Gebärmutterhalskrebs (Cervixkarzinom) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch ein Cervixkarzinom (Gebärmutterhalskrebs) mitbedingt sein können:

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Akute posthämorrhagische Anämie (Blutarmut nach Blutverlust) – kann bei stärkerer tumorassoziierter vaginaler Blutung (Scheidenblutung), fortgeschrittenem ulzerierendem Tumor (geschwürig zerfallender Geschwulst) oder Rezidiv (Wiederauftreten) auftreten; klinisch relevant bei hämodynamischer Instabilität (Kreislaufinstabilität), relevantem Hämoglobinabfall oder Transfusionsbedarf (Bedarf an Blutübertragung) [LL 1, LL 2]
  • Eisenmangelanämie (Blutarmut durch Eisenmangel) – kann durch chronische oder rezidivierende tumorassoziierte Blutungen mitbedingt werden; klinisch relevant durch Fatigue (ausgeprägte Erschöpfung), Belastungsdyspnoe (Atemnot bei Belastung), Leistungsminderung und eingeschränkte Therapietoleranz (Behandlungsverträglichkeit) [LL 1, LL 2]

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Klimakterisches Syndrom (Wechseljahresbeschwerden) beziehungsweise therapieinduzierte ovarielle Insuffizienz (behandlungsbedingte Eierstockschwäche) – kann bei prämenopausalen Patienten (Patienten vor den Wechseljahren) nach pelviner Strahlentherapie (Bestrahlung des Beckens), Radiochemotherapie (kombinierte Strahlen- und Chemotherapie) oder bilateraler Ovarektomie (beidseitige Entfernung der Eierstöcke) auftreten; klinisch relevant durch Hitzewallungen, Schlafstörungen, urogenitale Atrophie (Rückbildung von Harn- und Geschlechtsorgan-Gewebe) und Sexualfunktionsstörungen (Störungen der Sexualfunktion) [3, LL 1, LL 2]

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Lymphödem (Lymphstauung) der unteren Extremität (Bein) – kann nach pelviner Lymphonodektomie (Lymphknotenentfernung im Becken), Sentinel-Lymphknoten-Biopsie (Wächterlymphknoten-Gewebeentnahme), pelviner Strahlentherapie oder kombinierter Behandlung auftreten; das Risiko steigt mit Ausmaß der Lymphknotenentfernung, adjuvanter Radiotherapie (ergänzender Strahlentherapie), höherem Tumorstadium (Krebsstadium) und adipositasassoziierten Faktoren [4, LL 1]
  • Venöse Thromboembolie (Blutgerinnsel in den Venen mit möglicher Verschleppung) – kann bei fortgeschrittener Tumorerkrankung (Krebserkrankung), Immobilisation (Ruhigstellung), Operation, Chemotherapie (medikamentöse Krebsbehandlung), zentralvenösen Kathetern oder tumorassoziierter Hyperkoagulabilität (erhöhter Gerinnungsneigung) auftreten; klinisch relevant durch tiefe Venenthrombose (Blutgerinnsel in tiefen Venen) und Lungenembolie (Verschluss einer Lungenarterie durch ein Blutgerinnsel) [LL 1, LL 2]

Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (K70-K77; K80-K87)

  • Lebermetastasen (Tochtergeschwülste in der Leber) – relevante hämatogene Fernmetastasierung (Absiedlung über den Blutweg in entfernte Organe) bei fortgeschrittenem oder rezidiviertem Cervixkarzinom; in populationsbasierten Analysen seltener als Lungenmetastasen, aber prognostisch ungünstig [1, 2, LL 1, LL 2]

