Medikamentöse Therapie
Neurodermitis (atopisches Ekzem)

Therapieziel

Verbesserung der Symptomatik

Therapieempfehlungen

Meidung von Triggerfaktoren (Auslöser):

  • Hausstaubmilben
  • Kontaktallergene
  • Pollen auf der Haut
  • Nahrungsmittelallergie [nur eine Nahrungsmittelallergie vom Soforttyp oder deutliche Spätreaktionen rechtfertigen Karenzmaßnahmen (Eliminationsdiäten/Ausschlussdiät)]

Stufentherapie wie nachfolgend beschrieben:

  • Stufe 1 (trockene Haut): Basistherapie (mehrfach täglich und nach jedem Baden):
    • Hautpflege mit rückfettenden Substanzen/Hydratation der Haut (Basistherapeutika) und Vermeiden von Hautirritationen; der Basistherapie können Harnstoff (nicht bei Säuglingen indiziert oder Glycerin zugesetzt werden; der Einsatz von Basistherapeutika führt zur Einsparung von topischen Glucocorticoiden;
    • Vermeidung oder Reduktion von Provokationsfaktoren
  • Stufe 2 (leichte Ekzeme): Maßnahmen der Stufe 1 + plus
    • Niedrigpotente topische Glucocorticoide und/oder topische (örtlich wirkende") Calcineurinhemmer-Inhibitoren
    • Evtl. UV-Therapie (nicht im Kindesalter)
    • Evtl. zusätzliche Anwendung von antiprurigninösen ("Juckreiz stillend") und antiseptische ("gegen die Keime gerichteten") Wirkstoffen
  • Stufe 3 (moderate, zeitweilig schwer ausgeprägte Ekzeme): Maßnahmen der Stufe 1 + 2;
    • bei älteren Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen temporär auch höher potente topische Glucocorticoide
    • Evtl. UV-Therapie (nicht im Kindesalter)
  • Stufe 4 (persistierende, schwer ausgeprägte Ekzeme): 1 + 2 + 3 plus
    • Immunsuppressiva (z. B. Ciclosporin (Cyclosporin A); einziger zugelassener immunsuppressiver Wirkstoff zur First-Line-Systemtherapie bei Erwachsenen (inzwischen ist auch Dupilumab zugelassen); bei Nichtwirksamkeit bzw. Kontraindikationen (Gegenanzeigen) für Ciclosporin (Cyclosporin A) kann bei der Neurodermitis des Erwachsenen auch Methotrexat und Mycophenolat-Mofetil eingesetzt werden.
  • Siehe auch unter "Weitere Therapie".

