Heuschnupfen (Allergische Rhinitis) – Medikamentöse Therapie
Therapieziele
- Kontrolle der nasalen und ggf. okulären (die Augen betreffenden) Symptomatik sowie Verbesserung von Schlaf, Lebensqualität und Leistungsfähigkeit
- Wiederherstellung einer möglichst freien Nasenatmung und Reduktion der allergeninduzierten (durch Allergene ausgelösten) Schleimhautentzündung
- Vermeidung einer unnötigen oder nebenwirkungsreichen Pharmakotherapie durch eine an Symptomschwere und Therapiekontrolle angepasste Behandlung
- Krankheitsmodifizierende Therapie durch eine Allergen-Immuntherapie (AIT) bei entsprechender Indikation; eine generelle Empfehlung der AIT allein zur Prävention eines späteren Asthma bronchiale (Asthma) ist aufgrund der derzeit begrenzten Evidenz nicht möglich [LL3]
Therapieempfehlungen
Allergenexpositionsreduktion
- Gezielte Reduktion der Exposition gegenüber klinisch relevanten Allergenen, soweit dies praktikabel und für das jeweilige Allergen sinnvoll ist; eine vollständige Allergenkarenz ist bei vielen Inhalationsallergenen nicht realistisch [LL3, LL5].
Grundsätze der symptomatischen Pharmakotherapie
- Die Auswahl der Therapie richtet sich nach Symptomschwere, Dauer, dominierenden Beschwerden, Begleiterkrankungen, Patientenpräferenz und bisherigem Therapieansprechen [LL1, LL2].
- Intranasale Therapien sind zur Kontrolle der nasalen Symptome insgesamt wirksamer als orale Therapien; insbesondere sind intranasale Glucocorticoide den oralen H1-Antihistaminika hinsichtlich der nasalen Gesamtsymptomatik überlegen [1, LL1, LL2].
- Intranasale Glucocorticoide sind die bevorzugte Monotherapie bei persistierender bzw. stärker ausgeprägter allergischer Rhinitis (allergischer Nasenschleimhautentzündung) [1, 2, LL1, LL4].
- H1-Antihistaminika der 2. Generation sind gegenüber H1-Antihistaminika der 1. Generation zu bevorzugen; bei der Wirkstoffauswahl sind insbesondere Wirksamkeit, sedierendes Potenzial, Wirkungseintritt, Begleiterkrankungen und Patientenpräferenz zu berücksichtigen [LL2, LL5].
Stufe I – Leichte bzw. intermittierende Symptomatik
- H1-Antihistaminikum der 2. Generation oral, insbesondere bei Niesen, Juckreiz, Rhinorrhoe (laufender Nase) und begleitenden okulären Beschwerden [LL2]
- Alternativ intranasales H1-Antihistaminikum, insbesondere wenn ein schneller lokaler Wirkungseintritt gewünscht ist [1, LL1].
- Intranasales Glucocorticoid kann auch initial eingesetzt werden, insbesondere wenn die nasale Obstruktion (verstopfte Nase) stärker ausgeprägt ist oder eine umfassendere nasale Symptomkontrolle erforderlich ist [1, 2, LL1].
Stufe II – Mäßige bis schwere bzw. persistierende Symptomatik
- Intranasales Glucocorticoid als bevorzugte Monotherapie [1, 2, LL1, LL4]
- Bei voraussichtlich unzureichender Wirksamkeit einer Monotherapie oder unzureichender Symptomkontrolle: fixe intranasale Kombination aus H1-Antihistaminikum und Glucocorticoid, insbesondere Azelastin/Fluticasonpropionat [LL1].
- Die fixe intranasale Kombination ist wirksamer als die jeweiligen intranasalen Monotherapien und weist einen raschen Wirkungseintritt auf; sie ist insbesondere bei höherer Symptomlast eine geeignete Eskalationsoption [LL1].
- Vor einer Therapieeskalation sind regelmäßige Anwendung, korrekte Applikation und die bisherige Therapietreue zu überprüfen [12, 13].
