Schnarchen (Rhonchopathie) – Differentialdiagnosen

Atmungssystem (J00-J99)

  • Adenoid-/Tonsillenhyperplasie (Vergrößerung der Rachenmandel/Gaumenmandeln) – Vergrößerung der Rachenmandel und/oder Gaumenmandeln mit Einengung der oberen Atemwege; besonders bei Kindern eine relevante Ursache von Schnarchen und obstruktiver Schlafapnoe (Atemaussetzer durch Verlegung der Atemwege im Schlaf)
  • Allergische Rhinitis (allergischer Schnupfen) – IgE-vermittelte Entzündung der Nasenschleimhaut mit nasaler Obstruktion (Nasenatmungsbehinderung), Rhinorrhoe (laufende Nase) und Niesen
  • Chronische Rhinosinusitis (chronische Entzündung von Nase und Nasennebenhöhlen) – chronische Entzündung von Nase und Nasennebenhöhlen mit nasaler Obstruktion und Sekretretention (Sekretstau)
  • Chronische Rhinosinusitis mit Nasenpolypen (Schleimhautwucherungen der Nase) – chronische Rhinosinusitis mit polypöser Schleimhautveränderung und behinderter Nasenatmung
  • Nasenseptumdeviation (Verkrümmung der Nasenscheidewand) – Verkrümmung der Nasenscheidewand mit ein- oder beidseitiger Nasenatmungsbehinderung
  • Nasenmuschelhyperplasie (Vergrößerung der Nasenmuscheln) – Vergrößerung der Nasenmuscheln mit erhöhter nasaler Atemwegsresistenz (Atemwegswiderstand)
  • Nichtallergische Rhinitis (nichtallergischer Schnupfen) – chronische oder rezidivierende Rhinitis ohne IgE-vermittelte Sensibilisierung (Überempfindlichkeitsreaktion), häufig mit nasaler Obstruktion

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Adipositas (Fettleibigkeit) – erhöhter Körperfettanteil mit vermehrter pharyngealer Weichteilbelastung (Weichteilbelastung im Rachen) und erhöhtem Risiko für Schnarchen sowie obstruktive schlafbezogene Atmungsstörungen (Atemstörungen im Schlaf)
  • Akromegalie (krankhafte Vergrößerung von Körperenden und Weichteilen) – Wachstumshormonexzess (Überschuss an Wachstumshormon) mit Weichteilvermehrung, Makroglossie (vergrößerte Zunge) und pharyngealer Einengung (Einengung im Rachen)
  • Hypothyreose (Schilddrüsenunterfunktion) – Schilddrüsenunterfunktion mit möglicher Myxödem-bedingter Weichteilschwellung (Schwellung des Gewebes) und erhöhter Neigung zu Schnarchen beziehungsweise schlafbezogenen Atmungsstörungen
  • Obesitas-Hypoventilationssyndrom (atmungsbedingte Unterbelüftung bei Fettleibigkeit) – alveoläre Hypoventilation (verminderte Belüftung der Lungenbläschen) bei Adipositas, häufig kombiniert mit obstruktiver Schlafapnoe

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Tumoren der oberen Atemwege (Geschwülste der oberen Atemwege) – raumfordernde Prozesse im Nasen-, Mund-, Rachen- oder Kehlkopfbereich mit mechanischer Einengung der oberen Atemwege; vor allem bei neu aufgetretener, progredienter (fortschreitender), einseitiger oder obstruktiver Symptomatik (Beschwerdebild) differentialdiagnostisch relevant

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Obstruktives Schlafapnoe-Syndrom (Atemaussetzer durch Verlegung der Atemwege im Schlaf) – schlafbezogene Atmungsstörung mit wiederholter partieller oder kompletter Obstruktion (Verlegung) der oberen Atemwege, typischerweise mit Schnarchen, Atempausen, Sauerstoffentsättigungen (Abfall der Sauerstoffsättigung) und Schlaffragmentierung (Unterbrechung des Schlafablaufs)
  • Upper-Airway-Resistance-Syndrom (Syndrom mit erhöhtem Widerstand der oberen Atemwege) – schlafbezogene Atmungsstörung mit erhöhter Atemwegsresistenz und atembezogenen Weckreaktionen ohne Erfüllung der klassischen Kriterien einer obstruktiven Schlafapnoe
  • Zentrales Schlafapnoe-Syndrom (Atemaussetzer durch fehlenden Atemantrieb im Schlaf) – schlafbezogene Atmungsstörung mit vermindertem oder fehlendem zentralem Atemantrieb; Schnarchen ist nicht Leitsymptom, kann aber bei gemischten respiratorischen Ereignissen (Atemereignissen) oder begleitender oberer Atemwegsobstruktion (Verlegung der oberen Atemwege) auftreten

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Schwangerschaftsassoziierte Rhonchopathie (schwangerschaftsbedingtes Schnarchen) – neu auftretendes oder zunehmendes Schnarchen in der Schwangerschaft, begünstigt durch Gewichtszunahme, Schleimhautödem (Schleimhautschwellung) und erhöhte nasale Atemwegsresistenz; bei Atempausen, ausgeprägter Tagesschläfrigkeit, Hypertonie (Bluthochdruck) oder Präeklampsie-Risiko (Risiko für Schwangerschaftsvergiftung) ist eine obstruktive Schlafapnoe abzuklären

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Primäres Schnarchen – inspiratorisches Atemgeräusch (Atemgeräusch beim Einatmen) im Schlaf ohne relevante Apnoe-/Hypopnoe-Episoden (Atemaussetzer/verminderte Atmung), ohne relevante Sauerstoffentsättigungen und ohne krankheitswertige Tagessymptomatik (Beschwerden am Tag)

Medikamente

  • Benzodiazepine und benzodiazepinähnliche Hypnotika (Schlafmittel) – können den Muskeltonus (Muskelspannung) der oberen Atemwege reduzieren und Schnarchen beziehungsweise obstruktive schlafbezogene Atmungsstörungen verstärken
  • Opioide (starke Schmerzmittel) – können zentrale Atemregulationsstörungen (Störungen der Atemsteuerung) und schlafbezogene Hypoventilation begünstigen sowie bestehende schlafbezogene Atmungsstörungen verschlechtern
  • Sedierende Arzneimittel (beruhigende Arzneimittel) – z. B. sedierende Antihistaminika (Allergiemittel), sedierende Antidepressiva (Mittel gegen Depressionen) oder Antipsychotika (Mittel gegen Psychosen); können über Sedierung (Beruhigung), Gewichtszunahme oder Reduktion des Muskeltonus der oberen Atemwege Schnarchen beziehungsweise schlafbezogene Atmungsstörungen verstärken

Umweltbelastungen – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Alkoholkonsum – reduziert den Muskeltonus der oberen Atemwege und kann Schnarchen sowie obstruktive respiratorische Ereignisse im Schlaf verstärken
  • Rauchen – begünstigt entzündliche Schleimhautveränderungen der oberen Atemwege und kann nasale beziehungsweise pharyngeale Atemwegsobstruktion verstärken

Weiteres

  • Rückenlage im Schlaf – lageabhängige pharyngeale Einengung mit Zunahme von Schnarchen und obstruktiven respiratorischen Ereignissen
  • Schlafmangel – kann über reduzierte neuromuskuläre Kompensation (Ausgleich durch Nerven und Muskeln) der oberen Atemwege Schnarchen und obstruktive respiratorische Ereignisse verstärken