Weitere Therapie
Atemstillstand (Apnoe)

Reanimation (Wiederbelebung)

Erste Hilfe bei Herzstillstand, d.h. Versuch der Wiederbelebung durch den Ersthelfer vor Ankunft der Notärzte hat einen großen Einfluss auf die Überlebenschance. Gemäß einer Studie waren Patienten mit Wiederbelebungsversuch durch Ersthelfer nach 30 Tagen noch in 10,5 % der Fälle am Leben, dagegen waren Patienten ohne Wiederbelebungsversuch durch Ersthelfer nur noch in 4 % der Fälle am Leben [3].

Beachte: Eine stabile Seitenlage kann es erschweren, dass ein Atemstillstand rasch erkannt wird und mit einer Herzmassage zu beginnen ist [8].
Fazit: Die stabile Seitenlage behindert die Einschätzung der Atemtätigkeit.

Allgemeines

  • Eine kardiopulmonale Reanimation (engl.: cardiopulmonary resuscitation, CPR) ist erforderlich bei Herz- und/oder Atemstillstand
  • Die Wiederbelebung des Herzens wird durch Herzmassage, Defibrillation (Schockgeber; Behandlungsmethode gegen lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen) und Verabreichung von Medikamenten durchgeführt
  • Die Therapie beim Atemstillstand beinhaltet das Freimachen der Atemwege und die künstliche Beatmung zur Wiederherstellung des Gasaustausches in der Lunge
  • Man kann den Basic-Life-Support vom Advanced-Life-Support (durch professionell Helfer) unterscheiden.
  • Nach prähospitalem Kreislaufstillstand sind die Überlebenschancen höher, wenn die Patienten in spezielle Zentren (Cardiac Arrest Center) eingeliefert werden. Dieses gilt in Einzelfällen auch unterlaufender Reanimation [4].

Indikationen

  • Herzstillstand ‒ vor allem durch Myokardinfarkt (Herzinfarkt) und Herzrhythmusstörungen bedingt
  • Atemstillstand

Der European Resuscitation Council (ERC) nennt folgende Situationen bei denen professionelle Helfer bei Kindern und Erwachsenen erwägen sollten, eine Reanimation zu unterlassen: 

  • Sicherheit der Ersthelfer ist nicht gewährleistet.
  • Eine offensichtlich tödliche Verletzung liegt vor oder der irreversible Tod ist eingetreten (sichere Todeszeichen).
  • Wenn trotz laufender erweiterter Reanimationsmaßnahmen eine Asystolie ohne reversible Ursache länger als 20 Minuten besteht.
  • Es liegt eine gültige und zutreffende Patientenverfügung vor.

Vorgehen bei einer Reanimation

  • Bewusstsein prüfen, Hilfe rufen, ggf. AED (automatisierter externer Defibrillator) anbringen
  • A ‒ Atemwege frei machen
  • B ‒ Beatmung
  • C ‒ Circulation (Herzdruckmassage)
  • D ‒ Drugs (Medikamente)

Bewusstsein prüfen (Basic-Life-Support)

  • Person ansprechen, schütteln
  • Wenn keine Reaktion: Hilfe rufen, Rückenlagerung

Atemwege freimachen (Basic-Life-Support)

  • Überstrecken des Halses
  • Anheben des Kinns
  • Professionelle Helfer verwenden Absauggeräte, Atemwegshilfen wie Güdel-Tubus (zum Offenhalten der oberen Atemwege)

Äußere Herzdruckmassage (Basic-Life-Support) [4]

  • Patient liegt auf harter Unterlage in Rückenlage.
  • Der Druckpunkt liegt in der Mitte des Brustkorbs.
  • Der Druck muss mit den Handballen platziert werden.
  • Der Brustkorb soll zwischen 5 und 6 Zentimeter eingedrückt werden.
  • Die Druckfrequenz soll zwischen 100-120/ Minute liegen.
  • Der Brustkorb muss nach der Kompression komplett entlastet werden, d. h. während der Entlastungsphase nicht weiter auf das Brustbein stützen („leaning“), da dieses neben der Vollständigkeit auch die Geschwindigkeit der Dekompression, d. h. Entlastung, beeinträchtigen kann; die Hand wird jedoch nicht abgehoben. Dabei ist zu beachten: Kompression : Entlastung = 1 : 1.
    Für den Erfolg der kardiopulmonalen Reanimation scheint die Geschwindigkeit ein wichtiger Faktor zu sein, mit der die Dekompression erreicht wird (cardiac compression release velocity, CCRV) [1].
  • Der Helfer kniet seitlich neben dem Patienten; der Oberkörper ist senkrecht über dem Druckpunkt; die Ellenbogen werden durchgedrückt.
  • Die Helfer sollten nach circa 2 Minuten wechseln.
  • Grundsätzlich wird bei der Laienreanimation mit 30 Kompressionen begonnen, dann folgen 2 Beatmungen.
  • Die Kompressionen haben einen höheren Stellenwert in der kardiopulmonalen Reanimation als die Beatmung; in den ersten Minuten nach einem Herzstillstand ist der Sauerstoffgehalt im Blut noch ausreichend.
  • Reanimationsdauer:
    • mindestens 20 Minuten; einige Leitlinien geben keine konkreten Empfehlungen
    • Vornahme eines strukturierten Assessment nach drei Zyklen der kardiopulmonalen Reanimation und einer Rhythmusanalyse

In einer Studie mit über 11.00 Patienten (aus der ROC- und PRIMED-Studie) betrug die mittlere Reanimationsdauer 20 Minuten, 13,5 Minuten bei Patienten, deren Kreislauf spontan wiederkehrte, 23,4 Minuten bei denen, wo dieses nicht der Fall war [5]. 