Mund, Ösophagus, Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Chronische Strahlenenteritis (dauerhafte strahlenbedingte Darmentzündung) beziehungsweise Strahlenkolitis (strahlenbedingte Dickdarmentzündung) – kann nach pelviner Strahlentherapie oder Radiochemotherapie auftreten; klinisch relevant durch Diarrhoe (Durchfall), Tenesmen (schmerzhafter Stuhldrang), abdominelle Schmerzen (Bauchschmerzen), Blut-/Schleimabgang, Malabsorption (gestörte Nährstoffaufnahme) oder Stenosen (Verengungen) [5, LL 1]
  • Rektale Dysfunktion (Enddarmfunktionsstörung) – kann nach radikaler Operation, Strahlentherapie oder Radiochemotherapie auftreten; klinisch relevant durch Stuhldrang, Stuhlinkontinenz (unwillkürlicher Stuhlabgang), Entleerungsstörung, rektale Schmerzen (Enddarmschmerzen) oder Strahlenproktopathie (strahlenbedingte Enddarmschädigung) [3, 5, LL 1]

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Knochenmetastasen (Tochtergeschwülste im Knochen) – treten bei Fernmetastasierung des Cervixkarzinoms auf; in populationsbasierten Analysen nach Lunge und Leber eine relevante Manifestation (Ausprägung), häufig mit Schmerzen, pathologischen Frakturen (Knochenbrüche bei geschwächtem Knochen), Hypercalcämie (erhöhter Calciumspiegel im Blut) oder Rückenmarkkompression (Druck auf das Rückenmark) verbunden [1, 2, LL 1, LL 2]
  • Kontinuierliches Wachstum in benachbarte Strukturen – kann Uterus (Gebärmutter), Vagina (Scheide), Parametrien (Bindegewebe neben der Gebärmutter), Beckenwand, Harnblase, Ureteren (Harnleiter) oder Rektum (Enddarm) infiltrieren (einwachsen); klinisch relevant durch Schmerzen, Blutung, Fistelbildung (unnatürliche Verbindung zwischen Organen), obstruktive Uropathie (Harnabflussstörung), oder lokoregionäre Therapieresistenz (fehlendes Ansprechen im Tumorgebiet) [LL 1, LL 2]
  • Lungenmetastasen (Tochtergeschwülste in der Lunge) – häufigste hämatogene Fernmetastasierung bei fortgeschrittenem oder rezidiviertem Cervixkarzinom; in populationsbasierten Analysen die häufigste Organmanifestation (Organabsiedlung) bei Fernmetastasierung [1, 2, LL 1, LL 2]
  • Lymphknotenmetastasen (Tochtergeschwülste in Lymphknoten) – zentrale Ausbreitungsform des Cervixkarzinoms; pelvine (im Becken gelegene) und paraaortale (neben der Hauptschlagader gelegene) Lymphknotenmetastasen sind stadienrelevant und prognostisch bedeutsam [LL 1, LL 2]

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Angststörungen (krankhafte Ängste) – können durch Krebsdiagnose, Rezidivangst (Angst vor Wiederauftreten), körperliche Therapiefolgen, Sexualfunktionsstörungen und Einschränkung der Lebensqualität mitbedingt werden [6, LL 1]
  • Depression (Niedergeschlagenheit) – kann im Verlauf der Erkrankung oder nach Therapie auftreten; Risikokonstellationen sind fortgeschrittene Erkrankung, chronische Schmerzen, Fatigue, sexuelle Dysfunktion (Störung der Sexualfunktion), soziale Belastung und eingeschränkte Lebensqualität [6, LL 1]
  • Libidostörungen (Störungen des sexuellen Verlangens) – können durch tumor- und therapieassoziierte Sexualfunktionsstörungen, Dyspareunie, vaginale Trockenheit, vaginale Stenose, klimakterische Beschwerden, Fatigue und psychische Belastung mitbedingt werden [3, 6, LL 1]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Chronischer Beckenschmerz (dauerhafter Schmerz im Becken) – kann tumorbedingt bei lokoregionärer Infiltration (Einwachsen im örtlichen Tumorgebiet) oder therapieassoziiert nach Operation, Strahlentherapie oder Radiochemotherapie auftreten; häufig mit eingeschränkter Lebensqualität und Sexualfunktionsstörung assoziiert [5, LL 1]
  • Diarrhoe – kann insbesondere nach pelviner Strahlentherapie oder Radiochemotherapie auftreten; bei chronischem Verlauf Ausdruck einer Strahlenenteritis, Strahlenkolitis oder rektalen Dysfunktion [5, LL 1]
  • Fatigue – häufige tumor- und therapieassoziierte Belastung bei Cervixkarzinom; kann durch Radiochemotherapie, Anämie, Schmerz, Schlafstörung, Depression und inflammatorische Belastung (entzündliche Belastung) verstärkt werden [6, LL 1]
  • Karzinomblutung (Krebsblutung) – kann bei lokal fortgeschrittenem, ulzerierendem oder rezidiviertem Cervixkarzinom auftreten; in schweren Fällen lebensbedrohlich durch akuten Blutverlust, Anämie oder hämodynamische Instabilität [LL 1, LL 2]
  • Nykturie (nächtliches Wasserlassen) – kann nach pelviner Strahlentherapie, Strahlenzystitis, Blasenfunktionsstörung oder reduzierter Blasenkapazität auftreten [LL 1]

