Kehlkopfentzündung (Laryngitis) – Folgeerkrankungen

Akute Laryngitis (akute Kehlkopfentzündung)

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen (Folgeprobleme), die durch eine akute Laryngitis mitbedingt sein können:

Atmungssystem (J00-J99)

  • Akute Atemwegsobstruktion (Verlegung der Atemwege) – insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern durch entzündliches Larynxödem (Kehlkopfschwellung) beziehungsweise subglottisches Ödem (Schwellung unterhalb der Stimmlippen) im Rahmen einer akuten Laryngitis/Laryngotracheitis (Kehlkopf-Luftröhren-Entzündung); klinisch mit inspiratorischem Stridor (pfeifendes Atemgeräusch beim Einatmen), Dyspnoe (Atemnot) und Einziehungen [1-4]
  • Akute respiratorische Insuffizienz (Atemschwäche) – selten, vor allem bei schwerer Laryngotracheobronchitis (Kehlkopf-Luftröhren-Bronchien-Entzündung), bakterieller Tracheitis (Luftröhrenentzündung) oder ausgeprägter oberer Atemwegsobstruktion [2-4]
  • Bakterielle Tracheitis beziehungsweise bakterielle Laryngotracheobronchitis – seltene, potenziell lebensbedrohliche bakterielle Superinfektion (zusätzliche bakterielle Infektion) nach viraler Infektion der oberen Atemwege; möglich sind mukopurulente Beläge (schleimig-eitrige Beläge), rasche Atemwegsverlegung und intensivmedizinischer Behandlungsbedarf [4]
  • Bronchopneumonie (herdförmige Lungenentzündung) – seltene Komplikation bei schwerer bakterieller Tracheitis beziehungsweise schwerer bakterieller Laryngotracheobronchitis [4]
  • Laryngotracheitis beziehungsweise Laryngotracheobronchitis – Ausbreitung der akuten Entzündung auf Trachea (Luftröhre) und Bronchien (Atemwege), insbesondere im Kindesalter und bei viralen Infektionen der oberen Atemwege [2, 3]
  • Postinflammatorische subglottische Stenose (entzündungsbedingte Verengung unterhalb der Stimmlippen) – selten, vor allem nach schwerer bakterieller Tracheitis, prolongierter Intubation (verlängerte Beatmungsschlauch-Einlage) oder ausgeprägter postinflammatorischer Fibrose (entzündungsbedingte Vernarbung) [4]

Infektiöse und parasitäre Krankheiten (A00-B99)

  • Sepsis (Blutvergiftung) beziehungsweise septischer Schock (schwere Kreislaufreaktion bei Blutvergiftung) – sehr selten; möglich bei schwerer bakterieller Tracheitis/Laryngotracheobronchitis, verzögerter Diagnose, Immunsuppression (Abwehrschwäche) oder schwerer Grunderkrankung [4]
  • Toxisches Schocksyndrom (schwere Giftstoffreaktion mit Kreislaufversagen) – sehr seltene systemische Komplikation bei bakterieller Tracheitis [4]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Aphonie (Stimmlosigkeit) – bei ausgeprägter akuter Stimmlippenentzündung (Entzündung der Stimmbänder) oder funktioneller Schon-/Fehlstimmgebung [1, LL1]
  • Dyspnoe – bei laryngealem Ödem, subglottischer Beteiligung oder Laryngotracheitis, insbesondere im Kindesalter [2-4]
  • Heiserkeit/Dysphonie (Stimmstörung) – Leitsymptom der akuten Laryngitis; persistierende Beschwerden über 4 Wochen oder Red Flags (Warnzeichen) erfordern eine Laryngoskopie (Kehlkopfspiegelung) [1, LL1]
  • Stridor – Warnzeichen einer relevanten oberen Atemwegsobstruktion, insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern [2-4]

Chronische Laryngitis (chronische Kehlkopfentzündung)

Im Folgenden die wichtigsten Erkrankungen bzw. Komplikationen, die durch eine chronische Laryngitis mitbedingt sein können:

Atmungssystem (J00-J99)

  • Chronischer Husten beziehungsweise chronischer Reizhusten – bei persistierender laryngealer Schleimhautreizung (anhaltende Kehlkopfschleimhautreizung), laryngopharyngealem Reflux (Rückfluss bis in den Kehlkopf-Rachen-Bereich) oder laryngealer Hypersensibilität (Kehlkopf-Überempfindlichkeit) [1, 6, LL1]
  • Persistierende Dysphonie beziehungsweise Aphonie – durch chronische Stimmlippenentzündung, Schleimhautverdickung, phonotraumatische Fehlbelastung (stimmschädigende Fehlbelastung) oder laryngeale Funktionsstörung (Funktionsstörung des Kehlkopfs) [1, 6, LL1]
  • Reinke-Ödem (Flüssigkeitseinlagerung der Stimmlippen) – bei chronischer laryngealer Irritation (Kehlkopfreizung), vor allem bei Tabakexposition (Tabakbelastung) und langfristiger Stimmbelastung; klinisch mit tiefer, rauer Stimme und persistierender Dysphonie [7, LL1]
  • Stimmlippenläsionen (Schädigungen der Stimmlippen) – insbesondere phonotraumatisch mitbedingt durch kompensatorische Stimmüberlastung bei chronischer Dysphonie; möglich sind Stimmlippenknötchen (Knötchen an den Stimmlippen), Stimmlippenpolypen (gutartige Schleimhautwucherungen der Stimmlippen) oder kontaktassoziierte Schleimhautveränderungen [1, LL1]

Neubildungen – Tumorerkrankungen (C00-D48)

