Fußdeformitäten – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Fußdeformitäten (Fehlstellungen der Füße) mitbedingt sein können:
Hohlfuß (Fuß mit übermäßig hohem Längsgewölbe) (Pes cavus, Pes excavatus; insbesondere Pes cavovarus)
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Chronische laterale Instabilität des oberen Sprunggelenks (anhaltende Instabilität an der Außenseite des oberen Sprunggelenks) – durch die cavovare Stellung mit vermehrter Beanspruchung der lateralen Bandstrukturen [1]
- Krallenzehendeformitäten (krallenartig gekrümmte Zehen) – insbesondere bei fortschreitendem bzw. neuromuskulär bedingtem Hohlfuß [1]
- Metatarsalgie (Schmerzen im Mittelfuß- bzw. Vorfußbereich) – infolge veränderter Druckverteilung und Überlastung des Vorfußes [1]
- Peronealsehnenpathologien (Erkrankungen der Sehnen an der Außenseite des Unterschenkels und Fußes) – Tendinopathie (Sehnenerkrankung), Längsriss bzw. Ruptur (Sehnenriss) durch chronische laterale mechanische Überlastung [1]
- Stressfraktur (Ermüdungsbruch) des fünften Mittelfußknochens bzw. weiterer lateral belasteter Mittelfußknochen – infolge der erhöhten lateralen Belastung [1]
- Varusarthrose des oberen Sprunggelenks (verschleißbedingte Gelenkerkrankung bei nach innen gekippter Gelenkstellung) – mögliche Spätfolge einer langjährig ausgeprägten cavovaren Fehlstellung [1]
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Chronische Fußschmerzen (anhaltende Schmerzen im Fuß) – insbesondere lateral bzw. metatarsal bei mechanischer Überlastung [1]
- Gangstörung (Störung des normalen Gehens) bzw. Hinken – bei ausgeprägter, rigider oder neuromuskulär bedingter Deformität [1]
Klumpfuß (angeborene komplexe Fehlstellung des Fußes) (Pes equinovarus, supinatus, excavatus et adductus)
Angeborene Fehlbildungen, Deformitäten und Chromosomenanomalien (Q00-Q99)
- Residualdeformität (verbleibende Fehlstellung) – persistierende Komponenten wie Equinus, Cavus, Vorfußadduktus oder dynamische Supination nach Primärkorrektur [2, 3]
- Rezidiv (Wiederauftreten) des Klumpfußes nach zunächst erfolgreicher Ponseti-Behandlung – wichtigste Langzeitkomplikation; eine aktuelle Metaanalyse ermittelte abhängig von der Analyseeinheit eine gepoolte Rezidivhäufigkeit von etwa 22-26 % [2]
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Anatomische Residualveränderungen (verbleibende Veränderungen des Fußaufbaus) des Fußes – auch nach erfolgreicher Primärbehandlung möglich [3]
- Degenerative Gelenkveränderungen (verschleißbedingte Gelenkveränderungen) – im Langzeitverlauf insbesondere bei residualer bzw. rezidivierender Deformität beschrieben [3]
- Persistierende bzw. rezidivierende Einschränkung der Beweglichkeit des Fußes und des oberen Sprunggelenks [3]
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Funktionseinschränkung (eingeschränkte Gebrauchsfähigkeit des Fußes) – insbesondere bei relevanter Residual- oder Rezidivdeformität [3]
- Gangstörung – insbesondere bei persistierenden oder rezidivierenden Komponenten der Fehlstellung [3]
Knickfuß bzw. kindlicher Knick-Senkfuß (Fußfehlstellung mit nach innen abgesenktem Längsgewölbe und nach außen gekippter Ferse) (Pes valgus, Pes planovalgus)
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Dekompensation (zunehmende Verschlechterung der Fehlstellung) mit zunehmender Rigidität (Versteifung) – insbesondere bei persistierendem Knick-Senkfuß oberhalb des zehnten Lebensjahres bzw. abhängig vom Reifegrad bereits früher [LL1]
- Kontrakte bzw. rigide Fußfehlstellung (dauerhaft versteifte Fußfehlstellung) – mögliche Progression eines persistierenden pathologischen Knick-Senkfußes [LL1]
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Belastungsabhängige Fußschmerzen (Fußschmerzen bei Belastung) – typische Lokalisationen sind der mediale Fußrand in Höhe von Taluskopf, Os naviculare bzw. Os cuneiforme mediale sowie lateral der Sinus tarsi; insgesamt entwickelt nur eine Minderheit der Kinder eine Schmerzsymptomatik [LL1]
- Frühe Ermüdbarkeit bzw. Einschränkung bei längeren Gehstrecken, Alltags- oder Sportbelastungen – bei symptomatischer bzw. funktionell relevanter Fehlstellung [LL1]
- Gangstörung – bei ausgeprägter, dekompensierter bzw. rigider Fehlstellung möglich [LL1]
Der flexible Knick-Senkfuß ohne neurologische oder syndromale Grunderkrankung ist bis zu einem Alter von etwa sechs Jahren nahezu ausschließlich physiologisch und stellt für sich keine krankhafte Fußdeformität mit regelhaften Folgeerkrankungen dar. Bis zum Alter von zehn Jahren entwickelt sich die mediale Fußlängswölbung weiter; bei etwa 4 % der Zehnjährigen persistiert oder progrediert die Fehlstellung [LL1].
