Einleitung
Akutes Nierenversagen

Bei akutem Nierenversagen (akute Niereninsuffizienz) (ANV; Synonyme: akute Nierennekrose; akute Nierenrindennekrose; akutes Nierenversagen mit Tubulusnekrose; akute Tubulusnekrose; anoxische Nephrose; anoxische tubuläre Nekrose; ANV; bilaterale Nierenrindennekrose; ischämische Nephrose; kortikale Nierennekrose; nekrotische Nephrose; Nephrose mit Hämoglobinurie; Niereninsuffizienz mit Tubulusnekrose; Nierenrindennekrose; Nierentubulusnekrose; Nierenversagen mit Tubulusnekrose; papilläre Nekrose bei Nephritis; Papillitis necroticans der Niere; postrenales akutes Nierenversagen; prärenales akutes Nierenversagen; Quecksilber-Nephrose; renale Rindennekrose; renale Tubulusnekrose; Sublimatnephrose; toxische Nephrose; toxische tubuläre Nekrose; tubuläre Nephrose; tubuläre Nierennekrose; Tubulusnekrose; engl.: acute kidney injury; ICD-10 N17.-: Akutes Nierenversagen) handelt es sich um einen plötzlichen Funktionsausfall beider Nieren (innerhalb von Stunden bis Tagen).

Das akute Nierenversagen ist anders als die chronische Niereninsuffizienz potenziell reversibel. Entscheidend dabei ist die Therapie der auslösenden Grunderkrankung bzw. das Ausschalten von Noxen (z. B. Absetzen nephrotoxischer Medikamente/Substanzen).

Man kann das akute Nierenversagen nach seiner Pathophysiologie (krankhaft veränderte Körperfunktionen) wie folgt einteilen:

  • Prärenales ANV – hierbei liegt die Ursache vor der Niere; häufigste Form des ANV mit 60 % der Fälle
  • Intrarenales ANV – hier liegt die Ursache in der Niere selbst (35 % der Fälle)
  • Postrenales ANV – hier liegt die Ursache hinter der Niere (5 % der Fälle)

Man kann folgende Stadien der Erkrankung unterscheiden:

  • Initialphase – in Bezug auf die Niere asymptomatisch; hier steht die Symptomatik der auslösenden Grunderkrankung im Vordergrund
  • Manifestes Nierenversagen – stetige Abnahme der glomerulären Filtrationsrate (GFR) und folglich Zunahme der Retentionswerte wie Kreatinin; kann bis zu mehreren Wochen andauern
  • Polyurische Phase – Wiederherstellung der Nierenfunktion; durch eine massive Ausscheidung von bis zu 10 l Harn pro Tag ist der Wasser- und Elektrolythaushalt starken Schwankungen unterworfen. Diese Phase geht mit einer erhöhten Mortalität (Sterblichkeit) einher.

Häufigkeitsgipfel: Die Erkrankung tritt vorwiegend ab dem 70. Lebensjahr auf.

Die Prävalenz (Krankheitshäufigkeit) für Intensivpatienten liegt bei 5 % (in Deutschland).

Zur Epidemiologie des akuten Nierenversagens gibt es nur wenige Studien. Eine Untersuchung in Schottland gibt eine Inzidenz (Häufigkeit von Neuerkrankungen) von 1811 Erkrankungen pro 1.000.000 Einwohner pro Jahr an.

Verlauf und Prognose: Durch das akute Nierenversagen kommt es zu einem Anstieg der harnpflichtigen Substanzen im Blut oberhalb der Normwerte (Urämie). Weiterhin zu Störungen des Wasser- und Elektrolythaushalts sowie des Säure-Basen-Haushalts. Das akute Nierenversagen ist in der Regel reversibel, das heißt, die (annähernd) normale Funktion der Niere kehrt zurück.
Der Verlauf und die Prognose sind abhängig
von der auslösenden Grunderkrankung bzw. auslösenden Noxen. Wurde auf Grund eines akuten Nierenversagens bei dem Betroffenen bereits einmal eine Dialysebehandlung erforderlich, ist das Risiko erhöht, im weiteren Verlauf ein progredientes (fortschreitendes) chronisches Nierenversagen zu entwickeln (besonders beim intrarenalen akuten Nierenversagen). Das Risiko für eine dauerhafte Dialysebehandlung ist abhängig von der zugrunde liegenden Erkrankung und beträgt ca. 5 %.

Die Letalität (Sterblichkeit bezogen auf die Gesamtzahl der an der Krankheit Erkrankten) von Intensivpatienten mit AVN beträgt 60 %. Das ist darin begründet, dass das AVN selbst, unabhängig von der Grunderkrankung, einen ungünstigen Einfluss auf alle biologischen Prozesse und Organfunktionen des Körpers ausübt.

Leitlinien

  1. Cano NJ, Aparicio M, Brunori G et al.: ESPEN Guidelines on Parenteral Nutrition: adult renal failure. Clin Nutr 2009; 28: 401-414
  2. Singer P, Berger MM, Van den Berghe G et al.: ESPEN Guidelines on Parenteral Nutrition: intensive care. Clin Nutr 2009; 28: 387-400

     
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