Einleitung
Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS)

Unsere Umwelt ist ein komplexes Netzwerk aus Reizen, die alle menschlichen Sinne ansprechen. Sehen, Fühlen, Hören – unsere Sinne stellen eine Verbindung zur Umwelt her und nehmen viele Reize auf.
Damit aber aus dem reinen „Hören“ ein „Verstehen“, aus dem „Sehen“ ein „Erkennen“ und aus dem „Fühlen“ ein „Begreifen“ wird, benötigen wir unser Gehirn, welches diese Reize weiterverarbeitet.
Doch nicht immer funktioniert dieses System reibungslos.

Einige Menschen hören zwar, was um sie herum geschieht, ihr Gehirn ist jedoch nicht in der Lage, die zahlreichen Reize und Informationen korrekt zu verarbeiten. Dieses Phänomen wird als zentrale Hörstörung oder als auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) (Synonyme: APD; AVWS; Auditive Verarbeitungsstörung; Auditory processing disorder; Auditory processing disorder (APD); Verarbeitungsstörung; Wahrnehmungsstörung; ICD-10-GM F80.20: Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung [AVWS]) bezeichnet. Unter diesem Begriff ist eine Vielzahl verschiedener Beeinträchtigungen des Hörens und der Wahrnehmung zusammengefasst.

Eine AVWS ist eine auditive Störung der Verarbeitung auf der Ebene des Hirnstammniveaus und eine Störung der Wahrnehmung dieser nervalen Impulse. Letzteres beruht auf einer Störung höherer auditorischer Funktionen unter Einbeziehung kognitiver Funktionen [2].
Im Gegensatz zur Schwerhörigkeit ist nicht das Hören an sich beeinträchtigt, sondern die weitere Informationsverarbeitung im Gehirn.

Das Konsensuspapier der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie (DGPP) führte aus, dass unter auditiver Verarbeitung die neuronale Weiterleitung, Vorverarbeitung und Filterung von auditiven Stimuli auf verschiedenen Ebenen des Hörsystems zu verstehen ist [1].

Geschlechterverhältnis: Jungen/Männer zu Mädchen/Frauen beträgt 2 : 1.

Die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) liegt bei 2-3 % bei Kindern ab dem 6. Lebensjahr (in Deutschland). Bei Erwachsenen liegt die Prävalenz bei ca. 10 % (in Deutschland). Weltweit liegt die Prävalenz aller kindlichen Hörstörungen zwischen 0,9 und 13 %.

Verlauf und Prognose: Eine auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung (AVWS) nimmt Einfluss auf die Sprachentwicklung und die schriftsprachlichen Leistungen des Kindes. Die Therapie besteht aus übenden Verfahren und Maßnahmen zur Verbesserung der Signalqualität. In vielen Fällen verbessert sich die AVWS. Es ist jedoch davon auszugehen, dass die Betroffenen in anspruchsvollen Hörsituationen mit Einschränkungen rechnen müssen.

Literatur

  1. Nickisch A et al.: Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen – Konsensus-Statement der Deutschen Gesellschaft für Phoniatrie und Pädaudiologie. HNO 2007;55(1):61-72
  2. British Society of Audiology: Position statement: auditory processing disorder (APD).Date: 31st March 2011 Date for review: March 2013  http://​www.​thebsa.​org.​uk/​wp-content/​uploads/​2014/​04/​BSA_​APD_​PositionPaper_​31March11_​FINAL.​pdf. 

Leitlinien

  1. S1-Leitlinie: Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörungen. (AWMF-Registernummer: 049-012), September 2015 Langfassung

     
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