Quecksilber

Bei Quecksilber (Hydrargyrum (Hg), Mercurius) handelt es sich um ein Element aus der Gruppe der Schwermetalle.

Quecksilber kommt in vielen Bereichen des täglichen Lebens vor (z. B. Amalgamfüllungen). Zudem nehmen wir Quecksilber mit der Nahrung auf (Fisch und Meeresfrüchte können mit Quecksilber (Methylquecksilber) belastet sein – insbesondere Raubfischarten: Schwertfisch, Thunfisch; z. T. auch Buttermakrele, Forelle, Heilbutt, Karpfen). 

Quecksilber kommt in verschiedenen anorganischen und organischen Verbindungen vor.

Man kann eine akute von einer subakuten und chronischen Quecksilber-Vergiftung (Merkurialismus) unterscheiden. Zeichen einer chronischen Quecksilber-Vergiftung sind erst ab einer mindestens einjährigen Exposition mit mehr als 50 μg/m³ zu erwarten.

Bei der akuten Quecksilber-Vergiftung können folgende Symptome auftreten:

  • Brennende Schmerzen in der Speiseröhre
  • Nierenfunktionsstörungen durch Zerstörung der Nierentubuli bis hin zur Urämie (Nierenversagen)
  • Nausea (Übelkeit)/Erbrechen
  • Inhalation größerer Quecksilbermengen führt zu einer Reizung der Atemwege und zu einer Schädigung des Zentralnervensystems

Bei der subakuten Quecksilber-Vergiftung können folgende Symptome auftreten:

  • Gingivitis (Zahnfleischentzündung), die zur Ausbildung eines dunklen bläulich-violetten Saumes am Zahnfleisch und den Lippen führen kann
  • Nephropathie (Nierenerkrankung), nicht näher bezeichnet
  • Darmschäden, nicht näher bezeichnet, die mit Diarrhöen (Durchfällen)
  • Verstärkte Speichelproduktion
  • Stomatitis (mercurialis) (Mundschleimhautentzündung)
  • Zahnausfall

Bei chronischer Quecksilber-Vergiftung kann es zu folgenden Symptomen kommen:

  • Dermatitis mercurialis – Form der entzündlichen Hautreaktion
  • Diarrhöen (Durchfälle)
  • Gingivitis (Zahnfleischentzündung) – z. T. bläulich-violetter „Quecksilbersaum”
  • Gliederschmerzen
  • Hörstörungen
  • Insomnie (Schlafstörungen)
  • Kachexie
  • Konzentrationsstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Lähmungen
  • Mattigkeit
  • Psellismus mercurialis – stotternde Sprache
  • Rötung des Rachenringes (sogenannter "Quecksilberrachen")
  • Sehstörungen
  • Stomatitis (mercurialis) mit vermehrter Speichelbildung, z. T. auch Mundtrockenheit
  • Tremor mercurialis – unwillkürliches Zittern
  • Zahnlockerung und -verlust
  • ZNS-Symptome wie beispielsweise:
    • Ataxie (Gangstörungen)
    • Erethismus mercurialis – stark gesteigerte Erregbarkeit (Schreckhaftigkeit) und mit starkem Bewegungsdrang sowie ängstlicher Befangenheit, Empfindlichkeit, Menschenscheu und Stimmungslabilität
    • Gedächtnisstörungen und Persönlichkeitsabbau
    • Quecksilberzittern (Tremor mercurialis)
    • sensible und motorische Paresen (Lähmungen)
    • Sprachstörungen (Psellismus mercurialis – stotternde Sprache/verwaschen bei Zischlauten)
    • Sensibilitätsstörungen

Die chronische Vergiftung mit Quecksilber durch orale Aufnahme ist in Japan als Minamata-Krankheit bekannt.

Das Verfahren

Benötigtes Material

  • EDTA-Blut
  • Urin
  • 24h-Sammelurin (vor/Basalwert und nach DMPS-Gabe)
  • (Speichelproben; vor und nach Kaugummikauen)

Vorbereitung des Patienten

  • Nicht nötig
  • 24h-Urin sammeln (Basalwert); am nächsten Morgen DMPS-Gabe (3 Tabletten = 300 mg DMPS oral mit 300 ml Wasser) und erneut 24h-Urin (Belastungswert)

Störfaktoren

  • Nicht bekannt

Normwerte – Blut

Normwert < 7,2 μg/l
BAT-Wert 50 μg/l (Alkyl-Hg-Verbindungen)
100 μg/l ((An-)Organische Verbindungen)

Normwerte – Urin

Normwert < 24,6 μg/l
< 38,9 μg/g Kreatinin
Nach DMPS-Gabe < 50 μg/l
BAT-Wert 200 μg/l

Normwerte – Speichel

Normwert < 5 μg/l


BAT-Wert:
biologischer Arbeitsstoff-Toleranzwert

Indikationen

  • Verdacht auf Quecksilbervergiftung

Interpretation

Interpretation erniedrigter Werte

  • Nicht krankheitsrelevant

Interpretation erhöhter Werte

  • Berufliche Exposition (Anerkennung als Berufserkrankung)
    • Landwirtschaft: Fungizide, Saatgutbeizmittel
    • Pyrotechnische Industrie und Sprengmittel-Industrie
    • Erzeugung von Holzkonservierungsmitteln
    • chemische und pharmazeutische Industrie
    • Zahnmedizin – Legierungen mit Quecksilber (Amalgam)

Achtung!
Organische Quecksilberverbindungen sind toxischer als anorganische Verbindungen!

Weitere Hinweise

  • Der Kaugummi-Test nach Daunderer (Speichelprobe!) zur Abschätzung der Quecksilberbelastung aus Amalgamfüllungen – kann nicht empfohlen werden
  • Bei Vergiftungserscheinungen kann man mit DMPS (2,3-Dimercaptopropan-1-Sulfonsäure) versuchen, dass Quecksilber zu eliminieren.

Leitlinien

  1. S1-Leitlinie: Arbeiten unter Einwirkung von Quecksilber und seinen Verbindungen. (AWMF-Registernummer: 002 - 003), Juli 2014 Langfassung

     
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