Dominierende Rhinorrhoe
- Intranasales Ipratropiumbromid kann bei vorherrschender ausgeprägter wässriger Rhinorrhoe, insbesondere bei perennialer (ganzjähriger) allergischer Rhinitis, zusätzlich eingesetzt werden, sofern ein entsprechendes intranasales Präparat verfügbar bzw. zugelassen ist [LL4, LL5].
- Die Wirkung betrifft vor allem die Rhinorrhoe; eine klinisch relevante Wirkung auf nasale Obstruktion oder Niesen ist nicht zu erwarten [LL4].
Cromoglicinsäure
- Intranasale Cromoglicinsäure kann als alternative bzw. prophylaktische Therapieoption eingesetzt werden, insbesondere unmittelbar vor einer vorhersehbaren episodischen Allergenexposition [LL4, LL5].
- Die Wirksamkeit ist geringer als die intranasaler Glucocorticoide; die Evidenz für die prophylaktische episodische Anwendung ist insgesamt begrenzt [LL4, LL5].
Begleitende okuläre Symptomatik
- H1-Antihistaminika der 2. Generation oral können nasale und okuläre Symptome gleichzeitig lindern [LL2].
- Bei dominierender okulärer Symptomatik und gewünschtem besonders raschem lokalem Wirkungseintritt können antiallergische Augentropfen eingesetzt werden; bei lokaler Therapie werden okuläre H1-Antihistaminika gegenüber reinen Mastzellstabilisatoren bevorzugt [LL2].
Dekongestiva/Sympathomimetika
- Intranasale Dekongestiva wie Xylometazolin oder Oxymetazolin sind keine reguläre Dauertherapie der allergischen Rhinitis [LL1].
- Falls bei ausgeprägter nasaler Obstruktion ausnahmsweise erforderlich, Anwendung höchstens 5 Tage und möglichst kürzer; bei längerer Anwendung besteht insbesondere das Risiko einer Rhinitis medicamentosa (durch abschwellende Nasenmittel verursachten chronischen Nasenschwellung) [LL1].
- Die ARIA-EAACI-Leitlinie empfiehlt, intranasale Dekongestiva bei Kindern unter 12 Jahren, in der Schwangerschaft und bei älteren Patienten zu vermeiden; zusätzlich sind stets die alters-, konzentrations- und präparatespezifischen Zulassungen bzw. Fachinformationen zu beachten [LL1].
- Orale Dekongestiva wie Pseudoephedrin sollen nicht regelhaft eingesetzt werden [LL2].
- Pseudoephedrin ist bei schwerer oder unkontrollierter Hypertonie (Bluthochdruck) sowie bei schwerer akuter oder chronischer Nierenerkrankung bzw. Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) kontraindiziert. Sehr selten wurden ein posteriores reversibles Enzephalopathiesyndrom (vorübergehende Erkrankung des Gehirns mit typischen neurologischen Beschwerden) (PRES) und ein reversibles zerebrales Vasokonstriktionssyndrom (vorübergehende Verengung von Blutgefäßen im Gehirn) (RCVS) berichtet [6].
Systemische Glucocorticoide
- Systemische Glucocorticoide sind keine Routinetherapie der allergischen Rhinitis [LL4, LL5].
- Bei sehr schwerer bzw. anderweitig nicht kontrollierbarer Symptomatik kann in begründeten Ausnahmefällen nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung ein kurzer oraler Therapiekurs von etwa 5-7 Tagen erwogen werden; es ist die niedrigste wirksame Dosis für die kürzest mögliche Dauer anzustreben [LL4].
- Intramuskuläre Depot-Glucocorticoide sollen aufgrund des Risikos lokaler und systemischer Nebenwirkungen nicht zur Behandlung der allergischen Rhinitis eingesetzt werden [LL4, LL5].
Leukotrien-Rezeptorantagonisten
- Montelukast ist keine bevorzugte Therapie der isolierten allergischen Rhinitis. Orale H1-Antihistaminika der 2. Generation werden gegenüber Leukotrien-Rezeptorantagonisten bevorzugt; ARIA-EAACI spricht sich gegen deren routinemäßige Anwendung bei allergischer Rhinitis aus [LL2].
