Wundstarrkrampf (Tetanus) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Tetanus (Wundstarrkrampf) mitbedingt sein können:

Atmungssystem (J00-J99)

  • Aspirationspneumonie (Lungenentzündung durch Einatmen von Fremdmaterial) – durch Dysphagie (Schluckstörung), pharyngeale Spasmen (Krämpfe im Rachenbereich), Laryngospasmus (Kehlkopfkrampf), gestörte Schutzreflexe (Schutzreaktionen), Sedierung (medikamentöse Beruhigung) oder Beatmung (künstliche Atemunterstützung) [1-4]
  • Ateminsuffizienz (unzureichende Atmung) – durch Laryngospasmus, Thoraxwandrigidität (Brustwandversteifung), Zwerchfellbeteiligung (Beteiligung des Atemmuskels), respiratorische Muskelspasmen (atembezogene Muskelkrämpfe) oder Aspiration (Einatmen von Fremdmaterial) [1-4]
  • Laryngospasmus – potenziell lebensbedrohliche Atemwegsobstruktion (Verlegung der Atemwege) mit Gefahr von Hypoxämie (Sauerstoffmangel im Blut), Atemstillstand und Tod [1-4]
  • Nosokomiale Pneumonie (im Krankenhaus erworbene Lungenentzündung) – insbesondere bei schwerem Verlauf mit prolongierter Intensivtherapie (verlängerter Behandlung auf der Intensivstation), Intubation (Einführen eines Beatmungsschlauchs) oder maschineller Beatmung [1-4]

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Dekubitus (Druckgeschwür) – unspezifische Immobilisations- und Intensivtherapiekomplikation (Komplikation durch Bewegungsunfähigkeit und Behandlung auf der Intensivstation), insbesondere bei schwerem generalisiertem Tetanus mit Sedierung, Beatmung und prolongierter Immobilität (verlängerter Bewegungsunfähigkeit) [1, 2]

Herzkreislaufsystem (I00-I99)

  • Arrhythmien (Herzrhythmusstörungen) – im Rahmen der autonomen Dysregulation (Fehlregulation des vegetativen Nervensystems), insbesondere bei schwerem generalisiertem Tetanus [1-4]
  • Blutdruckentgleisungen – hypertensive Krisen (starke Blutdruckkrisen), Hypotonie (niedriger Blutdruck) oder rasche Blutdruckschwankungen durch autonome Dysregulation [1-4]
  • Kardiovaskulärer Kollaps (Herz-Kreislauf-Zusammenbruch)/Herz-Kreislauf-Stillstand – selten, aber lebensbedrohlich bei schwerer autonomer Instabilität (Instabilität des vegetativen Nervensystems), Hypoxämie oder respiratorischem Versagen (Atemversagen) [1, 2, 4]
  • Lungenembolie (Verschluss einer Lungenarterie) – mögliche Immobilisations- und Intensivtherapiekomplikation, insbesondere bei schwerem Verlauf mit prolongierter Immobilität, Beatmung, höherem Alter oder zusätzlicher Thromboserisiko-Konstellation (Konstellation mit erhöhtem Risiko für Blutgerinnsel) [1, 2, 4]
  • Tachykardie (Herzrasen)/Bradykardie (verlangsamter Herzschlag) – Ausdruck der autonomen Dysregulation bei schwerem Tetanus [1-4]
  • Thrombosen (Blutgerinnsel) – mögliche Immobilisations- und Intensivtherapiekomplikation, insbesondere bei schwerem Verlauf mit prolongierter Immobilität und zusätzlicher Thromboserisiko-Konstellation [1, 2]

