Aktuelles zur Coronavirus-Infektion
Medikamentöse Therapie
Reizdarmsyndrom

Therapieziel

  • Verbesserung der RDS-Symptomatik

Therapieempfehlungen

Die Verbesserung der RDS-Symptomatik geschieht am Besten mit einer Beratung des Patienten und einer Ernährungsumstellung inkl. Einnahme von Probiotika (gemäß S3-Leitlinie: Evidenzgrad A, Empfehlungsstärke ↑, starker Konsens).

Eine medikamentöse Therapie soll symptomorientiert erfolgen und nur kurzzeitig eingesetzt werden.

Ein medikamentöser Therapieversuch ohne Ansprechen sollte nach spätestens (!) 3 Monaten abgebrochen werden. 

Folgende Grundsätze sollten beachtet werden:

  • Die Therapie richtet sich nach dem prädominanten Symptomen.
  • Diarrhoe (Durchfall):
    • Trizyklische Antidepressiva zur Therapie der RDS-Symptome (Diarrhoe, Schmerz) sollten unterhalb der üblichen Dosis für eine antidepressive Wirkung eingesetzt werden. [Evidenzgrad A, Empfehlungsstärke ↑↑↑, starker Konsens]
    • Bei Diarrhoe können Loperamid, Ballaststoffe, Colestyramin, Probiotika (Nahrungsergänzungsmittel mit probiotischen Kulturen), Phytotherapeutika oder, in Einzelfällen, ein 5-HT3-Antagonist eingesetzt werden.
    • Eine Behandlung der Diarrhoe mit Probiotika (Nahrungsergänzungsmittel mit probiotischen Kulturen), kann durchgeführt werden. [Evidenzgrad A, Empfehlungsstärke ↑, starker Konsens]
    • Lösliche Ballaststoffe können zur Behandlung der Diarrhoe bei einem Diarrhoe-dominanten RDS verwendet werden. [Empfehlungsgrad 0, starker Konsens]
    • Eine Behandlung der Diarrhoe mit Antibiotika sollte eher nicht durchgeführt werden. [Evidenzgrad C, Empfehlungsstärke ↓, starker Konsens]
    • Probiotika können bei Kindern versucht werden, insbesondere bei postenteritischer Genese des Reizdarmsyndroms oder prädominanter Diarrhoe. [Evidenzgrad B, Empfehlungsstärke ↑, Konsens]
  • Obstipation (Verstopfung):
    • Bei RDS vom Obstipationstyp ("Verstopfungstyp") sollen trizyklische Antidepressiva nicht verschrieben werden. [Evidenzgrad A, Empfehlungsstärke ↓↓, Konsens]
    • Bei RDS-Obstipation können Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) insbesondere bei im Vordergrund stehenden Schmerzen und/oder psychischer Komorbidität eingesetzt werden [Evidenzgrad B, Empfehlungsstärke ↑, Konsens]
    • Osmotische Laxantien vom Macrogoltyp können bei RDS-O gegeben werden. [Empfehlungsgrad A, starker Konsens]
    • Ballaststoffe in Form der wasserlöslichen Gelbildner wie z. B. Flohsamenschalen (Psyllium; 2-6 x tgl. 1 Messlöffel bzw. 1 Beutel; jeweils mit je 150 ml Wasser; auf ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten) sollten bei RDS-O versucht werden. [Evidenzgrad A, Empfehlungsstärke ↑, starker Konsens]
    • Bei Obstipation können osmotische und stimulierende Laxantien (Abführmittel), Lubiproston, Probiotika (Nahrungsergänzungsmittel mit probiotischen Kulturen), Spasmolytika (krampflösende Arzneimittel) oder Phytotherapeutika (Mixtur STW-5) eingesetzt werden.
      Ein Versuch mit Prucaloprid (Serotoninrezeptor-Agonist) kann bei therapierefraktären Fällen gemacht werden.
    • Spasmolytika können auch zur Therapie von Patienten mit RDS-O eingesetzt werden. [Evidenzgrad A, Empfehlungsstärke ↑, starker Konsens]
    • Probiotika können bei Patienten mit RDS-O versucht werden. [Evidenzgrad A, Empfehlungsstärke ↑, starker Konsens]
      Anstatt trizyklischen Antidepressiva sollten, wenn indiziert, Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) eingesetzt werden. Weitere psychoaktive Substanzen sollten nicht eingesetzt werden.