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Dyspareunie (Schmerzen beim Geschlechtsverkehr) – häufige Sexualfunktionsstörung nach Operation, Radiochemotherapie oder Strahlentherapie; mitbedingt durch vaginale Trockenheit, vaginale Stenose, Gewebefibrose, Beckenbodendysfunktion und psychische Belastung [3, LL 1]
  • Harninkontinenz (unwillkürlicher Urinverlust) – kann nach radikaler Hysterektomie (Gebärmutterentfernung), pelviner Strahlentherapie oder kombinierter Therapie auftreten; in Metaanalysen bei Cervixkarzinomüberlebenden als relevante Beckenbodenfunktionsstörung (Störung der Beckenbodenfunktion) beschrieben [3, LL 1]
  • Hydronephrose (Harnstauungsniere) beziehungsweise obstruktive Uropathie – kann durch Parametrieninfiltration (Einwachsen in das Bindegewebe neben der Gebärmutter), Beckenwandbefall, Lymphknotenmetastasen, Ureterummauerung (Umschließung des Harnleiters) oder therapiebedingte Ureterstenose (Harnleiterverengung) entstehen; klinisch relevant durch Nierenfunktionsverschlechterung, Infektion oder postrenales Nierenversagen (Nierenversagen durch Harnabflussstörung) [LL 1, LL 2]
  • Strahlenzystitis (strahlenbedingte Blasenentzündung) – kann nach pelviner Strahlentherapie auftreten; klinisch relevant durch Pollakisurie (häufiges Wasserlassen), Nykturie, Dysurie (Schmerzen beim Wasserlassen), Hämaturie (Blut im Urin), Blasenschmerz oder verminderte Blasenkapazität [LL 1]
  • Vaginale Stenose (Verengung der Scheide) beziehungsweise Verkürzung der Vagina – typische Spätfolge nach pelviner Strahlentherapie oder Brachytherapie (Bestrahlung von innen); klinisch relevant durch Dyspareunie, erschwerte gynäkologische Nachsorge (frauenärztliche Nachkontrolle) und reduzierte sexuelle Lebensqualität [3, LL 1]
  • Verminderte vaginale Lubrikation (verminderte Befeuchtung der Scheide) beziehungsweise vaginale Trockenheit – kann durch Ovarialinsuffizienz, Strahlentherapie, Gewebefibrose (Gewebeverhärtung durch Narbenbildung) und Atrophie (Geweberückbildung) mitbedingt werden; häufige Ursache von Dyspareunie und Sexualfunktionsstörung [3, LL 1]
  • Vesikovaginale oder rektovaginale Fistel (unnatürliche Verbindung zwischen Harnblase beziehungsweise Enddarm und Scheide) – seltene, aber schwerwiegende Komplikation bei lokal fortgeschrittenem Tumor, Rezidiv, Tumornekrose (Absterben von Tumorgewebe) oder nach Strahlentherapie; klinisch relevant durch Harn- beziehungsweise Stuhlabgang über die Vagina, Infektionen und erhebliche Lebensqualitätsminderung [LL 1, LL 2]