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Nosokomiale Infektionen (im Krankenhaus erworbene Infektionen) – unspezifische Intensivtherapiekomplikation, insbesondere bei prolongierter Hospitalisierung (verlängertem Krankenhausaufenthalt), invasiven Zugängen (in den Körper eingebrachten Zugängen), Beatmung und schwerem Krankheitsverlauf [1, 2]
  • Sepsis (Blutvergiftung) – sekundär möglich bei Pneumonie (Lungenentzündung), Wundinfektion (Entzündung einer Wunde), katheterassoziierter Infektion (Katheter-assoziierter Entzündung) oder anderen nosokomialen Infektionen im Rahmen schwerer intensivmedizinischer Verläufe [1, 2]

Mund, Ösophagus (Speiseröhre), Magen und Darm (K00-K67; K90-K93)

  • Paralytischer Ileus (Darmlähmung) – möglich bei schwerem generalisiertem Tetanus, autonomer Dysregulation, Immobilität, Sedierung, Opioidtherapie (Behandlung mit starken Schmerzmitteln) oder prolongierter Intensivtherapie [1, 2]

Muskel-Skelett-System und Bindegewebe (M00-M99)

  • Muskelrisse/Sehnenrupturen (Sehnenrisse) – durch schwere tonische Spasmen (anhaltende Muskelkrämpfe) und unkontrollierte Muskelkontraktionen (Muskelanspannungen) [1, 2, 4]
  • Rhabdomyolyse (Muskelzerfall) – durch ausgeprägte Muskelrigidität (Muskelsteifigkeit) und wiederholte generalisierte Spasmen, mit Risiko einer akuten Nierenschädigung (plötzlichen Nierenschädigung) [1, 2]

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Autonome Dysregulation – schwere vegetative Instabilität (Instabilität des unwillkürlichen Nervensystems) mit Blutdruckschwankungen, Tachykardie, Bradykardie, Arrhythmien, Schwitzen und Temperaturinstabilität [1-4]
  • Hypoxische Enzephalopathie (Hirnschädigung durch Sauerstoffmangel) – möglich nach schwerem Laryngospasmus, Atemstillstand, kardiovaskulärem Kollaps oder prolongierter Hypoxämie [1, 2, 4]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Dyspnoe (Atemnot) – bei respiratorischer Muskelbeteiligung (Beteiligung der Atemmuskulatur), Thoraxwandrigidität, Laryngospasmus, Aspiration oder Pneumonie [1-4]
  • Dysphagie – durch Beteiligung der Kau-, Schlund- und Kehlkopfmuskulatur; klinisch relevant wegen Aspirationsrisiko (Risiko des Einatmens von Fremdmaterial) [1-4]
  • Tod – vor allem durch respiratorisches Versagen, Laryngospasmus, Aspirationspneumonie, Hypoxämie, kardiovaskuläre Komplikationen bei autonomer Dysregulation oder sekundäre Infektionen [1-4]

Urogenitalsystem (Nieren, Harnwege – Geschlechtsorgane) (N00-N99)

  • Akute Nierenschädigung/akutes Nierenversagen – insbesondere sekundär bei Rhabdomyolyse, Kreislaufinstabilität, Sepsis oder schwerer intensivmedizinischer Verlaufsform [1, 2]

Verletzungen, Vergiftungen und andere Folgen äußerer Ursachen (S00-T98)

  • Frakturen (Knochenbrüche) – vor allem Wirbelkörperfrakturen (Knochenbrüche der Wirbelkörper) und Frakturen langer Röhrenknochen (Knochenbrüche langer Knochen) durch schwere Muskelspasmen [1-4]
  • Wirbelsäulenverletzungen – insbesondere Kompressions- oder Berstungsfrakturen (Druck- oder Trümmerbrüche) bei ausgeprägtem Opisthotonus (krampfartiger Rückwärtsüberstreckung des Körpers) und generalisierten Spasmen [1, 2, 4]

