Aktuelles zur Coronavirus-Infektion
Medikamentöse Therapie
Bipolare Störung (manisch-depressive Erkrankung)

Therapieziel

  • Besserung der Symptomatik

Therapieempfehlungen

Beachte: Vor Beginn der phasenspezifischen Psychopharmokatherapie sind Laborwerte/technische Untersuchungen obligat zu erheben: s. u. Labor- und Medizingerätediagnostik.

Therapeutische Maßnahmen nachfolgend:

  • Phasenspezifische Therapie – Akuttherapie:
    • bipolare Depression (s. u. Tabelle); zu beachten ist:
      • Therapie der ersten Wahl: Quetiapin (als Monotherapie)
      • Therapie mit Fluoxetin, Paroxetin oder Bupropion führt nicht zu einem erhöhten Risiko des Umschlagens in eine Manie oder gemischte Episode.
      • trizyklische Antidepressiva führen wahrscheinlich zu einem erhöhten Risiko des Umschlagens in eine Manie oder gemischte Episode → SSRI (Fluoxetin, Sertralin) sollten bevorzugt werden.
      • Weitere Hinweise: 
        • Bei leichter Ausprägung der Depression sollte nur in Ausnahmefällen eine depressionsspezifische Pharmakotherapie eingeleitet werden.
        • Parallel beginn mit Phasenprophylaxe bzw. Optimierung einer bereits bestehenden Phasenprophylaxe hinsichtlich Dosis oder Serumspiegel.
    • Manie/Hypomanie (s. u.Tabelle); zu beachten ist:
      • Für 10 Medikamente wird eine B Empfehlung ausgesprochen (s. u.Tabelle)
      • Stimmungsstabilisierer sollten in der Akuttherapie der Manie nicht kombiniert werden.
      • Benzodiazepine; Einsatz nur kurzfristig, d. h. 2-4 Wochen (wg. Gefahr der Abhängigkeit)!
  • Phasenprophylaxe (s. u. Tabelle); zu beachten ist:
    • Therapie der ersten Wahl: Lithium
    • bei unzureichender Wirksamkeit der Monotherapie kann eine Kombinationstherapie erfolgen.
    • Beachte: Die S3-Leitlinie: Unipolare Depression empfiehlt nach Nonresponse (3-4 Wochen) auf ein Antidepressivum eine Lithiumaugmentation, aber nicht den Wechsel des Antidepressivums.
  • Rapid Cyclin: Lamotrigin (Antiepileptika); Antidepressiva sollten vermieden werden.
  • Therapie der Suizidalität (Selbstmordgefährdung): Lithium; als Monotherapie empfohlen; eine ergänzende Therapie mit Benzodiazepinen kann für eine kurze Zeit erwogen werden.
  • Siehe auch unter "Weitere Therapie".

Beachte: Rote-Hand-Brief (AkdÄ Drug Safety Mail): Gegenanzeigen, Warnhinweise und Maßnahmen zur Vermeidung einer Valproat-Exposition während der Schwangerschaft [3]:

  • Bei Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter darf Valproat nur dann angewendet werden, wenn andere Behandlungen nicht wirksam sind oder nicht vertragen werden.
  • Valproat ist bei Frauen im gebärfähigen Alter kontraindiziert, es sei denn, das Schwangerschaftsverhütungsprogramm wird eingehalten.
  • Bei Epilepsie ist Valproat während der Schwangerschaft kontraindiziert, außer wenn keine geeigneten Alternativen zur Verfügung stehen.
  • Bei bipolaren Erkrankungen und zur Migräneprophylaxe ist Valproat während der Schwangerschaft kontraindiziert.

Wirkstoffe (Hauptindikation) – phasenspezifische Therapie der akuten Depression/bipolaren Depression

Wirkstoffgruppe Wirkstoffe Besonderheiten
Antiepileptika Carbamazepin Hohes Interaktionsrisiko, Sedierung → Off-Label-Use
Dosisanpassung bei Nieren-/Leberinsuffizienz
  Lamotrigin Cave: langsames Aufdosieren
Dosisanpassung bei Nieren-/Leberinsuffizienz
Atypische Neuroleptika Olanzapin Off-Label-Use
Dosisanpassung bei Nieren-/Leberinsuffizienz
  Quetiapin

Medikament der ersten Wahl

Sollte als Monotherapeutikum eingesetzt werden
Beachte: Risiko der Induktion einer manischen Episode („switch“)

Dosisanpassung bei Leberinsuffizienz

Wirkstoffe (Hauptindikation) – phasenspezifische Therapie der akuten Manie/Hypomanie