Prognosefaktoren

  • Fernmetastasen – ungünstiger Prognosefaktor (Vorhersagefaktor für den Krankheitsverlauf); betroffen sind insbesondere Lunge, Leber und Knochen, bei Adenokarzinomen (Drüsenkrebs) der Cervix (Gebärmutterhals) wurden Lungenmetastasen am häufigsten beschrieben [1, 2, LL 1, LL 2]
  • Histologischer Subtyp (feingeweblicher Untertyp) – Adenokarzinome, adenosquamöse Karzinome (Mischform aus Drüsen- und Plattenepithelkrebs), neuroendokrine Karzinome (Krebs aus hormon- und nervenähnlichen Zellen) und seltene aggressive Subtypen weisen je nach Stadium und Therapieansprechen eine ungünstigere Prognose (Vorhersage des Krankheitsverlaufs) auf als HPV-assoziierte Plattenepithelkarzinome (durch humane Papillomviren mitbedingter Krebs aus Deckgewebe) [1, LL 1, LL 2]
  • Lymphknotenbefall – pelvine und paraaortale Lymphknotenmetastasen verschlechtern die Prognose und bestimmen Stadieneinteilung, Therapieintensität und Rezidivrisiko (Risiko für Wiederauftreten) [LL 1, LL 2]
  • Parametrienbefall, Beckenwandbefall oder Organinfiltration – Zeichen lokoregionär fortgeschrittener Erkrankung mit erhöhtem Risiko für obstruktive Uropathie, Fistelbildung, Blutung und Rezidiv [LL 1, LL 2]
  • Tumorgröße, FIGO-Stadium (Stadium nach internationaler gynäkologischer Krebseinteilung) und Resektionsrandstatus (Beurteilung der Schnittränder nach Operation) – größere Tumoren, höheres Stadium, R1-/R2-Resektion (mikroskopisch beziehungsweise makroskopisch verbleibender Tumorrest) und Lymphgefäßinvasion (Einbruch in Lymphgefäße) sind mit höherem Rezidiv- und Mortalitätsrisiko (Sterblichkeitsrisiko) assoziiert [LL 1, LL 2]

Literatur

  1. Li S, Pan W, Song J, Zhen L, Chen Y, Liu W et al.: Distant organ metastasis patterns and prognosis of cervical adenocarcinoma: a population-based retrospective study. Front Med (Lausanne). 2024;11:1401700. https://doi.org/10.3389/fmed.2024.1401700 
  2. Zhou S, Peng F: Patterns of metastases in cervical cancer: a population-based study. Int J Clin Exp Pathol. 2020;13(7):1615-1623. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32782680/ 
  3. Shan X, Qian M, Wang L et al.: Prevalence of pelvic floor dysfunction and sexual dysfunction in cervical cancer survivors: a systematic review and meta-analysis. Int Urogynecol J. 2023;34(3):655-664. https://doi.org/10.1007/s00192-022-05326-y 
  4. Hu H, Fu M, Huang X, Huang J, Gao J: Risk factors for lower extremity lymphedema after cervical cancer treatment: a systematic review and meta-analysis. Transl Cancer Res. 2022;11(6):1713-1721. https://doi.org/10.21037/tcr-22-1256 
  5. Natuhwera G, Ellis P: The Impact of Chronic Pelvic Pain and Bowel Morbidity on Quality of Life in Cervical Cancer Patients Treated With Radio (Chemo) Therapy. A Systematic Literature Review. J Pain Res. 2025;18:597-618. https://doi.org/10.2147/JPR.S501378 
  6. Dhakal K, Chen C, Wang P, Mboineki JF, Adhikari B: Existing psychological supportive care interventions for cervical cancer patients: a systematic review and meta-analysis. BMC Public Health. 2024;24:1419. https://doi.org/10.1186/s12889-024-18634-3 

Leitlinien

  1. Leitlinienprogramm Onkologie, Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF: S3-Leitlinie Diagnostik, Therapie und Nachsorge der Patientin mit Zervixkarzinom, Langversion 2.2, 2022, AWMF-Registernummer 032/033OL. https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/032-033OL 
  2. Cibula D, Raspollini MR, Planchamp F et al.: ESGO/ESTRO/ESP Guidelines for the management of patients with cervical cancer - Update 2023. Int J Gynecol Cancer. 2023;33(5):649-666. https://doi.org/10.1136/ijgc-2023-004429