Diabetische Nephropathie – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine diabetische Nephropathie (diabetische Nierenerkrankung) mitbedingt sein können:

Atmungssystem (J00-J99)

  • Pulmonales Ödem (Wasseransammlung in der Lunge) bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz (Nierenschwäche) und Volumenüberladung (Flüssigkeitsüberlastung) [LL1, LL2]
  • Pleuraergüsse (Flüssigkeitsansammlungen zwischen Lunge und Brustwand) bei ausgeprägter Flüssigkeitsretention (Flüssigkeitszurückhaltung), insbesondere bei terminaler Niereninsuffizienz (Endstadium der Nierenschwäche) [LL1, LL2]

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Renale Anämie (nierenbedingte Blutarmut) bei chronischer Niereninsuffizienz (chronischer Nierenschwäche) [LL1]
  • Erhöhte Blutungsneigung bei urämischer Thrombozytenfunktionsstörung (harnstoffbedingter Störung der Blutplättchenfunktion), insbesondere bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz [LL1]

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Dyslipoproteinämie (Fettstoffwechselstörung), insbesondere bei Albuminurie (Eiweißausscheidung im Urin) und nephrotischem Proteinverlust (nierenbedingtem Eiweißverlust) [LL1, LL2]
  • Hyperkaliämie (erhöhter Kaliumwert im Blut) bei abnehmender glomerulärer Filtrationsrate (Filterleistung der Nierenkörperchen) und/oder Blockade des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (hormonelles Blutdruck- und Flüssigkeitsregelsystem) [LL1, LL2]
  • Hyperphosphatämie (erhöhter Phosphatwert im Blut) im Rahmen der chronischen Niereninsuffizienz-Mineral- und Knochenstoffwechselstörung (nierenbedingte Mineral- und Knochenstoffwechselstörung) [LL1]
  • Hypoglykämieneigung (Neigung zu Unterzuckerungen) bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz durch verminderte renale Insulin-Clearance (verminderte Insulin-Ausscheidung über die Nieren) und verminderte Elimination (Ausscheidung) antidiabetischer Arzneimittel [LL2, LL3]
  • Metabolische Azidose (stoffwechselbedingte Übersäuerung) bei fortgeschrittener chronischer Niereninsuffizienz [LL1]
  • Sekundärer Hyperparathyreoidismus (reaktive Überfunktion der Nebenschilddrüsen) im Rahmen der chronischen Niereninsuffizienz-Mineral- und Knochenstoffwechselstörung [LL1]

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Calciphylaxie (schwere Gefäßverkalkung der Haut mit Gewebeschädigung) als seltene Komplikation bei fortgeschrittener chronischer Niereninsuffizienz beziehungsweise Dialysepflichtigkeit (Notwendigkeit der Blutwäsche) und gestörtem Calcium-Phosphat-Stoffwechsel (gestörtem Mineralstoffwechsel) [LL1]
  • Pruritus (Juckreiz) bei fortgeschrittener chronischer Niereninsuffizienz beziehungsweise Urämie (Harnvergiftung) [LL1]

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Atherosklerotische kardiovaskuläre Erkrankung (gefäßverkalkungsbedingte Herz-Kreislauf-Erkrankung) mit erhöhtem Risiko für Myokardinfarkt (Herzinfarkt) und kardiovaskuläre Mortalität (Herz-Kreislauf-Sterblichkeit) [1, 2, 4, LL1, LL2, LL3]
  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche), insbesondere bei chronischer Niereninsuffizienz, Albuminurie, Hypertonie (Bluthochdruck) und Volumenüberladung [1, 2, 4, LL1, LL2, LL3]
  • Hypertonie beziehungsweise Verstärkung einer vorbestehenden Hypertonie [LL1, LL2, LL3]
  • Koronare Herzkrankheit (Durchblutungsstörung der Herzkranzgefäße) [1, 2, 4, LL1, LL2, LL3]
  • Linksventrikuläre Hypertrophie (Verdickung der linken Herzkammer) bei chronischer Druck- und Volumenbelastung [LL1]
  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (Durchblutungsstörung der Beinarterien) [LL1, LL2, LL3]
  • Schlaganfall beziehungsweise zerebrovaskuläres Ereignis (Ereignis der Hirngefäße) [1, 2, 4, LL1, LL2, LL3]
  • Thromboembolische Ereignisse (Gefäßverschlüsse durch Blutgerinnsel) bei nephrotischem Syndrom (Krankheitsbild mit starkem Eiweißverlust über die Nieren) beziehungsweise ausgeprägter Proteinurie (Eiweißausscheidung im Urin) [LL1]