    • Nicht resorbierbare Antibiotika (z. B. Rifaximin, Neomycin) sollten bei Patienten mit RDS-O eher nicht gegeben werden. [Evidenzgrad A, Empfehlungsstärke ↓, Konsens]
  • Bauchschmerzen:
    • Eine Behandlung von Schmerzen mit peripheren Analgetika/Schmerzmittel (Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol, NSAR (nichtsteroidale Antirheumatika), Metamizol) sollte nicht durchgeführt werden.
    • Eine Therapie von Schmerzen mit Spasmolytika (krampflösende Arzneimittel) sollte erfolgen. [Evidenzgrad A, Empfehlungsstärke ↑, starker Konsens]
    • Trizyklische Antidepressiva können bei Erwachsenen zur Therapie von Schmerzen eingesetzt werden. [Evidenzgrad A, Empfehlungsstärke ↑, starker Konsens]
    • Eine Behandlung von Schmerzen mit löslichen Ballaststoffen kann durchgeführt werden. [Evidenzgrad A, Empfehlungsstärke ↑, starker Konsens]
    • SSRI können bei Erwachsenen zur Therapie von Schmerzen eingesetzt werden. [Evidenzgrad A, Empfehlungsstärke ↑, starker Konsens]
    • Für eine Behandlung von Schmerzen können in Einzelfallen 5-HT3-Antagonisten (z. B. Alosetron) gegeben werden. [Evidenzgrad A, Empfehlungsstärke ↑, Konsens]
    • Eine Behandlung von Schmerzen mit Probiotika (Nahrungsergänzungsmittel mit probiotischen Kulturen), kann durchgeführt werden [Evidenzgrad A, Empfehlungsstärke ↑, starker Konsens]
    • Bei Schmerzen können Spasmolytika, trizyklische Antidepressiva, SSRI, Ballaststoffe oder Probiotika eingesetzt werden. Auch Phytotherapeutika können eingesetzt werden. Analgetika sollten nicht eingesetzt werden.
    • Eine Therapie von Schmerzen mit Antibiotika sollte eher nicht durchgeführt werden. [Evidenzgrad A, Empfehlungsstärke ↓, Konsens]
  • Blähungen/abdominelle Distension/Flatulenz:
    • SSRI sollten eher nicht zur Behandlung von Blähungen/Meteorismus eingesetzt werden. [Evidenzgrad B, Empfehlungsstärke ↓, Konsens]
    • Eine effektive medikamentöse Therapie der Obstipation bzw. der Diarrhoe des RDS-Patienten kann auch die Beschwerden aus dem Symptombereich Blähungen/abdominelle Distension (Ausdehnung bzw. Überdehung)/Meteorismus/Flatulenz ("Winde") bessern. [Evidenzgrad A, Empfehlungsstärke ↑, starker Konsens]
    • Eine Therapie mit Probiotika (Nahrungsergänzungsmittel mit probiotischen Kulturen), kann zur Besserung von Blähungen/ abdomineller Distension/Meteorismus/Flatulenz führen. [Evidenzgrad B, Empfehlungsstärke ↑, starker Konsens]
    • Cholinergika/Parasympatikomimetika sollten nicht zur Therapie von Blähungen/abdomineller Distension/Meteorismus/Flatulenz verordnet werden. [Evidenzgrad A, Empfehlungsstärke ↓, starker Konsens]
    • Eine Therapie mit dem nicht resorbierbaren Antibiotikum Rifaximin kann in therapierefraktären Fällen zur Behandlung von Blähungen/ abdomineller Distension/Meteorismus/Flatulenz versucht werden. [Evidenzgrad A, Empfehlungsstärke ↑, Konsens]
    • Eine Therapie von Blähungen/abdomineller Distension/Meteorismus/Flatulenz mit Pankreasenzymen soll bei RDS nicht erfolgen. [Evidenzgrad D, Empfehlungsstärke ↓↓↓, starker Konsens]
    • Analgetika sollten nicht zur Behandlung von Blähungen/abdomineller Distension/Meteorismus/Flatulenz gegeben werden. [Evidenzgrad B, Empfehlungsstärke ↓, starker Konsens]
  • Bei Vorliegen einer psychischen Komorbidität/Begleiterkrankung (Depression, Angststörungen) können Antidepressiva (Arzneimittel, die zur Behandlung von Depressionen) verschrieben werden. [Evidenzgrad A, Empfehlungsstärke ↑, starker Konsens]
  • Siehe auch unter "Weitere Therapie".

