Aktuelles zur Coronavirus-Infektion
Anamnese
Sterilität des Mannes

Die Anamnese (Krankengeschichte) stellt einen wichtigen Baustein in der Diagnostik der Sterilität des Mannes dar.

Familienanamnese

  • Gibt es in Ihrer Familie häufig Probleme mit der Zeugungsfähigkeit bei Männern?

Soziale Anamnese

  • Welchen Beruf üben Sie aus?
  • Sind Sie in Ihrem Beruf schädigenden Arbeitsstoffen ausgesetzt?
  • Arbeiten Sie in Bereichen mit erhöhter Umgebungstemperatur (Arbeit am Hochofen, Bäckerei)?
  • Gibt es Hinweise auf psychosoziale Belastungen oder Belastungen auf Grund Ihrer familiären Situation?

Aktuelle Anamnese/Systemanamnese (somatische und psychische Beschwerden)

  • Wie lange versuchen Sie schon mit Ihrer Partnerin ein Kind zu zeugen?
  • Kam es in der Vergangenheit schon einmal zu einer Schwangerschaft? Falls ja:
    • Mit dieser oder einer früheren Partnerin?
    • Wurde die Schwangerschaft ausgetragen oder kam es zu einem Abort (Fehlgeburt)?
  • War Ihre Pubertät normal oder verzögert?
  • Wie ist Ihre Libido (Lust auf Sex)?
  • Wie häufig wird ein Geschlechtsverkehr/Monat praktiziert?
  • Liegt eine Erektionsstörung vor? Falls ja:
    • Besteht eine Ejakulatsstörung?
    • Abnahme des Ejakulatvolumens?
    • Aspermie (Ausbleiben des Ejakulats mit oder ohne Spermien (Samen) trotz Orgasmus)?

Vegetative Anamnese inkl. Ernährungsanamnese

  • Sind Sie über-/untergewichtig? Geben Sie uns bitte Ihr Körpergewicht (in kg) und Ihre Körpergröße (in cm) an.
  • Ernähren Sie sich ausgewogen bzw. vollwertig?
  • Treiben Sie viel (exzessiv) Sport?
  • Gehen Sie regelmäßig in die Sauna?
  • Benutzen Sie im Auto die Sitzheizung?
  • Trinken Sie gerne Kaffee, schwarzen und grünen Tee? Wenn ja, wie viele Tassen pro Tag?
  • Trinken Sie andere bzw. weitere koffeinhaltige Getränke? Wenn ja, wie viel jeweils davon?
  • Rauchen Sie? Wenn ja, wie viele Zigaretten, Zigarren oder Pfeifen pro Tag?
  • Trinken Sie Alkohol? Wenn ja, welches Getränk bzw. welche Getränke und wie viele Gläser pro Tag?
  • Nehmen Sie Drogen? Wenn ja, welche Drogen (Cannabis1+3, Morphin3, Opiate3) und wie häufig pro Tag bzw. pro Woche?

Eigenanamnese

  • Vorerkrankungen (Diabetes mellitus, Hormonstörungen, Erkrankungen des Urogenitaltraktes (Urethritis/Harnröhrenentzündung, Prostatitis/Prostataentzündung, Epididymitis/Nebenhodenentzündung), Hodenschäden (z. B. Maldescensus testis (fehlerhafter Abstieg des Hodens in den Hodensack) Hodenverletzungen: z. B. Hodentorsion/Stieldrehung von Hoden und Nebenhoden mit Unterbrechung der Blutzirkulation), Mumps, Nierenerkrankungen, Lebererkrankungen, Geschlechtskrankheiten, Diabetes mellitus, Schilddrüsenerkrankungen, Tumorerkrankungen)
  • Operationen (Hodenhochstand, Inguinalhernie (Leistenbruch))
  • Strahlentherapie (im Bereich des kleinen Beckens bzw. der Fortpflanzungsorgane oder des Kopfes)
  • Allergien
  • Umweltanamnese (s. u. "Umweltbelastungen – Intoxikationen“)