Gefahren der Herzdruckmassage

  • Rippen-/Rippenserienbrüche ‒ vor allem bei falschem Druckpunkt oder älteren Patienten
    Reanimation nicht unterbrechen/abbrechen

Beatmung (Basic-Life-Support)

  • Ohne Hilfsmittel: Mund-zu-Mund-/Mund-zu-Nase-Beatmung
  • Mit Hilfsmittel: Professionelle Helfer nutzen zur Sicherung der Atemwege Endotracheltuben (Beatmungsschlauch, einer Hohlsonde aus Kunststoff), Larynxmasken (Kehlkopfmaske, Mittel zum Offenhalten der Atemwege) etc..
  • Zwei Beatmungen sollen nicht länger als 5 Sekunden dauern.

Gefahren der Beatmung

  • Hyperventilation (vertiefte und/oder beschleunigte Atmung, d. h. eine über den Bedarf gesteigerte Lungenbelüftung) kann die Auswurfleistung des Herzens vermindern.
  • Hyperventilation erhöht die Gefahr der Regurgitation (Zurückfließen von Mageninhalt in den Rachenraum).
  • Das Risiko einer Infektion während der Atemspende ist extrem gering.

Erweiterte Reanimationsmaßnahmen (Advanced-Life-Support) 

  • Defibrillation (Behandlungsmethode/Schockgeber gegen die lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen) bei Kammerflimmern und pulsloser ventrikulärer Tachykardie/Kammertachykardie
    Beachte: Bei pulsloser elektrischer Aktivität (PEA) bzw. Elektro-Mechanische Dissoziation (EMD) bleibt eine Defibrillation wirkungslos.
  • Intubation ‒ Einführen eines Endotrachealtubus zur Sicherung des Atemwegs; als Alternativen gelten supraglottische Atemwegshilfen (SGA)
  • Applikation von Medikamenten (z. B. Adrenalin)

Nach erfolgreicher Reanimation [4]

  • Temperaturmanagement: Nach Kreislaufstillstand bewusstlose Patienten sollen unabhängig vom initialen Herzrhythmus für mindestens 24 Stunden auf 33 oder 36 °C gekühlt werden. Fieber muss ebenso wie Hyperoxie (Sauerstoffüberangebot) jedem Fall für 72 Stunden vermieden werden.

Reanimation bei Kindern

  • Bei Kindern mit Herz-Kreislauf-/Atemstillstand wird initial fünfmal beatmet; danach wird die Reanimation mit 15 Thoraxkompressionen im Wechsel mit zwei Beatmungen fortgeführt; Laien können alternativ auch mit dem Verhältnis 30:2 reanimieren, wie es aus der Reanimation von Erwachsenen bekannt sein sollte.

Outcome (Behandlungserfolg)

  • Outcome von 102.000 Patienten mit Herzstillstand außerhalb der Klinik [2]:
    • 31 % anhaltende Rückkehr des Spontankreislaufs (mindestens 20 Minuten Puls); Rückkehr des Spontankreislaufs lag in den Gruppen der 45- bis 80-Jährigen weitgehend konstant bei etwa 30 %
    • 9,6 % konnte lebend die Klinik verlassen; Subgruppenanalyse: nach der Wiederbelebung konnten die Klinik verlassen:
      • 16,7 % der unter 20-Jährigen
      • 1,7 % der reanimierten Hochbetagten
    • 7,9 % trug keine gravierenden neurologischen Schäden davon (definiert als Wert von ein oder zwei Punkten nach der Cerebral Performance Category, CPC)
    • 88 % der erfolgreich reanimierten Patienten unter 20-Jährigen hatten keine gravierenden neurologische Schäden
    • 70 % der reanimierten Hochbetagten hatten keine gravierenden neurologische Schäden

