzen und/oder Sehstörungen, und/oder
    • Hinweisen auf weitere Ausfälle der Adenohypophyse (Drüsenanteil der Hirnanhangsdrüse) [LL1, LL2].
    Bei schwerem sekundärem Hypogonadismus mit Gesamt-Testosteron < 6 nmol/l soll eine Hypophysen-MRT auch ohne diese Begleitbefunde erwogen werden. Die EAU bewertet diese Empfehlung als schwach; auch die EAA empfiehlt bei Testosteronkonzentrationen < 6 nmol/l die Erwägung einer Hypophysen-/Hypothalamus-MRT [LL1, LL3].
  • Dual-Röntgen-Absorptiometrie (DXA; Knochendichtemessung) der Lendenwirbelsäule und des proximalen Femurs zur Erfassung einer verminderten Knochenmineraldichte bei erhöhtem Osteoporose- bzw. Frakturrisiko (Risiko für Knochenbrüche). Bei Patienten unter Testosterontherapie kann die DXA insbesondere bei ausgeprägtem Hypogonadismus zu Therapiebeginn sowie nach 18-24 Monaten erwogen werden [LL1].

Mögliche Befunde

  • Hypophysenadenom (gutartige Geschwulst der Hirnanhangsdrüse) bzw. andere selläre oder supraselläre Raumforderung Hinweis auf eine organische Ursache eines sekundären Hypogonadismus [LL1, LL3].
  • Andere strukturelle Veränderungen der Hypophysen-/Hypothalamusregion beispielsweise infiltrative (in Gewebe eindringende), entzündliche, posttraumatische (nach einer Verletzung entstandene), postoperative (nach einer Operation entstandene) oder postradiogene (nach einer Bestrahlung entstandene) Veränderungen als mögliche Ursache eines organischen sekundären Hypogonadismus [LL1].
  • Verminderte Knochenmineraldichte Osteopenie (verminderte Knochendichte) bzw. Osteoporose (Knochenschwund) als mögliche Folge eines Hypogonadismus; der DXA-Befund dient der Beurteilung des skelettalen Risikos [LL1].

Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle

  1. European Association of Urology (EAU): EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health. Chapter 3: Male Hypogonadism. 2026. https://uroweb.org/guidelines/sexual-and-reproductive-health/chapter/male-hypogonadism [LL1]
  2. Salonia A, Capogrosso P, Boeri L et al.: European Association of Urology Guidelines on Male Sexual and Reproductive Health: 2025 Update on Male Hypogonadism, Erectile Dysfunction, Premature Ejaculation, and Peyronie's Disease. Eur Urol. 2025;88(1):76-102. doi: 10.1016/j.eururo.2025.04.010 [LL2]
  3. Corona G, Goulis DG, Huhtaniemi I et al.: European Academy of Andrology (EAA) guidelines on investigation, treatment and monitoring of functional hypogonadism in males: Endorsing organization: European Society of Endocrinology. Andrology. 2020;8(5):970-987. doi: 10.1111/andr.12770 [LL3]