Weitere Hinweise

  • Während der akuten Phase hat sich die ABC-Strategie bewährt [1]:
    • antientzündliche ("A") Behandlung der Haut mit topischen Glucocorticoiden oder topischen Calcineurinhemmern 
    • nach abklingen der Symptome Cremes (Lipide, vor allem Ceramide) für die Reparatur der Hautschutzbarriere ("B") 
    • wenn die Hautschutzbarriere wieder stabilisiert ist, verwenden von Pflegecremes ("C"), die die Haut in ihrer Funktion unterstützen
  • Vor Umstellung von Stufe 3 auf Stufe 4 feststellen, ob Triggerfaktoren oder weitere belastende und therapiebedürftige Faktoren, wie etwa eine Hautinfektion, vorliegen. Des Weiteren sollte die topische antiinflammatorische (antientzündliche) Therapie, je nach Patientenalter über bis zu vier Wochen optimiert und intensiviert werden.
  • Erwachsenen mit mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis (AD), die für eine systemische Therapie in Frage kommen: Dupilumab (Hemmung überaktiver Signalwege von Interleukin (IL)-4 und IL-13) [Neben Ciclosporin A ist zur First-Line-Systemtherapie zugelassen]
  • Ein atopisches Ekzem darf nur mit Antibiotika behandelt werden, wenn eine Infektion vorliegt!
    Die Haut von Patienten mit einer Neurodermitis ist üblicherweise mit einer hohen Zahl von Staphylococcus aureus besiedelt. Dieser Keim spielt zwar eine Rolle bei entzündlichen Hautprozessen, doch eine orale Antibiotikabehandlung reduziert weder die Symptome noch den Schweregrad einer Neurodermitis. Zur Antibiotikatherapie:
    • Kein Einsatz topischer Antibiotika!
    • Einsatz von systemischen Antibiotika und topischen Antiseptika bei bakterieller Superinfektion bzw. Superinfektion.
  • Keine Juckreizreduktion durch orale Antihistaminika! Eine effiziente antiinflammatorische Therapie ist die wirksamste Therapie des Pruritus.
  • Antivirale Systemtherapie (z. B. Aciclovir bei Ekzema herpeticatum)
  • Azathioprin nur bei schwer betroffenen Patienten
  • Möglicher Einsatz spezifischer Immuntherapie mit Allergien (SIT) bei ausgewählten sensibilisierten Patienten.
  • Die Verwendung von Badezusätzen (Emollentien: Wasser-in-Öl- oder Öl-in-Wasser-Emulsionen), zu denen die Leitlinien im Rahmen einer Basistherapie der Atopischen Dermatitis (Neurodermitis) raten, hat sich in einer randomisierten Studie als weitgehend wirkungslos erwiesen [5].
  • Hinweis zu Pimecrolismus: Das Immunsuppressivum wird auch systemisch zur Vermeidung von Abstoßungsreaktionen Organtransplantationen eingesetzt. Dabei traten Nebenwirkungen auf wie beispielsweise Hautkrebs und Lymphome.
    Die topische Anwendung zur Behandlung der atopischen Dermatitis ergab bei Auswertungen, dass kein erhöhtes Risiko für Krebserkrankungen steht [2].
  • Cave!  (Quelle: Rote-Hand-Brief zu Myofortic® (Mycophenolat-Natrium) vom Februar 2016 [3])
    • In der Schwangerschaft nicht anwenden, außer wenn keine geeignete alternative Behandlung zur Verhinderung einer Transplantatabstoßung zur Verfügung steht.
    • Bei Frauen im gebärfähigen Alter nicht verwenden, die keine hochwirksame Verhütungsmethode vornehmen.
    • Um eine unbeabsichtigte Anwendung während der Schwangerschaft auszuschließen, soll eine Behandlung mit Mycophenolat-Natrium bei Frauen im gebärfähigen Alter ohne Vorlage eines Schwangerschaftstestergebnisses nicht begonnen werden.
    • Sollte nicht von stillenden Müttern angewendet werden.
    • Ärzte sollen sicherstellen, dass Frauen und Männer, die Mycophenolat-Natrium anwenden, die Risiken einer Schädigung des Babys, die Notwendigkeit einer wirksamen Verhütung und die Notwendigkeit der sofortigen Benachrichtigung ihres Arztes im Fall einer möglichen Schwangerschaft verstehen.  

Monoklonale Antikörper

Wirkstoffe Dosierung Schweregrad
Dupilumab  300 mg/alle 2 Wochen

mittelschwere bis schwere atopischer Dermatitis

Hinweis: ca. ein Drittel wird unter einer Monotherapie beschwerdefrei, bei den übrigen sollte ggf. die topische Therapie mit einem Glucocorticoid oder Calcineurin-Inhibitor fortgeführt werden

  • Wirkweise; spezifische Hemmung überaktiver Signalwege von Interleukin (IL)-4 und IL-13
  • Der maximale Effekt auf die Effloreszenzen (Hautveränderungen) wird im Regelfall bereits nach einem Monat erreicht, beim Pruritus dauert es etwas länger.
  • Indikation: Erwachsene mit mittelschwerer bis schwerer atopischer Dermatitis (AD), die für eine systemische Therapie in Frage kommen
  • Kann als Monotherapie oder in Kombination mit topischen Corticosteroiden verabreicht werden.
  • Dosierungshinweise: Verabreichung in Form einer Fertigspritze;  ist vom Patienten nach einer Anfangsdosis alle zwei Wochen subkutan selbst injizierbar
  • Nebenwirkungen: Hautreaktionen an der Einstichstelle der Injektion; Konjunktivitis (dann ggf. Fluorometholon 0,1 % Augentropfen)
  • Einzelfallbericht: Rezidiv eines Morbus Crohn nach Behandlung einer atopischen Dermatitis mit Dupliumab [6].

