Latexallergie – Folgeerkrankungen
Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Latexallergie (Allergie gegen Naturkautschuklatex) mitbedingt sein können:
Atmungssystem (J00-J99)
- Allergische Rhinitis (allergischer Schnupfen) – inhalativ freigesetzte Naturkautschuklatexproteine können insbesondere bei beruflicher Exposition eine allergische Rhinitis auslösen; häufig besteht eine Rhinokonjunktivitis (allergische Entzündung von Nase und Bindehaut) [1, 3].
- Asthma bronchiale (Asthma), insbesondere berufsbedingtes allergisches Asthma (arbeitsbedingtes allergisches Asthma) – inhalative Exposition gegenüber aerosolisierten Latexallergenen kann bei sensibilisierten Personen Asthmasymptome bzw. ein Berufsasthma hervorrufen [1, 3].
Augen und Augenanhangsgebilde (H00-H59)
- Allergische Konjunktivitis (allergische Bindehautentzündung) – aerogen exponierte Latexallergene können Tränenfluss, Juckreiz und konjunktivale Beschwerden verursachen, häufig zusammen mit einer allergischen Rhinitis [1].
Haut und Unterhaut (L00-L99)
- Kontakturtikaria (Kontakt-Nesselsucht) – häufigste frühe Manifestation der IgE-vermittelten Naturkautschuklatexallergie; sie kann schwereren allergischen Reaktionen vorausgehen [1].
Abgrenzung: Irritatives Kontaktekzem (reizbedingtes Kontaktekzem) sowie allergisches Kontaktekzem (allergisch bedingtes Kontaktekzem) gegen Vulkanisationsbeschleuniger bzw. andere Gummizusatzstoffe sind nicht Folge der IgE-vermittelten Allergie gegen Naturkautschuklatexproteine und werden daher hier nicht als Folgeerkrankungen eingeordnet [1].
Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)
- Angioödem (tiefe Haut- und Schleimhautschwellung) – kann im Rahmen einer IgE-vermittelten Sofortreaktion auf Naturkautschuklatex auftreten und Bestandteil einer systemischen allergischen Reaktion sein [1].
- Anaphylaxie (schwere allergische Sofortreaktion) bis zum anaphylaktischen Schock (allergischer Kreislaufschock) – potenziell lebensbedrohliche systemische Sofortreaktion; ein besonderes Risiko besteht bei Schleimhautkontakt bzw. direkter Exposition im Rahmen operativer, geburtshilflicher, gynäkologischer, zahnärztlicher oder anderer medizinischer Eingriffe [1].
- Latex-Frucht-Syndrom (Kreuzallergie zwischen Latex und bestimmten pflanzlichen Lebensmitteln) – IgE-Kreuzreaktionen zwischen Latexallergenen und strukturell verwandten pflanzlichen Nahrungsmittelallergenen können klinische Reaktionen von lokalen oralen Beschwerden und Urtikaria (Nesselsucht)/Angioödem bis zu systemischen Reaktionen einschließlich Anaphylaxie verursachen; besonders häufig beschrieben sind Banane, Avocado, Kiwi und Papaya, zudem ist unter anderem Esskastanie als relevantes Kreuzallergen bekannt [1, 2].
Prognosefaktoren
- Konsequente Latexkarenz (konsequente Meidung von Latex) – zentraler prognostisch günstiger Faktor; erfolgreiche Vermeidung von Naturkautschuklatex am Arbeitsplatz ist mit geringerer Symptomlast und besserer Arbeitsfähigkeit assoziiert [1, 4].
- Unvollständige berufliche Latexkarenz – ist mit einem erhöhten Risiko persistierender latexbezogener Beschwerden assoziiert; in einer Kohortenuntersuchung betrug die adjustierte Odds Ratio für fortbestehende Symptome bei unvollständiger Vermeidung am Arbeitsplatz 3,8 [4].
- Reduktion der Allergenbelastung durch puderfreie Naturkautschuklatexhandschuhe bzw. latexfreie Arbeitsbedingungen – ist mit einer deutlichen Abnahme der Exposition und latexbezogener Beschwerden verbunden [1, 3, 4].
- Latexinduziertes Berufsasthma – sowohl eine Beendigung der beruflichen Latexexposition als auch eine substanzielle Expositionsreduktion können zu einer klinischen Besserung führen; eine pauschale prognostische Überlegenheit der vollständigen Expositionsbeendigung gegenüber einer wirksamen Expositionsreduktion ist durch die latexspezifischen Daten nicht belegt [5].
- Schwere vorausgegangene latexbezogene Beschwerden – eine hohe historische Symptomintensität ist mit einem erhöhten Risiko fortbestehender Beschwerden assoziiert [4].
- Schleimhaut- bzw. intraoperative Reexposition – ermöglicht eine besonders intensive Allergenexposition und ist bei sensibilisierten Personen mit dem Risiko schwerer systemischer Sofortreaktionen verbunden [1].
Literatur
- Parisi CAS, Kelly KJ, Ansotegui IJ et al.: Update on latex allergy: New insights into an old problem. World Allergy Organ J. 2021;14(8):100569. doi:10.1016/j.waojou.2021.100569.
- Gromek W, Kołdej N, Świtała S et al.: Revisiting Latex-Fruit Syndrome after 30 Years of Research: A Comprehensive Literature Review and Description of Two Cases. J Clin Med. 2024;13(14):4222. doi:10.3390/jcm13144222.
- Bousquet J, Flahault A, Vandenplas O et al.: Natural rubber latex allergy among health care workers: a systematic review of the evidence. J Allergy Clin Immunol. 2006;118(2):447-454. doi:10.1016/j.jaci.2006.03.048.
- Nienhaus A, Kromark K, Raulf-Heimsoth M et al.: Outcome of Occupational Latex Allergy—Work Ability and Quality of Life. PLoS One. 2008;3(10):e3459. doi:10.1371/journal.pone.0003459.
- Vandenplas O, Jamart J, Delwiche JP et al.: Occupational asthma caused by natural rubber latex: outcome according to cessation or reduction of exposure. J Allergy Clin Immunol. 2002;109(1):125-130. doi:10.1067/mai.2002.120760.
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- World Allergy Organization: Latex Allergy Diagnosis and Management. Aktualisiert Januar 2022. Volltext. [LL1]
- Muraro A, Worm M, Alviani C et al.: EAACI guideline: Anaphylaxis (2021 update). Allergy. 2022;77(2):357-377. Leitlinienseite. doi:10.1111/all.15032. [LL2]
- S2k-Leitlinie: Akuttherapie und Management der Anaphylaxie. (AWMF-Registernummer 061-025) Januar 2021; Gültigkeit bis 30. Januar 2026, Version 01/2026 derzeit in Überarbeitung. Langfassung der zuletzt publizierten Version. [LL3]