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Erhöhte Infektanfälligkeit bei fortgeschrittener chronischer Niereninsuffizienz, Urämie und Dialysepflichtigkeit [LL1]
  • Sepsis (Blutvergiftung), insbesondere bei terminaler Niereninsuffizienz, Dialysezugang (Zugang für die Blutwäsche) oder schweren interkurrenten Infektionen (zusätzlich auftretenden Infektionen) [LL1]

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Erhöhtes Frakturrisiko (Knochenbruchrisiko) bei chronischer Niereninsuffizienz-Mineral- und Knochenstoffwechselstörung [LL1]
  • Renale Osteodystrophie (nierenbedingte Knochenstoffwechselstörung) bei fortgeschrittener chronischer Niereninsuffizienz [LL1]

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Kognitive Einschränkung (Beeinträchtigung von Denken und Gedächtnis) bei fortgeschrittener chronischer Niereninsuffizienz und vaskulärer Komorbidität (gefäßbedingter Begleiterkrankung) [LL1]
  • Periphere Neuropathie (Nervenschädigung außerhalb von Gehirn und Rückenmark) bei Urämie, zusätzlich verstärkt durch diabetische Polyneuropathie (diabetesbedingte Nervenschädigung) [LL1, LL2]
  • Urämische Enzephalopathie (harnstoffbedingte Gehirnfunktionsstörung) bei schwerer beziehungsweise terminaler Niereninsuffizienz [LL1]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Albuminurie als Leitsymptom und zentraler Prognosemarker (Vorhersagemarker) der diabetischen Nephropathie [1, 2, 3, 4, LL1, LL2, LL3]
  • Ödeme (Wassereinlagerungen) bei Proteinurie, nephrotischem Syndrom und/oder abnehmender glomerulärer Filtrationsrate [LL1]
  • Proteinurie, ggf. nephrotische Proteinurie [LL1, LL2]
  • Verminderte glomeruläre Filtrationsrate mit progredientem (fortschreitendem) Verlust der Nierenfunktion [1, 2, 3, LL1, LL2, LL3]

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Akute Nierenschädigung (plötzliche Verschlechterung der Nierenfunktion) auf dem Boden einer chronischen diabetischen Nephropathie, insbesondere bei Volumenmangel (Flüssigkeitsmangel), Infektion, nephrotoxischen Arzneimitteln (nierenschädigenden Arzneimitteln) oder Kontrastmittelgabe (Gabe von Röntgenkontrastmittel) [LL1]
  • Chronische Niereninsuffizienz mit progredientem Funktionsverlust [1, 2, 3, LL1, LL2, LL3]
  • Nephrotisches Syndrom bei ausgeprägter Proteinurie [LL1, LL2]
  • Nierenersatztherapiepflichtigkeit (Notwendigkeit eines Ersatzverfahrens für die Nierenfunktion) mit Hämodialyse (Blutwäsche), Peritonealdialyse (Bauchfelldialyse) oder Nierentransplantation (Nierenverpflanzung) bei terminaler Niereninsuffizienz [LL1, LL2]
  • Terminale Niereninsuffizienz [1, 2, 3, LL1, LL2, LL3]

