Atemstillstand (Apnoe) – Körperliche Untersuchung

Bei einem Atemstillstand (Aussetzen der Atmung) muss unverzüglich eine wirksame Beatmung (künstliche Unterstützung der Atmung) erfolgen. Bei Bewusstlosigkeit und fehlender bzw. nicht normaler Atmung ist von einem Kreislaufstillstand (Stillstand von Herz und Kreislauf) auszugehen und unverzüglich mit der kardiopulmonalen Reanimation (Wiederbelebung von Herz und Lunge) zu beginnen.

Erfahrene Anwender der erweiterten Reanimationsmaßnahmen (Wiederbelebungsmaßnahmen) können gleichzeitig den Karotispuls (Puls an der Halsschlagader) prüfen. Die körperliche Untersuchung darf die lebensrettenden Maßnahmen nicht verzögern.

Eine umfassende klinische Untersuchung ist die Grundlage für die Auswahl der weiteren diagnostischen Schritte:

  • Allgemeine körperliche Untersuchung – initial als fokussierte Notfalluntersuchung parallel zu den lebensrettenden Maßnahmen; inklusive Bewusstseinslage, Atemfrequenz (Anzahl der Atemzüge pro Minute), Puls, Blutdruck und Körpertemperatur, soweit unmittelbar erhebbar; des Weiteren:
    • Bewusstseinsprüfung durch Ansprechen und adäquaten Berührungsreiz [Bewusstlosigkeit bzw. fehlende Reaktion]
    • Beurteilung der Spontanatmung (selbstständigen Atmung) durch Beobachtung des Thorax (Brustkorbs) sowie Hören und Fühlen eines Luftstroms [Atemfrequenz 0/min; fehlende Thoraxexkursionen (Atembewegungen des Brustkorbs); kein hör- bzw. fühlbarer Luftstrom]
      • Eine Schnappatmung bzw. agonale Atmung (unregelmäßige letzte Atemzüge) ist keine normale Atmung und muss bei einer bewusstlosen Person als Hinweis auf einen Kreislaufstillstand gewertet werden.
    • Inspektion von Haut und Schleimhäuten [Zyanose (Blaufärbung von Haut und Schleimhäuten) bei fortgeschrittener Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut)]
  • Untersuchung der Atemwege
    • Inspektion von Mundhöhle und zugänglichem Pharynx (Rachen) auf Fremdkörper, Sekret, Blut, Erbrochenes, Schwellungen bzw. Verletzungen
    • Prüfung der Durchgängigkeit der oberen Atemwege; bei fehlender Atemwegsdurchgängigkeit Suche nach einer mechanischen Obstruktion (Verlegung)
    • Inspektion von Gesicht und Hals auf Hinweise auf Trauma (Verletzung), Angioödem (tiefer liegende Gewebeschwellung) oder andere Ursachen einer oberen Atemwegsobstruktion (Verlegung der oberen Atemwege)
  • Untersuchung der Lunge
    • Inspektion des Thorax [fehlende spontane Atembewegungen]
    • Auskultation (Abhören) der Lunge [beidseits fehlende spontane Atemgeräusche]
    • Nach Beginn der Beatmung Kontrolle auf symmetrische Thoraxexkursionen und beidseitige Atemgeräusche; bei fehlender bzw. einseitiger Belüftung unverzügliche Prüfung auf Atemwegsobstruktion, Fehlposition eines Atemwegszugangs bzw. Pneumothorax (Luftansammlung zwischen Lunge und Brustwand)
    • Inspektion und Palpation (Abtasten) des Thorax auf Verletzungen, Asymmetrien und subkutanes Emphysem (Luftansammlung unter der Haut) als Hinweise auf eine mögliche zugrunde liegende thorakale (den Brustkorb betreffende) Ursache
  • Kardiovaskuläre Untersuchung (Untersuchung von Herz und Kreislauf)
    • Bei erfahrenen Anwendern gleichzeitige Palpation eines zentralen Pulses (Pulses an einer großen körpernahen Arterie) zur Beurteilung, ob neben dem Atemstillstand ein Kreislaufstillstand vorliegt; bei Zweifel ist von einem Kreislaufstillstand auszugehen.
    • Nach Wiederherstellung bzw. bei sicher vorhandenem Kreislauf Beurteilung von Pulsfrequenz und -qualität, Blutdruck, Hauttemperatur und Rekapillarisierungszeit (Zeit bis zur Wiederauffüllung kleinster Blutgefäße)
  • Neurologische Untersuchung (Untersuchung des Nervensystems) – nach Sicherung von Atmung und Kreislauf:
    • Bewusstseinslage bzw. Glasgow Coma Scale (Skala zur Beurteilung des Bewusstseins)
    • Pupillenweite, Pupillendifferenz (unterschiedliche Weite beider Pupillen) und Lichtreaktion
    • Orientierende Prüfung auf fokal-neurologische Defizite (örtlich begrenzte Ausfälle des Nervensystems), sofern der Bewusstseinszustand dies zulässt
    • Ausgeprägte Miosis (Pupillenverengung) kann auf eine Opioidintoxikation (Vergiftung mit Opioiden) als Ursache der Atemdepression (zu langsame bzw. zu flache Atmung) bzw. Apnoe (Atemstillstand) hinweisen.
  • Orientierende Untersuchung auf auslösende bzw. reversible Ursachen
    • Zeichen einer Fremdkörperaspiration (Einatmen eines Fremdkörpers) bzw. Atemwegsobstruktion
    • Zeichen eines Thoraxtraumas (Verletzung des Brustkorbs) bzw. Spannungspneumothorax (lebensbedrohliche Luftansammlung zwischen Lunge und Brustwand unter zunehmendem Druck)
    • Urtikaria (Nesselsucht), Angioödem bzw. andere Zeichen einer Anaphylaxie (schweren allergischen Sofortreaktion)
    • Hinweise auf Intoxikation (Vergiftung), insbesondere Bewusstseinsstörung und Miosis bei möglicher Opioidwirkung
    • Hinweise auf neurologische Ursachen, Trauma, Hypothermie (Unterkühlung) bzw. andere unmittelbar behandelbare Auslöser

In eckigen Klammern [ ] wird auf mögliche pathologische (krankhafte) körperliche Befunde hingewiesen.