Plattfuß (abgeflachtes Fußlängsgewölbe) bzw. erworbener Pes planovalgus – Progressive Collapsing Foot Deformity (PCFD)
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Fortschreitende dreidimensionale Fußdeformität (zunehmende Fehlstellung des Fußes in mehreren Ebenen) – mit unterschiedlicher Ausprägung von Rückfußvalgus, Mittel-/Vorfußabduktion und Varusfehlstellung des Vorfußes bzw. der medialen Säule [4]
- Peritalare Subluxation (Teilverrenkung im Bereich der Gelenke um das Sprungbein) – zunehmende Fehlstellung des Talus gegenüber den umgebenden Fußwurzelgelenken; sie ist ein wesentlicher struktureller Marker der pathologischen Progression [4, 5]
- Sinus-tarsi-Impingement (schmerzhafte Einklemmung im äußeren Rückfußbereich) – insbesondere im Zusammenhang mit zunehmender peritalarer Subluxation [4, 5]
- Subfibuläres Impingement (schmerzhafte Einklemmung unterhalb des Außenknöchels) – bei fortgeschrittener lateraler Verlagerung bzw. Rückfußvalgusstellung [4, 5]
- Progression (Fortschreiten) von einer flexiblen zu einer rigiden Deformität – entsprechend dem aktuellen PCFD-Klassifikationskonzept [4]
- Instabilität der medialen Fußsäule (Instabilität der inneren tragenden Fußstrukturen) – mit zunehmendem Kollaps bzw. Fehlstellung des medialen Längsgewölbes [4]
- Valgusinstabilität bzw. Valgusfehlstellung des oberen Sprunggelenks (Instabilität bzw. Fehlstellung des oberen Sprunggelenks nach außen) – Ausdruck einer fortgeschrittenen Beteiligung des Sprunggelenks [4]
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Chronische belastungsabhängige Fußschmerzen – insbesondere bei fortschreitender peritalarer Subluxation und lateralem Impingement [5]
- Zunehmende Einschränkung der Fußfunktion und Belastbarkeit bei symptomatischer Progression [4, 5]
Insbesondere die peritalare Subluxation unterscheidet den symptomatischen pathologischen Plattfuß von einem asymptomatischen flachen Fuß. In einer prospektiven kontrollierten Untersuchung war die peritalare Subluxation mit Sinus-tarsi-Impingement der stärkste strukturelle Prädiktor für das Vorliegen einer symptomatischen PCFD [5].
Senkfuß (abgesenktes Fußlängsgewölbe)
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Belastungsabhängige Fußschmerzen – bei symptomatischer Absenkung des medialen Längsgewölbes, insbesondere wenn diese Bestandteil eines Knick-Senkfußes bzw. Pes planovalgus ist [LL1]
- Frühe Ermüdbarkeit bzw. funktionelle Einschränkung bei Belastung – bei symptomatischer Fehlstellung [LL1]
Eine eigenständige kausale Zuordnung von Diskopathie (Erkrankung der Bandscheiben), Rückenschmerzen oder Fersensporn (knöcherner Auswuchs am Fersenbein) zum Senkfuß ist nicht hinreichend gesichert; diese Erkrankungen werden daher nicht als regelhafte Folgeerkrankungen aufgeführt.
Spitzfuß (Fußfehlstellung mit dauerhaft abgesenkter Ferse bzw. überwiegendem Zehenstand) (Pes equinus)
Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)
- Metatarsalgie bzw. Vorfußüberlastung (Überlastung des vorderen Fußbereichs) – durch die eingeschränkte Dorsalextension (Anheben des Fußes in Richtung Schienbein) im oberen Sprunggelenk und hierdurch veränderte Belastungsverteilung möglich [6]
Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)
- Gangstörung – infolge eingeschränkter Dorsalextension mit veränderter Abrollbewegung bzw. bei ausgeprägter Deformität mit fehlendem regelrechten Fersenkontakt [6]
Eine Lumbalskoliose (seitliche Verkrümmung der Lendenwirbelsäule) wird aufgrund fehlender hinreichender Evidenz nicht als regelhafte direkte Folge eines einseitigen Spitzfußes aufgeführt.