Allgemeine Hinweise

  • Präbiotika: Für die Behandlung des Reizdarms kann diesbezüglich keine Empfehlung abgegeben werden.
  • Probiotika: Ausgewählte Probiotika können eingesetzt werden: Wahl des Stammes nach der Symptomatik (gemäß S3-Leitlinie)
  • Phytotherapeutika können versucht werden

Weitere Wirkstoffe

Es gibt es Hinweise, dass das topische Antibiotikum Rifaximin (Dauer: 2-3 mal tgl., 1-2 Wochen, 1-2 Tabl à 200 mg; Therapie kann bei Bedarf in Zyklen wiederholt werden) die Symptome (Gasbildung und abdominale Beschwerden) des RDS ohne Obstipation reduzieren kann [4].
Beachte: Sollte nur eingesetzt werden, wenn eine gesicherte bakterielle Überwucherung im Dünndarm (bakterielles Überwucherungssyndrom; Dysbiose) vorliegt und weitere Therapiemaßnahmen ohne Erfolg geblieben sind!

Wirkstoffe, die bei einem Reizdarmsyndrom nicht eingesetzt werden sollten

Folgende Wirkstoffe sollten nicht beim Reizdarmsyndrom mit Diarrhoe eingesetzt werden:

  • Antibiotika
  • Aloe Vera
  • Racecadotril
  • TCM Kräutertherapie

Folgende Wirkstoffe sollten beim Reizdarmsyndrom mit Obstipation nicht eingesetzt werden:

  • Domperidon
  • Nicht resorbierbare Antibiotika

Folgende Wirkstoffe sollten nicht beim RDS mit Schmerzen eingesetzt werden:

  • Aloe Vera
  • Analgetika (Paracetamol, NSAR, Metamizol)
  • Amitriptylin sollte nicht bei Kindern/Jugendlichen eingesetzt werden
  • Antibiotika
  • Opioid-Analgetika
  • µ-Opioid-Agonisten
  • Pregabalin/Gabapentin
  • Pankreasenzyme

Folgende Wirkstoffe sollten nicht beim RDS mit Blähungen/abdominelle Distension/Flatulenz eingesetzt werden:

  • Analgetika/Schmerzmittel (Paracetamol, NSAR, Metamizol)
  • Antihistaminika
  • Cholinergika/Parasympathomimetika
  • Entschäumende Substanzen (Simetikon, Dimetikon)

Phytotherapeutika

Positiv auf den Darm beim Reizdarmsyndrom wirken:

  • Pfefferminze (Pfefferminzöl) – wirksam zur Behandlung vor allem der RDS-Symptome "Schmerz" und "Blähungen" 
  • Anis
  • Fenchel
  • Kamille
  • Kümmel – als heiße Kümmelauflagen
  • Kurkuma
  • Melisse
  • Schleifenblume

Wirkstoffe, die beim Reizdarmsyndrom in Kombination eingesetzt werden, sind z. B. das Pfefferminzöl und das Kümmelöl.

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (Vitamin D (Calciferole), Pyridoxin (Vitamin B6))
  • Probiotika

Ein typischer Vertreter der Probiotika sind Laktobazillen. Diese sind Milchsäurebakterien, die Zucker zu Milchsäure abbauen können. Sie kommen natürlicherweise im menschlichen Darm vor. Patienten, die an einem Reizdarmsyndrom (RDS) leiden, profitieren von der Einnahme von Laktobazillen. Sie verdrängen gasbildende Bakterien. Die Verordnung von Probiotika haben einen Evidenzgrad A mit starkem Konsens! 

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Literatur

  1. Gill HS, Guarner F: Probiotics and human health: a clinical perspective. Postgrad Med J. 2004 Sep;80(947):516-26
  2. O'Mahonyet L al.: Lactobacillus and bifidobacterium in irritable bowel syndrome: symptom responses and relationship to cytokine profiles. Gastroenterology. 2005 Mar;128(3):541-51
  3. Kajander K et al.: A probiotic mixture alleviates symptoms in irritable bowel syndrome patients: a controlled 6-month intervention. Aliment Pharmacol Ther. 2005 Sep 1;22(5):387-94
  4. Pimentel M et al.: Pharm.D. for the TARGET Study Group: Rifaximin Therapy for Patients with Irritable Bowel Syndrome without Constipation. N Engl J Med 2011; 364:22-32January 6, 2011

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Reizdarmsyndrom: Definition, Pathophysiologie, Diagnostik und Therapie. (AWMF-Registernummer: 021-016), Oktober 2010 Langfassung

     
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