Phytotherapeutika

Zu diesem Thema liegt ein umfassendes evidenzbasiertes Review vor [4]. Folgende Phytotherapeutika sind mit Studien für die adjuvante Therapie einer Neurodermitis belegt:

  • Gerbstoffe aus dem Rhizom der Blutwurz (Potentilla officinalis) 
  • Nachtkerze (Oenothera biennis; Öl aus den Samen der Nachtkerze)
  • Johanneskraut (Hypericum perforatum; hyperforinreicher Johanniskrautextrakt); Wirkungen: antibakterielle, antiinflammatorische und differenzierungsfördernde Eigenschaften
  • Süßholz (Glycyrrhiza glabra; Glyzyrrhetinsäure standardisierter Extrakt aus Süßholz)

Supplemente (Nahrungsergänzungsmittel; Vitalstoffe)

Geeignete Nahrungsergänzungsmittel sollten die folgenden Vitalstoffe enthalten:

  • Vitamine (Vitamin E (Tocopherole), Vitamin D (Calciferole), Vitamin D3 (Cholecalciferol))
  • Fettsäuren – Omega-3-Fettsäuren (Eicosapentaeinsäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA)); Omega-6-Fettsäuren (Gamma-Linolensäure (GLA) – am besten kombiniert mit Vitamin E und Zink)
  • Sekundäre Pflanzenstoffe (Beta-Carotin)
  • Weitere Vitalstoffe – Probiotika 

Für Fragen zum Thema Nahrungsergänzungsmittel stehen wir Ihnen gerne kostenfrei zur Verfügung.

Nehmen Sie bei Fragen dazu bitte per E-Mail – info@docmedicus.de – Kontakt mit uns auf, und teilen Sie uns dabei Ihre Telefonnummer mit und wann wir Sie am besten erreichen können.

Literatur

  1. S2k-Leitlinie: Neurodermitis. (AWMF-Registernummer: 013-027), März 2015 Kurzfassung Langfassung
  2. Margolis DJ et al.: Association Between Malignancy and Topical Use of Pimecrolimus. JAMA Dermatol. Published online February 18, 2015. doi:10.1001/jamadermatol.2014.4305
  3. Rote-Hand-Brief zu Myofortic® (Mycophenolat-Natrium) vom Februar 2016
  4. Vieira BL et al.: Complementary and Alternative Medicine for Atopic Dermatitis: An Evidence-Based Review. Am J Clin Dermatol. 2016; 17:557-581.
  5. Santer M et al.: Emollient bath additives for the treatment of childhood eczema (BATHE): multicentre pragmatic parallel group randomised controlled trial of clinical and cost effectiveness. BMJ. 2018 May 3;361:k1332. doi: 10.1136/bmj.k1332.
  6. AkdÄ Drug Safety Mail | 56–2019 | Bekanntgabe der AkdÄ im Deutschen Ärzteblatt vom 18.10.2019: Rezidiv eines Morbus Crohn nach Behandlung einer atopischen Dermatitis mit Dupilumab

Leitlinien

  1. S2k-Leitlinie: Neurodermitis. (AWMF-Registernummer: 013-027), März 2015 Kurzfassung Langfassung
  2. Europäische Leitlinien (S1) für die Anwendung von hochdosierten intravenösen Immunglobulinen in der Dermatologie. J Dtsch Dermatol Ges. 2017 Feb;15(2):227-238. doi: 10.1111/ddg.13013_g.

     
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