- Nach deutscher Fachinformation können bei Patienten ab 15 Jahren, bei denen Montelukast aufgrund eines Asthma bronchiale indiziert ist, mit Montelukast 10 mg zusätzlich Symptome einer saisonalen allergischen Rhinitis gelindert werden [14].
- Neuropsychiatrische Nebenwirkungen (Nebenwirkungen auf Psyche und Nervensystem) einschließlich Schlafstörungen, Verhaltens- und Stimmungsveränderungen, Depression, Agitiertheit sowie sehr selten suizidaler Gedanken bzw. suizidalen Verhaltens sind zu beachten [5, 14].
Allergen-Immuntherapie (AIT)
- Die Allergen-Immuntherapie (AIT; früher auch spezifische Immuntherapie (SIT) bzw. Hyposensibilisierung) ist die krankheitsmodifizierende Therapie der IgE-vermittelten allergischen Rhinitis/Rhinokonjunktivitis (allergischen Entzündung von Nase und Augenbindehaut) [LL3].
- Voraussetzungen für eine AIT sind insbesondere [LL3]:
- allergenbezogene klinische Symptomatik und korrespondierende klinisch relevante IgE-vermittelte Sensibilisierung (allergische Bereitschaft),
- in der Regel mäßige bis schwere intermittierende oder persistierende allergische Rhinitis/Rhinokonjunktivitis,
- Symptome trotz adäquater symptomatischer Pharmakotherapie und/oder nicht ausreichend möglicher Allergenexpositionsreduktion sowie
- Nachweis einer ausreichenden Wirksamkeit des vorgesehenen AIT-Präparates für das betreffende Allergen, die Indikation und die Altersgruppe.
- Eine asymptomatische Sensibilisierung allein ist keine Indikation zur AIT [LL3].
- Auch bei leichterer Symptomatik kann eine AIT im Einzelfall wegen ihres krankheitsmodifizierenden Potenzials erwogen werden, sofern eine klinisch relevante Sensibilisierung und eine entsprechende produktspezifische Evidenz vorliegen [LL3].
- Die AIT kann als subkutane Allergen-Immuntherapie (SCIT) oder sublinguale Allergen-Immuntherapie (SLIT) durchgeführt werden; Auswahl und Durchführung erfolgen allergen-, präparate- und patientenspezifisch [LL3].
- Als Therapiedauer werden in der Regel mindestens 3 Jahre angestrebt [LL3].
- Die Daten zu einem generell asthma-präventiven Effekt der AIT bei allergischer Rhinokonjunktivitis sind begrenzt; eine allgemeine Empfehlung allein mit dem Ziel der Asthmaprävention ist derzeit nicht möglich [LL3].
Wirkstoffe (Hauptindikation) – Akute und chronische Therapie
Systemische H1-Antihistaminika der 2. Generation
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Cetirizin | Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion; bei Nierenerkrankung im Endstadium mit geschätzter glomerulärer Filtrationsrate (eGFR) < 15 ml/min kontraindiziert; Somnolenz (Schläfrigkeit) möglich [7] |
| Desloratadin | Bei schwerer Niereninsuffizienz mit Vorsicht anwenden; im Regelfall geringes sedierendes Potenzial [8] |
| Fexofenadin | Aluminium- oder magnesiumhaltige Antazida mit zeitlichem Abstand von etwa 2 Stunden einnehmen; bei bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung Vorsicht [9] |
| Levocetirizin | Dosisintervall bei eingeschränkter Nierenfunktion anpassen; bei Nierenerkrankung im Endstadium mit eGFR < 15 ml/min und Dialysepflicht kontraindiziert; Somnolenz möglich [10] |
- Wirkweise: Blockade peripherer H1-Rezeptoren
- Hauptwirkungen: Reduktion von Niesen, Juckreiz, Rhinorrhoe und okulären allergischen Beschwerden; auf eine ausgeprägte nasale Obstruktion wirken sie weniger zuverlässig als intranasale Glucocorticoide [1, LL2].
