Gebärmutterhalskrebs (Cervixkarzinom) – Differentialdiagnosen

Blut, blutbildende Organe – Immunsystem (D50-D90)

  • Gerinnungsstörungen (Störungen der Blutgerinnung) – können abnorme vaginale Blutungen (ungewöhnliche Blutungen aus der Scheide) verstärken, erklären jedoch keine suspekte zervikale Läsion
  • Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen) – kann Schleimhautblutungen und vaginale Blutungen begünstigen, erklärt jedoch keine lokale Portioveränderung (Veränderung am sichtbaren Muttermund)

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Anovulatorische Blutungsstörung (Blutungsstörung ohne Eisprung) – hormonell bedingte abnorme uterine Blutung (ungewöhnliche Blutung aus der Gebärmutter), insbesondere bei Zyklusstörungen; keine Erklärung für eine suspekte Cervixläsion
  • Hyperprolaktinämie (erhöhter Prolaktinspiegel) – kann Zyklusstörungen verursachen; nur bei irregulären Blutungen ohne lokale Cervixpathologie (Erkrankung des Gebärmutterhalses) relevant
  • Schilddrüsenfunktionsstörung (Störung der Schilddrüsenfunktion) – kann Zyklusstörungen und abnorme uterine Blutungen mitbedingen; keine Erklärung für Kontaktblutung durch lokale Läsion

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Lichen planus der Vulva/Vagina (entzündliche Haut- und Schleimhauterkrankung des äußeren weiblichen Genitales/der Scheide) – erosive Schleimhautveränderung mit Blutung, Fluor, Brennen und Dyspareunie möglich
  • Lichen sclerosus der Vulva (chronische Hauterkrankung des äußeren weiblichen Genitales) – relevante Differenzialdiagnose (andere mögliche Ursache) bei vulvären Läsionen (Veränderungen am äußeren weiblichen Genital); keine primäre Differenzialdiagnose einer zervikalen Läsion

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Condylomata acuminata (Feigwarzen) – humane Papillomavirus-assoziierte anogenitale Warzen; Abgrenzung zu exophytischen zervikalen/vaginalen Läsionen erforderlich
  • Herpes genitalis (Genitalherpes) – vesikulär-ulzerierende Läsionen der Vulva, Vagina oder Cervix mit Kontaktblutung oder Fluor möglich
  • Trichomoniasis (Infektion mit Trichomonaden) – sexuell übertragbare Infektion mit Fluor, zervikaler Entzündung und punktförmigen Blutungen der Cervix möglich
  • Zervizitis, infektiös (infektiöse Gebärmutterhalsentzündung) – meist durch Chlamydia trachomatis, Neisseria gonorrhoeae oder Mycoplasma genitalium; typische Differenzialdiagnose bei Fluor, Kontaktblutung und zervikaler Fragilität (Verletzlichkeit des Gebärmutterhalses)

Leber, Gallenblase und Gallenwege – Pankreas (K70-K77; K80-K87)

  • Leberinsuffizienz (Leberfunktionsschwäche) mit Gerinnungsstörung – kann eine Blutungsneigung und vaginale Blutungen verstärken; keine lokale Differenzialdiagnose einer Cervixläsion

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Cervixpolyp (Gebärmutterhalspolyp) – benigne polypöse Läsion der Cervix; kann Kontaktblutungen, intermenstruelle Blutungen und Fluor verursachen
  • Endometriumkarzinom (Gebärmutterschleimhautkrebs) – maligner Tumor der Gebärmutterschleimhaut; wichtige Differenzialdiagnose bei postmenopausaler Blutung und irregulärer uteriner Blutung
  • Endometriumpolyp (Gebärmutterschleimhautpolyp) – fokale benigne Schleimhautproliferation (gutartige Schleimhautwucherung); häufige Ursache von intermenstruellen oder postmenopausalen Blutungen
  • Leiomyom des Uterus (Myom) – benigner Tumor der glatten Uterusmuskulatur (Gebärmuttermuskulatur); kann verstärkte, verlängerte oder irreguläre Blutungen verursachen
  • Vaginalkarzinom (Scheidenkrebs) – maligner Tumor der Vagina; Differenzialdiagnose bei vaginaler Läsion, Kontaktblutung, Fluor oder postmenopausaler Blutung
  • Vorstadien des Cervixkarzinoms – zervikale intraepitheliale Neoplasie (CIN I-III) beziehungsweise Plattenepithel-Läsionen (Veränderungen des Deckgewebes); Abgrenzung durch Zytologie (Zelluntersuchung), humanes Papillomavirus-Testung, Kolposkopie (Lupenuntersuchung des Gebärmutterhalses) und Histologie (Gewebeuntersuchung)

Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett (O00-O99)

  • Abort (Fehlgeburt) – Schwangerschaftskomplikation mit vaginaler Blutung; bei reproduktivem Alter obligat differentialdiagnostisch zu berücksichtigen
  • Extrauteringravidität (Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutter) – Schwangerschaft außerhalb der Gebärmutterhöhle; wichtige Differenzialdiagnose bei vaginaler Blutung und Unterbauchschmerz
  • Placenta praevia (tiefsitzender Mutterkuchen) – tiefsitzende Plazenta; Differenzialdiagnose bei schmerzloser vaginaler Blutung in der Schwangerschaft

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Abnorme uterine Blutung, nicht näher bezeichnet – Arbeitsdiagnose, bis strukturelle, entzündliche, schwangerschaftsassoziierte und maligne Ursachen ausgeschlossen sind
  • Postmenopausale Blutung – Leitsymptom, das immer eine Abklärung von Endometrium-, Cervix- und Vaginalpathologien erfordert

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Adenomyose (Gebärmuttermuskelerkrankung durch Schleimhautinseln) – Endometriumgewebe innerhalb der Uterusmuskulatur; kann Hypermenorrhoe (verstärkte Regelblutung), Dysmenorrhoe (Regelschmerzen) und irreguläre Blutungen verursachen
  • Atrophische Kolpitis (Scheidenentzündung durch Schleimhautrückbildung) – östrogenmangelbedingte Schleimhautatrophie (Schleimhautrückbildung), insbesondere postmenopausal; kann Kontaktblutung, Brennen, Dyspareunie und Fluor verursachen
  • Cervixektopie (Verlagerung von Gebärmutterhalsdrüsengewebe) – Verlagerung von Zylinderepithel (Drüsengewebe) auf die Portiooberfläche; benigne Ursache von Kontaktblutung und verstärktem Fluor
  • Endometriumhyperplasie (Verdickung der Gebärmutterschleimhaut) – prämaligne oder benigne Proliferation des Endometriums; Differenzialdiagnose bei irregulärer oder postmenopausaler Blutung
  • Endometriose (Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutter) – ektopes Endometriumgewebe; kann zyklusabhängige Schmerzen, Blutungsstörungen und dyspareunische Beschwerden verursachen
  • Fluor entzündlicher Genese – entzündlich bedingter vaginaler/zervikaler Ausfluss; Abgrenzung durch klinischen Befund, pH-Wert, Mikroskopie (Untersuchung unter dem Mikroskop) und Erregerdiagnostik
  • Vaginitis (Scheidenentzündung) – infektiöse oder nichtinfektiöse Entzündung der Vagina mit Fluor, Schleimhautreizung, Kontaktblutung oder Dyspareunie möglich

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Fremdkörper der Vagina – kann Fluor, Blutung, Ulzeration (Geschwürbildung) und entzündliche Schleimhautveränderungen verursachen
  • Traumatische Läsion von Cervix oder Vagina – z. B. nach Geschlechtsverkehr, Manipulation, Geburt oder Eingriff; Differenzialdiagnose bei akuter Kontaktblutung

Medikamente

  • Antikoagulantien (Blutgerinnungshemmer) und Thrombozytenaggregationshemmer (Blutplättchenhemmer) – können vaginale Blutungen verstärken oder demaskieren; eine strukturelle Ursache ist dennoch auszuschließen
  • Hormonelle Kontrazeption (hormonelle Verhütung) – kann Durchbruchblutungen oder Schmierblutungen verursachen
  • Tamoxifen – kann Endometriumhyperplasie, Endometriumpolypen und Endometriumkarzinom begünstigen; bei Blutung abklärungsbedürftig