Prognosefaktoren
Hohlfuß (Pes cavus/Pes cavovarus)
- Neuromuskuläre Ätiologie (durch eine Erkrankung von Nerven und Muskeln bedingte Ursache) – insbesondere bei fortschreitender neuromuskulärer Grunderkrankung erhöhtes Risiko einer Progression der Deformität [1]
- Zunehmende Rigidität und ausgeprägter Rückfußvarus (nach innen gekippte Fersenstellung) – mit zunehmender mechanischer Überlastung sowie höherem Risiko für laterale Sprunggelenkinstabilität, Peronealsehnenpathologien, Stressfrakturen und degenerative Veränderungen verbunden [1]
Klumpfuß
- Fehlende bzw. unzureichende Adhärenz (mangelnde Einhaltung der Behandlung) zur Fußabduktionsorthese nach Ponseti-Korrektur – wichtigster modifizierbarer prognostischer Faktor für ein Rezidiv; in der aktuellen Metaanalyse mit deutlich erhöhter Rezidivwahrscheinlichkeit assoziiert [2]
- Höherer initialer Schweregrad der Deformität – mit erhöhtem Rezidivrisiko assoziiert, allerdings weniger konsistent als die mangelnde Orthesenadhärenz [2]
- Verzögerter Beginn der Ponseti-Behandlung – mit erhöhtem Rezidivrisiko assoziiert [2]
- Längere Nachbeobachtungsdauer – mit einer Akkumulation von Rezidiven im Verlauf verbunden; langfristige Verlaufskontrollen sind deshalb erforderlich [2, 3]
Kindlicher Knick-Senkfuß
- Persistenz (Fortbestehen) über das frühe Kindesalter hinaus – insbesondere oberhalb des zehnten Lebensjahres mit zunehmendem Risiko einer Dekompensation und Rigidität verbunden [LL1]
- Übergewicht im Kindesalter – Risikofaktor für die Persistenz des Knick-Senkfußes [LL1]
- Neurologische bzw. syndromale Grunderkrankung (Erkrankung des Nervensystems bzw. im Rahmen eines angeborenen Krankheitsbildes) – Abgrenzung vom physiologischen flexiblen Knick-Senkfuß erforderlich und mit einer ungünstigeren strukturellen bzw. funktionellen Entwicklung verbunden [LL1]
Progressive Collapsing Foot Deformity (PCFD)
- Peritalare Subluxation – zentraler struktureller Faktor der symptomatischen Progression vom asymptomatischen flachen Fuß zur PCFD [5]
- Sinus-tarsi- bzw. subfibuläres Impingement – Zeichen einer fortgeschritteneren peritalaren Fehlstellung [4, 5]
- Übergang zur rigiden Deformität – kennzeichnet ein fortgeschrittenes Stadium und begrenzt die gelenkerhaltenden Korrekturmöglichkeiten [4]
- Beteiligung des oberen Sprunggelenks mit Valgusinstabilität – Ausdruck einer fortgeschrittenen Deformität [4]
Literatur
- Qin B, Wu S, Zhang H: Evaluation and Management of Cavus Foot in Adults: A Narrative Review. J Clin Med. 2022;11(13):3679. doi: 10.3390/jcm11133679.
- Ogutu V, Jacob EE, Vahwere BM et al.: Global prevalence, patterns, and predictors of relapse following Ponseti treatment for idiopathic clubfoot: a systematic review and meta-analysis. BMC Musculoskelet Disord. 2026;27:636. doi: 10.1186/s12891-026-10017-6.
- Rastogi A, Agarwal A: Long-term outcomes of the Ponseti method for treatment of clubfoot: a systematic review. Int Orthop. 2021;45(10):2599-2608. doi: 10.1007/s00264-021-05189-w.
- Myerson MS, Thordarson DB, Johnson JE et al.: Classification and Nomenclature: Progressive Collapsing Foot Deformity. Foot Ankle Int. 2020;41(10):1271-1276. doi: 10.1177/1071100720950722.
- de Cesar Netto C, Barbachan Mansur NS, Talaski G et al.: From Asymptomatic Flatfoot to Progressive Collapsing Foot Deformity: Peritalar Subluxation Is the Main Driver of Symptoms. J Bone Joint Surg Am. 2025;107(18):2060-2068. doi: 10.2106/JBJS.24.01619.
- Charles J, Scutter SD, Buckley J: Static ankle joint equinus: toward a standard definition and diagnosis. J Am Podiatr Med Assoc. 2010;100(3):195-203. doi: 10.7547/1000195.
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- S2k-Leitlinie: Kindlicher Knick-Senkfuß. (Registernummer 187-053) Juni 2022 Langfassung [LL1].