- H1-Antihistaminika der 1. Generation sollen aufgrund ihrer sedierenden und anticholinergen Wirkungen nicht routinemäßig zur Behandlung der allergischen Rhinitis eingesetzt werden [LL2, LL5].
Intranasale H1-Antihistaminika
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Azelastin | Schneller Wirkungseintritt; bitterer Geschmack insbesondere bei fehlerhafter Applikation möglich [11] |
- Wirkweise: lokale Blockade von H1-Rezeptoren
- Indikation: symptomatische Therapie der allergischen Rhinitis; intranasale H1-Antihistaminika sind wirksam und insbesondere bei gewünschtem schnellen Wirkungseintritt geeignet [1, LL1].
Intranasale Glucocorticoide
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Mometasonfuroat | Regelmäßige Anwendung erforderlich; bei einzelnen Patienten klinisch relevante Wirkung innerhalb von 12 Stunden, voller therapeutischer Nutzen ggf. erst innerhalb von 48 Stunden [12] |
- Weitere etablierte intranasale Glucocorticoide: insbesondere Fluticasonpropionat, Fluticasonfuroat, Budesonid und Beclometason; Präparatezulassung und Dosierung sind alters- und produktspezifisch zu beachten [LL1].
- ARIA-EAACI spricht hinsichtlich der relativen Wirksamkeit eine bedingte Präferenz für Fluticasonfuroat bzw. Fluticasonpropionat gegenüber anderen intranasalen Glucocorticoiden aus; die Evidenzsicherheit hierfür ist niedrig bzw. sehr niedrig [LL1].
- Wirkweise: lokal antiphlogistisch und antiallergisch
- Hauptwirkungen: Reduktion von nasaler Obstruktion, Rhinorrhoe, Niesen und Juckreiz [1, 2, LL1].
- Nebenwirkungen: insbesondere Epistaxis (Nasenbluten), lokale Reizung, Trockenheit und Brennen der Nasenschleimhaut; systemische Glucocorticoidwirkungen sind bei zugelassenen intranasalen Dosierungen wesentlich seltener als bei systemischer Therapie [12].
- Bei mäßiger bis schwerer saisonaler allergischer Rhinitis kann die Behandlung mit Mometasonfuroat entsprechend Fachinformation einige Tage vor dem voraussichtlichen Beginn der Pollensaison begonnen werden [12].
- Eine kleine ältere Studie bei Patienten mit perennialer Rhinitis und Hyposmie (vermindertem Geruchssinn) zeigte unter intranasaler Glucocorticoidtherapie eine Verbesserung der Riechfunktion [3].
- Eine Metaanalyse randomisierter kontrollierter Studien ergab bei Erwachsenen unter intranasaler Glucocorticoidtherapie keine signifikante Zunahme eines erhöhten Augeninnendrucks oder posteriorer subkapsulärer Katarakte (Grauer Star); innerhalb eines Jahres wurden keine Glaukomfälle (Grüner Star) beobachtet [4].
Fixe Kombination aus intranasalem H1-Antihistaminikum und intranasalem Glucocorticoid
| Wirkstoffe | Besonderheiten |
| Azelastinhydrochlorid/Fluticasonpropionat 137 µg/50 µg pro Sprühstoß | Bei mittelschwerer bis schwerer saisonaler oder perennialer allergischer Rhinitis, wenn eine Monotherapie mit einem intranasalen H1-Antihistaminikum oder Glucocorticoid nicht als ausreichend erachtet wird [13] |
- Die fixe intranasale Kombination wird bei voraussichtlich unzureichender Monotherapie bzw. höherer Symptomlast gegenüber einer intranasalen Monotherapie bevorzugt [LL1].
- Regelmäßige Anwendung ist für den vollständigen therapeutischen Nutzen erforderlich [13].