Medikamentenanamnese

  • Antibiotika1
    • Anthracycline
    • Cotrimoxazol
    • Gentamycin
    • Nitrofurantoin
    • Sulfonamide
  • Antihypertensiva (können zu einer Beeinträchtigung der Spermatogenese (Samenzellbildung) führen)
    • Alpha-1-Rezeptorenblocker2 (Doxazosin, Prazosin, Terazosin)
    • Betablocker (Betarezeptorenblocker)3 – (Atenolol, Betaxolol, Bisoprolol, Carvedilol, Celiprolol Metoprolol, Nadolol, Nebivolol, Oxprenolol, Pindolol, Propranolol )
    • Reserpin3
  • Antidepressiva
    • Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) – Citalopram2, Fluoxetin2, Sertralin2
    • Trizyklische Antidepressiva (nichtselektive Monoamin-Wiederaufnahme-Hemmer, NSMRI) – Doxepin2, Opipramol2
    • Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahme-Hemmer (SNRI) – Duloxetin2, Venlafaxin2
  • Antiepileptika (Pregabalin2, Primidon3)
  • Anxiolytika2
  • Calciumkanalantagonist (Calciumkanalblocker) – Amlodipin (Einfluss auf das Fertilisierungspotenzial)
  • H2-Blocker – Cimetidin4, Famotidin4, Ranitidin4
  • Haarwuchsmittel (Finasterid3)
  • Hormone
    • Glucocorticoide3
    • Testosteronpräparate3 (Testosteron, Anabolika)
  • Ketoconazol (Störungen der Androgenbiosynthese)3
  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) – Ibuprofen (Testosteron/LH-Verhältnis als Funktion der Leydigzellen ↓) [3]
  • Prostatamittel2 (Dutasterid, Finasterid)
  • Rauwolfia3
  • Zytostatika1 (Substanzen, die das Zellwachstum bzw. die Zellteilung hemmen)  – z. B. Busulfan, Chlorambucil, Cisplatin, Cyclophosphamid, Methotrexat (MTX)

1Oligozoospermie (< 20 Mio. Spermatozoen pro Milliliter) bzw. gestörte Spermatogenese (Samenbildung)
2Ejakulationsstörungen inkl. vermindertes Ejakulatvolumen
3Verminderte Testosteronproduktion
4Einfluss auf die Hormonsekretion

Medikamente, die zu Erektionsstörungen führen können, finden Sie unter der Krankheit "Erektile Dysfunktion (ED) bzw. Erektionsstörungen".

Umweltbelastung – Intoxikationen (Vergiftungen)

  • Ionisierende Strahlen (elektrische Felder?)
  • Überwärmung der Hoden Arbeit am Hochofen, Bäckerei, häufige Saunagänge; Sitzheizung im Auto: langes und häufiges Fahren mit beheizten Autositzen kann die Zeugungsfähigkeit mindern. Die Spermien werden in der Anzahl weniger (Oligozoospermie), langsamer (Asthenozoospermie) und sind häufiger fehlgebildet (Teratozoospermie) [Oligo-Astheno-Teratozoospermie, OAT-Syndrom]
  • Luftschadstoffe: Feinstaub – Feinstaubgehalt (PM2,5) der Luft; Zunahme der Feinstaub­konzen­tration um jeweils 5 µg/m3 [2]
    • Rückgang der Spermien mit normaler Form und Größe um 1,29 Prozent
    • Anteil der Spermien im untersten Zehnten der Spermienmorphologie stieg um 26 Prozent
    • leichten Zunahme der Spermienkonzentration
  • Umweltnoxen (Berufsstoffe, Umweltchemikalien):
    • Bisphenol A (BPA)
    • Chlororganika (z. B. Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT), Dioxine, polychlorierte Biphenyle*, PCB)
    • Lösungsmittel (z. B. Glykolether; Kohlenstoffdisulfid)
    • Nichtionische Tenside (z. B. Alkylphenole)
    • Pestizide, Herbizide (z. B. Dibromchlorpropan (DBCP), Ethylendibromid)
    • Schwermetalle (Blei-, Quecksilber-Verbindungen)
    • Sonnenschutzmittel wie 4-Methylbenzylidencampher (4-MBC), Kunststoff-Weich­macher Di-n-butylphthalat (DnBP), das antibakteriell wirkende Triclosan (z. B. in Zahnpasta und Kosmetika) [1]
    • Weichmacher (Phthalate*)

*gehören zu den endokrinen Disruptoren (Synonym: Xenohormone), die bereits in geringsten Mengen durch Veränderung des Hormonsystems die Gesundheit schädigen können.

Literatur

  1. Schiffer C, Müller A, Egeberg DL, Brenker C, Rehfeld A, Frederiksen H, Wäschle B, Kaupp UB, Balbach M, Wachten D, Skakkebaek NE, Almstrup K, Strünker T: Direct action of endocrine disrupting chemicals on human sperm. EMBO reports (doi 10.15252/embr.201438869)
  2. Lao XQ et al.: Exposure to ambient fine particulate matter and semen quality in Taiwan. Occup Environ Med. 2017 Nov 13. pii: oemed-2017-104529. doi: 10.1136/oemed-2017-104529.
  3. Kristensen DM et al.: Ibuprofen alters human testicular physiology to produce a state of compensated hypogonadism. PNAS 2018 January, 115 (4) E715-E724. https://doi.org/10.1073/pnas.1715035115
     
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