Weitere Hinweise

  • Patienten, die durch eine Laienreanimation mittels eines AED (automatisierter externer Defibrillator) reanimiert wurden, hatten das absolute Risiko auf einen Tod oder eine Pflegebedürftigkeit von nur 2,0 % (0,0-4,2). Das Risiko war sogar niedriger als in den Fällen, in denen medizinische Ersthelfer, die in der Regel später eintreffen, die Reanimation durchführten (3,7 %; 2,5-4,9) [9].
  • Patienten, die im innerklinischen Bereich wg. eines Herzstillstandes innerhalb von 15 Minuten intubiert ("Einführen einer Hohlsonde in die Luftröhre") wurden, hatten eine höhere Mortalität (Sterberate) als die nicht intubierten Kontrollpatienten (16,4 % vs. 19,4 %), dieses galt auch für ein gutes funktionelles Ergebnis (= höchstens mäßiges neurologisches Defizit) (10,6 % vs. 13,6 %). Die Gruppe der Patienten, die initial einen schockbaren Rhythmus hatten, zeigte ein besseres Überleben ohne Intubation (39,2 % vs 26,8 %) [7].
  • Personen, die einen Herzstillstand erlitten haben und Statine eingenommen hatten, haben bessere Chancen, das Ereignis zu überleben als Personen ohne vorangegangene Statin-Therapie [6]:
    • 19 % höhere Chance nach dem Herzstillstand lebend ein Krankenhaus
    • 47 % höhere Chance lebend aus der Klinik entlassen zu werden
    • 50 % höhere Chance ein Jahr nach dem Ereignis noch am Leben zu sein
  • Registerdaten aus Schweden zeigen, dass bei einem präklinischen Herzstillstand die alleinige Thoraxkompression Leben rettet [11].
    • nur Herzdruckmassage (CO-CPR, compression-only cardiopulmunary resuscitation) überlebten 14,3 Prozent Patienten mit Herzstillstand die ersten 30 Tage (im Jahr 2000 waren es nur acht Prozent gewesen; 2000 wurden in Schweden die CPR-Richtlinien (engl.: cardiopulmonary resuscitation) geändert: selbst ausgebildete Ersthelfer dürfen auf die Mund-zu-Mund-Beatmung verzichten, wenn sie Ekel empfinden)
    • klassische Wiederbelebung mit Beatmung (S-CPR): 16,2 Prozent der Patienten wurden gerettet
    • Beachte: Die CO-CPR war der klassischen Wiederbelebung mit Beatmung unterlegen, wenn die Rettungskräfte später als 10 Minuten nach dem Herzstillstand eintrafen. Dieses ist nicht erstaunlich, da der verbliebene Sauerstoff in Blut und Lunge nach 10 Minuten verbraucht ist.

Mögliche Komplikationen [10]

  • Rippenfrakturen (Rippenbrüche: manuelle Reanimation versus mechanischer Reanimation: 77 % versus 96 %)
  • Sternumfrakturen (Brustbeinbrüche: manuelle Reanimation versus mechanischer Reanimation: 38 % versus 80 %)
  • Weichteilverletzungen (manuelle Reanimation versus mechanischer Reanimation: 1,9 % versus 10 %; darunter waren Weichteilverletzungen, die potentiell lebensbedrohlich waren)

Literatur

  1. Kovacs A et al.: Chest Compression Release Velocity: Association with Survival and Favorable Neurologic Outcome after Out-of-Hospital Cardiac Arrest. Resuscitation 2015, online 29. April; doi: 10.1016/j.resuscitation.2015.04.026
  2. Andersen LW et al.: The relationship between age and outcome in out-of-hospital cardiac arrest patients. Resuscitation 2015, online 1. Juni; doi: 10.1016/j.resuscitation.2015.05.015
  3. Hasselqvist-Ax I et al.: Early Cardiopulmonary Resuscitation in Out-of-Hospital Cardiac Arrest. N Engl J Med 2015; 372:2307-2315June 11, 2015 doi: 10.1056/NEJMoa1405796
  4. Leitlinien des European Resuscitation Council (ERC) zur Reanimation 2015
  5. Reynolds J, Grunau, B; Rittenberger J et al.: The Association Between Duration of Resuscitation and Favorable Outcome After Out-of-Hospital Cardiac Arrest: Implications for Prolonging or Terminating Resuscitation. Circulation 2016 Oct 19. pii: CIRCULATIONAHA.116.023309. [Epub ahead of print]
  6. Ping-Hsun Yu: Use of statins before cardiac arrest may aid survival afterwards, Präsentation beim Kongress der American Heart Association (AHA) 2016, 12.-16. November 2016, New Orleans
  7. Andersen LW et al.: Association Between Tracheal Intubation During Adult In-Hospital Cardiac Arrest and Survival. JAMA 2017, online 24. Januar; doi: 10.1001/jama.2016.20165
  8. Freire-Tellado M et al.: Does lying in the recovery position increase the likelihood of not delivering cardiopulmonary resuscitation? Resuscitation 2017, online 9. April; doi: 10.1016/j.resuscitation.2017.03.008
  9. Kragholm K et al.: Bystander Efforts and 1-Year Outcomes in Out-of-Hospital Cardiac Arrest. N Engl J Med 2017; 376:1737-1747 May 4, 2017 doi: 10.1056/NEJMoa1601891
  10. Friberg N et al.: Skeletal and soft tissue injuries after manual and mechanical chest compression. Eur Heart J Qual Care Clin Outcomes. 11. Januar 2019. https://doi.org/10.1093/ehjqcco/qcy062
  11. Riva G et al.: Survival in Out-of-Hospital Cardiac Arrest After Standard Cardiopulmonary Resuscitation or Chest Compressions Only Before Arrival of Emergency Medical Services: Nationwide Study During Three Guideline Periods. Circulation. 2019;0 https://doi.org/10.1161/CIRCULATIONAHA.118.038179
     
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