Sympathomimetika/Dekongestiva
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Oxymetazolin | Nur kurzfristige intranasale Anwendung; höchstens 5 Tage und möglichst kürzer [LL1] |
| Xylometazolin | Nur kurzfristige intranasale Anwendung; höchstens 5 Tage und möglichst kürzer [LL1] |
| Pseudoephedrin | Keine regelhafte Therapie der allergischen Rhinitis; relevante kardiovaskuläre (Herz und Kreislauf betreffende), renale (die Nieren betreffende) und seltene zerebrovaskuläre (die Blutgefäße des Gehirns betreffende) Risiken beachten [6, LL2] |
- Wirkweise: Vasokonstriktion (Verengung der Blutgefäße) → Abschwellen der Nasenschleimhaut
- Nebenwirkungen intranasaler Dekongestiva: Trockenheit, Brennen und Reizung der Nasenschleimhaut sowie bei längerer Anwendung Tachyphylaxie (rasch nachlassende Wirkung) und Rhinitis medicamentosa [LL1].
- Nebenwirkungen systemischer Sympathomimetika: u. a. Palpitationen (Herzklopfen), Tachykardie (beschleunigter Herzschlag), Blutdruckanstieg, Schlaflosigkeit, Unruhe und Kopfschmerzen; für Pseudoephedrin sind zusätzliche regulatorische Sicherheitsmaßnahmen zu beachten [6].
Leukotrien-Rezeptorantagonisten
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Montelukast | Kann bei Patienten, bei denen Montelukast wegen Asthma bronchiale indiziert ist, zusätzlich Symptome einer saisonalen allergischen Rhinitis lindern; keine bevorzugte Behandlung einer isolierten allergischen Rhinitis [14, LL2] |
- Wirkweise: Antagonismus am Cysteinyl-Leukotrien-Rezeptor
- Nebenwirkungen: u. a. Kopfschmerzen und gastrointestinale (den Magen-Darm-Trakt betreffende) Beschwerden; klinisch relevante neuropsychiatrische Nebenwirkungen sind möglich [5, 14].
Cromoglicinsäure
| Wirkstoff | Besonderheiten |
| Cromoglicinsäure | Vorwiegend prophylaktische bzw. alternative Therapie; insbesondere vor vorhersehbarer episodischer Allergenexposition möglich [LL4, LL5] |
- Wirkweise: Mastzellstabilisierung
- Nebenwirkungen: insbesondere lokale Reizung, Niesen und Brennen der Nasenschleimhaut
- Günstiges Sicherheitsprofil, jedoch insgesamt geringere Wirksamkeit als intranasale Glucocorticoide [LL4, LL5].
Beachte
- Intranasale Glucocorticoide sind bei persistierender oder stärkerer allergischer Rhinitis die zentrale pharmakotherapeutische Monotherapie [1, 2, LL1, LL4].
- Bei höherer Symptomlast bzw. unzureichender Monotherapie ist die fixe intranasale Kombination aus H1-Antihistaminikum und Glucocorticoid eine bevorzugte Eskalationsoption [LL1].
- Montelukast ist bei isolierter allergischer Rhinitis keine bevorzugte Therapie; mögliche neuropsychiatrische Nebenwirkungen sind zu berücksichtigen [5, 14, LL2].
- Intranasale Dekongestiva nur höchstens 5 Tage und möglichst kürzer anwenden [LL1].
- Intramuskuläre Depot-Glucocorticoide sollen bei allergischer Rhinitis nicht eingesetzt werden [LL4, LL5].
- Eine nachgewiesene Sensibilisierung ohne korrespondierende klinische Symptomatik ist keine Indikation zur Allergen-Immuntherapie [LL3].
Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)
Geeignete Nahrungsergänzungsmittel für den Säure-Basen-Haushalt sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:
- Vitamine (A, C, D, E, B1)
- Mineralstoffe (Calcium, Kalium, Magnesium)
- Fettsäuren (Omega-3-Fettsäuren: Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA))
- Weitere Vitalstoffe (Curcumin, Fruchtsäuren – Citrat (gebunden in Magnesium-, Kalium- und Calciumcitrat), probiotische Kulturen: Laktobazillen, Bifidobakterien)
Bei Vorliegen einer Insomnie (Schlafstörung) infolge einer allergischen Rhinitis s. u. Insomnie/Medikamentöse Therapie/Supplemente.