Prognosefaktoren

  • Kurze Inkubationszeit (Zeit zwischen Ansteckung und Krankheitsbeginn) – insbesondere < 7 Tage; Hinweis auf hohe Toxinlast (Giftstoffmenge) und schwereren Verlauf [1, 2]
  • Kurze Onset-Time (Zeit vom ersten Symptom bis zu Krämpfen) – rasche Progression (Fortschreiten) von ersten Symptomen bis zu generalisierten Spasmen, insbesondere < 48 h [1, 2]
  • Generalisiert schwerer Tetanus – ausgeprägte Muskelrigidität, häufige Spasmen, respiratorische Beteiligung oder Beatmungspflicht [1-4]
  • Autonome Dysregulation – relevanter Prädiktor (Vorhersagefaktor) schwerer Verläufe, insbesondere bei Blutdruckinstabilität, Tachykardie, Bradykardie oder Arrhythmien [1-4]
  • Respiratorische Komplikationen – Laryngospasmus, Ateminsuffizienz, Aspirationspneumonie oder nosokomiale Pneumonie verschlechtern die Prognose [1-4]
  • Höheres Lebensalter und relevante Komorbidität (Begleiterkrankung) – erhöhtes Risiko für schweren Verlauf, Pneumonie, Thromboembolie (Gefäßverschluss durch Blutgerinnsel) und Tod [1-4]
  • Unvollständiger oder unbekannter Impfstatus – erhöht das Erkrankungsrisiko; eine durchgemachte Tetanuserkrankung führt nicht zu sicherer Immunität (körpereigenem Schutz) [3, 5, LL1-LL3]
  • Verzögerter Therapiebeginn – insbesondere verspätete Wundsanierung (Wundreinigung und Wundbehandlung), Tetanus-Immunglobulin-Gabe (Gabe von Abwehrstoffen gegen Tetanus), antibiotische Therapie, Spasmenkontrolle und intensivmedizinische Stabilisierung [1-3, LL1-LL3]
  • Begrenzter Zugang zu Intensivmedizin – fehlende Möglichkeit zur Atemwegssicherung, Beatmung, Sedierung, Spasmenkontrolle und Behandlung der autonomen Dysregulation erhöht die Letalität (Sterblichkeit) [1, 2]
  • Neonataler Tetanus (Tetanus beim Neugeborenen) – weiterhin mit hoher Letalität in Regionen mit unzureichender maternaler Immunisierung (mütterlichem Impfschutz) und fehlender steriler Nabelversorgung (keimfreier Nabelversorgung) [1, 2, LL3]

Literatur

  1. Sudarshan R, Sayo AR, Renner DR, de Saram S, Godbole G, Warrell C, et al. Tetanus: recognition and management. Lancet Infect Dis. 2025;25(11):e645-e657. https://doi.org/10.1016/S1473-3099(25)00292-0
  2. Centers for Disease Control and Prevention. Clinical Features of Tetanus. Updated 2025. https://www.cdc.gov/tetanus/hcp/clinical-signs/index.html
  3. Centers for Disease Control and Prevention. Chapter 21: Tetanus. Epidemiology and Prevention of Vaccine-Preventable Diseases. https://www.cdc.gov/pinkbook/hcp/table-of-contents/chapter-21-tetanus.html
  4. MSD Manual Professional Edition. Tetanus. https://www.msdmanuals.com/professional/infectious-diseases/anaerobic-bacteria/tetanus
  5. Robert Koch-Institut. RKI-Ratgeber: Tetanus. https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Impfen/Impfungen-A-Z/Tetanus/tetanus-node.html

Leitlinien

  1. Ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut. Impfkalender 2026. https://www.rki.de/DE/Themen/Infektionskrankheiten/Impfen/Staendige-Impfkommission/Empfehlungen-der-STIKO/Empfehlungen/Impfkalender.pdf
  2. UK Health Security Agency. Guidance on the management of suspected tetanus cases and the assessment and management of tetanus-prone wounds. Updated 2024. https://www.gov.uk/government/publications/tetanus-advice-for-health-professionals/guidance-on-the-management-of-suspected-tetanus-cases-and-the-assessment-and-management-of-tetanus-prone-wounds
  3. World Health Organization. Tetanus vaccines: WHO position paper – February 2017. https://www.who.int/publications/i/item/WHO-WER9206