Nagelpilz (Onychomykose) – Folgeerkrankungen

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch Onychomykose (Nagelpilz) (Tinea unguium) mitbedingt sein können:

Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten (E00-E90)

  • Diabetisches Fußsyndrom (diabetische Fußerkrankung)/diabetische Fußulzeration (diabetisches Fußgeschwür) – bei Patienten mit Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit), insbesondere bei peripherer Neuropathie (Nervenschädigung außerhalb von Gehirn und Rückenmark), peripherer arterieller Verschlusskrankheit (Durchblutungsstörung der Beinarterien), Druckbelastung durch verdickte Nägel und eingeschränkter Wundheilung (Heilung von Wunden); Onychomykose ist bei Diabetes mellitus mit einem erhöhten Risiko für Ulzerationen (Geschwürbildungen), infektiöse Komplikationen und fußbezogene Eingriffe assoziiert [1, 4, 5]

Haut und Unterhaut (L00-L99)

  • Bakterielle Fuß-/Weichteilinfektion (Infektion von Fuß und Weichteilen), einschließlich Erysipel (Wundrose)/Cellulitis (bakterielle Entzündung des Unterhautgewebes) – insbesondere bei Rhagaden (Hautrissen), periungualen Hautläsionen (Hautschädigungen um den Nagel), begleitender Tinea pedis (Fußpilz), Diabetes mellitus, Lymphödem (Lymphstauung), peripherer arterieller Verschlusskrankheit oder Immunsuppression (Unterdrückung des Immunsystems) [1, 4, 5, LL1]
  • Bakterielle Superinfektion (zusätzliche bakterielle Infektion) – insbesondere bei gestörter Hautbarriere (Schutzfunktion der Haut), Kratzläsionen (Kratzverletzungen), periungualer Entzündung (Entzündung um den Nagel), begleitender Tinea pedis, Diabetes mellitus oder Immunsuppression [1, 4, 5, LL1]
  • Dermatophytose (Hautpilzerkrankung durch Fadenpilze) anderer Körperregionen, insbesondere Tinea pedis und Tinea cruris (Leistenpilz) – durch Autoinokulation (Selbstübertragung) beziehungsweise gemeinsames Erregerreservoir (Erregerquelle); die Richtung der Kausalität (Ursächlichkeit) ist klinisch nicht immer eindeutig, weshalb diese Konstellation (Zusammentreffen von Befunden) als mitbedingte Ausbreitung (Weiterverbreitung)/Reinfektion (Wiederansteckung) zu werten ist [LL1]
  • Periunguale Erosionen (oberflächliche Hautdefekte um den Nagel), Druckläsionen (Druckschäden) und Ulzerationen – durch Nagelverdickung, subunguale Hyperkeratose (Verhornung unter dem Nagel), Nagelbröckelung und mechanischen Druck im Schuhwerk; klinisch besonders relevant bei diabetischem Fußrisiko [1, 4, 5]

Psyche – Nervensystem (F00-F99; G00-G99)

  • Psychosoziale Belastung (seelisch-soziale Belastung) – einschließlich Schamgefühl, vermindertem Selbstwertgefühl, Stigmatisierung (soziale Abwertung) und sozialem Rückzug; die Lebensqualität kann insbesondere bei Fingernagelbefall, multiplen betroffenen Nägeln und sichtbarer Nageldystrophie (Nagelwachstumsstörung) relevant beeinträchtigt sein [2, 3]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Funktionelle Einschränkung der Alltagsaktivitäten – durch Schmerzen, Druckgefühl, eingeschränkte Gehfähigkeit, Schuhkonflikt und verminderte manuelle Geschicklichkeit bei Fingernagelbefall [2, 3]
  • Schmerzen/Druckschmerz – insbesondere bei ausgeprägter subungualer Hyperkeratose, Onycholyse (Nagelablösung), verdickter Nagelplatte oder zusätzlicher periungualer Entzündung [2, 3, LL1]

Prognosefaktoren

  • Höheres Risiko für Komplikationen
    • Diabetes mellitus, periphere Neuropathie, periphere arterielle Verschlusskrankheit, Lymphödem, Immunsuppression, höheres Lebensalter, begleitende Tinea pedis und eingeschränkte Fußpflegefähigkeit [1, 4, 5, LL1]
  • Ungünstige Therapie- und Rezidivfaktoren
    • Ausgedehnter Nagelbefall, Befall der Nagelmatrix (Nagelwachstumszone), starke subunguale Hyperkeratose, Dermatophytom (Pilzknäuel im Nagel), Mehrnagelbefall, Zehennagelbefall, lange Erkrankungsdauer, inadäquate Therapiedauer (unzureichende Behandlungsdauer), fehlende Behandlung einer begleitenden Tinea pedis und erneute Exposition (Aussetzung) gegenüber Pilzreservoiren (Pilzquellen) [LL1]
  • Günstige Prognosefaktoren
    • Frühe mykologische Diagnosesicherung (Pilznachweis), begrenzter distolateraler Befall (Befall vom freien und seitlichen Nagelrand), fehlende Matrixbeteiligung (Beteiligung der Nagelwachstumszone), konsequente Lokaltherapie (örtliche Behandlung) bei mildem Befall, kombinierte topische/systemische Therapie (äußerliche/innerliche Behandlung) bei moderatem bis schwerem Befall und gleichzeitige Sanierung (Beseitigung) von Reinfektionsquellen [LL1]

Literatur

  1. Watjer RM, Heckmans KML, Eekhof JAH, Gummi L, Quint KD, Numans ME et al.: Association between onychomycosis and ulcerative complications in patients with diabetes: a longitudinal cohort study in Dutch general practice. BMJ Open. 2024;14:e076441. https://doi.org/10.1136/bmjopen-2023-076441
  2. Stewart CR, Algu L, Kamran R, Leveille CF, Abid K, Rae C et al.: Effect of onychomycosis and treatment on patient-reported quality-of-life outcomes: A systematic review. J Am Acad Dermatol. 2021;85(5):1227-1239. https://doi.org/10.1016/j.jaad.2020.05.143
  3. Gupta AK, Mays RR. The impact of onychomycosis on quality of life: a systematic review of the available literature. Skin Appendage Disord. 2018;4(4):208-216. https://doi.org/10.1159/000485632
  4. Gupta AK, Shemer A, Economopoulos V, Talukder M. Diabetic Foot and Fungal Infections: Etiology and Management from a Dermatologic Perspective. J Fungi (Basel). 2024;10(8):577. https://doi.org/10.3390/jof10080577
  5. Gupta AK, Liddy A, Magal L, Shemer A, Cooper EA, Saunte DML et al.: Onychomycosis in Diabetics: A Common Infection with Potentially Serious Complications. Life (Basel). 2025;15(8):1285. https://doi.org/10.3390/life15081285

Leitlinien

  1. LL1: Nenoff P, Reinel D, Mayser P, Abeck D, Bezold G, Biedermann T, et al. S1 Guideline onychomycosis. J Dtsch Dermatol Ges. 2023;21(6):678-692. https://doi.org/10.1111/ddg.14988