Beachte: Die aufgeführten Vitalstoffe sind kein Ersatz für eine medikamentöse Therapie. Nahrungsergänzungsmittel sind dazu bestimmt, die allgemeine Ernährung in der jeweiligen Lebenssituation zu ergänzen.
Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.
Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.
Literatur
- Torres MI, Gil-Mata S, Bognanni A et al.: Intranasal Versus Oral Treatments for Allergic Rhinitis: A Systematic Review With Meta-Analysis. J Allergy Clin Immunol Pract. 2024;12(12):3404-3418. doi: 10.1016/j.jaip.2024.09.001
- Sousa-Pinto B, Vieira RJ, Brozek J et al.: Intranasal antihistamines and corticosteroids in allergic rhinitis: A systematic review and meta-analysis. J Allergy Clin Immunol. 2024;154(2):340-354. doi: 10.1016/j.jaci.2024.04.016
- Golding-Wood DG, Holmstrom M, Darby Y, Scadding GK, Lund VJ: The treatment of hyposmia with intranasal steroids. J Laryngol Otol. 1996;110(2):132-135. doi: 10.1017/S0022215100132967
- Valenzuela CV, Liu JC, Vila PM, Simon L, Doering M, Lieu JEC: Intranasal Corticosteroids Do Not Lead to Ocular Changes: A Systematic Review and Meta-analysis. Laryngoscope. 2019;129(1):6-12. doi: 10.1002/lary.27209
- U.S. Food and Drug Administration (FDA): FDA requires Boxed Warning about serious mental health side effects for asthma and allergy drug montelukast (Singulair); advises restricting use for allergic rhinitis. 4. März 2020. FDA Drug Safety Communication
- European Medicines Agency (EMA): EMA confirms measures to minimise the risk of serious side effects with medicines containing pseudoephedrine. 2024. EMA
Leitlinien, Referenzwerte und Protokolle
- Sousa-Pinto B, Bousquet J, Vieira RJ et al.: Allergic Rhinitis and Its Impact on Asthma (ARIA)-EAACI Guidelines—2024–2025 Revision: Part I—Guidelines on Intranasal Treatments. Allergy. 2026;81(4):954-976. doi: 10.1111/all.70131 [LL1]
- Vieira RJ, Sousa-Pinto B, Bousquet J et al.: Allergic Rhinitis and Its Impact on Asthma (ARIA)-EAACI Guidelines—2024–2025 Revision: Part II—Guidelines on Oral and Ocular Treatments. Allergy. 2026;81(6):1947-1970. doi: 10.1111/all.70305 [LL2]
- S2k-Leitlinie: Allergen-Immuntherapie bei IgE-vermittelten allergischen Erkrankungen. (AWMF-Registernummer 061-004) Juni 2022. Langfassung [LL3]
- Dykewicz MS, Wallace DV, Amrol DJ et al.: Rhinitis 2020: A practice parameter update. J Allergy Clin Immunol. 2020;146(4):721-767. doi: 10.1016/j.jaci.2020.07.007 [LL4]
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Fachinformationen
- UCB Pharma GmbH: Zyrtec 10 mg Filmtabletten – Fachinformation. Stand Januar 2024. Fachinformation
- Organon Healthcare GmbH: AERIUS 5 mg Filmtabletten – Fachinformation. Stand Februar 2025. Fachinformation
- Sanofi: Telfast 120 mg – Fachinformation. Stand September 2023. Fachinformation
- UCB Pharma GmbH: Xusal 5 mg Filmtabletten – Fachinformation. Stand Januar 2024. Fachinformation
- Cooper Consumer Health Deutschland GmbH: Allergodil akut Nasenspray – Fachinformation. Stand Dezember 2025. Fachinformation
- Organon Healthcare GmbH: NASONEX 50 µg/Sprühstoß Nasenspray, Suspension – Fachinformation. Stand März 2024. Fachinformation
- Viatris Healthcare GmbH: Dymista Nasenspray 137 Mikrogramm/50 Mikrogramm pro Sprühstoß – Fachinformation. Stand Juni 2022. Fachinformation
- Organon Healthcare GmbH: SINGULAIR – Fachinformation. Stand Oktober 2025. Fachinformation