Wirkstoffgruppe Wirkstoffe Besonderheiten
  Lithium

Phasenprophylaktikum der ersten Wahl

Nur Lithium hat eine suizidpräventive Wirkung

Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz

In der Schwangerschaft akzeptabel; bei Stillen kontraindiziert

Antiepileptika Carbamazepin Hohes Interaktionsrisiko, Sedierung Off-Label-Use
Dosisanpassung bei Nieren-/Leberinsuffizienz
  Valproat*

"Zu erwagen, wenn Patient in Manie hierauf angesprochen hat"

Als Monotherapie empfohlen
Dosisanpassung bei Nieren-/Leberinsuffizienz

Rote-Hand-Brief (AkdÄ Drug Safety Mail | 38-2014): dosisabhängiges Risiko für Anomalien des Neugeborenen; hohes Risiko für schwerwiegende Entwicklungsstörungen (in bis zu 30-40 % der Fälle) und/oder angeborene Missbildungen (in ca. 10 % der Fälle).
Valproat sollte Mädchen, weiblichen Jugendlichen, Frauen im gebärfähigen Alter oder schwangeren Frauen nur verschrieben werden, wenn andere Arzneimittel nicht wirksam sind oder nicht vertragen werden.

Atypische Neuroleptika Aripiprazol Als Monotherapie empfohlen
Dosisanpassung bei schwerer Leberinsuffizienz
  Asenapin Vorsicht bei älteren Patienten und Patienten mit bekannter Herz-Kreislauf-Erkrankung (z. B. Herzinsuffizienz (Herzschwäche), Herzinfarkt oder Herzischämie (Minderdurchblutung des Herzens), Erregungsleitungsstörungen) 
  Olanzapin Als Monotherapie empfohlen
Akuttherapie: Kombi mit Valproat/Lithium empfohlen
Dosisanpassung bei Nieren-/Leberinsuffizienz
  Paliperidon Kann zur Monotherapie eingesetzt werden
Off-Label-Use (
Verwendung außerhalb der Indikationsgebiete oder der Personengruppe, für die die Medikamente von den Arzneimittelbehörden zugelassen sind)
  Quetiapin Als Monotherapie empfohlen
Kombi mit Valproat/Lithium mgl
Dosisanpassung bei Leberinsuffizienz
  Risperidon Als Monotherapie empfohlen
Kombi mit Valproat/Lithium empfohlen
Dosisanpassung bei Nieren-/Leberinsuffizienz
  Ziprasidon Als Monotherapie empfohlen
Dosisanpassung bei Leberinsuffizienz
Klassische Neuroleptika Haloperidol Als Monotherapie (Kurzzeit-/Notfalltherapie) empfohlen

Wirkstoffe (Hauptindikation) – Phasenprophylaxe

Wirkstoffgruppe Wirkstoffe Besonderheiten
  Lithium Antisuizidale Wirkung vermutet
Kann mit Valproat kombiniert werden
Dosisanpassung bei Niereninsuffizienz
Antiepileptika Valproat Dosisanpassung bei Nieren-/Leberinsuffizienz
  Carbamazepin Wenn Lithium nicht wirksam
Dosisanpassung bei Nieren-/Leberinsuffizienz
  Lamotrigin Anwenden, wenn in der Akutphase erhalten und gut vertragen
Dosisanpassung bei Nieren-/Leberinsuffizienz
Atypische Neuroleptika Olanzapin Dosisanpassung bei Nieren-/Leberinsuffizienz
  Quetiapin Kann zusätzlich zu Lithium oder Valproat eingesetzt werden
Dosisanpassung bei Leberinsuffizienz
  Aripiprazol Nur zur Prophylaxe manischer Episoden
Dosisanpassung bei schwerer Leberinsuffizienz
  Risperidon-Depot Off-Label-Use
Auch als Prophylaxe beim Rapid Cycling
Dosisanpassung bei Leber-/Niereninsuffizienz
  Ziprasidon In Kombination mit Lithium oder Valproat,
wenn Ziprasidon in manischer/gemischter Phase erfolgreich
Dosisanpassung bei Leberinsuffizienz

Literatur

  1. S3-Leitlinie: Unipolare Depression - Nationale VersorgungsLeitlinie. (AWMF-Registernummer: nvl-005), November 2015 Kurzfassung Langfassung
  2. Findling RL et al.: Lithium in the Acute Treatment of Bipolar I Disorder: A Double-Blind, Placebo-Controlled Study. doi: 10.1542/peds.2015-0743
  3. Rote-Hand-Brief zu Valproat: AkdÄ Drug Safety Mail | 64-2018

Leitlinien

  1. S3-Leitlinie: Unipolare Depression – Nationale VersorgungsLeitlinie. (AWMF-Registernummer: nvl-005), November 2015 Kurzfassung Langfassung
  2. S3-Leitlinie: Diagnostik und Therapie Bipolarer Störungen. (AWMF-Registernummer: 038-019), März 2019 Langfassung
     
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