Erektile Dysfunktion – Vardenafil

Die Vardenafil-Therapie ist eine medikamentöse Behandlung der erektilen Dysfunktion (Erektionsstörung) (ED). Vardenafil gehört zu den Phosphodiesterase-5-Hemmern (PDE5-Hemmern), die als medikamentöse Therapie der ersten Wahl empfohlen werden [LL1].

Therapieziel

  • Erreichen und Aufrechterhalten einer für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr ausreichenden Erektion

Therapieempfehlungen

  • Vor Therapiebeginn: Diagnose der erektilen Dysfunktion sichern, mögliche Grunderkrankungen und reversible Risikofaktoren erfassen sowie den kardiovaskulären Status (Herz-Kreislauf-Zustand) beurteilen [LL1, FI1].
  • Vardenafil: Einnahme bei Bedarf etwa 25-60 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr. Für die Wirkung ist eine sexuelle Stimulation erforderlich [FI1].
  • Risikofaktoren: Lebensstiländerungen und die Behandlung kardiovaskulärer, metabolischer, endokriner oder medikamentös bedingter Ursachen sollen vor oder gleichzeitig mit der spezifischen Therapie erfolgen [LL1].
  • Psychogene (seelisch bedingte) oder partnerschaftliche Faktoren: Bei entsprechender Indikation Kombination der medikamentösen Therapie mit psychosexueller Beratung oder kognitiver Verhaltenstherapie unter Einbeziehung des Partners [LL1].

Indikationen

  • Erektile Dysfunktion bei erwachsenen Männern [FI1]

Vardenafil ist auch bei Männern mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) Typ 1 oder Typ 2 wirksam. In einer randomisierten, placebokontrollierten Studie mit 452 Männern berichteten nach zwölf Wochen 57 % unter 10 mg und 72 % unter 20 mg über verbesserte Erektionen, verglichen mit 13 % unter Placebo [1].

Kontraindikationen

  • Überempfindlichkeit gegen Vardenafil oder einen der sonstigen Bestandteile
  • Gleichzeitige Anwendung von Nitraten oder anderen Stickstoffmonoxid-Donatoren in jeder Darreichungsform, einschließlich Amylnitrit und Nicorandil
  • Gleichzeitige Anwendung von Guanylatcyclase-Stimulatoren wie Riociguat
  • Sehverlust auf einem Auge infolge einer nicht-arteriitischen anterioren ischämischen Optikusneuropathie (Sehnervenschädigung durch eine Durchblutungsstörung) (NAION), unabhängig von einem möglichen Zusammenhang mit einer früheren PDE5-Hemmer-Therapie
  • Schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen, bei denen von sexueller Aktivität abzuraten ist, insbesondere instabile Angina pectoris (instabile Brustenge) oder schwere Herzinsuffizienz (Herzschwäche) der NYHA-Klasse III oder IV
  • Myokardinfarkt (Herzinfarkt) oder Schlaganfall innerhalb der letzten sechs Monate
  • Hypotonie (niedriger Blutdruck) mit einem Blutdruck < 90/50 mmHg
  • Schwere Leberinsuffizienz (Leberfunktionsschwäche) entsprechend Child-Pugh C
  • Nierenfunktionsstörung (eingeschränkte Nierenfunktion) im Endstadium mit Dialysepflicht
  • Bekannte erblich bedingte degenerative Retinaerkrankungen (Netzhauterkrankungen) wie Retinitis pigmentosa (erblich bedingter Netzhautschwund)
  • Gleichzeitige Anwendung von HIV-Protease-Inhibitoren wie Ritonavir oder Indinavir
  • Bei Männern über 75 Jahren gleichzeitige Anwendung von oralem Ketoconazol oder Itraconazol

Die Kontraindikationen entsprechen der aktuellen Fachinformation [FI1].

Wirkweise

Bei sexueller Stimulation wird Stickstoffmonoxid freigesetzt. Dieses aktiviert die Guanylatcyclase und erhöht die Konzentration von zyklischem Guanosinmonophosphat (cGMP) im Corpus cavernosum (Penisschwellkörper). Dadurch relaxiert die glatte Muskulatur und der Bluteinstrom in den Penis nimmt zu.

Vardenafil hemmt selektiv die Phosphodiesterase Typ 5, die cGMP abbaut. Dadurch wird die durch körpereigenes Stickstoffmonoxid ausgelöste erektile Reaktion verstärkt. Ohne sexuelle Stimulation entwickelt Vardenafil keine erektionsfördernde Wirkung [FI1].