  • Laryngeale Leukoplakie (weiße Schleimhautveränderung des Kehlkopfs) – chronische weiße Schleimhautveränderung der Stimmlippen; histologisch (feingeweblich) möglich sind Hyperkeratose (verstärkte Verhornung), Dysplasie (Zellveränderung) oder frühe maligne Veränderung (bösartige Veränderung) [8, 9, LL1]
  • Laryngeale Dysplasie beziehungsweise Präkanzerose (Krebsvorstufe) – relevante Folgekonstellation bei chronischer hyperplastischer/keratotischer Laryngitis (verdickender/verhornender Kehlkopfentzündung), Leukoplakie oder persistierender irritativer Schleimhautschädigung [8, 9, LL1]
  • Larynxkarzinom (Kehlkopfkrebs) – relevantes Langzeitrisiko bei laryngealer Dysplasie, insbesondere höhergradiger Dysplasie, sowie bei fortbestehenden Risikofaktoren (Einflussfaktoren für ein erhöhtes Erkrankungsrisiko) wie Tabak- und Alkoholexposition [9, LL1]

Symptome und abnorme klinische und Laborbefunde, die anderenorts nicht klassifiziert sind (R00-R99)

  • Aphonie – bei ausgeprägter chronischer Stimmlippenentzündung, Stimmlippenläsionen oder funktioneller Fehlstimmgebung [1, LL1]
  • Chronischer Reizhusten – bei laryngealer Hypersensibilität, laryngopharyngealem Reflux oder chronischer Schleimhautentzündung [1, 6]
  • Persistierende Heiserkeit/Dysphonie – bei Dauer über 4 Wochen oder Red Flags zwingend laryngoskopisch abklärungsbedürftig [LL1]

Prognosefaktoren

  • Alter – Säuglinge und Kleinkinder haben wegen enger subglottischer Atemwege ein höheres Risiko für klinisch relevante Atemwegsobstruktion bei akuter Laryngitis/Laryngotracheitis [2-4]
  • Schwere der akuten Atemwegsobstruktion – Stridor in Ruhe, zunehmende Dyspnoe, Einziehungen, Zyanose (Blaufärbung der Haut/Schleimhäute) oder Erschöpfung sprechen für ein erhöhtes Risiko akuter respiratorischer Dekompensation (Entgleisung der Atmung) [2-4]
  • Persistierende Dysphonie über 4 Wochen, Dysphagie (Schluckstörung), Odynophagie (Schmerzen beim Schlucken), Hämoptysen (Bluthusten), Gewichtsverlust, Halsmasse (Raumforderung am Hals), Tabak-/Alkoholexposition oder frühere Kopf-Hals-Tumorerkrankung (Krebserkrankung im Kopf-Hals-Bereich) – Red Flags für eine frühzeitige laryngoskopische Abklärung [LL1]
  • Rauchen, Alkoholkonsum, berufliche inhalative Noxen (eingeatmete Schadstoffe), Stimmüberlastung und laryngopharyngealer Reflux – begünstigen chronische Laryngitis und persistierende Schleimhautveränderungen [1, 6, LL1]
  • Höhergradige laryngeale Dysplasie – wichtigster morphologischer (die Gewebeform betreffender) Prognosefaktor für maligne Transformation (bösartige Umwandlung) [9]

Literatur

  1. Wood JM, Athanasiadis T, Allen J. Laryngitis. BMJ. 2014;349:g5827. https://doi.org/10.1136/bmj.g5827
  2. Bjornson CL, Johnson DW. Croup. Lancet. 2008;371(9609):329-339. https://doi.org/10.1016/S0140-6736(08)60170-1
  3. Bjornson CL, Johnson DW. Croup in children. CMAJ. 2013;185(15):1317-1323. https://doi.org/10.1503/cmaj.121645
  4. Al-Mutairi B, Kirk V. Bacterial tracheitis in children: Approach to diagnosis and treatment. Paediatr Child Health. 2004;9(1):25-30. https://doi.org/10.1093/pch/9.1.25
  5. Aregbesola A, Tam CM, Kothari A, Le ML, Ragheb M, Klassen TP. Glucocorticoids for croup in children. Cochrane Database Syst Rev. 2023;1(1):CD001955. https://doi.org/10.1002/14651858.CD001955.pub5
  6. Jetté M. Toward an Understanding of the Pathophysiology of Chronic Laryngitis. Perspect ASHA Spec Interest Groups. 2016;1(3):14-25. https://doi.org/10.1044/persp1.SIG3.14
  7. Dewan K, Chhetri DK, Hoffman H. Reinke's edema management and voice outcomes. Laryngoscope Investig Otolaryngol. 2022;7(4):1042-1050. https://doi.org/10.1002/lio2.840
  8. Park JC, Altman KW, Prasad VMN, Broadhurst M, Akst LM. Laryngeal Leukoplakia: State of the Art Review. Otolaryngol Head Neck Surg. 2021;164(6):1153-1159. https://doi.org/10.1177/0194599820965910
  9. Horton G, Philteos J, Lin RJ. Malignant Transformation of Dysplastic Vocal Fold Lesions: A Systematic Review and Meta-Analysis. JAMA Otolaryngol Head Neck Surg. 2024;150(7):556-563. https://doi.org/10.1001/jamaoto.2024.1008

Leitlinien

  1. Stachler RJ, Francis DO, Schwartz SR et al.: Clinical Practice Guideline: Hoarseness (Dysphonia) (Update). Otolaryngol Head Neck Surg. 2018;158(1_suppl):S1-S42. https://doi.org/10.1177/0194599817751030