Anamnese
Herzinfarkt (Myokardinfarkt)

Die Anamnese (Krankengeschichte) stellt einen wichtigen Baustein in der Diagnostik des Myokardinfarkts (Herzinfarkt) dar.

Familienanamnese

  • Gibt es in Ihrer Familie Personen, die einen Herzinfarkt oder andere Gefäßerkrankungen wie einen Schlaganfall erlitten haben?

Soziale Anamnese

  • Welchen Beruf üben Sie aus?
  • Wird in Ihrer Umgebung geraucht, d. h. Sie sind Passivraucher?
  • Gibt es Hinweise auf psychosoziale Belastungen (Arbeitsstress) oder Belastungen auf Grund Ihrer familiären Situation?

Aktuelle Anamnese/Systemanamnese (somatische und psychische Beschwerden)

  • Haben Sie Symptome wie Druckschmerz hinter dem Brustbein oder in den Arm/ in den Kiefer ausstrahlende Schmerzen?*
  • Haben Sie Schmerzen im Rücken, Nacken oder haben Sie Bauchschmerzen?*
  • Fühlen Sie sich kaltschweißig?
  • Haben Sie Bauchschmerzen?
  • Ist Ihnen übel? Müssen Sie erbrechen?
  • Haben Sie Atemnot?*
  • Haben Sie starke Angst?*

Vegetative Anamnese inkl. Ernährungsanamnese

  • Sind Sie übergewichtig? Geben Sie uns bitte Ihr Körpergewicht (in kg) und Ihre Körpergröße (in cm) an.
  • Ernähren Sie sich ausgewogen?
  • Bewegen Sie sich täglich ausreichend?
  • Rauchen Sie? Wenn ja, wie viele Zigaretten, Zigarren oder Pfeifen pro Tag?
  • Trinken Sie Alkohol? Wenn ja, welches Getränk bzw. welche Getränke und wie viele Gläser pro Tag?
  • Nehmen Sie Drogen? Wenn ja, welche Drogen (Kokain) und wie häufig pro Tag bzw. pro Woche?

Eigenanamnese inkl. Medikamentenanamnese

  • Vorerkrankungen (Herzkrankheiten)
  • Operationen
  • Allergien

Medikamentenanamnese

  • Clarithromycin – innerhalb von 14 Tagen nach Therapiebeginn erhöhtes Risiko unter anderem für Myokardinfarkte [29]
  • Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR; z. B. Ibuprofen, Diclofenac) inkl. COX-2-Hemmer (Synonyme: COX-2-Inhibitoren; allgemein: Coxibe; z. B. Celecoxib, Etoricoxib, Parecoxib) [10, 11, 12]; schon in der ersten Therapiewoche nimmt das Myokardinfarktrisiko um 20-50 % zu [41]
    NSAR führten bei Atemwegserkrankung zu einem 3,4-fach erhöhten Myokardinfarktrisiko, eine Atemwegserkrankung allein erhöhte das Risiko um das 2,7-Fache, die alleinige NSAR-Anwendung dagegen um das 1,5-Fache. Eine intravenöse Therapie mit einem NSAR bei Atemwegsinfektionen ließ das das Risiko für einen späteren Myokardinfarkt um das 7,2-Fache ansteigen [35]
    Keine signifkante erhöhte Rate von vaskulären Todesfällen ist für Naproxen und Acetylsalicylsäure nachweisbar [14]. Beide sind Inhibitoren (Hemmer) der Cyclooxygenase COX-1.
  • Protonenpumpenhemmer (Protonenpumpeninhibitoren, PPI; Säureblocker):
    • bei Patienten, die diese wegen Sodbrennen einnahmen [21]
      Zu beachten ist, das viele PPI über das Leberenzym CYP3A4 abgebaut werden, was zugleich für die Aktivierung von Clopidogrel (Thrombozytenaggregationshemmer) erforderlich ist. Entsprechend konnte in einer Studie nachgewiesen werden, dass die gleichzeitige Einnahme von z. B. Omeprazol mit Clopidogrel den Plasmaspiegel von Clopidogrel senkt.
    • Langzeit-Anwender von PPI erkrankten zu 16-21 % häufiger an Myokardinfarkten [21]

Umweltanamnese

  • Wetterfaktoren [44]:
    • niedrige Außentemperaturen (vier Herzinfarkte mehr, wenn die Durchschnittstemperatur unter 0 °C fiel, als bei Temperaturen über 10 °C)
    • hohe Windgeschwindigkeit
    • wenig Sonnenlicht 
    • hohe Luftfeuchtigkeit
  • Hitze
  • Im Winter: Bei einem Absinken der Tagestemperatur um 10 °C stieg die Myokardinfarkt-Häufigkeit um 7 % an [13]
  • Feinstaub durch Holzverbrennung – erhöhtes Herzinfarktrisiko bei über 65-Jährigen; bes. in Kälteperioden (< 6,4 °C im Drei-Tages-Mittel); weder NO2 noch der Ozongehalt der Luft nahmen einen wesentlichen Einfluss auf das Ergebnis [38]
  • "Asian dust" (Sandkörnchen, Bodenpartikeln, chemische Schadstoffen und Bakterien): akute Myokardinfarkte traten einen Tag nach Asian-dust-Wetterlagen mit 45 % höherer Wahrscheinlichkeit auftraten als an anderen Tagen [45]
  • Stickstoffdioxid- und Feinstaubbelastungen [25]
  • Tage mit starkem Pollenflug (> 95 Pollenkörner pro m3 Luft) (+ 5 %) [31]

Literatur

  1. S. u. "Ursachen

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