Dosierung und Anwendung

  • Standarddosierung: 10 mg bei Bedarf etwa 25-60 Minuten vor dem Geschlechtsverkehr. Abhängig von Wirksamkeit und Verträglichkeit kann die Dosis auf 20 mg erhöht oder auf 5 mg reduziert werden. Die Maximaldosis beträgt 20 mg und darf höchstens 1-mal täglich eingenommen werden [LL1, FI1].
  • Nahrungsaufnahme: Die Einnahme kann mit oder ohne Nahrung erfolgen. Eine fettreiche Mahlzeit kann den Wirkungseintritt verzögern.
  • Alter ab 65 Jahren: Eine generelle Dosisanpassung ist nicht erforderlich. Eine Erhöhung auf 20 mg soll wegen der möglicherweise geringeren Verträglichkeit sorgfältig abgewogen werden.
  • Leberfunktionsstörung (eingeschränkte Leberfunktion): Bei leichter oder mäßiger Leberfunktionsstörung entsprechend Child-Pugh A oder B beträgt die Anfangsdosis 5 mg. Bei Child-Pugh B beträgt die Maximaldosis 10 mg.
  • Nierenfunktionsstörung: Bei leichter oder mäßiger Einschränkung ist keine Dosisanpassung erforderlich. Bei einer Kreatinin-Clearance < 30 ml/min beträgt die Anfangsdosis 5 mg; abhängig von Wirksamkeit und Verträglichkeit ist eine Steigerung auf 10 mg und anschließend auf 20 mg möglich. Bei Dialysepflicht ist Vardenafil kontraindiziert.
  • Moderate CYP3A4-Inhibitoren: Bei gleichzeitiger Anwendung von Erythromycin oder Clarithromycin soll die Vardenafil-Dosis 5 mg nicht überschreiten.

Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und sonstige Wechselwirkungen

  • Nitrate, Stickstoffmonoxid-Donatoren und Nicorandil: Die Kombination kann zu einer unvorhersehbaren und potenziell gefährlichen Blutdrucksenkung führen und ist kontraindiziert [LL1, FI1].
  • Riociguat: Die Kombination verstärkt die blutdrucksenkende Wirkung und ist kontraindiziert.
  • CYP3A4-Inhibitoren: Vardenafil wird hauptsächlich über CYP3A4 und in geringerem Umfang über CYP3A5 und CYP2C-Isoenzyme metabolisiert. Starke CYP3A4-Inhibitoren können die Vardenafil-Exposition erheblich erhöhen.
  • Ketoconazol und Itraconazol: Die orale Anwendung soll in Kombination mit Vardenafil vermieden werden; bei Männern über 75 Jahren ist sie kontraindiziert.
  • HIV-Protease-Inhibitoren: Die Kombination mit Ritonavir oder Indinavir ist kontraindiziert.
  • Erythromycin und Clarithromycin: Die Vardenafil-Dosis soll 5 mg nicht überschreiten.
  • Grapefruit und Grapefruitsaft: Die Kombination soll wegen eines möglichen Anstiegs der Vardenafil-Plasmakonzentration vermieden werden.
  • Alpha-Rezeptorenblocker: Eine Kombination kann eine symptomatische oder orthostatische Hypotonie (Blutdruckabfall beim Aufstehen) verursachen. Vardenafil soll erst begonnen werden, wenn der Patient stabil auf den Alpha-Rezeptorenblocker eingestellt ist; die Anfangsdosis beträgt 5 mg. Bei anderen Alpha-Rezeptorenblockern als Tamsulosin oder Alfuzosin soll ein zeitlicher Einnahmeabstand erwogen werden.
  • Antihypertensiva: Eine zusätzliche, im Allgemeinen geringfügige Blutdrucksenkung ist möglich.
  • QTc-verlängernde Arzneimittel: Vardenafil soll bei angeborener QT-Verlängerung, Hypokaliämie oder gleichzeitiger Anwendung von Antiarrhythmika der Klasse IA oder III möglichst vermieden werden.
  • Andere ED-Therapien: Die Kombination mit anderen Vardenafil-Darreichungsformen, anderen PDE5-Hemmern oder sonstigen medikamentösen Behandlungen der erektilen Dysfunktion wird mangels ausreichender Daten nicht empfohlen.

Besondere Vorsichtsmaßnahmen

  • Kardiovaskuläres Risiko: Vor der Verordnung ist zu prüfen, ob der Patient durch sexuelle Aktivität einem erhöhten kardialen Risiko ausgesetzt ist. Bei kardiovaskulären Hochrisikokonstellationen soll die sexuelle Aktivität bis zur Stabilisierung der Herzerkrankung zurückgestellt werden [2].
  • Linksventrikuläre Ausflussbahnobstruktion (Verengung des Ausflusswegs aus der linken Herzkammer): Bei Aortenstenose (Verengung der Aortenklappe) oder hypertrophischer obstruktiver Kardiomyopathie (Herzmuskelerkrankung mit verengtem Ausflussweg) ist wegen der vasodilatatorischen Wirkung besondere Vorsicht erforderlich.
  • Priapismusrisiko (Risiko einer schmerzhaften Dauererektion): Vorsicht bei anatomischen Veränderungen des Penis sowie bei Sichelzellenanämie (erbliche Blutarmut mit sichelförmigen roten Blutkörperchen), Plasmozytom (Krebserkrankung der Plasmazellen) oder Leukämie (Blutkrebs).
  • Blutungsrisiko: Bei Blutungsstörungen (Störungen der Blutgerinnung) oder aktiven peptischen Ulzera (Geschwüre im Magen oder Zwölffingerdarm) Anwendung nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung.
  • Verkehrstüchtigkeit: Wegen möglicher Schwindel- oder Sehstörungen soll die individuelle Reaktion vor dem Führen eines Fahrzeugs oder dem Bedienen von Maschinen berücksichtigt werden.