Prognosefaktoren

  • Albuminurie: Höhere Albuminurie ist unabhängig mit höherem Risiko für kardiovaskuläre Mortalität, Gesamtmortalität (Sterblichkeit insgesamt) und terminale Niereninsuffizienz assoziiert (verbunden) [1, 2, 3, 4].
  • Glomeruläre Filtrationsrate: Eine abnehmende geschätzte glomeruläre Filtrationsrate ist unabhängig mit höherem Risiko für terminale Niereninsuffizienz, kardiovaskuläre Ereignisse und Mortalität (Sterblichkeit) assoziiert [1, 2, 3].
  • Kombination aus Albuminurie und verminderter glomerulärer Filtrationsrate: Die gleichzeitige Ausprägung beider Risikomarker (Hinweiszeichen für ein erhöhtes Risiko) kennzeichnet eine besonders hohe kardiorenale Gefährdung (Gefährdung von Herz und Nieren) [1, 2, 3, LL1, LL2, LL3].
  • Hypertonie: Unzureichende Blutdruckkontrolle beschleunigt die Progression (Fortschreiten) der diabetischen Nephropathie und erhöht das kardiovaskuläre Risiko [LL1, LL2, LL3].
  • Glykämische Kontrolle: Persistierende Hyperglykämie (anhaltend erhöhter Blutzucker) fördert Progression und mikrovaskuläre Komplikationen (Komplikationen der kleinen Blutgefäße); bei fortgeschrittener Niereninsuffizienz steigt gleichzeitig das Hypoglykämierisiko (Risiko für Unterzuckerungen) [LL2, LL3].
  • Weitere kardiovaskuläre Risikofaktoren: Dyslipoproteinämie, Rauchen, Adipositas (Fettleibigkeit), Bewegungsmangel und vorbestehende kardiovaskuläre Erkrankung verschlechtern die Prognose (Krankheitsvorhersage) [LL1, LL2, LL3].
  • Komplikationen der chronischen Niereninsuffizienz: Anämie (Blutarmut), Hyperkaliämie, metabolische Azidose und chronische Niereninsuffizienz-Mineral- und Knochenstoffwechselstörung sind Marker (Hinweiszeichen) fortgeschrittener Erkrankung und klinisch relevante Morbiditätsfaktoren (Krankheitsbelastungsfaktoren) [LL1].

Literatur

  1. Matsushita K, van der Velde M, Astor BC et al.: Association of estimated glomerular filtration rate and albuminuria with all-cause and cardiovascular mortality in general population cohorts: a collaborative meta-analysis. Lancet. 2010;375(9731):2073-2081. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(10)60674-5
  2. Nitsch D, Grams M, Sang Y et al.: Associations of estimated glomerular filtration rate and albuminuria with mortality and renal failure by sex: a meta-analysis. BMJ. 2013;346:f324. https://doi.org/10.1136/bmj.f324
  3. Astor BC, Matsushita K, Gansevoort RT et al.: Lower estimated glomerular filtration rate and higher albuminuria are associated with mortality and end-stage renal disease. A collaborative meta-analysis of kidney disease population cohorts. Kidney Int. 2011;79(12):1331-1340. https://doi.org/10.1038/ki.2010.550
  4. Claudel SE, Verma A, Ahlström C et al.: Albuminuria in Cardiovascular, Kidney, and Metabolic Disorders: A State-of-the-Art Review. Circulation. 2025;151(10):716-732. https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.124.071079

Leitlinien

  1. Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) CKD Work Group: KDIGO 2024 Clinical Practice Guideline for the Evaluation and Management of Chronic Kidney Disease. Kidney Int. 2024;105(4S):S117-S314. https://doi.org/10.1016/j.kint.2023.10.018
  2. Kidney Disease: Improving Global Outcomes (KDIGO) Diabetes Work Group: KDIGO 2022 Clinical Practice Guideline for Diabetes Management in Chronic Kidney Disease. Kidney Int. 2022;102(5S):S1-S127. https://doi.org/10.1016/j.kint.2022.06.008
  3. American Diabetes Association Professional Practice Committee: 11. Chronic Kidney Disease and Risk Management: Standards of Care in Diabetes-2026. Diabetes Care. 2026;49(Supplement_1):S246-S260. https://doi.org/10.2337/dc26-S011