Mögliche Nebenwirkungen

  • Sehr häufig: Kopfschmerzen
  • Häufig: Schwindel, Gesichtsrötung beziehungsweise Flush, verstopfte Nase und Dyspepsie (Verdauungsbeschwerden)
  • Gelegentlich: Sehstörungen, Veränderungen des Farbsehens, okuläre Hyperämie (verstärkte Rötung des Auges), Palpitationen (Herzklopfen), Tachykardie (beschleunigter Herzschlag), Hypotonie, Hypertonie (Bluthochdruck), Dyspnoe (Atemnot), gastroösophageale Refluxerkrankung (Rückfluss von Magensäure in die Speiseröhre), Übelkeit, Erbrechen, Diarrhö (Durchfall), Rücken- oder Muskelschmerzen und verlängerte Erektionen
  • Selten oder Häufigkeit nicht bekannt: Priapismus, nicht-arteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie, plötzliche Schwerhörigkeit oder Taubheit, Myokardinfarkt, ventrikuläre Tachyarrhythmien (schnelle Herzrhythmusstörungen aus den Herzkammern), Angina pectoris, schwere allergische Reaktionen, Stevens-Johnson-Syndrom (schwere Haut- und Schleimhautreaktion) und toxische epidermale Nekrolyse (großflächige Ablösung der Oberhaut) [FI1]

Die Nebenwirkungen sind überwiegend vorübergehend und leicht bis mäßig ausgeprägt [LL1, FI1].

Cave!

  • Anhaltende Erektion: Bei einer länger als vier Stunden bestehenden Erektion ist unverzüglich eine ärztliche Notfallbehandlung erforderlich, um irreversible Gewebeschäden und einen dauerhaften Potenzverlust zu vermeiden.
  • Plötzliche Sehstörung: Vardenafil sofort absetzen und unverzüglich ärztlich abklären lassen.
  • Plötzliche Hörminderung oder Taubheit: Vardenafil absetzen und umgehend ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.
  • Schwere Hautreaktion: Bei Verdacht auf ein Stevens-Johnson-Syndrom oder eine toxische epidermale Nekrolyse Vardenafil sofort dauerhaft absetzen und notfallmäßig behandeln.
  • Akute kardiale Beschwerden: Bei Angina pectoris nach der Einnahme dürfen keine Nitrate angewendet werden. Der behandelnde Notarzt muss über die Einnahme von Vardenafil informiert werden.

Abkürzungsverzeichnis

  • cGMP: zyklisches Guanosinmonophosphat
  • CYP: Cytochrom P450
  • ED: erektile Dysfunktion
  • FI: Fachinformation
  • HIV: Humanes Immundefizienz-Virus
  • LL: Leitlinie
  • NAION: nicht-arteriitische anteriore ischämische Optikusneuropathie
  • NYHA: New York Heart Association
  • PDE5: Phosphodiesterase Typ 5
  • QTc: frequenzkorrigiertes QT-Intervall

Literatur

  1. Goldstein I, Young JM, Fischer J, Bangerter K, Segerson T, Taylor T; Vardenafil Diabetes Study Group. Vardenafil, a new phosphodiesterase type 5 inhibitor, in the treatment of erectile dysfunction in men with diabetes: a multicenter double-blind placebo-controlled fixed-dose study. Diabetes Care. 2003;26(3):777-783. doi:10.2337/diacare.26.3.777.
  2. Kloner RA, Burnett AL, Miner M et al.: Princeton IV consensus guidelines: PDE5 inhibitors and cardiac health. J Sex Med. 2024;21(2):90-116. doi:10.1093/jsxmed/qdad163.

Leitlinien

  1. European Association of Urology. EAU Guidelines on Sexual and Reproductive Health – Management of Erectile Dysfunction. EAU Guidelines Office, Arnhem; 2026. [LL1] 

Fachinformationen

  1. AbZ-Pharma GmbH. Fachinformation Vardenafil AbZ 5 mg, 10 mg und 20 mg Filmtabletten. Stand Februar 2025. [FI1]